Freitag, 22. März 2019

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Lucy


Lucy sucht ein Signal.
Universal Pictures

Das menschliche Gehirn und seine Fhigkeiten haben seit jeher die renommiertesten Wissenschaftler nicht nur fasziniert, sondern auch auf die Probe gestellt. Zwar gilt es mittlerweile als gesichert, dass wir alle die Mglichkeiten unseres Verstandes nicht voll ausschpfen. Doch die Meinungen darber, wie viel Prozent wir tatschlich nutzen, gehen auseinander und verndern sich auch immer wieder.

Diesen spannenden Gedanken nahm Regisseur und Drehbuchautor Luc Besson als Ausgangspunkt fr die Geschichte seines neuen Films. Er stellte sich vor, wie es wre, wenn wir tatschlich unsere mentalen Fhigkeiten voll nutzen knnten. Wie wrde das unser Verstndnis des Lebens verndern oder unsere Rolle darin, fragte er sich: Wrden wir mehr Kontrolle ber uns selbst und andere haben?

hnlich wie Bradley Cooper in Limitless bekommt Lucy hier ihre Fhigkeiten durch eine Droge verabreicht. Whrend jedoch Limitless eher als Thriller bezeichnet wird, haut Luc Besson bei Lucy noch ordentlich Action drauf. Im Gegensatz zu Coopers Filmheld hat Scarlett Johanssons Lucy keine Zeit, sich an ihren neuen Zustand irgendwie zu gewhnen. Ihr Motto hier heit: berleben und so sinnvoll wie mglich ihre letzten 24 Stunden nutzen...

Lucy wird von ihrem Freund zu einer bergabe eines Koffers an den lokalen Drogenboss von Taipeh gedrngt. Doch die bergabe im Hotel funktioniert alles andere als reibungslos: Ihr Freund wird vor ihren Augen vor dem Hotel erschossen und sie von einem halben Dutzend schwer bewaffneter, bulliger Handlanger zu deren Boss nach oben eskortiert.

Bis zum sogenannten Flashpoint, von dem an es fr Lucy kein Zurck mehr gibt, entschied sich Besson fr schnelle Schnitte zwischen der Handlung und den Erluterungen des Wissenschaftlers Norman ber die Nutzung des menschlichen Gehirns und was man erwarten knne, wenn sich die prozentuale Nutzung dessen erhhen wrde, ergo was den Zuschauer in den kommenden 80 Minuten erwarten wrde.

Parallel dazu schnitt er auch noch Observierungen aus dem Tierreich, wenn z.B. eine Gazelle von Lwen belauert wird und schlielich ber sie herfallen, so wie Lucy von Mr. Jangs Mnnern ergriffen wird. Das ist aus erster Sicht ein wenig ungewhnlich, weil man solche treffenden Vergleiche normalerweise hchstens unterbewusst wahrnimmt. Fr den Zuschauer wirkt das zunchst ein wenig befremdlich, vor allem, weil die Schnitte so unvermittelt daherkommen, aber auch belustigend. Allerdings verschwinden diese optischen Analogien, sobald Lucys Schicksal besiegelt ist, dass man sich fragt, ob das berhaupt ntig gewesen wre.

Drogenboss Jang, der das blutige Ruder fest in der Hand hat, entscheidet sich schlielich, nach anfnglichen Kommunikationsschwierigkeiten durch die Sprachbarriere zwischen ihm und Lucy, das etwas einfltige Frulein als unfreiwilligen Drogenkurier einzusetzen - die Droge: synthetisch hergestelltes CPH4, das normalerweise von Frauen in der sechsten Schwangerschaftswoche in winzigen Mengen erzeugt wird, um den Ftus bei der komplexen Zellbildung von Knochen zu untersttzen. Jangs Chemikern ist es jedoch gelungen, diese Droge knstlich herzustellen, um durch das Einnehmen geringer Mengen die Nutzkapazitt des menschlichen Gehirns zu erhhen, natrlich mit Abhngigkeitsfaktor, denn wer will schon auf die erhhte Nutzung seiner Hirnaktivitten wieder verzichten? (siehe Limitless)

