Donnerstag, 21. März 2019

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Spuren


Robyn Davidson mit ihrer treuen Begleiterin und besten Freundin Diggity
Ascot Elite

Sie suchte die Einsamkeit und wurde weltberhmt. Mit ihrem Buch Spuren ber ihre einzigartige Reise durch die Wste ihrer Heimat, begeisterte und inspirierte die Australierin Robyn Davidson Millionen von Lesern. Nun endlich kommt diese auch heute noch bemerkenswerte emotionale und krperliche Grenzerfahrung auf die Leinwand.

Ich war eine solche Puristin, dass ich die Geschichte nicht nach Hollywood geben wollte, sagt Robyn Davidson. Fr mich war klar, dass das ein australischer Film werden musste. Er sollte mglichst nah dran sein an dem, was die Reise und auch das Buch fr mich und andere bedeutet hatten.

1975 kommt die junge Robyn Davidson mit einem scheinbar verrckten Traum nach Alice Springs: Sie will zu Fu die australische Wste bis zum Indischen Ozean durchqueren 2.700 Kilometer durch eine lebensfeindliche Wildnis, begleitet nur von vier strrischen Kamelen und ihrem geliebten Hund. Ihre Freunde und Eltern knnen Robyn ebenso wenig zurckhalten wie die vielen Widrigkeiten, die mit ihrem Plan verbunden sind.

Als sie nach langer Vorbereitung pltzlich mit leeren Hnden dasteht, macht Robyn einen Deal mit dem Fotografen Rick Smolan: Er finanziert ihre Reise und darf sie dafr gelegentlich fr ein Magazin fotografieren. Fern der Zivilisation erkennt Robyn langsam, was sie wirklich zum Glcklichsein braucht. Doch nicht nur die Fototermine mit Smolan stren ihr neu gewonnenes Gleichgewicht. Je lnger die Reise dauert, desto fter gert Robyn in lebensgefhrliche Situationen...

Robyn Davidson stand dem Film von Beginn an beratend zur Seite, doch sie ist mehr als glcklich damit, dass er als eigenstndiges Kunstwerk gesehen werden muss. Selbstverstndlich mache ich mir keine Illusionen, dass der Film werkgetreu und 1:1 mein Buch widerspiegelt. Jeder Autor, der so etwas von einer Verfilmung erwartet, ist naiv. Es handelt sich dabei um die Vision der Filmemacher, und das ist auch gut so, gibt sie zu Protokoll und betont das Vertrauen, das sie in das Team hatte.

Als erstes hatte ich Kontakt zum Produzenten Emile Sherman und mochte ihn auf Anhieb unglaublich gerne. Aber der letzte Rest von Zweifel verschwand, als Mia Wasikowska mit an Bord kam. Sie war immer meine erste Wahl und ich hatte John und Emile frhzeitig gesagt, wie glcklich es mich machen wrde, wenn sie die Rolle bernehmen wrde. Und ich wurde nicht enttuscht, denn sie ist wirklich eine tolle Schauspielerin und einfach reizend. berhaupt mochte ich wirklich alle, die an dem Film beteiligt waren, und das macht sehr viel aus. Das gesamte Team war groartig. Und Adam Driver? Umwerfend!

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive und als innerer Monolog erzhlt, was natrlich im Film nicht mglich ist, erklrt Regisseur John Curran. Deswegen mussten wir eine Erzhlstimme und -haltung finden, die es so im Buch nicht gibt. Als ich Robyn Davidson kennenlernte, war sie diesbezglich sehr aufgeschlossen und hilfreich, wollte sich aber auch auf keinen Fall aufdrngen. Genauso wie sie eben auch in ihrer eigenen Beschreibung im Buch rberkommt. Sie verzichtete darauf, allzu sehr auf ihre eigentliche Motivation fr ihre Reise einzugehen und berlie es letztlich grtenteils mir, meine eigenen Ideen diesbezglich ins Spiel zu bringen.

Die Australierin Mia Wasikowska, einer groen Filmgemeinde bekannt aus Filmen wie Alice im Wunderland, Stoker oder zuletzt in Only Lovers left alive, fhlte sich auf Anhieb von der Rolle angezogen: Schon beim Lesen des Drehbuchs sprte ich einen starken Bezug zu dieser Figur. Ich kann gar nicht genau erklren, warum eigentlich. Aber ich war sofort von ihr fasziniert und hatte das Gefhl, sie und diesen bestimmten Abschnitt in ihrem Leben sehr gut nachvollziehen zu knnen.

