Sonntag, 22. Juli 2018
Passengers
Jim und Aurora auf der Krankenstation
© Sony Pictures

In dem Film aus der Feder von Jon Spaihts, der bereits für die Drehbücher zu Prometheus - Dunkle Zeichen und Doctor Strange verantwortlich zeichnet, geht es um das Raumschiff Avalon, das mit 258 Mitgliedern Schiffsbesatzung und 5000 Passagieren an Bord auf dem Weg zu einem weit entfernten erdähnlichen Planeten in einen Meteoritenschwarm gerät, der das Schiff beschädigt und die Schlafkammer von Jim Preston 90 Jahre zu früh öffnen lässt. Als dieser dahinter kommt, wie ihm geschehen ist, steht er vor schwerwiegenden Entscheidungen, die nicht nur sein Leben beeinflussen...

»Don't get homesick - get Homestead!«

»Es geht um Figuren, die sich außergewöhnlichen Situationen ausgesetzt sehen und exreme Entscheidungen treffen müssen. Und ich finde sowas immer wieder faszinierend. Was hätten Sie getan?«, fragt der norwegische Regisseur Morten Tyldum, der nach seinem Oscar® für seinen ersten englischsprachigen Film The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben nun ein Science-Fiction-Abenteuer auf die Leinwand meistert, das sich zumindest in der Optik mit Gravity vergleichen lässt.

Gleich zu Beginn des Films sehen wir das riesige Raumschiff, das mit Autopilot auf dem Weg zum vierten Planeten des Bakhti-Sternensystems ist und in einen Meteoritenschwarm gerät. Eigentlich sollten die Schutzschilde jegliche Hindernisse abwehren können, doch ein paar Gesteinsbrocken waren dann doch etwas zu groß, so dass das Schiff beschädigt wurde und die Systeme nach und nach versagen.

Als erster gravierender Fehler versagt die Schlafkapsel von Jim Preston, der, wie er nach dem Aufwachen herausfindet, 90 Jahre zuu früh aus dem Tiefschlaf erwacht ist. Das Gute an der Situation ist, dass Jim als Mechaniker der unteren Arbeiterschicht angehört. Wenn etwas kaputt geht, ist er da, um es zu reparieren. Das Schlechte daran ist aber auch, dass er eben dieser unteren Arbeiterschicht angehört. Er hat als Passagier schon keine Zutrittsrechte zu den schiffstechnischen Räumlichkeiten. Hinzu kommt, dass ihm der automatisierte Nahrungsmittelverteiler genau aus diesem Grund auch nur solch Standardessen herausgibt.

Ganz anders verhält es sich mit der New Yorker Autorin Aurora Lane, die den 120 Jahre dauernden Weg nach Homestead II auf sich genommen hat, weil sie darüber berichten will, denn sie hatte es sich vorgenommen, auch die Reise zurück zur Erde zu machen. Damit wäre sie die erste, die hin und wieder zurück gereist wäre. »Es ist eine gewaltig große Entscheidung«, sagt Jennifer Lawrence. »Es ist eine Reise, die 120 Jahre dauert. Wenn du dort ankommst, sind alle, die du kennst, bereits tot. Du musst ein brandneues Leben auf einem brandneuen Planeten anfangen, auf dem du noch nie zuvor gewesen bist. Ich kann es mir kaum vorstellen, allen, die ich kenne und liebe, Lebewohl zu sagen. Ich verstehe ihr Dürsten nach mehr, aber ich denke nicht, dass ich diese Art von endgültiger Entscheidung treffen könnte.«

Und da sie zur gehobenen Gesellschaftsschicht gehört, bekommt sie auch dank Goldstatus exquisitere Mahlzeiten serviert, worüber sich Jim natürlich freut, zumal er seit einem Jahr allein auf dem Schiff herumwuseln musste. Einzig der Androide Arthur, der hervorragend von Michael Sheen gespielt wird, steht Jim als beinloser Barkeeper zur Verfügung, der auf einem Gefährt hinter dem Tresen festmontiert ist. Ständig putzt dieser irgendein Glas und steht als Gesprächspartner zur Verfügung. Und als Aurora aufgeweckt wird, ist Jim tierisch froh, endlich ein menschliches Wesen zur Gesellschaft zu haben.

»Live a little!«

»Das Schiff ist wirklich luxuriös, fast wie ein Kreuzfahrtschiff«, sagt Chris Pratt. »Es gibt ein Aussichtsdeck, ein Kino und eine große Halle und unglaubliche Zimmer - nun zumindest für meine Filmfigur. Es sah alles so völlig anders aus. Alles war wunderschön und interessant. Es war mal eine völlig andere Filmatmosphäre.« Und dieses unglaubliche Filmset wirkt für den Zuschauenden auf der großen Leinwand genauso riesig - aber auch ein wenig gruselig, all die riesigen Räumlichkeiten für sich allein zu haben.

