Sonntag, 24. März 2019

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Alles ist Liebe


Jan als Erzengel Gabriel und Kiki im Geschenkkostm kommen sich wieder nher.
Henning Ferber Filmproduktion/Universal Pictures/Anne Wilk

Weihnachten ist das Fest der Liebe - zumindest soll es so sein. Da die Filmlandschaft in diesem Dezember recht vielfltig ist, jedoch zu den Festtagen keine romantische Komdie von Auerhalb in Sicht ist, dachte sich Universal wohl: Bringen wir selbst eine Weihnachtskomdie auf den Markt! Leichter gesagt als getan.

Die Messlatte liebt liegt mit Tatschlich...Liebe! recht weit oben. Seitdem konnte kaum ein Ensemblefilm die Gefhle so hoch schweben lassen. Also nahm man sich Erfolgsregisseur Markus Goller (Friendship!, Frau Ella), die Crme de la Crme des deutschen Films (erstaunlicherweise keiner mit Schweig im Namen) und die clevere Idee, einen niederlndischen Kinoerfolg von 2007 passend frs Weihnachtsfest zu adaptieren.

Weihnachten steht vor der Tr, und alle haben rger mit der Liebe: Kiki sehnt sich nach dem Mann fr's Leben, und als er endlich vor ihr steht, kann sie ihn nicht leiden. Klaus wei nicht, ob er seinen Viktor heiraten soll, Kerem versucht seine Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten, Hannes will seine Clara zurck, die ihm die Affre mit der Grundschullehrerin aber einfach nicht verzeihen kann, und Martin sucht nach der Frau, die er einst verlassen hat.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Weihnachtsmann, einem verschwundenen Kaninchen, verzweifelte Kinder und der ganz normale Wahnsinn der Vorweihnachtszeit. ber all dem schnen Chaos schweben groe Fragen: Wir alle wollen Liebe, aber wie liebt man wirklich? Was passiert dann? Und ist dieses Weihnachten berhaupt noch zu retten?

Im Grunde drehten wir fnf Filme in einem, erzhlt Regisseur Markus Goller, der fnf Erzhlstrnge und ein Ensemble namhafter Schauspieler unter einen Hut bringen musste. Dass wir alle Schauspieler fr das Projekt gewinnen konnten, die wir uns vorgestellt hatten, erzhlt Produzent Henning Ferber, lag einerseits an dem schnen Buch, war rein praktisch aber nur mglich, weil wir im Februar und Mrz gedreht haben. In den Wintermonaten haben Schauspieler noch am ehesten freie Felder in ihren Terminkalendern. Die Drehsaison beginnt traditionell ab April. Es gab keine Luft nach hinten, alles musste genau nach Plan laufen.

Insgesamt 42 Tage standen dem Team zur Verfgung. Ein knappes Pensum, das viel Disziplin und logistisches Geschick erforderte. Und gute Wetterbedingungen. Da hatten wir wirklich Glck, strahlt Markus Goller noch im Rckblick, denn auer einem einzigen Regentag ganz am Schluss schien fast durchweg die Sonne. Natrlich wre so ein kuscheliges Winter-Wonderland mit Schnee fr einen Weihnachtsfilm auch in Ordnung gewesen. Aber mir war Sonne tausendmal lieber als Matsch.

Zumal Weihnachten, wie Henning Ferber ergnzt, hierzulande gar nicht mehr unbedingt mit Schnee assoziiert werde: Da geht es mehr um die Deko in den Schaufenstern und die Beleuchtung an den Bumen. Diesen ganzen Weihnachts-Klimbim wiederherzustellen, in jedem Motiv, in jedem Straenzug, war sehr aufwndig. Das war schon fast mit einem Historienfilm zu vergleichen.