Natrlich kommt Eines zum Anderen und die in ihren Unterleib operierte Tte platzt, wodurch Lucy einer hoch potenzierten Menge der Droge ausgesetzt wird und fortan bis zum Filmende bis zu einer unglaublichen 100%igen Nutzung ihres Gehirns gelangt - immer wieder durch Hineinschneiden der aktuellen Prozentzahl ins Bild kommentiert. Was folgt ist unglaubliche und rasante Action, wie man sie von einem Besson-Film erwarten kann, gepaart mit intelligenten, kompromisslosen, aber auch zum Teil vllig fantastischen Handlungseinwrfen.

Luc Besson fand zwar auf Anhieb, dass das Konzept der erweiterten Hirnkapazitten erstklassiges Material fr einen Actionthriller sei. Doch es ging ihm auch darum, dass die Geschichte von Lucy zumindest teilweise auf wissenschaftlichen Tatsachen basiert: Nachdem ich mich mit einigen Wissenschaftlern getroffen hatte, war ich erstaunt, was sie mir alles erzhlten - ber Krebs, ber Zellen und etwa die Tatsache, dass wir aus Milliarden von Zellen bestehen, die untereinander kommunizieren. Anscheinend sendet jede Zelle ungefhr 1000 Signale pro Sekunde. Das Internet ist nichts dagegen! Angesichts solcher Informationen brauchte ich ein paar Jahre, um die richtige Balance zwischen Realitt und Fiktion zu finden.

Zu den Wissenschaftlern, die Besson whrend seiner Arbeit am Konzept des Films kontaktierte, gehrte auch der weltweit angesehene Neurologe Yves Agid, der zu den Grndern des Gehirn- und Wirbelsulen-Instituts (ICM) am Krankenhaus Piti-Salptrire in Paris gehrt, unter dessen Grndungsmitgliedern auch der Regisseur selbst ist. An sein Gesprch mit Besson ber die Kombination von Fakt und Fiktion erinnert sich Agid noch gut: Als Luc mir das Drehbuch zeigte, fand ich es wirklich auergewhnlich. Allerdings musste ich hier und da seine Kreativitt mit einigen Fakten in die Schranken weisen. Letztlich war das allerdings ein Kinderspiel, denn er begreift solche Dinge unglaublich schnell.

Whrend der Neurologe Besson dabei half, auf dem schmalen Grat zwischen theoretischer Realitt und Phantasie zu balancieren, merkte er bald, dass die Kreativitt eines Filmemachers den Fhigkeiten, die man als Wissenschaftler braucht, gar nicht so unhnlich ist. Mir gefllt an diesem Film ausgesprochen gut, wie viele reale Erkenntnisse und Wahrheiten darin stecken, berichtet Agid.

So geht es in Lucy zum Beispiel um die Anzahl der Zellen in unseren Gehirnen oder um die Zahl der Signale, die eine Zelle pro Sekunde sendet. In dem er sich solche Zahlen zunutze macht, verleiht Luc dem gesamten Film eine faszinierende Dynamik. Natrlich nimmt sich die Geschichte immer mehr Freiheiten heraus, je weiter sich Lucy in ihrem Verlauf entwickelt. Aber damit habe ich kein Problem. Wenn man den Film sieht, glaubt man ihm. Er packt einen gerade deswegen, weil er eben, bis zu einem gewissen Grad, in der Realitt verankert ist.

Mit starken, einzigartigen Frauenfiguren wie den Titelfiguren in Nikita, Angel-A, Adle und das Geheimnis des Pharaos, Mathilda in Lon Der Profi, Leeloo in Das 5. Element oder Cataleya in Colombiana hat Besson in der Vergangenheit einige der spannendsten Actionheldinnen der modernen Kinogeschichte geschaffen. Mit Scarlett Johansson als Lucy fhrt er nicht nur seine Linie fort, sondern lsst seine Protagonistin am Ende auch noch mit ihrer Namensvetterin aus der Steinzeit im DaVinci-Stil kommunizieren (berhrende Zeigefinger).

