Dienstag, 23. Oktober 2018
Brad's Status
Brad Sloan steckt in einer Krise.
© Amazon Studios LLC und Kimmel Distribution LLC/Jonathan Wenk
Eigentlich hat Brad alles, um glücklich zu sein - eine liebende Ehefrau, eine erfüllende Arbeit und einen talentierten Sohn. Trotzdem beschleicht ihn ständig das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben – im Gegensatz zu seinen früheren Studienfreunden, deren erfolgreiche Karrieren er neidisch aus der Ferne verfolgt.
Als er mit seinem Sohn mögliche Colleges an der Ostküste besichtigt, ist eine Begegnung mit einem alten Freund unvermeidlich. Craig ist inzwischen ein gefeierter Buchautor, wodurch Brad sein Mittelklassestatus umso schmerzhafter bewusst wird - bis er bemerkt, dass es einen Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem glücklichen Leben gibt.
»Some people have empires! What do I have?«
Während seiner Karriere als Autor, Regisseur, Produzent und Darsteller, die sich mittlerweile über 20 Jahre erstreckt, hat Mike White mit seiner überraschenden und sehr persönlichen Anschauungsweise eine einzigartige Nische als Filmemacher besetzt. In seinen erfolgreichen Drehbüchern, unter anderem für School of Rock, Nacho Libre und The good Girl sowie der Satire Beatriz at Dinner, und bei seiner bislang einzigen Arbeit als Filmregisseur für Year of the Dog (2007) und die gefeierte HBO-Serie Enlightened – Erleuchtung mit Hindernissen kreierte er Geschichten über ganz normale Menschen, deren Leben eine unerwartete Wendung nimmt. Sein neuester Film ist das einfühlsame, ungeschönte Portrait eines Mannes, der denkt, dass er alles haben will – wenn er nur herausfinden könnte, was „alles“ ist.
Die Zielgruppe des Films ist vermutlich jene, die Mike White hier auch porträtiert - Männer mittleren Alters aus der oberen Mittelschicht, die sich in einer inneren Krise befinden, die ihre gesteckten Ziele und Erwartungen vom Leben mit dem Erreichten vergleichen. Wer sich nicht die Frage stellt, was er materiell erreicht hat und sich deprimiert neidisch den Status der gleichaltrigen Freunde ansieht, sollte sich lieber das Eintrittsgeld sparen.
Gleich zu Beginn des Films liegt Brad im Bett und kann nicht schlafen, weil er eben darüber grübelt. Dabei sieht man als Zuschauer bereits, was er wirklich erreicht hat, was auch nicht Jeder schafft - eine Familie zu haben, die ihn liebt und die er liebt. Geld und finanzieller Erfolg sind da zweitrangig. Und bis Brad dies klar wird, vergeht eine anderthalb Stunde voll von Ben Stiller, der eine Flappe zieht, von der man Reißaus nehmen möchte, schrammiges Gefiedel, das vermutlich die innere Zermürbtheit verdeutlichen soll, das aber bereits nach ein paar Minuten total nervt und leider bis zum Ende durchhält.
Ben Stiller und Mike White kennen sich seit vielen Jahren. Tatsächlich hatte Ben Stiller einen Cameo-Auftritt in der Komödie Nix wie raus aus Orange County aus dem Jahr 2002, die Mike White geschrieben und produziert hatte. »Ich war schon immer ein Fan von Ben«, sagt der Filmemacher. »Ich wollte wirklich schon seit langer Zeit mit ihm arbeiten, aber es hat nie geklappt – bis jetzt. Ben ist eine Art komödiantischer Jedermann. Er ist ein starker, präziser Komödiendarsteller, der diesen urbanen Ehrgeiz personifiziert, den wir uns für Brad zunutze machen wollten.«
Im Zweifel glücklich, der im Original übrigens dem Inhalt gemäß Brad's Status heißt, ist eher ein Drama, das ab und zu komödiantische Züge streift, wenn Brad von einem Fettnäpfchen ins nächste patscht, während man sich fragt: Warum macht der das? Brad will sich und seinem Sohn beweisen, dass er doch was auf Tasche hat, und versagt dann doch wieder grandios. Er muss sich letztlich anstrengen, sich zurückzuhalten, um nicht die Zukunft seines Sohns zu ruinieren.
Immerhin besticht der Film durchweg mit schönen Herbstbildern (deshalb Kinostart im Frühling?) und ruhiger Kameraführung, sowie einer knuffigen Jenna Fischer, die die treue Ehefrau und Mutter mit einer ungebändigten Geduld spielt. Man hat auch die ganze Zeit über Mitleid mit Troy, der seinen deprimierten Vater und dessen Eskapaden ertragen muss - eine nicht ganz leichte Rolle für Austin Abrams, den man vielleicht aus Margos Spuren oder Gangster Squad kennt, und der am Ende nach Antonín Dvořáks „Humoresque“ eine Bonusszene als Straßenmusiker mit Gitarre bekommen hat. ■ mz
27. März 2018

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Im Zweifel glücklich
Orange County



Kinostarts 29. März

Gefühlt Mitte Zwanzig
Gangster Squad
Topjob - Showdown im Supermarkt



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