Drehort fr die Auenmotive war Frankfurt. Dafr gab es mehrere Grnde: Man brauchte einen groen Fluss, da im Film die Ankunft eines Schiffes eine groe Rolle spielt. Dafr bot sich der Main an. Dann findet eine der Episoden zu groen Teilen auf einem Weihnachtsmarkt statt, wozu das Ambiente rund um den Rmer perfekt passte. Der traditionelle Weihnachtsmarkt dort wurde zu einem Viertel fr den Film wiederaufgebaut. Darber hinaus ist Frankfurt ein noch relativ unverbrauchter Ort fr einen Kinofilm.

Wie schon bei allen seinen vorherigen Filmen konnte Goller als Kameramann Ueli Steiger gewinnen. Der Schweizer hat u.a. die Kamera bei den Roland-Emmerich-Filmen Godzilla und The Day after tomorrow oder auch bei Austin Powers gemacht. Steiger kommt von der amerikanischen Gre her, was ich fr den Film wichtig fand, und ist trotz seiner vielen Hollywood-Referenzen kein Stck extrakandidelt, schwrmt Goller. Ihr gemeinsames Ziel ist es immer, so viel wie mglich in eine Einstellung reinzuhauen, damit eine Szene mglichst in einer Einstellung funktioniert.

Welche drei Schlagwrter beschreiben fr dich den Film am treffendsten?

Nora Tschirner: Melancholie, Wrme... Jetzt darf ich nur noch eins... Darf ich auch vier? Ich nehme die drei: Melancholie, Wrme und Witz. Und der Film sieht wunderschn aus. Das sind zwar mehr Wrter, aber er hat so eine... Magie! Ja, Magie gehrt noch dazu.

Wie wichtig ist dir Weihnachten?

Nora Tschirner: Sehr wichtig. Ich liebe Weihnachten. Ich versuche, schon relativ frh im Dezember mit meiner Arbeit fr das Jahr fertig zu sein, weil ich auch die Vorweihnachtszeit sehr geniee und dafr Zeit haben will. Letztes Jahr war ich auf bestimmt sieben Weihnachtsmrkten. Das ganze Tannengerche-Spekulatius-Glhwein-kalte-Wetter-Ding ist absolut meins. Auch das Fest selbst. Es hat sich fr mich wirklich etwas Mystisches aus der Kindheit erhalten. Ich finde Weihnachten immer noch irgendwie zauberhaft und ganz besonders.

Gab es bei dir zuhause an Weihnachten ein festes Ritual?

Tom Beck: Klar. Das gibt es immer noch, wenn ich bei meinen Eltern Weihnachten feiere. Mein Vater legt immer die gleiche Heino-Platte auf und dann kommt das Glckchen. Er lutet also und sagt dann, er hat gerade das Christkind noch gesehen, das sei aber in diesem Moment rausgeflogen und hat die Geschenke da gelassen. Danach machen wir Bescherung. Das ist der Klassiker bei uns. Den zelebrieren wir seit 30 Jahren, und ich bestehe auch darauf, weil ich es irgendwie lustig finde, wenn so das Glckchen ertnt und ich reinkomme und mein Vater sagt...

Es heit, dass Regisseur Markus Goller bei den emotionalen Szenen immer sehr mitging...

Heike Makatsch: Ja, das war sehr entzckend, wie er oft mit trnenverschmiertem Gesicht hinter seiner Ausspielung hervorkam. Ich hoffe, ich darf das hier ffentlich so sagen. Aber daran merkte man auch, wann ein Moment wahr war. Und ich glaube, dass eine romanische Komdie ganz dringend wahre Momente braucht, weil man sonst wirklich sagen kann: Liebe, Liebe, Liebe kennen wir alles. Wenn man diese Geschichten aber noch mal so erzhlt, dass sie eine Authentizitt und eine Wahrhaftigkeit haben, knnen sie immer wieder neu zum Leben erweckt werden. Und ich glaube, Markus ist jemand, der genau das aus den Szenen herauskitzeln kann.

Welche Kindheitserinnerungen hast du an Weihnachten?

