Samstag, 22. September 2018
Score - Interview mit Matt Schrader
Matt Schrader
Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Film gekommen?
Die Arbeit daran begann schon vor Jahren. Als Cineast wusste ich die Filmmusik schon immer zu schätzen, und im Zeitalter endloser Pressefeatures für Hollywood-Produktionen wünschte ich mir einen Dokumentarfilm darüber, wie die Filmkomponisten ihre Soundtracks schreiben. Nach ein paar Jahren Wartezeit, und nachdem ich meinem guten Freund Trevor das Projekt gepitcht hatte, gab ich meinen Job bei CBS auf, um mich an Score zu versuchen.
Was war bei der Umsetzung das größte Problem?
Die Terminabsprachen haben uns beim Dreh große Kopfschmerzen bereitet. Die meisten Leute ahnen ja nicht, dass die prominenten Filmkomponisten extrem gefragt sind. Das bedeutet, dass sie oft monatelang völlig ausgebucht sind. Ständig müssen sie zu Brainstormings. Sie komponieren, orchestrieren, machen Aufnahmen, arbeiten an der Mischung. Auf einen unserer Lieblingskomponisten mussten wir mehr als ein Jahr warten: Bear McCreary arbeitete nämlich an sechs TV-Serien und, wie sich erst später herausstellte, auch an 10 Cloverfield Lane.
Wie haben die Komponisten Ihre Bitte um Interviews aufgenommen?
Die meisten Hollywood-Komponisten sind es gewohnt, mit den Medien und mit Interviewanfragen umzugehen, auch wenn das bei ihnen nicht so häufig vorkommt wie bei Rockstars oder Filmstars. Aber es gibt eine Gruppe von Journalisten-Insidern, die eng zusammenarbeiten und über die Trends in der Filmmusik berichten. Das heißt: Jeder kennt jeden. Zu diesem Zirkel mussten wir von vornherein Zugang bekommen. Anfangs mutmaßten die Leute, dass wir ein YouTube-Video oder ein Lehrvideo drehen wollten. Doch als unsere Fangemeinde in den Sozialen Medien wuchs, kursierten auch die entsprechenden Informationen über uns. Es war sehr aufregend, James Cameron zu interviewen, denn er gestand uns, dass er sehr gespannt auf unseren Film ist.
Wer war Ihnen bei den Begegnungen am sympathischsten?
Hans Zimmer wollte unbedingt mitwirken. Im Zuge mehrerer Treffen sprachen wir mit ihm über die Ausrichtung unseres Films und über unsere Wunschkandidaten für die Interviews. Er bot an, den Kontakt zu Thomas Newman herzustellen, der zu seinen zeitgenössischen Lieblingskomponisten zählt. Wir hatten bereits versucht, Newman zu erreichen, aber im Endeffekt hat es dann leider nicht geklappt. Dass wir Hans Zimmer und sein Team in seinem Studio in Santa Monica kennen lernen durften, das war wirklich eine überwältigende Erfahrung.
Gab es beim Dreh Probleme oder lief alles wie geplant?
Fast alles, was wir uns in unserem ursprünglichen Konzept vorgenommen hatten, mussten wir früher oder später revidieren. Wir haben Leute mit verschiedenen Interessen und Begabungen interviewt und merkten schnell, dass hier etwas wirklich Einzigartiges entstand. Zu unseren liebsten Aufnahmen zählt die mit Heitor Pereira bei einer Einspiel-Sitzung. Er zeigt dem Orchester, wie man per Hand „dreckig“ spielt, um einen anderen Sound zu kreieren. Es ist erstaunlich, wie Orchesterinstrumente für Soundeffekte benutzt werden können – manchmal auch umgekehrt.
Haben Sie jemals gefürchtet, den Film nicht beenden zu können?
Einige im Team hatten diese Befürchtung – aber ich habe mir nie solche Sorgen gemacht. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war mir klar, dass wir genug Material für einen mitreißenden Dokumentarfilm hatten, und in dem Moment konzentrierte ich mich eher darauf, die Sequenzen zu verbessern, die noch nicht ausgereift waren. Für das Team war es schwierig, den Überblick zu behalten, weil wir hunderte von Stunden Material gesammelt hatten. Aber am Ende waren wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir hoffen, dass der Film den Zuschauern ebenso viel Spaß macht wie uns das Drehen und Schneiden. ■ mz | Quelle: NFP
4. Januar 2018

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Score - Eine Geschichte der Filmmusik



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