Donnerstag, 21. März 2019

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Pompeji


Cassia und Milo haben Angst.
Constantin Film/Caitlin Cronenberg
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Nordbritannien, im Jahr 62 nach Christus. Die Keltenstmme haben sich gegen die rmische Herrschaft erhoben - und Rom schlgt erbarmungslos zurck. Der Tribun Corvus berfllt mit seinen Truppen ein Lager der Kelten. Er gibt den Befehl, alle zu tten (Mnner, Frauen und Kinder), und meuchelt die Mutter des kleinen Jungen Milo, die ihr Kind schtzen will, hchstpersnlich. Milo stellt sich tot und schafft es wie durch ein Wunder, diese Tragdie zu berleben. Allerdings wird er von Sklavenhndlern aufgelesen und fr die rmischen Herrscher verschleppt. Doch damit hat die Geschichte dieses Jungen erst begonnen...

Fr Regisseur Paul W.S. Anderson, der in seiner ganzen Karriere immer die allerneueste Technik eingesetzt hat, war es nur ein logischer Schritt, sein Interesse an 3D und Computeranimation mit einer mitreienden und spannungsgeladenen Geschichte zu verbinden. Die Geschichte einer prchtigen Stadt, die in nur einem einzigen Tag ausradiert wird, hatte Anderson schon als Kind in ihren Bann gezogen. Jetzt macht Anderson aus seiner lebenslangen Faszination ein groes Actionepos, dem es an nichts fehlt.

...auer einer originellen Geschichte, was auch schon der einzige Punkt ist, der hier bemngelt werden kann, denn Anderson und sein Filmteam setzten alles daran, die Fakten so real wie mglich zu halten und holten sich dafr Historiker zur Hilfe, die die Produktion auf Faktentreue prften. Ein groer Teil der Stadt steht noch genauso da wie vor 2000 Jahren, sagt Produktionsdesigner Paul Denham Austenberry. Es gibt ganze Museen mit den berresten und tonnenweise Abbildungen der Ausgrabungen, auf die wir uns fr das Design unserer Sets sttzen konnten.

Austerberry und sein Team bauten knapp 30 unterschiedliche Sets, darunter die prchtige Villa von Cassias Eltern, die Straen von Pompeii, das Amphitheater und das Forum, wo sich einige der aufwendigsten Kampfszenen des Films abspielen. Fr die Villa nahmen sie sich die Grundrisse und viele andere Details zweier real existierender Herrenhuser des alten Pompeii zum Vorbild.

Fr uns war die Villa die perfekte Gelegenheit, die ganze Pracht und Opulenz, zu der die rmische Zivilisation imstande war, zu zeigen, sagt der Regisseur. Sie hatten Fubodenheizung, Leitungen fr das Trinkwasser und selbst in den oberen Stockwerken noch sanitre Anlagen. Das alles ging nach dem Untergang des rmischen Imperiums verloren und blieb 1700, 1800 Jahre lang vergessen. So knnen wir Pompeiis ganze Schnheit zeigen, so, wie sie vor der Zerstrung der Stadt war.

Fr den Aufbau der Straenzge von Pompeji, eines der grten und aufwendigsten Sets, nahm das Designteam nicht weniger als 13 Wochen in Anspruch. Unsere Strae beruhte auf dem, was einmal die Haupteinkaufsstrae der Stadt war, erklrt Austerberry. Die Pflastersteine, die wir alle selbst hergestellt haben, sehen genauso aus wie die, die man in Pompeii verwendet hat. Die Marktstnde haben wir nach einem rmischen Basrelief gebaut, das heute in einem Museum in Neapel zu sehen ist.

Austerberry gibt zu, dass sie sich beim Bau der Sets durchaus gewisse Freiheiten nehmen mussten meist aus Sicherheitsgrnden. Manche Steinmauern sind in Wirklichkeit aus Styropor, damit niemand bei den Kampfszenen zu Schaden kommen wrde, sagt der Designer. Aber alles in allem entsprechen unsere Bauten dem, was man vor Augen gehabt htte, wenn man im Jahre 79 nach Christus durch Pompeii spaziert wre.

Der Visual Effects Supervisor Dennis Berardi und sein Team bei Mr. X, einer auf Digitaleffekte spezialisierten Produktionsfirma, waren fr die epische Gre der Filmbilder verantwortlich: Sie erweiterten die real gebauten Sets digital, um die weitlufigen Szenerien mglich zu machen, und sie waren auch dafr zustndig, die hchst dramatischen Effekte beim Vulkanausbruch am Ende des Films zu erzeugen.

