Donnerstag, 16. August 2018
Die versunkene Stadt Z
The lost City of Z
© StudioCanal

Major Percy Fawcett, der vergeblich versucht, in der Gesellschaft aufzusteigen, wird von der Royal Geographical Society auf eine Expedition zur Landvermessung nach Bolivien entsandt. Trotz der vielen Strapazen in dem lebensfeindlichen Dschungel ist er von Forscherdrang gepackt und lässt sich kurz darauf auf eine weitere Expedition zum Regenwald des Amazonas ein, obwohl die jahrelange Abwesenheit ihm und seiner Familie enorme Opfer abverlangt.

Dort stößt er auf Spuren von vergangenen Zivilisationen und ist überzeugt von der Existenz einer versunkenen Stadt, die er „Z“ nennt. Zurück in London will die Royal Geographical Society jedoch von dieser Idee nichts wissen. Getrieben von dem Drang, endlich seine mysteriöse Stadt zu finden, begibt sich Fawcett zusammen mit seinem Sohn auf eine letzte gefährliche und verhängnisvolle Reise zum Amazonas...

»The so called savages have cultivated the jungle!«

Die zwanzig Jahre umfassende Expeditionsgeschichte beginnt in Irland, wo der ausgezeichnete, englische Soldat bei der Wildschweinjagd seine das eigene Leben gefährdende Unerschrockenheit und sein Können als Reiter und Schütze unter Beweis stellt. Bei seinen Fähigkeiten wäre er längst befördert worden, doch weil sein Vater ein Trinker war, bekommt er nicht den ihm angestammten Platz in der Gesellschaft, den er nicht nur für seinen eigenen Ruhm will, sondern auch um Frau und Sohn versorgt zu sehen.

Dabei wird die von Sienna Miller gespielte Ehefrau (ein Rollentyp, auf den sie derzeit festgelegt ist) als starke Frau aufgebaut, die er als Frechdachs (im Original „cheeky“) bezeichnet, aber dennoch am Ende keine nennenswerte Entwicklung erfährt. Anders verhält es sich mit Percys treuem Weggefährten Henry Costin, der von einem ungewohnt sympathischen Robert Pattinson (ebenso ungewohnt mit Vollbart und Brille, dass man ihn anfangs erst gar nicht erkennt) gespielt wird. Auch der am Ende vom neuen Spider-Man Tom Holland gespielte Sohn Jack, der Costin letztlich als Begleiter ablöst, bekommt seine Chance, seinen Vater, den er nur alle paar Jahre mal gesehen hat, zu begleiten und kennenzulernen.

Es gibt auch einen Bösewicht in diesem verfilmten Reisetagebuch: Angus Macfadyen spielt den von der RGS mitgesandten James Murray, der die Entdeckungen bestätigen soll, dann aber völlig verweichlicht den Strapazen der Reise nicht gewachsen ist, Vorräte aufisst und schließlich verletzt zurückgelassen wird, um ihn auf dem Rückweg wieder mitzunehmen, und später bei der Rückkehr Fawcett & Co. beschuldigt, ihn ohne Hilfe sterbend im Dschungel ausgesetzt zu haben.

Der Film wird chronologisch erzählt und wirkt genauso wie das, was es ist - ein Reisetagebuch. Hier und da, wenn die Kartografen von den Einheimischen überfallen werden oder andere Gefahren im Dschungel warten, wird der Film auch etwas spannend. Doch die meiste Zeit schleppt sich der Film dahin, erzählt und erzählt und zeigt den Werdegang von Percy Fawcett, ohne umschwängliche Dramatik zu generieren. Wenn die Expedition auf dem Floß hungert, ist das eben so. Da flippt schon mal einer aus und wird Piranha-Futter, aber das war es dann auch schon. Es muss ja vorwärts gehen, denn es sind schließlich 20 Jahre abzudecken.

Und so schleppt sich der Film von Geschichtspunkt zu Geschichtspunkt, zwischendurch darf auch noch im I. Weltkrieg gekämpft werden, wo der Zuschauende mal kurz wach wird, doch die meiste Zeit dümpelt der Film vor sich hin. Dabei hätte so ein Abenteuer auch sehenswert sein können. Nicht einmal die Bilder sind sehenswert - viel zu grobkörnig, viel zu viele Nahaufnahmen, selten große leinwandfüllende Landschaftsaufnahmen, wenn dann meist nur daheim in England, und die Filmmusik hat man für solche Abenteuer schon weit imposanter bekommen. Das Ganze wirkt, als hätte Christoph Schlingensief (Gott hab ihn selig!) Indiana Jones verfilmt. Und gewiss ist das Buch an sich mitreißender als der Amazonas im Film. Er ist interessant, da kann man nichts gegen sagen. Auch Charlie Hunnam als jüngere Version von Brad Pitt, der ursprünglich für die Hauptrolle geplant war, dann aber zumindest den Film mitproduziert hat, schlägt sich souverän durchs Handlungsdickicht. Doch letztlich bleibt der Film eine Enttäuschung und Vergeudung von Lebenszeit und Filmmaterial. ■ mz

23. April 2017

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