Produzent Ori Marmur erinnert sich: »Niemand, der bei dem Film mitgewirkt hat, hat jemals etwas Ähnliches als diese Sets gesehen. Einer kam und meinte: „Die Leute werden denken, euer Set ist computergeneriert. Sie werden euch nicht abkaufen, dass ihr das wirklich gebaut habt!“«

Ein wenig erinnert das Ganze auch an den Sternenkreuzer aus Wall•E, vor allem wegen der kleinen Reinigungsroboter, die Jim während seines Aufenthaltes warten muss. Später programmiert er auch einen davon um, um Aurora ein Einladungstelegramm zum Date zuzusenden. Aber auch der vergebliche Versuch, die Tür zur Schiffsbrücke mit Gewalt zu öffnen, erinnert an den Pixar-Kurzfilm mit dem Schneemann, der versucht, aus seiner Schneekugel zu fliehen. Das ist alles recht amüsant mit anzusehen, aber andererseits versteht man auch die Verzweiflung, auf dem riesigen Schiff allein zu sein, ohne etwas dagegen tun zu können. Da ist es völlig nachzuvollziehen, dass Jim und Aurora hin und wieder ordentlich einen draufmachen.

»There's a reason why you woke up early.«

Doch es versagen immer mehr Systeme an Bord. Lampen flackern, Fahrstühle und Türen spinnen, die Wartungsroboter irren umher. Eines der gravierendsten Probleme war, als die Gravitation plötzlich ausfällt und Jim (in der großen Halle) und Aurora (im Swimmingpoolraum) plötzlich den Halt verlieren. »Das war vermutlich das schwerste, was ich je zu drehen hatte«, erzählt Jennifer Lawrence, »so viel Zeit im Pool zu verbringen, wasser in der Nase, überall. Aber es war unglaublich. Als ich das computergenerierte Beispiel sah, wie es aussehen wird, war ich echt aufgeregt. Ich habe so etwas vorher noch nie in einem Film gesehen.«

Schließlich erwacht noch ein Dritter aus dem Tiefschlaf - der von Laurence Fishburne gespielte Gus Mancuso - endlich ein Mitglied der Schiffsbesatzung, der herausfinden kann, warum die Systeme versagen! »Er ist ein Weltraumer - ein Mann, der sich in jungen Jahren in die Sterne und die Vorstellung von interplaneterem Reisen verliebt hat«, erklärt Laurence Fishburne. »Glücklicherweise ist er ein Besatzungsleiter, daher hat er Zugriff auf gewisse Sachen, die für die Passagiere gesperrt sind. Und so hilft er ihnen, herauszufinden, was mit dem Schiff nicht stimmt.«

Als sie erkennen, wie schlimm es tatsächlich um das Raumschiff bestellt ist, nimmt der Film plötzlich an Fahrt auf. Um das Schiff und alle Menschen an Bord zu retten, müssen unsere Helden einen Crashkurs in Schiffstechnik meistern und unter der Anleitung des angeschlagenen Gus über ihren eigenen Schatten springen, um physisch und logistisch das Schiff zu reparieren. Dabei kommen beide an ihre körperlichen Grenzen und der Film zu seinem spannenden Höhepunkt.

Einige Kritiker bezeichnen den Film als „Titanic im Weltall“. Klar - der Eisberg sind Meteoriten, es gibt eine Liebesgeschichte, selbst die Szene auf dem Bug („I am the King of the World!“) wird hier mit elastischen Seilen nachgestellt. Aber Passengers ist viel mehr als das - er ist nicht ganz so kitschig, kommt mit bedeutend weniger Figuren aus und ist in allen Aspekten großartige Science Fiction. Chris Pratt und Jennifer Lawrence hauchen ihren Filmfiguren nicht nur Leben ein, auch sind deren Charaktere so ausgefeilt, dass man sich in sie hineinversetzen kann. Auch die Chemie der beiden stimmt - vor wie auch hinter der Kamera.

»Passengers ist ein Epos, dahingehend, dass es alles in einem Film unterbringt«, sagt Chris Pratt. »Es ist ein Abenteuer, eine Romanze, es ist ein Krimi, ist gruselig, aber auch gefühlsmäßig mitschwingend. Es gibt tolle Momente voller Humor und Spektakel.« Was das Ende angeht, sei nur soviel verraten, dass Andy Garcia plötzlich zu sehen ist, dessen Dialoge, sofern welche vorhanden waren, abhanden gekommen sind. Das wirkt ein wenig skurril, kann aber auch damit zu tun haben, dass spekulativerweise eine Fortsetzung geplant sein könnte bzw. man sich eine Schiffsluke diesbezüglich aufhalten wollte. Oder man hat die Szenen einfach nur gekürzt, weil der Film sonst nur unstimmig in die Länge gezogen werden würde. Passengers ist großartig und einer der wenigen (auch wirklich sehenswerten) SciFi-Filme der letzten Jahre. ■ mz

19. Januar 2017

Trailer



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