Freitag, 22. März 2019

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The Raid 2


Rama muss sich undercover im Gefngnis behaupten.
StudioCanal/Koch Media

Der waliser Regisseur Gareth Evans machte vor 3 Jahren auf sich aufmerksam, als The Raid in die Kinos kam und die Actionfans begeisterte. Das in Evans' Wahlheimat Indonesien gedrehte Hochhaus-Actionepos bot jede Menge Zweikampf- und Schusswaffen-Action, die dem Zuschauer (und damit auch dem Helden) kaum Luft zum Atmen lie.

Nun, immernoch im Nirgendwo zwischen China und Australien, drehte Evans die Fortsetzung des Actionkrachers, die direkt an die Ereignisse des ersten Teils anknpft, in dem der junge Polizist Rama mit einer groen Truppe der Polizei ein Hochhaus strmt, das von einer Gangsterbande besetzt wird. Das zum Ende des ersten Films eingefhrte Drehbuch (vorher wurde praktisch nur gemetzelt, was das Zeug hielt) offenbarte schlielich einen Korruptionsplot, demzufolge die Polizei von jeder Menge subversiver Elemente unterwandert sei und Ramas Bruder dieser gesetzesuntreuen Seilschaft angehrt.

Rama erfhrt durch seinen Vorgesetzten vom Tod seines Bruders. Ab diesem Moment lsst ihn der Gedanke an Rache nicht mehr los. Als er und seine Familie ebenfalls ins Visier des organisierten Verbrechens geraten, ist Rama bereit, sich als Undercoveragent in Jakartas Unterwelt einschleusen zu lassen - leichter gesagt als getan. So lsst er seine Familie unter Polizeischutz stellen und begibt sich auf ein schier auswegloses Unterfangen ein.

Er muss sich ins Gefngnis einschleusen, muss jedoch ein richtiges Verbrechen begehen, nichts zu ernstes, da er nicht auf die Hilfe der Polizei bauen kann (und darf). So prgelt er einen jungen Kerl zum Krppel und bekommt drei Jahre aufgebrummt. Im Gefngnis angekommen, wird er erst einmal von scheinbar allen Insassen auf einmal attackiert. Als Yuda macht er sich schnell einen Namen und schliet sich seinem Zielobjekt an - Uco, dem Sohn des Mafiabosses Bangun.

Yuda wird zu einem von Ucos gefrchtetsten Schlgern. Ein Dienst, den Uco nicht vergisst. Als Yuda zwei Jahre spter entlassen wird, besorgt Uco ihm einen Job in der Organisation seines Vaters. Yuda treibt gemeinsam mit seinem ehemaligen Mithftling Drogengelder ein und lernt dabei die Geschfte sowie die Hierarchie des mchtigen Verbrechersyndikats kennen.

Doch Bangun scheint ihm nicht zu trauen. Ramas Aufgabe, herauszufinden, wer im Polizeiapparat korrupt ist, wird zum Eierlauf, der ihm zwar nach und nach das Vertrauen Banguns einbringt, seine Recherche jedoch keinen Schritt weiter bringt. Zu allem bel verbndet sich Uco schlielich mit dem berchtigten Bejo, der schon seit lngerem versucht, als Kartellgre in Jakarta Fu zu fassen.

Zusammen mit Bejo plant Uco, seinen Vater zu strzen, um endlich das Oberhaupt der Organisation zu werden. Dabei bersieht Uco, dass Bejo eigene Plne hat, nicht nur Banguns Organisation sondern den ganzen Verbrecherkuchen Jakartas zu bernehmen. Am Ende ist nicht nur Banguns Organisation in Luft aufgelst, sondern auch Rama, endlos maltrtiert, um keine der bentigten Informationen reicher als vor der ganzen Aktion.

Es ist schon ein zhes Machwerk, das Gareth Evans uns hier prsentiert - ein Hau-drauf-Film mit kampftechnischer Przision gepaart mit wahnsinnig groen Kameraeinstellungen in CinemaScope, die nur im Kino auf entsprechend groer Leinwand ihre Wirkung voll entfalten knnen. Eine meiner Lieblingsszenen spielt in einem Bordell, berichtet Evans.