Lucy ist ein ganz normales Mdchen, das mit ihren Freunden Spa in Asien hat und jede Menge Partys feiert, beschreibt Produzentin Virginie Besson-Silla die Filmheldin. Sie lernt das Leben in all seinen Facetten kennen. Allerdings auf die harte Tour und letztlich in wesentlich mehr Facetten, als sie sich das vorgestellt hatte.

Der Film stellt einige sehr komplexe existenzialistische Fragen, meint Scarlett Johansson. Es ist verdammt schwer, ihn sich losgelst von Lucs Vision vorzustellen. Alles, was ich bezglich des Looks des Films nach dem Lesen der Beschreibungen im Drehbuch im Kopf hatte, verblasst im Vergleich zu dem, was Luc tatschlich aus dem Projekt gemacht hat.

Allen an der Produktion Beteiligten war klar, dass Lucy eine ausgesprochen anspruchsvolle Rolle war. Mit einer klaren Vorstellung von seiner Protagonistin im Kopf konnte Luc Besson eine Methode entwickeln, die es seiner Hauptdarstellerin leicht machte, in die Figur zu finden: Wir entwarfen eine Art Schaubild, das Scarlett sich an die Wand hing. Das half ihr dabei zu verstehen, was ich von ihr erwartete, je nachdem ob sie Lucy nun gerade mit 25, 50 oder 70% ihrer mentalen Fhigkeiten spielen musste.

In 10%-Schritten lie sich an dieser Grafik ablesen, welche Fhigkeiten und welches Wissen Lucy jeweils erreicht hatte. Das war ein ziemlich praktisches Hilfsmittel, denn jeden Morgen konnte Scarlett einen Blick darauf werfen und wusste, welche Frau sie spielen musste. Die Lucy am Beginn des Films und die am Ende haben ja nur sehr wenig gemein. berhaupt war Scarlett am Set immer ganz auergewhnlich. Worum auch immer man sie bittet, sie ist zu allem bereit. Es gibt nichts, was sie nicht wenigstens versucht.

Fr die Schauspielerin selbst war es die grte Herausforderung, trotz der gravierenden psychologischen und krperlichen Vernderungen Lucy als jemanden darzustellen, zu dem das Publikum sofort einen Bezug hat. Wenn die Droge ihre Wirkung entfaltet, verliert Lucy nach und nach ihre Fhigkeit zu Mitgefhl oder Schmerzempfinden, erklrt Johansson. Obwohl sie tief in die Erinnerungen ihres Gegenbers eindringen und ihn letztlich kontrollieren kann, hat sie selbst gar keine Meinung. Sie verliert alle ihre vorgefassten Meinungen und Urteile ber die andere Person. Daher war es wichtig, zu verhindern, dass meine Performance flach und monoton wird. Ich musste sicherstellen, dass man auch unter diesen Umstnden ihre Menschlichkeit noch erkennt.

So lsst es sich auch vielleicht erklren, warum Lucy zu Beginn ihrer Heimzahlung Jang am Leben lsst - ein Umstand, der ihr spter zum Verhngnis wird und den Zuschauer zunchst kopfschttelnd zurcklsst und vermuten lsst, dass ohne diesen knftigen Konflikt der Film samt seiner Action nicht funktioniert htte. Als sie spter mit mehr Prozenten im Gehirn immer emotionsloser wird, ttet sie schon mal einen Patienten whrend einer OP, nachdem sie auf den Rntgenbildern dessen erkannte, dass dieser eh nicht berleben wrde, nur um die rzte zu drngen, ihre restlichen Drogen herauszuoperieren.