Wotan Wilke Mhring: Dass es warm war, ja, hei, weil wir immer echte Kerzen hatten. Und rote Wangen verbinde ich mit Weihnachten, weil meine drei Geschwister und ich total berdreht waren. Diese besondere Stimmung von Weihnachten, diese glnzenden Augen will man natrlich nun auch als Vater herstellen. Und das geht, wenn man es selbst erlebt hat als Kind.

Warum sollte man sich deiner Meinung nach den Film ansehen?

Wotan Wilke Mhring: Weil sich, glaube ich, jeder in der Vielzahl dieser Strnge und den Mglichkeiten von Beziehungen, die gezeigt werden, wiederfinden kann. Ich finde es immer gut, wenn so ein Film Dinge in die Welt da drauen trgt, mit denen die Menschen was anfangen knnen. Dass sie sich wiedererkennen oder sogar neu orientieren knnen oder auch nur darber schmunzeln in der Erinnerung an ihre eigenen Moment. Und dafr hat der Film groes Potenzial.

Was war fr dich in dem Film die grte Herausforderung?

Fahri Yardim: In dem Chaos unserer Familie, die wir spielen, eine Natrlichkeit zu behalten. Das durfte kein Bauerntheater werden. Und dennoch konnte es einen mrchenhaften Anstrich bekommen, der die Liebe in diesem heillosen Durcheinander immer durchblitzen lsst. Eine verklrte Natrlichkeit zu erzhlen war das Ziel.

Wie hltst du es mit den Geschenken an Weihnachten?

Fahri Yardim: Ich brauche diese Konsumterrorscheie nicht. In der Vorweihnachtszeit meide ich die Innenstadt. Zu viele Gehirngewaschene torpedieren mein positives Menschenbild. Geschenke sammeln sich bei mir im Jahr an. Kleine Aufmerksamkeiten, das langt.

Wie schwer oder leicht fiel es dir, mit Friedrich Mcke zusammen ein schwules Prchen zu spielen?

Christian Ulmen: Ich musste mich in das Verliebtsein erst hineinfinden, aber das muss ich auch, wenn meine Figur eine Frau liebt. Wie fr Friedrich ist die Rolle ja entgegen meiner persnlichen sexuellen Ausrichtung. Ich wei nicht, wie es Friedrich ging. Meine Rollenvorbereitung funktioniert ber pure Einfhlung - ich habe keine Techniken, mit denen ich Momente herstelle. Da ich mir eine Beziehung mit einem Mann nicht vorstellen kann, war die Einfhlung durchaus ein Kraftakt, besonders, was die Krperlichkeit betrifft, letztlich hat sie aber gut funktioniert. Friedrich und ich haben es gut hingekriegt, finde ich.

Was bedeutet dir Weihnachten?

Christian Ulmen: Weihnachten ist halt nicht Ostern. Es ist ein grer angelegtes Fest. Man ist frei, muss nicht arbeiten, wird nicht behelligt von Leuten, die irgendwas wollen. Das geniee ich sehr. Weihnachten ist die einzige Zeit wo man wirklich unbesorgt um den Block fahren kann, weil nichts los ist. Weil alle weg sind und alle feiern. Und dann entsteht tatschlich so etwas wie Besinnlichkeit.

Wie bereitet man sich auf eine solche Rolle vor? Schaut man sich Brokeback Mountain an?

Friedrich Mcke: Das hatte ich tatschlich im Kopf, fand es aber dann doch ein bisschen albern. Deswegen dachte ich mir: Ich lasse das jetzt einfach mal auf mich zukommen. Und von der ersten Begegnung mit Christian Ulmen an hatte ich das Gefhl, dass das wunderbar funktioniert zwischen uns. Dass wir uns mgen und dass wir einen hnlichen Humor haben. Wenn man miteinander lachen kann, ist das schon eine Menge.

