Golden Globe® für den Dude
76. Golden Globe® Awards
Letzte Nacht wurden in Los Angeles zum 76. Mal die Golden Globes® verliehen. Andy Samberg und Sandra Oh führten durch die dreistündige Show, die jedoch in Deutschland nicht via sky ausgestrahlt wurde. Stattdessen gab es eine unnütze Infotafel zu sehen, die hin und wieder kurzzeitig Bilder von TNT Serie zuschalteten. Offenbar gab es technische Probleme bei der Live-Übertragung, wie TNT Serie via Facebook mitteilt. Zur Schadensbegrenzung zeigte der Sender am Montagabend die Show in voller Länge. Außerdem stellte der Sender die komplette Verleihung auf YouTube ein, was sicher nicht billig sein wird.
Es war eine recht unterhaltsame Show, die zwar vom Inhalt her zäh wirkt, jedoch von dem ungewöhnlichen Moderatorenteam aufgelockert wurde. Auch sorgten die Präsentierenden für den einen oder anderen Schmunzler. Gleich zu Beginn wurde Jim Carrey gebeten, sich in die weiter entfernte TV-Sektion zu begeben, da er mit seiner HBO-Serie Kidding nominiert war, er aber in der Filmsektion säße. Kenner waren zunächst überrascht, da Isla Fisher neben ihm saß, die jedoch, wie man später gesehen hat, mit ihrem Mann Sacha Baron Cohen dort saß. Dass dieser jedoch auch mit seiner Serie Who is America? nominiert war, schien dann irgendwie nicht mehr ins Gewicht zu fallen.
Es gab ein paar Überraschungen wie auch erfüllte Erwartungen. Zu letzteren zählen der Preis für die Serie The Americans, die nach ihrem Abschluss als beste Dramaserie nominiert wurde und gewann. Hauptdarsteller Keri Russell und Matthew Rhys gingen nach 2017 erneut leer aus, durften dann aber zusammen mit Schöpfer Joe Weisberg mit auf die Bühne - ebenfalls mit dabei Serientochter Holly Taylor.
Ebenfalls zu erwarten war der Preis für das beste Lied für „Shallow“ von Lady Gaga aus A Star is born sowie die 3 Preise für Green Book, der Ende des Monats auch in Deutschland in die Kinos kommt. Hauptdarsteller Mahershala Ali hatte 2017 einen Oscar® für seine Nebenrolle in Moonlight bekommen. Erstaunlich ist dagegen die Tatsache, dass ausgerechnet „Dumm“-Bruder Bobby Farrelly für das unterhaltsame Drama verantwortlich zeichnet und dafür gleich noch die Preise für das beste Drehbuch und den besten Film in der Kategorie Musical oder Komödie einheimsen konnte.
Ähnlich wie im vorigen Jahr bei James Francos The Disaster Artist der von ihm porträtierte Tommy Wiseau kam diesmal der Sohn des verstorbenen Tony Lip auf die Bühne. Nick Vallelonga ist der Sohn des von Viggo Mortensen gespielten Tony Vallelonga, der 1962 das schwarze schwule Musikgenie Don Shirley durch die Südstaaten auf dessen Tournee chauffiert hatte, woraus eine Freundschaft entstand, die bis in den Tod währte.
»Sorry if we took so long, we are seated in the kitchen.« - Nick Vallelonga
Moonlight-Regisseur Barry Jenkins ist in dieser Filmpreis-Saison ebenfalls wieder mit am Start - mit dem Drama If Beale Street could talk, der hierzulande auf Beale Street gekürzt wurde, in dem eine junge schwarze, schwangere Frau um ihren Verlobten kämpft, der unschuldig hinter Gittern sitzt. Der Film wurde dreimal nominiert. Gewinnen konnte allein Nebendarstellerin Regina King als die Mutter der jungen Frau. Ihr und Bobby Farrelly gelang es auch, mit ihren jeweiligen späten Äußerungen über Gleichberechtigung von Frauen und Farbigen die „Rausschmeißmusik“ zum Erstummen zu bringen!
Auch der dritte Golden Globe® für Glenn Close war abzusehen, denn ihre Darstellung der Frau des Nobelpreisträgers war dermaßen eindringlich, dass sie eigentlich nur noch gewinnen konnte. Die Schauspielerin feiert in diesem September ihr 45. Jubiläum und apellierte an alle Frauen: »Folgt euren Träumen! Das sollte uns gestattet sein.« Auch Rami Maleks Darstellung der Pop-Ikone Freddy Mercury war der HFPA einen Preis wert. Bohemian Rhapsody erhielt auch den Preis für den besten Film, was jedoch bei der Oscarverleihung schwieriger sein wird, da es dort nur eine Kategorie für den besten Film gibt... Überhaupt sind Bohemian Rhapsody als bestes Drama und Green Book als beste Komödie oder Musikfilm ein wenig falsch platziert, denn bei bei beiden Filmen geht es um schwule Musiker, die Dramatisches durchgemacht haben.
Herausstechend, trotz erwarteter Preisvergabe, gewann Rachel Brosnahan erneut den Preis für ihre Rolle der Marvelous Mrs. Maisel, denn die Schauspielerin bestach mit einem knallgelben Kleid und sorgte für mehr Farbe in der Show. Catherine Zeta-Jones erschien in einem prächtig dunklen Grün und Gewinnerin Patricia Clarkson, die für ihre Nebenrolle in der Serie Sharp Objects den Globe entgegen nahm, brachte knalliges Hellrot auf die Linsen. Auch Moderatorin Sandra Oh eröffnete die Show in Rot. Megan Mullally erschien in prachtvollem Dunkelblau, während Allison Janney Tükis als Farbe für ihr schulterfreies Kleid ausgewählt hatte. Doch bei ihrem Auftritt war das Kleid nur zweitrangig, denn sie präsentierte zusammen mit Sam Rockwell, der ihr gerade mal bis zur Schulter reichte!