Mit ihrer fortschreitenden Intelligenz und Nutzung ihrer krperlich-geistigen Fhigkeiten kommt sie allerdings auch in ein emotionales Dilemma. Ihre letzten menschlichen Zge nutzt sie, um mit ihrem vergangenen Leben abzuschlieen: Sie nimmt telefonisch Abschied von ihrer Mutter, nachdem sie sich an Dinge erinnert, an die sich der Durchsnittsmensch normalerweise nicht erinnert, wie z.B. den Geschmack der Muttermilch. Auch ihre Mitbewohnerin verabschiedet sie mit einer Umarmung, bei der sie feststellt, dass diese bald sterben wrde - also schnell mal chinesisch gelernt und ihr ein Rezept in die Hand gedrckt.

Als ihre Fhigkeiten sich immer weiter entwickeln und sie zu verstehen versucht, was mit ihr passiert, wendet sich Lucy an Professor Samuel Norman, einen Experten fr das menschliche Gehirn. Schlielich gelingt es ihr pltzlich nicht nur, innerhalb einer Stunde Chinesisch zu lernen, sondern auch Raum und Zeit zu kontrollieren.

Weil Morgan Freeman ein ziemlicher Wissenschaftsnarr ist (Through the Wormhole) und sich besonders fr die Fhigkeiten des Verstandes interessiert, war er fr die Rolle die perfekte Wahl. Morgan Freeman ist der ultimative Professor, aus zweierlei Grnden, findet Besson. Zum Einen ist er fasziniert von der Theorie, die wir im Film entwickeln. Und er ist mit ihr sehr vertraut, was ich gar nicht wusste, bevor ich ihn wegen der Rolle traf. Es hat unglaublichen Spa gemacht, mit ihm darber zu sprechen. Und zweitens ist er einfach ein derart guter Schauspieler, dass man ihm alles glaubt was er sagt.

Auch Besson-Silla war begeistert als Freeman mit an Bord kam: Morgan ist einer der wenigen Menschen, die sogar Gott spielen knnen. Als Stimme der Weisheit und Vernunft war er fr unseren Film deswegen die perfekte Wahl. Kaum weniger erfreut zeigt sich Freeman selbst, der keinen Hehl daraus macht, dass er auf seine Figur groe Stcke hlt: Professor Norman schreibt und forscht seit Jahren zum Gehirn. Er gibt Vorlesungen auf der ganzen Welt und ist seit einigen Jahren an der Sorbonne in Paris. Weil er auf seinem Gebiet eine Koryphe ist, sucht Lucy ihn auf, um herauszufinden, was mit ihrem Gehirn passiert.

Als Lucys krperliche wie mentale Fhigkeiten sich pltzlich steigern, wird sie fr die Verbrecher, denen sie diese Entwicklung berhaupt zu verdanken hat, zur kostbaren Beute. Nicht zuletzt fr den rtlichen Gangsterboss Mr. Jang, den der sdkoreanische Schauspieler Min-sik Choi verkrpert. Mr. Jang ist der beste Bsewicht in einem meiner Filme seit Gary Oldmans Rolle in Lon Der Profi, findet der Regisseur und Drehbuchautor. So wie Lucy die ultimative Intelligenz verkrpert, steht Mr. Jang fr das ultimative Bse.

Obwohl der sdkoreanische Schauspieler, der vor allem fr seine Rolle in dem gefeierten Film Oldboy bekannt ist, weder Englisch noch Franzsisch sprach, war Besson davon berzeugt, dass er die Idealbesetzung war. Es war lustig, denn unser Kommunikationssystem war unsere Krpersprache, lacht der Regisseur. Ich spielte ihm die Szene vor und er zeigte mir dann, was er daraus machen wrde. Anfangs kommunizierten wir wirklich fast wie Affen miteinander. Dennoch kann Besson gar nicht genug von seinem Darsteller schwrmen: Choi fasziniert mich. Er ist einer der groartigsten Schauspieler, die ich je getroffen habe und einfach ein liebenswerter, reizender Kerl.