Vor dem Drehstart verbrachten Anderson und Berardi eine volle Woche in Pompei, whrend der sie die Ruinen, den Vesuv und die Landschaft filmten, um weiteres Material fr ihre Neuschpfung der antiken Stadt zu haben. Dabei nutzten sie auch die sogenannte LiDAR-Technologie, eine Kombination aus Radar und Laser, die es mit bislang nicht gekannter Genauigkeit erlaubt, die Topographie eines Gelndes zu erfassen.

So haben wir die Stadt selbst fr die Hintergrnde unserer Digitaleffekte verwendet, sagt Produzent Jeremy Bolt. Noch vor 15 Jahren wre es unglaublich schwer gewesen, einen solchen Film zu machen, aber die Fortschritte der Digitaltechnik haben es uns erlaubt, das Pompeji des Jahres 79 absolut berzeugend nachzubauen.

Die Kostmbildnerin Wendy Partridge machte sich ber Monate mit der Kleidung der damaligen Zeit vertraut: Ich habe mich richtig darin vergraben, was fr Kleidung die Menschen in der Rmerzeit trugen und wie Pompeji in jener Zeit aussah, sagt sie. Ganz besonders interessant fand ich, dass sich der Kleidungsstil der unterschiedlichen Schichten kaum voneinander unterschied, und dass es stattdessen die Stoffe und die verwendeten Farben waren, mit denen man sich von den anderen absetzte. Farbstoffe waren sehr teuer, ganz besonders Purpur. Wenn also jemand Purpur trug, war das ein Zeichen, dass er reich war und sich das leisten konnte.

Partridge und ihr Team hatten fast 3000 Kostme fr den Film anzufertigen: Es war ein riesiger Aufwand, sagt die Kostmbildnerin. Wir haben wie im Akkord Tuniken, Togen und Rstungen ber Monate hinweg angefertigt. Und auch der Schmuck der Hauptfiguren war handgemacht. Wir hatten eine eigene Abteilung, die nur Uniformen aus Leder produziert hat. Wir haben alles Menschenmgliche angestellt, um die Kostme historisch korrekt zu machen, und gleichzeitig dafr zu sorgen, dass die Schauspieler gut darin aussehen. Und wir hatten ja einige Jungs mit unglaublichem Krperbau dabei, die dafr hart trainiert hatten.

Einige der besonders intensiven Szenen von Pompeji spielen in der brutalen Welt der Gladiatoren. Schon vier Wochen vor Drehstart begann das Kampftraining fr die Darsteller, damit sie nicht nur aussehen wrden wie gesthlte Profikmpfer, sondern auch die tglich zwlf Stunden Kampfszenen vor der Kamera durchstehen wrden.

Dabei ging es nicht einfach darum, krperlich fit zu erscheinen sie mussten auch tatschlich fit sein! Das war extrem harte Arbeit, sagt Adewale Akinnuoye-Agbaje. Nach einer Stunde Ausdauertraining gab es zwei Stunden Stunt-Training, dann die Mittagspause und dann eine Stunde Gewichtheben. Danach eine halbe Stunde, um zu schauen, wie es gelaufen ist, und dann eine weitere Stunde Ausdauertraining. Aber sobald ich dann am Set war und wir die Kampfszenen drehten, merkte ich, wie sich das alles gelohnt hatte. Man brauchte ein solches Training, damit es am Ende echt aussehen wrde.

Die schiere Menge an Schwertkmpfen im Film machte es erforderlich, die Szenen stundenlang zu ben, damit bei der ersten Klappe alle Bewegungen auch wirklich saen. Uns und die Stuntleute haben sie durch ein richtiges Trainingslager gejagt, sagt Kit Harington. Ich hatte ja schon durch meine frheren Rollen eine gewisse Erfahrung im Umgang mit dem Schwert, aber das hier war noch mal eine ganz andere Nummer. Nicht zuletzt, weil wir hier mit Schwert und Schild und auerdem eher mit dem Kurz- als mit dem Langschwert gekmpft haben. Wir haben vier Wochen lang noch einmal die Grundlagen des Schwertkampfes gebt und uns die Kmpfe und die Bewegungsablufe eingeprgt. Mir war es absolut wichtig, dass es am Ende so aussieht, als ob ich wsste, was ich da mit dem Schwert vorhabe.

