Donnerstag, 13. Dezember 2018
Live by Night
Joe und Dion unterwegs
© Warner Brothers/Claire Folger

Die Warner-Brüder bringen mal wieder einen Gangsterfilm auf den Kinomarkt. Nach Ruben Fleischers Gangster Squad (2012), der sich auf ein Sachbuch beruft, adaptierte nun Ben Affleck den preisgekrönten Bestseller „In der Nacht“ von Dennis Lehane, der den Film mitproduzierte. Warum der deutsche Buchtitel hier nicht genommen wurde, sei dahingestellt. Nach dem bejubelten Drama Gone Baby gone – Kein Kinderspiel ist dies die zweite Zusammenarbeit der beiden Bostoner.

»I left as a soldier and came back as an outlaw.«

Joe Coughlin diente im I. Weltkrieg und hatte die Schnauze voll vom Gangstersein. Doch nach zehn Jahren als Gesetzloser unter dem Dach seines Vaters, des stellvertretenden Präsidenten der Bostoner Polizei, ist er keinen Deut besser als die Gangster geworden, von denen er sich so hartnäckig loszusagen versucht. Er techtelt sogar mit der Freundin des irischen Gangsters Albert White herum, die von Sienna Miller gespielt wird, was ihm gar nicht gut tut, als er in einen Hinterhalt gedrängt wird...

»Die Dinge, die Joe als Soldat beobachtet hatte, führten ihn zu dem Schluss, dass die Regeln, denen wir im Leben folgen, keine Bedeutung haben, sich an die Regeln zu halten«, erklärt Ben Affleck. »Er betrachtet sogar die organisierte hierarchische Beschaffenheit des Gangsterlebens im übertragenen Sinn der Hierarchie des Militärs gleichgestellt. Er will damit nichts zu tun haben, von niemandem Befehle annehmen. Er wird seine eigenen Regeln machen.«

Zusammen mit seinem Sandkastenkumpel Dion und dessen Bruder Paulo begehen die Drei Bagatelldiebstähle und kleine Raubüberfälle. Doch Joes kleine Romanze führt dazu, dass er für kurze Zeit hinter Gitter kommt. Danach ist seine Freundin weg und der italienische Gangsterboss Maso Pescatore stellt den rebellierenden Kleinkriminellen mit Rachegelüsten ein, um in Tampa, Florida, das Geschäft zu übernehmen, und um dem Konkurrenten, dem Iren Albert White, eins auszuwischen.

Zusammen mit Dion als sein Bodyguard machen sie sich auf den Weg und treffen dort auf den Polizeichef Figgis, der versucht, die Übersicht über seinen Distrikt zu behalten. »Figgis ist Polizeichef im Ort Ybor, einem Stadtbezirk von Tampa, damals bekannt für Zigarren und Flüsterkneipen«, sagt Chris Cooper, der bereits in The Town - Stadt ohne Gnade mit Ben Affleck gespielt hatte. »Er weiß, dass diese Jungs, Joe und Dion, von Boston herunter kommen, und dass sie einen Abschnitt Ybors übernehmen wollen, um dort Rum zu destillieren. Meine Figur trifft sich mit ihnen, um Gebiete und Rahmenbedingungen abzustecken, damit sie genau wissen, wo und wie sie ihren Geschäften nachgehen können, damit er dementsprechend ein Auge zudrücken kann.«

»This is heaven, right here. We're in it now.«

In Ybor trifft Joe gleich nach seiner Ankunft auf die bezaubernde Graciela, eine immigrierte Kubanerin, die dort mit ihrem Bruder ein Zigarrenimperium aufgebaut hat. »Joe hatte sein ganzes Leben lang mit barbarischen, gewalttätigen Kriminellen gearbeitet. Daher gefällt Joe die Integrität der Leute, Gracielas Leute«, sagt Zoë Saldaña. »Und Graciela ist völlig anders als alle Frauen, die er kannte. Sie ist gebildet, bereist und studierte Musik und Kunst. Sie ist sehr kultiviert und auch sehr gerissen, wenn es um die Familiengeschäfte geht.«

So etabliert sich Joe in Tampa als Größe und beginnt ein Leben mit Graciela, doch sobald seine Geschäfte Erfolge erzielen, holt ihn seine Vergangenheit ein, und er sieht sich plötzlich einem Dilemma gegenüber, aus dem er nur einen Ausweg sieht. Dabei fällt nicht nur Chief Figgis' Tochter Loretta zum Opfer, sondern wird auch das Alkoholverbot aufgehoben...

Ben Affleck hatte sich mit The Town und Argo als erfolgreicher Regisseur etabliert, doch trotz seiner Affinität zur damaligen Ära scheint Dennis Lehanes Stoff ein wenig zu überladen. Zu viele Figuren lassen den Film wie eine gespielte Doku wirken. Die Charakterzeichnungen bleiben oft oberflächlich zu Gunsten der Geschichte. Hier passiert was, da passiert was, Handlungen werden ausgeführt, doch man sucht vergeblich nach sympathischen Identifikationsfiguren.

Es gibt viele Szenen, die in einer langen Einstellung gedreht wurden, oftmals geniale Luftaufnahmen und Kamerafahrten, die zwar toll aussehen, aber nicht so recht zum Film passen. Man ist zunächst etwas ungläubig, aber es gibt tatsächlich Delfine in den Everglades! Der Film lebt vom Lokalkolorit, den Kostümen und Bauten. Oftmals, und besonders zum finalen Showdown, ist der Film recht brutal, was der grundsätzlichen Optik entgegenspricht, aber die Handlung unterstreicht.

Was bleibt ist ein zäher, überlanger Gangsterfilm mit hervorragenden Schauspielern, die jedoch selten ihr volles Potenzial entfalten können. Die Handlung wird zwar zuende gespielt, und auch Joe bekommt seinen sehnlichst gewünschten Schlussstrich, doch kann der Film nicht an Ben Afflecks Vorgängererfolge anknüpfen. Vielleicht hätte es dem Film auch gut getan, wenn Produzent Leonardo DiCaprio die Hauptrolle übernommen hätte... ■ mz

11. März 2017

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Live by Night
Gone Baby gone – Kein Kinderspiel
The Town - Stadt ohne Gnade



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