Min-sik Choi war zunchst erstaunt, als er hrte, dass Besson sich mit ihm treffen wollte. Doch natrlich war dies ein Angebot, dass er einfach nicht ablehnen konnte. Als junger Schauspieler habe ich Lucs Filme gesehen, erinnert sich der Koreaner. Sie waren fr mich immer eine groe Inspiration. Dass ich nach all den Jahren als Schauspieler endlich diesen groen Regisseur treffen konnte, hat mich sehr gefreut. Und letztlich war es vor allem meine Neugier, die mich zusagen lie. Ich wollte wissen, wie er am Set arbeitet, wie er und seine Leute so ticken und wie die Locations so sind.

Obwohl sie im Film von Mr. Jang und seinen Mnnern gefoltert wird, schwrmt Scarlett Johansson in hchsten Tnen von ihrem Leinwandpartner: Es war einfach wundervoll mit Choi zu arbeiten. Wir sprachen zwar nicht die gleiche Sprache, aber wir konnten auch ohne Worte gut miteinander kommunizieren. Selbst in den sehr brutalen und gewaltttigen Szenen war seine Prsenz so enigmatisch, dass wir uns auf fast spirituelle Weise miteinander verstndigten. Er hat sich immer wahnsinnig gefreut am Set zu sein und war unglaublich liebevoll und warm. Auerdem habe ich ihm wahnsinnig gerne zugesehen, weil er enorm ausdrucksstark ist. Man knnte Mr. Jang problemlos als lediglich bse sehen, aber Choi fllt diese Figur wirklich aus und macht aus ihr eine dreidimensionale Person.

Auf der Flucht vor den Gangstern kontaktiert Lucy Pierre del Rio, einen franzsischen Polizisten, dem sie auf die Spur von Schmugglern verhilft, die durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen kommen wollen. Del Rio, gespielt vom gyptischen Schauspieler Amr Waked, ist zunchst irritiert, als die junge Frau ihn anruft und gibt nicht viel auf ihre Geschichte.

Er denkt, dass es sich um einen Scherzanruf handelt, sagt Waked, den das internationale Publikum unter anderem aus Stephen Gaghans Syriana kennt. Doch irgendwann schliet er sich ihr an und findet heraus, dass sie besondere Fhigkeiten hat, ohne dass er wsste woher. Er staunt einfach nur darber, was sie alles kann und kommt ihr nach und nach nher.

Fr Besson steht del Rio fr die Naivitt, denn fr jemanden wie ihm, der ein vollkommen normales Leben fhrt, erscheint Lucy wie eine Auerirdische. Er ist wie Voltaires Candide, meint Besson. Er begreift, dass Lucys Krfte so gro sind, dass er ohnehin nichts ausrichten kann. Somit ist del Rio letztlich der Stellvertreter des Publikums, denn im Grunde ist er wie du und ich.

Produzentin Besson-Silla sieht den Polizisten auch als einen Gegenentwurf zu Mr. Jang: Fr Lucy ist del Rio eine Erinnerung an ihre Menschlichkeit, denn er steht fr Gte und Freundlichkeit. Er ist derjenige, der bis zum Schluss nicht von ihrer Seite weicht und sie (zumindest auf seine Weise) beschtzt. Sie hat durch die Droge all ihre Emotionen verloren, doch wenn sie mit del Rio zusammen ist, scheint ein Restfunke davon doch brig zu sein.

Als Luc Besson vor 10 Jahren eine erste Version des Drehbuchs zu Lucy schrieb, nahm er sich vor, die Handlung in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh anzusiedeln. Anlsslich der Promotion-Tour zu Das 5. Element war er 1994 zum ersten Mal in der Stadt gewesen und hatte sich in die Menschen dort und die Atmosphre der Stadt verliebt. Als es schlielich darum ging, geeignete Drehorte fr diesen Actionthriller zu finden, zogen er und sein Team aus finanziellen und logistischen Grnden zunchst einige andere asiatische Stdte in Erwgung, doch Besson berichtet: Lustigerweise haben wir am Ende nicht nur doch in Taipeh gedreht, sondern sogar in exakt dem gleichen Hotel gewohnt, wo ich schon vor 20 Jahren abgestiegen waren. Ich fand einfach nichts Besseres als genau das, was ich all die Jahre im Kopf gehabt hatte.

