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Kinostarts Februar

Philomena


Unterwegs: Philomena und Martin
Square One/Universum Film
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Stephen Frears beschert uns einen neuen Kinofilm. Waren Helen Mirrens Augen in The Queen bestechend fr das Drama um Lady Dis Tod, so ist Judy Denchs direkter Kamerablick in Philomena im Wesentlichen verantwortlich fr das berhrende Element dieses Films.

Philomena, eine fast 70 Jahre alte Dame, hat den Kummer ber den Verlust ihres 3 jhrigen Sohnes ber all die Jahre still ertragen. Anthony war ihr erstgeborenes Kind. Sie war damals gerade 20, ein junges Mdchen, das Kind auch noch unehelich, ohne Vater - und das in einer streng katholischen, irischen Gesellschaft. Die schwangere Philomena wird einem Kloster berlassen. Nonnen bernehmen, im Glauben christlich zu handeln, die Adoption dieser moralisch untragbaren Kinder. Keines der Mdchen hatte die Wahl, sich gegen eine Zwangsadoption zu entscheiden, die sptere Suche nach den Kindern, vertraglich verboten.

Doch das Trennungstrauma bleibt bestehen und Philomena will endlich wissen, was aus ihrem Sohn geworden ist. Auf Umwegen gert sie mit ihrer Geschichte an einen geschassten Politjournalisten, der sich gerade nach dem unfreiwilligen Ende seiner Karriere bei der BBC, im Vakuum der Arbeitslosigkeit befindet.

Zunchst hat der arrogante Martin Sixsmith berhaupt kein Interesse an rhrseligen Human-Interest Geschichten, die mit nach Aufmerksamkeit kreischenden berschriften um die Leserschaft buhlen. Schlielich war er zuvor BBC-Korrespondent der Labourpartei und mit politisch relevanten Themen betraut. Um das Auftragsloch wenigstens bergangsweise zu schlieen, nimmt er sich dieser ungeheuerlichen Geschichte der organisierten Zwangsadoption im Kloster an, die Philomena ihm zunchst zaghaft offenbart.

Stephen Frears setzt dabei auf seine ungleichen Protagonisten, die sich erst im Verlauf der Geschichte zusammenraufen mssen. Philomena als tiefglubige, alte, bisweilen naive, alte Dame, die ber ihren Arztroman nie die Weiten der Welt erkundet hat - im Gegensatz zu Sixsmith, der sein eloquentes Weltwissen gern zur Schau stellt und ihr mit distantem Zynismus und britischem Humor begegnet.

Whrend der Recherche ber den zunchst unauffindbaren Sohn, entwickeln sich die beiden zu einem gleichsam traurigen, wie auch komischen ungleichen Paar. Dabei verhlt sich der Filmplot zeitweise wie ein Thriller, wenn es um die Vergehen der Kirche geht, oder wie eine Komdie, wenn die Gegenstzlichkeit der Protagonisten aneinanderprallen, und wie ein Roadmovie, wenn die Recherche sie zunchst durch Irland und schlielich in die USA schickt.

Mit den USA betrieben die Nonnen seinerzeit einen lukrativen Kinderadoptionshandel. Philomena und Sixsmith stoen schlielich auf Anthonys Geschichte, die sie am Ende wieder nach Irland ins Kloster fhrt, wo die Mauern des Schweigens dem Druck der Wahrheit nicht mehr standhalten knnen.

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Der Journalist Martin Sixsmith hat tatschlich das dem Film zugrunde liegende Buch Lost Child of Philomena Lee geschrieben. Den Termin der Buchverffentlichung der deutschen Ausgabe mit dem Titel Eine Mutter sucht ihren Sohn teilen sich Buch und Film gleichermaen.

Die Ernsthaftigkeit des Themas Zwangsadoption, das sich nachweislich genauso oder hnlich auch in anderen Lndern abgespielt hat, z.B. in Spanien, ist keine leichte Kost. Stephen Frears hat mit den Drehbuchautoren, Steve Coogan und Jeff Pope, daraus einen eher komdiantischen Stoff entwickelt, der den schwerwiegenden Fakten etwas Leichtverdauliches beimischt. So spricht der Film eine weite Spannbreite an Kinozuschauern an.

Vielleicht ist es gerade das Besondere an dieser Mischung aus Dramatik mit einer ordentlichen Portion Humor, die den Film so ansprechend macht. Bei vielen Kollegen hoch gelobt, bleibt bei mir eher das Seichte hngen - ein Feelgood-Movie fr den netten Kinoabend. Meine Ansprche an Kinounterhaltung bleiben dabei im Wesentlichen auf der Strecke. Mehr Tiefgang htte dem Film nicht geschadet. Die schauspielerische Leistung der Protagonisten jedoch trgt den Film ber so manchen Makel hinweg. ■ bh

26. Februar 2014
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OT: Philomena
Komdie/Drama
GB 2013
98 min


mit

Judi Dench (Philomena Lee) Kerstin de Ahna
Steve Coogan (Martin Sixsmith) Manfred Trilling
Sophie Kennedy Clark (junge Philomena) Marcia von Rebay
Mare Winningham (Mary) Sandra Schwittau
Barbara Jefford (Schwester Hildegard) Ilona Grandke
Ruth McCabe (Mutter Barbara) Angelika Bender
Peter Hermann (Pete Olsson) Stefan Lehnen
Sean Mahon (Michael) Manou Lubowski
Anna Maxwell Martin (Jane) Andrea Wick

drehbuch
Steve Coogan
Jeff Pope
basierend auf dem Buch The Lost Child of Philomena Lee von Martin Sixsmith

musik
Alexandre Desplate

kamera
Robbie Ryan

regie
Stephen Frears

produktion
BBC Films
Baby Cow Productions
British Film Institute (BFI)
Magnolia Mae Films
Path

verleih
Universum Film

Kinostart: 27. Februar 2014