Was Robyn getan hat, ist unglaublich, und gerade heute unglaublich spannend, wo es immer schwieriger wird, den Moment zu genieen und im Hier und Jetzt prsent zu sein. Alles was wir tun, das gesamte Tempo und die Technologie unserer Gesellschaft, ist darauf ausgerichtet, uns in die Zukunft zu katapultieren oder sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Hin und wieder habe ich selbst schon das Gefhl erlebt, dass mir das alles zu viel wird. Da sitze ich dann an einem Filmset und wnschte mir, die Kameras wren nicht da. So hnlich wird sich Robyn gefhlt haben, als ihre Reise fr die Auenwelt dokumentiert wurde.

Wasikowska und Davidson lernten sich noch vor Drehbeginn kennen, als die beiden gemeinsam nach Sdaustralien reisten. Dort trafen sie auf die Kamele, und Davidson zeigte der Schauspielerin, wie sie mit den Tieren umging, was fr beide eine ganz besondere Erfahrung war. Es war wundervoll, Robyn kennenzulernen, erinnert sich Mia Wasikowska. Ich war vor unserem Treffen ziemlich nervs, weil wir ja noch nicht einmal angefangen hatten zu drehen und ich nicht sicher war, wie wohl sie sich mit dem Gedanken fhlte, dass ich sie in einem Film spielen wrde. Aber dann lernte ich sie kennen, und sie war nicht nur unglaublich warmherzig und freundlich, sondern stand dem gesamten Projekt sehr offen gegenber.

Wir fuhren zusammen in den Sden Australiens ins Kamelcamp, wo sie mir zeigte, wie sie als Frau mit den Tieren arbeitete. Es gibt sehr verschiedene Arten, wie man mit Kamelen umgehen kann. Robyn war dabei sehr liebevoll, ohne die ntige Strenge vermissen zu lassen. Das war wirklich ein tolles Erlebnis, und berhaupt war ich nach unserem Kennenlernen ganz erleichtert, weil ich sie, ihr Abenteuer und ihre Geschichte einfach liebe. Sie nun meine Freundin nennen zu knnen ist sicherlich eine der groartigsten Erfahrungen, die ich bei diesem Film gemacht habe.

Gedreht wurde der Film im Oktober und November 2012, also zu Beginn der heien Jahreszeit, in den australischen Wsten, die sich ber den Bundesstaat South Australia und das Northern Territory erstrecken. Das Drehen an entlegenen Orten ist immer eine Herausforderung, und in diesem Fall hatte das Produktionsteam nicht nur mit der Hitze in der Wste, sondern auch mit Buschfeuern, berschwemmungen und einmal (ungewhnlicherweise) sogar mit Schnee zu kmpfen. Ganz abgesehen davon, dass mit allen Mitteln versucht werden musste, den feinen roten Staub, der die Landschaft dort ausmacht, aus dem empfindlichen Film Equipment herauszuhalten - eine Schwierigkeit, der damals schon Rick Smolan gegenberstand.

Die Bedingungen in der Wste machten die Dreharbeiten fr die Schauspieler und das gesamte Team zu einer mhsamen Erfahrung, die ihnen nur noch mehr Respekt abzollte fr das, was Davidson damals auf sich genommen hatte. Doch so anstrengend die Landschaft auch in vielerlei Hinsicht war, so sehr machte der spektakulre Anblick der Wste die Arbeit auch zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Das ikonische australische Wahrzeichen Uluru, auch als Ayers Rock bekannt, liegt im Uluru-Kata Tjuta National Park im Northern Territory. Der Felsen spielt eine groe Rolle in der Geschichte der australischen Ureinwohner, gehrt zum Land des Anangu-Volkes und ist Ort zahlreicher traditioneller Rituale. So kommt auch Robyn Davidson dort nicht mit ihren Kamelen durch und muss den Felsen umkreisen, um weiter zu gelangen. Und auch dann darf sie nicht ohne Weiteres durchs heilige Land der Aboriginals, denn dort darf sie nur in Begleitung eines Mannes hindurch. Auch Tiere schlachten darf sie nicht, denn das ist nur den Mnnern erlaubt. So macht sie Bekanntschaft mit den Eingeborenen und ergattert einen Fhrer, der sie durch das heilige Territorium geleitet.