Der Regisseur genoss die Drehbedingungen in Taiwan und empfiehlt allen seinen Kollegen, es ihm nachzutun. Die Menschen in Taipeh sind die freundlichsten, die ich je getroffen habe, schwrmt Besson. Die offiziellen Stellen sind absolut vertrauenswrdig und den Filmcrews gegenber wirklich hilfsbereit. Im Umkreis von 100 Meilen finden sich von Hochhausschluchten ber Strnde und Wlder bis hin zu Bergen die unterschiedlichen Locations. Und obendrein sind die Dumplings dort die besten auf der ganzen Welt!

Auch fr Scarlett Johansson war Lucy das erste Mal, dass sie in Taipeh drehte. Ich habe es genossen, die Stadt zu erkunden, erinnert sie sich. Man fhlte sich dort so willkommen. Und die Tatsache, dass wir alle so mde, vom Jetlag geplagt und an einem uns fremden Ort waren, passte gut zur Orientierungslosigkeit meiner Figur, in der sie sich befindet, bevor die Droge ihre Wirkung entfaltet.

Nachdem Lucy aus Taiwan geflohen ist, landet sie in Paris, wo einige der nervenaufreibendsten Actionszenen des Films gedreht wurden. Zu den wichtigsten Locations in der franzsischen Hauptstadt gehren die berhmte Rue de Rivoli gleich neben dem Louvre und dem Jardin des Tuileries, die weltbekannte Sorbonne-Universitt, das Militrkrankenhaus Val-de-Grce, wo hochrangige franzsische Funktionre behandelt werden, sowie ein belebter Markt.

Fr den Dreh der aufwndigsten Verfolgungsjagd des Films entschied man sich, wie Besson-Silla berichtet, fr den Hochsommer, weil dann zur Ferienzeit etwas weniger Menschen in Paris sind als sonst. Luc hatte die vollkommen verrckte Idee, dass Lucy mit ihrem Auto entgegen des Verkehrs auf der Rue de Rivoli fhrt, sagt die Produzentin. Das ist eine unglaublich viel befahrene, vierspurige Einbahnstrae zwischen dem Louvre und dem Place de la Concorde. Dort also brettert sie nun mit Hochgeschwindigkeit lang, am helllichten Tag. Es ist wirklich ziemlich bemerkenswert.

Auch Min-sik Choi genoss es, in Paris zu drehen: Das Essen in Paris ist so gut, dass es verdammt schwer war, der wunderbaren franzsischen Kche zu widerstehen. Und ich habe natrlich trotzdem ein paar Kilo zugenommen! Neben den Auenaufnahmen in Paris wurden einige Szenen des Films auch in einer Halle der neuen Cit du Cinma gedreht, Bessons groer Produktionsanlage auerhalb der Stadt. Fast smtliche Innenaufnahmen wie etwa eine Hotel-Suite und Teile der Sorbonne-Universitt entstanden dort im Studio.

Dem Regisseur ist nicht zuletzt die Sorbonne-Kulisse in Erinnerung geblieben: Das ist eine der ltesten Universitten der Welt und wir haben ihre Mauern mit ber 2.000 Patronen pulverisiert. Am ersten Tag sah unser Set noch ganz sauber aus. Aber von Tag zu Tag zerfetzten wir es mit unseren Schssen immer weiter. Am Ende konnte man kam kaum noch etwas sehen vor lauter Staub in der Luft. Wie es zu Beginn aussah und man am Schluss die Sorbonne nicht einmal mehr erkennen konnte, werde ich so schnell nicht vergessen.