Das war fr jeden eine groe Herausforderung, sagt Kiefer Sutherland. Die Darsteller und auch die Crew mussten sich da irgendwie durchschlagen. Aber am Schlimmsten war die Asche. Wenn man Dialogzeilen zu sprechen hatte, kriegte man immer etwas davon in den Mund und so konnte man gar nicht allzu viele Takes hintereinander drehen.

Wir sind mit so ziemlich allen Elementen, die es gibt, konfrontiert worden, sagt Harington. Ich bekam Schlamm und Regen ab und strmischen Wind ins Gesicht geblasen. An manchen Tagen, wenn wir drauen vor dem Amphitheater unsere Kampfszenen drehten, war es bestimmt 40 Grad hei. Aber die Asche war wirklich besonders bel das war richtig brutal.

Regisseur Paul Anderson beschreibt Pompeji als die grte Herausforderung, mit der er es jemals zu tun hatte: Allein schon die Menge an Material, die wir bewegen mussten, dann die ganzen erschwerenden Bedingungen mit Rauch, Staub und umherfliegenden Trmmern... Wir mussten uns schon ganz schn anstrengen. Wir hatten einen Film zu drehen, der das Ende der Welt zeigen sollte, denn so kam es den Menschen in Pompeji damals vor. Das Publikum bekommt einen einmaligen Einblick in eine lngst untergegangene Welt, eine Zeitreise und einen Platz in der ersten Reihe bei einer der grten Naturkatastrophen der Antike.

Das Ganze ist auf jeden Fall im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend inszeniert. Man bekommt praktisch gleich drei Filme in einem serviert - Sklavendrama, Liebesgeschichte und Katastrofenfilm. Wenn man von der Mischung aus Gladiator, Titanic und einer Galileo-Nachstellung der naturgewaltigen Geschehnisse absieht, bekommt man einen soliden Unterhaltungsfilm geliefert - wie beschrieben uerst aufwndig gedreht und in 3D prsentiert.

Das reit mit, das macht Spa, doch schlielich ist man vom Titanic-am-Land-Ende enttuscht. Gut, man kann jetzt sagen, dass historische Ereignisse auch getreu erzhlt werden sollten. Doch man wei nicht hundertprozentig, ob es nicht doch jemand geschafft hat, sich in Sicherheit zu bringen, auch wenn es nur einen dokumentierten Augenzeugenbericht von einem in sicherer Entfernung befindlichen, rmischen Anwalt und Politiker gibt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wie bei Titanic gibt es auch hier das unausweichliche, tragische Ende einer Liebesgeschichte in Folge einer Katastrofe. Trotz alledem besticht der Film nicht nur durch die Effekte und die historische Darstellung des Erdbebens, Vulkanausbruchs und Tsunamis, sondern auch durch die Dialoge und natrlich die Schauspieler - allen voran der Bastard von Winterfell Kit Harington (Game of Thrones) als auch sein Gegenspieler, der den meisten wohl als Jack Bauer bekannt ist - Kiefer Sutherland, der hier zu altgewohnter (Vor-24-)Form aufluft.

Wer sich also mal eine wahre Katastrofe ansehen will, und wem der schnde Dokumentationsstil auf den Keks geht, der sollte sich Pompeji (oder vielmehr lateinisch Pompeii) unbedingt ansehen. Titanic auf dem Land ist nicht ganz so kitschig wie James Camerons Eisbergsalat und kann in Sachen Tricktechnik einiges wiedergutmachen. Allerdings ist das Drehbuch dermaen vollgepackt, dass eine tiefergehende Charakterisierung der Figuren und gesellschaftlichen Zusammenhnge nicht stattfinden kann und der Film demzufolge eher schaulustigen Charakter besitzt. ■ mz

27. Februar 2014
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OT: Pompeji
Drama/Geschichte/Action/Abenteuer
CAN/D 2014
3D
105 min


mit

Kit Harington (Milo)
Emily Browning (Cassia)
Kiefer Sutherland (Quintus Attius Corvus) Tobias Meister
Adewale Akinnuoye-Agbaje (Atticus)
Jessica Lucas (Ariadne)
Jared Harris (Marcus Cassius Severus)
Carrie-Anne Moss (Aurelia)
Currie Graham (Bellator)
Joe Pingue (Graecus)
Sasha Roiz (Proculus)
u.a.
drehbuch
Janet Scott Batchler
Lee Batchler
Michael Robert Johnson

musik
Clinton Shorter

kamera
Glen MacPherson

regie
Paul W.S. Anderson

produktion
FilmDistrict
Constantin Film Produktion
Don Carmody Productions
Impact Pictures

verleih
Constantin Film

Kinostart: 27. Februar 2014