Nirgends auf der Welt leben mehr wilde Kamele als in Australien, wo man (je nach Schtzung) von zwischen 800.000 und 1 Million Kamelen ausgeht, ber Western Australia, Queensland, Northern Territory und South Australia verteilt. Die ersten Tiere kamen 1840 nach Australien und wurden unter anderem 1860 bei der legendren Burke-Wills-Expedition zum Einsatz. Zu Pionierszeiten wurden tausende Kamele nach Australien importiert und nach den Expeditionen einfach in der Wste ausgesetzt, wo sie bald heimisch wurden und sich vermehrten.

Es war Davidson selbst, die der Produktion Andrew Harper als Kameltrainer fr die Filmproduktion empfahl. Harper, der zur Outback Camel Company gehrt, die sich auf (meist wissenschaftlichen) Wstenexpeditionen spezialisiert, war schon mehrfach mit Davidson unterwegs gewesen, so dass sie wusste, dass er genau der richtige Mann fr den Film sein wrde. Davidsons Einfluss auf die Situation der Kameltreiber in Australien ist betrchtlich, wie Harper erzhlt:

Interessanterweise stand Robyns Reise damals eigentlich am Ende einer ra. Es gab nur noch ein paar letzte lebende afghanische Kameltreiber, ansonsten waren Kamele ab den 50er Jahren nach und nach in Vergessenheit geraten. Robyn war die erste, die sich wieder dafr interessierte und tatschlich lernte, wie man die Tiere bepackt und mit ihnen reist. Ihre Expedition lie das Interesse an Kamelen in Australien ganz neu aufflammen. So entstand erfreulicherweise ein ganz neuer Touristikzweig. Ausflge auf dem Kamel in die Wste das hatte es vorher noch nicht gegeben.

Insgesamt waren 19 Kamele an der Entstehung des Films beteiligt. Glcklicherweise erwies sich Wasikowska als Naturtalent im Umgang mit den Kamelen, wofr nicht zuletzt ihr Regisseur enorm dankbar war: Wrde Mia nicht Tiere so sehr lieben, htte sie sich sicherlich nicht so sehr zu dieser Rolle hingezogen gefhlt. Sie ist ein unglaublich sanfter, herzlicher und liebevoller Mensch, nicht zuletzt im Umgang mit den Kamelen. Man sieht sofort, wie gut sie mit Tieren kann.

Die Arbeit mit den Kamelen war eine einzigartige Erfahrung, die Mia Wasikowska sehr genoss: Diese Tiere sind einfach unglaublich. Mein erstes Aufeinandertreffen mit Robyn bestand ja darin, dass sie, Andrew und ich drei Tage mit den Kamelen in Flinders Ranges verbrachten, noch bevor die Dreharbeiten begannen. Die beiden brachten mir bei, wie ich mit den Kamelen umgehen musste.

Sie lernen einen Menschen zuerst ber seinen Geruch, dann ber den Klang seiner Stimme kennen. Und je mehr Zeit man mit ihnen verbringt, desto enger ist natrlich die Bindung, die da entsteht. Kamele sind wundervolle Tiere, die ich wirklich lieben gelernt habe. Und sie sind irgendwie die idealen Tiere fr einen Filmdreh: treue Wegbegleiter, die entspannt selbst durch den grten Trubel gleiten.

Die gesamte Filmcrew begeisterte sich fr die Kamele, und fast jeder hatte, so wie Kamerafrau Mandy Walker, einen Liebling: An den Hunden und Kamelen hatten wir alle einen Narren gefressen. Mein besonderer Liebling war Morgan, der im Film Dookie darstellt. Er machte fr uns in jeder Einstellung das gleiche, so als wsste er genau, worauf es beim Film ankommt. Sich am Ende von ihm und den anderen Tieren zu verabschieden war richtig traurig.

Eine kaum geringere Rolle fr die Figur der Robyn Davidson spielt ihr Hund Diggity, der vom 6-jhrigen Special Agent Gibbs verkrpert wird, der genau wie sein Stuntdouble Ziva (NCIS lsst gren!) von Kirstin Fedderson trainiert wurde, Filmneuling ist. Da unglaublich viel davon abhing, dass sich Mia Wasikowska mit den Hunden prchtig verstand, war Fedderson nach dem ersten Aufeinandertreffen mit der Schauspielerin mehr als erleichtert: Die Hunde mochten sie auf Anhieb. Und sie kniete sofort bei ihnen auf dem Boden, um sie zu begren. An ihren wedelnden Schwnzen war nicht zu bersehen, dass die Chemie stimmte.