Das Lustige ist eigentlich, dass sich an der Sorbonne ja alles ums Lernen und Wissen dreht, aber ich selbst schon ganz frh die Schule abgebrochen habe um Filme zu machen. Und nun drehe ich einen Film ber Wissen und Intelligenz und zerstre ausgerechnet das Gebude, das genau das verkrpert.

Zwar umfasste noch keine Besson-Produktion so viele Spezialeffekte und Computertricks wie Lucy, doch der Regisseur legt Wert auf die Feststellung, dass er seit Das 5. Element vor 17 Jahren Erfahrungen mit solchen Elementen hat. Es ist nicht so, dass ich diesbezglich ein Neuling war, der berfordert gewesen wre, weil da pltzlich lauter Green Screens waren, betont er. Angesichts der ber 1.000 Spezialeffekte in Lucy aber entschied er sich, die Experten von George Lucas Industrial Light & Magic (ILM) zu Hilfe zu holen.

ILM ist das Mekka der Spezialeffekte. Mr. Lucas ist der Meister! Deswegen wandten wir uns an seine Leute, sie lasen das Drehbuch und waren interessiert, schwrmt Besson. Filmemacher verlangen ja oft, dass die Dinge genauso so gemacht werden, wie sie es sagen und nicht anders. Meine Ansage dagegen war immer: Hier ist meine Idee, aber wenn ihr eine besser habt, ndere ich gerne meine Meinung. So wurde aus dem Verfahren eine echte Zusammenarbeit und es ging wirklich um Teamwork.

Darber hinaus schuf Bessons Standard-Komponist Eric Serra fr den Film einen hypnotisierenden, pulsierenden Score, whrend der weltweit gefeierte Musiker und Produzent Damon Albarn (bekannt unter anderem durch seine Bands Blur und Gorillaz) fr Lucy einen brandneuen Song namens Sister Rust schrieb. Die wunderbare, melodise Ballade ist am Schluss des Films zu hren.

Mehr als einem Jahrzehnt nachdem er die erste Drehbuchversion von Lucy schrieb, ist Luc Besson nun soweit, dass die Welt sein lange gehegtes Projekt zu Gesicht bekommt. Er fasst zusammen: Ich wnsche mir, dass die Leute aus dem Film kommen und so berwltigt sind, dass sie unbedingt mehr ber das Gehirn und die menschliche Intelligenz erfahren wollen und dann tatschlich im Internet weiterrecherchieren.

Gut, selbst weiterrecherchiert habe ich jetzt nicht, aber man kann davon ausgehen, dass es diese Theorie zwar gibt, die Umsetzung fr diese Geschichte jedoch ab der Hlfte etwa in fantastische Spinnerei ausartet, die mit Versatzstcken aus Matrix, Star Trek oder 2001 - Odyssee im Weltraum arbeitet, um das in IMAX® gedrehte Spektakel so verstndlich und unterhaltsam wie mglich zu vermitteln. Und ganz nebenbei kann man Lucy als Action-Variante von Her betrachten, worin Scarlett Johansson als PC-Betriebssystem eine hnliche Entwicklung durchlebt. Lucy ist Hirnmasse anregende Action-Unterhaltung, oft brutal, manchmal augenzwinkernd anspruchslos, aber dennoch ein Adrenalin frderndes Erlebnis, das mit 90 Minuten erfrischend kurz daherkommt. ■ mz

11. August 2014
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OT: Lucy
SciFi/Action
F 2014
90 min


mit

Scarlett Johansson (Lucy) Luise Helm
Morgan Freeman (Professor Samuel Norman) Klaus Sonnenschein
Amr Waked (Pierre del Rio) Patrice Luc Doumeyrou
Min-sik Choi (Mr. Jang)
Julian Rhind-Tutt (Brite)
Pilou Asbk (Richard)
Analeigh Tipton (Caroline)
u.a.

drehbuch
Luc Besson

musik
Eric Serra

kamera
Thierry Arbogast

regie
Luc Besson

produktion
EuropaCorp
Canal+
Cin+
TF1 Films Production

verleih
Universal

Kinostart: 14. August 2014