Welche persnlichen Kindheitserinnerungen hast du an Weihnachten?

Inez Bjrg David: Magie! Ich liebe Weihnachten auch heute noch und versuche auch fr meine Kinder, einen gewissen Zauber zu behalten. Mir hat dieses Wegtrumen und die Hoffnung (auch als groes Kind), dass es wirklich so etwas gibt wie Magie, immer sehr gut getan und meine Kreativitt beflgelt. Solange sich Weihnachten darum dreht und nicht um die Geschenke, ist alles gut.

Untersttzt du diese Magie, von der du sprichst, mit dem entsprechenden Weihnachtsschmuck?

Inez Bjrg David: Und wie! Ich schmcke immer viel und frh zum ersten Advent oder zum ersten Dezember, was auch immer frher kommt. Das finde ich immer ganz toll. Die ganzen Lichter in der Stadt knnten von mir aus das ganze Jahr bleiben, und ich freue mich, wenn es im September schon Lebkuchen im Supermarkt gibt. Menschen wie ich sind schuld, dass die Industrie uns so frh mit Weihnachtsangeboten vollpumpt, ich gebs zu!

Wie wichtig ist Ihnen Weihnachten persnlich?

Elmar Wepper: Fr mich und meine Familie, also auch fr meinen Bruder, war Weihnachten immer eine ganz zentrale Sache, von frher Kindheit an. Wir haben das fast ein bisschen gekultet und tun das heute noch. Seit vielen Jahren macht mein Bruder am ersten Weihnachtsfeiertag eine Gans fr die ganze Familie und das Jahr darauf bin ich dann dran. Weihnachten ist bei uns also ein Familienfest. Noch eine kleine Einschrnkung zum Weihnachtsmann: Ich komme ja aus Bayern und da gibt es das Christkind. Ich denke aber, der Weihnachtsmann und das Christkind werden sich schon verstehen... [lacht]

Warum sollte man sich Alles ist Liebe Ihrer Meinung nach anschauen?

Elmar Wepper: Der Film hat Tempo. Er ist lustig. Er ist witzig. Er ist charmant. Er hat viel Humor. Er ist melancholisch. Er ist traurig. Er ist spannend. Er ist aufregend. Er hat eigentlich alles. Und er dreht sich eben um das Thema, was unser Leben bestimmt: die Liebe.

Und so ist Alles ist Liebe ein Misch-Masch aus allem - sehr unterhaltsam, bietet allerdings auch nicht wirklich etwas Neues. Als Ensemble-Weihnachtsfilm ist er auf jeden Fall zu empfehlen - vielleicht sogar zusammen mit einem Weihnachtsmarktbesuch. Die Messlatte sprengt er nicht, aber das muss auch nicht sein. Hauptsache eist, man hat eine gute Zeit! ■ mz

3. Dezember 2014
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OT: Alles ist Liebe
Komdie
D 2014
120 min


mit

Nora Tschirner (Kiki)
Tom Beck (Jan Mller/Silber)
Heike Makatsch (Clara)
Wotan Wilke Mhring (Hannes)
Katharina Schttler (Simone)
Fahri Yardim (Kerem)
Friedrich Mcke (Klaus)
Christian Ulmen (Viktor)
Elmar Wepper (Martin)
Inez Bjrg David (Alice)
Bernd Herzsprung (Tom)
Anna Thalbach (Gisela)
Jannis Niewhner (Daniel)
Milton Welsh (Yurij)
John Keogh (Helmut)
Violetta Schurawlow (Bianca)
u.a.

drehbuch
Jane Ainscough
nach dem Originaldrehbuch zu Alles is liefde (2007) von Kim van Kooten

musik
Annette Focks

kamera
Ueli Steiger

regie
Markus Goller

produktion
Alles ist Liebe Filmproduktions
Henning Ferber Produktion
Universal Pictures International
Film1

verleih
Universal

Kinostart: 4. Dezember 2014