Nicht ganz so unproblematisch verlief die Begegnung zwischen den Hunden und den Kamelen. Diggity musste auf der Leinwand immerhin auf dem Rcken der Kamele reiten, was fr Fedderson ohne Frage die grte Herausforderung des Films war. Aber als wir Ziva, das Stuntdouble, endlich soweit hatten, liebte sie es schlielich, hoch oben auf diesem groen Tier zu sitzen und auf uns herunterzuschauen.

Marion Nelsons Drehbuchadaption ist zwar sehenswert, doch htte die Ich-Perspektive des Buchs dem Zuschauer ein wenig mehr die inneren Gedanken Davidsons vermittelt. Der Film driftet da immer wieder so vor sich hin, springt von einem Moment zum nchsten, anstatt wenigstens einmal die Naturgewalt der dnis und die tgliche Langwierigkeit aufzuzeigen. Einzig die Szene, in der Robyn aufwacht und ihre Kamele verschwunden sind, und sie sich dann auf die Suche begibt, vermag die Tortur anzukratzen.

Vom Nobody zum Star: Je lnger Robyn sich in der Wste aufhlt und die Geschichte im Time Magazine voranschreitet, bekommt sie umso fter Besuch von Touristen oder trifft auf diese rein zufllig. Klar, dass diese Fotos von und mit ihr schieen wollen. Da wird Robyns Taktgefhl aufs uerste gefordert, als auch der innere Schweinehund, einfach aufzuhren, denn je lnger ihre Reise dauert, umso mehr wird Robyn klar, dass das eine wahnsinnig blde Idee war. Aber sie zog das durch und ging somit in die Geschichte ein, die nun einer neuen Generation vorgestellt wird.

Aber neben den Touristen traf sie auch auf Menschen, die ihr halfen und ihr Unternehmen untersttzten. Sie tifft auf ein lteres Ehepaar, das da mitten in der Wste in einer Oase lebt, das sie ein wenig aufpppelt, ihr neue Kraft gibt, oder auch die Eingeborenen, mit denen sie sich anfreundet, die ihr dann auch einen Fhrer zur Seite stellen, um durch das heilige Land zu reisen. Ansonsten htte es einen riesigen Umweg und zustzliche Torturen gekostet, ihren Plan zu verwirklichen.

Mia Wasikowska war offensichtlich die richtige Wahl, denn sie sah nicht nur so aus wie die echte Robyn Davidson, sondern konnte auch mit den Tieren klarkommen. Aber trotzdem die nicht minder abenteuerliche Produktion fr alle Beteiligten zufrieden fertiggestellt wurde, so ist der Film doch eher nur eine Aneinanderreihung von Tagebucheintrgen - sehr interessant, aber einfach zu distanziert. Mia Wasikowska versucht zwar, den Zuschauer ihren Spuren folgen zu wollen, doch die Begeisterung hlt sich in Grenzen. Fr Australienfans ist der Film allemal zu empfehlen, auch wenn keine Kngurus oder Koalas drin vorkommen. Das ist alles recht interessant und teilweise auch tragisch, man muss sich allerdings auf den Film und das Abenteuer einlassen wollen, um Gefallen daran zu finden. Die Hauptdarstellerin gehrt auf jeden Fall dazu. ■ mz

14. April 2014
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OT: Tracks
Drama/Biografie
AUS 2013
113 min


mit

Mia Wasikowska (Robyn Davidson) Marie-Luise Schramm
Adam Driver (Rick Smolan) Leonhard Mahlich
Emma Booth (Marg) Luise Helm
Jessica Tovey (Jenny) Nicole Hannak
Melanie Zanetti (Annie) Nadine Zaddam Leopold
Rainer Bock (Kurt Posel) Robert Missler
Robert Coleby (Pop) Gerald Paradies
Lily Pearl (junge Robyn Davidson) Sarah Kunze
u.a.

drehbuch
Marion Nelson
basierend auf dem Buch von Robyn Davidson

musik
Garth Stevenson

kamera
Mandy Walker

regie
John Curran

produktion
See-Saw Films

verleih
Ascot Elite

Kinostart: 10. April 2014