Dort wird ein Schauspieler durch eine Scheibe nach drauen geworfen. Das Bild beginnt unten am Boden, folgt dem Mann durchs Fenster, geht auen mit ihm in die Tiefe und stellt sich auf den Kopf. Sobald der Schauspieler sich abrollt und aufsteht, rollt die Kamera mit ihm in eine aufrechte Position und schwenkt zurck zum Fenster. Das war eine komplizierte Sache, die perfektes Teamwork erforderte, denn ber den Stunt hinaus mussten wir stndig aufpassen, dass dabei kein Kameramann ins Bild kam.

Da Actionfilme von diesem Ausma in Indonesien nicht an der Tagesordnung sind, nahmen Logistik und Vorbereitung der Kameraeinstellungen viel Zeit in Anspruch. Die Kamerabewegungen wurden sorgfltig in die Choreographie der Kmpfe eingebaut, sodass nicht nur die Bewegungen der Kmpfer, sondern auch die der Kamera bis ins kleinste Detail festgelegt waren.

Um die technisch anspruchsvollen Kampfszenen zu meistern, mussten sich die Schauspieler einem knallharten Training unterwerfen. Als Vorbereitung auf die groe Schlgerei beim Gefngnisaufstand erhielt Arifin Putra beispielsweise ein strenges Training von Iko Uwais und Yayan Ruhian.

Das Training war auerordentlich hart, gesteht Putra. Die ersten drei Monate befassten wir uns nur mit Schrittfolgen und Kondition. Das ging ganz einfach los, ich musste stndig im Laufschritt Treppen hoch und runter rennen und ungefhr eine Millionen Liegesttze und Sit-ups machen. Anschlieend wurde ich einen Monat lang in die Choreographie eingefhrt, bis sich nicht nur der Verstand sondern auch der Krper an jede Bewegung erinnerte. So hatte ich beim Dreh alles automatisch parat.

Die anstrengendste Szene war der Aufstand im Gefngnishof. Ich wlzte mich mit ber Hundert anderen Kmpfern im Schlamm, sobald nur einer von ihnen einen Fehler machte, musste alles wieder von vorne gedreht werden. Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie komplex so eine Massenszene ist, aber ich bin verdammt stolz auf das Resultat.

Da sich der Handlunghsort nicht mehr nur auf ein Gebude konzentriert, kommt es auch zwangslufig zu einer Autojagd, mit der Evans gnzlich neues Terrain betrat. Aus diesem Grund holte er sich den fhrenden Autostunt-Experten Hongkongs, Bruce Law, an seine Seite. Von der Automarke bis hin zum Schauplatz wurde alles exakt geplant. Evans erklrt dazu:

Ich bin ein Fan von Filmen wie Bullitt oder Ronin, die berhmt sind fr ihre Autoverfolgungsjagden. Da geht es viel um die Kunst der Fahrer, deren Autos dabei nur allmhlich geschrottet werden, und das gefiel mir immer schon gut. Dass wir nicht mit Big-Budget-Filmreihen wie The Fast and the Furious konkurrieren knnen, war mir klar. Soviel Chaos und Zerstrung wrden wir nicht herstellen, aber das war auch gar nicht ntig. Wir bemhten uns um Autostunts, die in die Welt von The Raid 2 passten.

Ich konzentrierte mich darauf, was den Personen im Inneren der Autos zustt: Was passiert etwa mit dem Fahrer oder mit dem Beifahrer, wenn ein Auto in ein anderes kracht? Das gab unseren Autoszenen ein Alleinstellungsmerkmal, so etwas hat man noch nicht oft gesehen. Auerdem versuchten wir, die Umgebung zu integrieren wir waren schlielich in Indonesien, das sollte man auch merken. Wir haben beispielsweise in einem typisch indonesischen Busbahnhof gedreht. Dadurch konnten wir etwas Ungewhnliches zeigen, dem internationalen Publikum ein bisschen Exotik anbieten.

Noch bevor The Raid 2 berhaupt spruchreif war, hatte Gareth Evans einen Kurzfilm mit dem Titel Outcall gedreht. Darin war auch die Schauspielerin Julie Estelle in einer Rolle zu sehen, in der sie in einen kurzen Kampf verwickelt wurde. Nachdem Evans gesehen hatte, wie gut sie sich dabei machte, merkte er sie als potentielle Kandidatin fr das Hammer Girl vor.

