Dienstag, 17. Juli 2018

Andrzej Wajda


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† Andrzej Witold Wajda (1926-2016)


Der polnische Theater- und Filmregisseur Andrzej Wajda ist am Sonntag in Warschau gestorben. Der im nordospolnischen Suwałki geborene Regisseur hatte an der Filmschule in Łódź studiert, wo er unter anderem auch auf den sieben Jahre jüngeren Roman Polanski traf. In seinen Filmen thematisierte Wajda die wechselvolle Geschichte seines Heimatlandes, seine Werke Der Kanal und Asche und Diamant gelten als Meisterwerke des polnischen Kinos. Natürlich geriet der große alte Mann des polnischen Kinos, der am 6. März seinen 90. Geburtstag feiern konnte, damit auch ins Kreuzfeuer der nationalen Kräfte im Lande. Als es im Frühjahr um die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der polnischen Stadt Gdańsk an ihn ging, protestierten die Nationalkonservativen, die in der Hafenstadt in der Opposition sitzen. Es sei höchste Zeit, Wajda für sein Werk zu danken, plädierte hingegen Danzigs Bürgermeister Paweł Adamowicz.

Andrzej Wajda war kein Regisseur, der seine Protagonisten und Geschichten unter Politik und Moral begrub. Seine Filme besaßen fast immer eine große künstlerische Kraft. Wajda war ein poetischer Filmemacher, ebenso wie ein politischer. Er arbeitete mit Symbolen, Träumen, surrealen Einsprengseln. Zudem konnte er sich auf die große Kunst der polnischen Kameramänner stützen, von denen einige später Weltkarriere machten. Wajdas Filme waren immer großes Kino, oft schwarzweiß, später auch in Farbe.

Der Mitbegründer der polnischen Filmhochschule führte auch an internationalen Theaterbühnen Regie, unter anderem an der Berliner Schaubühne im damaligen West-Berlin. Für seine Filme wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig oder mit dem Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk. Im Jahr 2000 wurde Wajda für sein Lebenswerk mit einem Oscar® gewürdigt. Auch auf der Berlinale wurde der polnische Regisseur geehrt: 1996 erhielt er den Silbernen Bären für sein Lebenswerk, 2006 den Goldenen Ehrenbären und 2009 den Alfred-Bauer-Preis für seinen Film Der Kalmus.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick sagte, mit Wajda habe die Filmwelt »einen großen Künstler verloren, der noch im hohen Alter das Kino immer wieder erneuert hat. Als engagierter Filmemacher hat er sich mit der Geschichte seines Landes auseinandergesetzt und bis zuletzt Position bezogen. Andrzej Wajda hat das polnische Kino nachhaltig geprägt und das Weltkino bereichert.«

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte Wajda als »einen der ganz großen Filmkünstler. Wohl kaum jemand hat den polnischen Film so geprägt und den Freiheitswillen der polnischen Nation im Medium des Films so dargestellt, wie er.« Wajdas Tod sei für Polen und alle anderen ein großer Verlust, »aber wir werden uns immer an sein Schaffen erinnern, denn Wajda und Freiheit sind eine Einheit«. ■ mz

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