Überraschend waren die Preise für Richard Madden (Bodyguard) und Globe-Moderatorin Sandra Oh (Killing Eve), die sich auf Japanisch bei ihren Eltern bedankte, die im Saal anwesend waren, wie auch der zweifache Gewinner Roma - ein Netflix-Drama von Alfonso Cuarón, der sich mit einer Mischung aus gebrochenem Englisch und Spanisch für seine Preise als bester Regisseur und besten fremdsprachigen Film bedankte. Die Stimmung auflockernd war auch Christian Bale, der für seine Porträtierung von Dick Cheney in Vice - Der zweite Mann ausgezeichnet wurde. Da seine Rolle eine ausgiebige Maske beanspruchte und er kaum darunter zu erkennen ist, teilte er seinen Preis mit seinen Maskenbildnern, die für einen Großteil seiner Darstellung verantwortlich zeichneten.
»Thank you, Satan, for my inspiration.« - Christian Bale
Zudem überraschte die noch unbekannte Netflix-Komödienserie The Kominsky Method aus der Feder von Chuck Lorre, die einen Preis als beste Komödienserie entgegennehmen durfte, ebenso wie Hauptdarsteller Michael Douglas, der sich in seiner Dankesrede zudem bei seinem 102-jährigen Vater Kirk bedankte.
Als Golden-Globe-Botschafterin stellte Idris Elba seine Tochter Isan vor. Andy Samberg und Sandra Oh ließen sich für den Pausenfüller im Mittelteil etwas Besonderes einfallen: Grippeschutzimpfung statt Pizza oder Snacks! Nicht alle Anwesenden waren dem zugänglich, auch wenn von der Bühne aus versichert wurde, es wären alles ausgewiesene Ärzte und Schwestern, die die Spritzen verabreichten.
Steve Carell, der irreführend mit Jack-Nicholson-Filmtiteln angekündigt wurde, präsentierte zudem einen neuen Preis - den Carol-Burnett-Preis für herausragende Leistungen für die Fernsehindustrie. Ähnlich wie Cecil B. DeMille damals der erste Preisträger seines Preises war, wurde auch hier Carol Burnett als Erste mit ihrem Preis ausgezeichnet. Die Komikerin kann auf eine lange Karriere zurückblicken und fand nach dem emotionellen Rückblick auch noch die richtigen Worte für einen Witz...
»I am really gobsmacked about this. Does it mean I get this award every year? Here is to reruns on YouTube!« - Carol Burnett
Chris Pine überreichte den zweiten besonderen Preis des Abends, den Cecil-B.-DeMille-Award, an Jeff Bridges, den die meisten nur als The Dude aus The Big Lebowski kennen, der aber Zeit seines Lebens vor der Kamera stand - sogar als Baby! Das ist aber auch kein Wunder, denn sein Vater war Lloyd Bridges, dessen Manschettenknöpfe er an diesem Abend trug. Der bescheidene Schauspieler bedankte sich bei seinen Geschwistern Beau und Cindy und natürlich seiner Frau Susan, die er 1975 am Set von Rancho Deluxe kennengelernt hatte.
Seit 1951, wo der 4 Monate alte Jeff mit seinem Bruder und seiner Mutter einen Auftritt in dem Film The Company she keeps hatte, spielte er in über 70 Filmen - von Peter Bogdanovichs Die letzte Vorstellung (1971) über King Kong (1976), Tron (1982), Starman (1984), Die fabelhaften Baker Boys (1989), König der Fischer (1991), Fearless (1993), The Big Lebowski (1998), Seabiscuit (2003), Crazy Heart (2009), True Grit (2010), Hüter der Erinnerung - The Giver (2014), Hell or High Water (2016) bis hin zu Kingsman: The Golden Circle, No Way out - Gegen die Flammen und zuletzt Bad Times at the El Royale.
Und natürlich durften auch in dieser Show stehende Ovationen nicht fehlen. Neben der Rede von Glenn Close gab es auch beim Auftritt des 93-jährigen Entertainers Dick van Dyke stehenden Beifall, als dieser an der Seite von Emily Blunt, mit der er in Mary Poppins' Rückkehr zu sehen ist, einen Preis präsentierte. Seine knapp halb so alte Begleiterin musste übrigens ihre große, reflektierende Lesebrille für den Teleprompter aufsetzen, was eigentlich einen Kommentar von Waldorf und Stetler wert gewesen wäre. Und überhaupt wirkt die Veranstaltungshalle derart eng, dass man sich an das Muppet-Show-Theater erinnert fühlt.
Für diese Kommentare waren aber die Moderatoren zuständig, die besonders in der Eröffnungsrede ordentlich austeilten. So wurden sie, ihrer Meinung nach, als Moderatoren ausgewählt, um einerseits der fehlenden Vielfalt Hollywoods entgegenzuwirken, aber auch andererseits, weil sie zu dem kleinen Personenkreis gehören, der noch nie beleidigende Aussagen gemacht hat. Wir werden dann auch sehen, wer, wie Andy Samberg es erwähnt hat, von den im Saal des Beverly Hilton Hotel Anwesenden am 24. Februar die Oscar®-Verleihung moderieren wird. Kevin Hart hatte vorige Woche noch einmal einen Haken an den Schlussstrich gemacht, nicht zu moderieren. ■ mz
13. Januar 2019

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