Das Casting verlangte, dass die Interessentinnen in einem Zeitraum von zwei Tagen eine Kampfchoreographie einbten, die ihnen von Uwais und Ruhian vorgegeben wurde. Am dritten Tag mussten sie vorfhren, was sie gelernt hatten. Obwohl Julie Estelle bis dahin niemals Kampfsport betrieben hatte, verblffte sie Evans, Ruhian und Uwais mit ihrer Darbietung. Sie konnte nicht nur eindrucksvoll kmpfen, sondern erschien dabei auch vollkommen glaubwrdig. Sie war genau die Frau, die sie fr diese Rolle gesucht hatten.

Dem Hammer Girl gehrt eine der denkwrdigsten Szenen des ganzen Films und eine, die Evans am meisten am Herzen lag: Ein junges Mdchen mit dem ueren eines Pop-Sternchens eliminiert in einem Waggon einer Bahn einen ganzen Trupp Mnner, indem sie einen nach dem anderen mit ihren beiden Hmmern erschlgt. Zusammen mit dem Baseballschlger bekommt sie spter schlielich auch einen atemberaubenden Kampf mit Yuda alias Rama.

Dass aber nicht alles Gold ist, was glnzt, bemerkt nicht nur Rama im Film, sondern auch der Zuschauer. So hat Evans zwar eine komplexe Rahmenhandlung geschaffen, die allerdings nur schmckendes Beiwerk ist, um die megaultrabrutalen, jedoch perfekt inszenierten Kampfszenen zu prsentieren. Im Gegensatz zum Vorgnger sind die Kampfszenen hier krzer gehalten, dafr ist jedoch die Anzahl dieser erhht worden, was zwar fr mehr Abwechslung sorgt, im Endeffekt aber viel zu unglaublich wirkt.

Wer auf fernstliche Kampfeskunst steht, wird hier ordentlich bedient. Es wird ausgeteilt, was das Zeug hlt. Wenn Kpfe gegen alle mglichen Kanten knallen, Klingen immer wieder durch Fleisch schneiden, das Blut ohne Ende spritzt, dann bekommt man vom Zuschauen schon Schmerzen. Wer diesen Film bis zum Ende durchsteht, der muss so richtig abgebrht sein.

Es sind aber nicht nur die abgefahrenen Kmpfe, die an den Nerven zehren, sondern auch die Lnge des Films. Der Film geht 2½ Stunden, fhlt sich jedoch doppelt so lang an. Die Handlung dmpelt scheibchenweise vor sich hin, echte Spannung wird nur selten erzeugt. Auch auf Wackelkamera kann Evans bei den Actionszenen nicht verzichten. Zwar hlt sich das Wackeln in Grenzen, nervt aber immer fter, besonders, wenn man die ausgefeilt choreografierten Kampfszenen wertschtzen will.

In Sachen sthetik kann dem Film kaum ein anderer das Wasser reichen. Man fhlt sich jedoch an manchen Stellen an Der Pate oder Only God forgives erinnert. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie Evans dieses Gangsterepos auflsen wird. Klar ist auf jeden Fall: Soviel, wie Iko Uwais mit seiner Figur Rama bereits einstecken musste, musste bislang kaum ein Filmheld. Dafr knnte er aber zum indonesischen Superhelden aufsteigen und eventuell im 4. Expendables-Film mitspielen... ■ mz

23. Juli 2014
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OT: The Raid 2: Berandal
Action/Krimi
RI/USA 2014
150 min


mit

Iko Uwais (Rama)
Arifin Putra (Uco)
Tio Pakusodewo (Bangun)
Oka Antara (Eka)
Alex Abbad (Bejo)
Yayan Ruhian (Prakoso)
Julie Estelle (Alicia Hammer Girl)
Very Tri Yulisman (Baseballschlger)
u.a.

drehbuch
Gareth Evans

musik
Aria Prayogi
Joseph Trapanese
Fajar Yuskemal

kamera
Matt Flannery
Dimas Imam Subhono

regie
Gareth Evans

produktion
Pt. Merantau Films
XYZ Films

verleih
StudioCanal

Kinostart: 24. Juli 2014