Dienstag, 19. März 2019

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The Wolf of Wall Street


Jordan Belfort hat ein Ziel vor Augen.
MMXIII TWOWS, LLC/Mary Cybulski
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Filmemacher Martin Scorsese ist der groe Chronist des amerikanischen Gangstertums. Er hat das Leben auf der Rckseite des amerikanischen Traums in allen seinen historischen und sozialen Facetten geschildert. Mit The Wolf of Wall Street hat er nun ein neues, zeitgenssisches Kapitel in dieser Chronik aufgeschlagen: die aberwitzige, grimmig komische und dramatische Geschichte der menschlichen Raubtiere im wild gewordenen Finanzkapitalismus der 80er Jahre. Daraus wurde eine aufregende Reise in eine vergiftete Welt vergiftet durch Gier, Adrenalin, Sex, Drogen und die wahnwitzige Bewegung von leichtem Geld.

Basierend auf Jordan Belforts wahren Geschichte Der Wolf der Wall Street (2008) beschreibt der Film dessen wundersamen Aufstieg und den durch die Malosigkeit seiner Gier nach Macht, Reichtum und Vergngen ausgelsten Fall. Der New Yorker Brsenmakler rafft zusammen mit einer Gruppe von Komplizen in kurzer Zeit ein gewaltiges Vermgen zusammen, indem er gutglubige Kunden mit leeren Versprechungen zu Investitionen verleitet und sie um Millionen betrgt.

Der Film beginnt mit der raschen Verwandlung Belforts von einem jungen aufrechten Newcomer an der Wall Street in den betrgerischen Verkufer von Illusionspapieren, Aktien, deren Wert zuerst knstlich nach oben getrieben und dann ins Bodenlose fallen gelassen wird. Belfort verdient sich mit diesen Betrugspapieren in kurzer Zeit ein absurdes Vermgen und pumpt sein Geld direkt wieder zurck in den Kreislauf des schnellen Geldes: Er gibt es mit vollen Hnden aus fr Luxus-Prostituierte, teure Sportwagen, Quaaludes (genauer gesagt: die Designerdroge Methaqualon), Kokain und fr ein anspruchsvolles Ex-Supermodel als Ehefrau. So malos Belfort in seiner Bereicherung ist, so malos ist er auch in seinem Leben der exzessiven Verschwendung.

Doch als Belforts Firma, Stratton Oakmont, mit all ihren Gratifikationen und dem hedonistischen Lebensstil der Mitarbeiter, in den Himmel zu wachsen scheint, beginnen die Beamten des FBI und des SEC (United States Securities and Exchange Commission, die als Brsenaufsichtsbehrde fr die Kontrolle des Wertpapierhandels in den Vereinigten Staaten zustndig ist), dieses Knigreich des Exzesses zu untersuchen, um es am Ende zu zerschlagen.

Die Geschichte von Jordan Belfort, so Leonardo DiCaprio, Hauptdarsteller und einer der Produzenten, erinnerte mich an eine moderne Variante von Caligula. Fr DiCaprio, der jahrelang fr dieses Projekt gekmpft hat, scheint die Parallele zwischen Belfort und dem rmischen Kaiser, der als der verkommenste, psychotischste und zgelloseste der antiken Imperatoren gilt, nur allzu naheliegend: Das dekadente Rom der Sptantike mit seiner grenzenlosen Lust an Gewalt und verbotenen Vergngungen und der exzessive Sptkapitalismus der lebensgierigen Mnner aus Queens, die die Wall Street als ihr eigenes Imperium ansahen.

Dieser moderne Caligula wurde von der Welt der New Yorker Brsenhaie und Finanz-Outlaws aufgesogen und blind fr die Folgen seines Handelns. In den spten achtziger und frhen neunziger Jahren war Wall Street so unkontrolliert und anarchisch wie eine neue Form des Wilden Westen, bemerkt DiCaprio. Und Jordan Belfort war einer dieser Gesetzlosen, die davon profitierten, wie sich immer mehr Hintertren im Finanzsystem ffneten, immer mehr glnzende Gelegenheiten, mehr oder weniger legal die Mitmenschen bers Ohr zu hauen. Fr mich spiegelt sich in der Figur des Jordan Belfort der ganze Geist dieser Epoche, in der unsere Finanzsysteme komplett aus dem Ruder liefen.

Doch was DiCaprio darber hinaus an diesem Charakter faszinierte, war seine radikale Offenheit. Er verschwieg nichts und lebte alles ffentlich aus: Die wilden und vulgren Orgien, das ekstatische Gefhl des eigenen Erfolgs, das Geld, das so schnell und leicht floss, dass man sich damit die Lagersttten fr den Sex auspolstern und es buchstblich ins Wasser werfen konnte, wenn einem danach war. Immer schneller wurde das Auergewhnliche zum Normalen und man brauchte mehr und mehr, mehr Profit und grere Exzesse.

Was mich an Belfort so faszinierte, war die uneingeschrnkte Offenherzigkeit, mit der er ber seine immer verrckteren Unternehmungen sprach. Er nahm kein Blatt vor den Mund, er versuchte nicht, sich irgendwie zu rechtfertigen. Er versuchte seine Gier nach Reichtum und seine Malosigkeit im Verprassen nicht zu beschnigen. Ich hatte das Gefhl, genau diese Offenheit ergibt die Grundlage fr eine faszinierende Charakterstudie. Und die Tatsache, dass er schlielich doch fr seine Snden zahlen musste, gibt dem Film seine dramatische Dimension.

Bevor Belfort wegen Geldwsche und Aktienbetrug angeklagt wurde, fhrte er sein verschwenderisches Leben auf eine barocke, orgiastische Weise, wie man es sich kaum vorstellen kann. Er war mit dem eigenen Hubschrauber unterwegs, mit einem seiner sechs Luxusautos oder mit seiner 50-Meter-Yacht, die vorher Coco Chanel gehrt hatte. Mal eben auf Firmenkosten 700 000 Dollar fr Hotelrechnungen und Prostituierte auszugeben gehrte ebenso dazu, wie eine tgliche Dosis von 20 Quaaludes, gemischt mit Kokain und Morphium.

Dann verlor Belfort alles. Er hatte im Gefngnis eine Menge Zeit zum Nachdenken und legte seine Gestndnisse in einem Buch nieder, in dem er Schritt fr Schritt erlutert, wie er aus einem Garagenunternehmen fr Kleinaktien (die Penny-Stocks, mit denen auch weniger Bemittelte zum Einstieg ins Geschft mit hoch riskanten Papieren verleitet werden) das grte jener Pump & Dump-Unternehmen emacht hat, in denen dauerquasselnde Brsenmakler die Aktien mit allen erdenklichen Tricks in vollkommen berhhte Bewertungen hinauftreiben, um sie dann blitzschnell abzustoen und ihre Kunden zu betrgen.

Jordan Belfort beschreibt auch, wie sein Leben durch die schiere Malosigkeit in den Abgrund fhrte. Belforts Buch zeichnet sich durch die typische New Yorker Mischung aus drastischer Respektlosigkeit und Sensibilitt im Detail aus. Kritiker lobten den kraftvollen Erzhlrhythmus und nicht zuletzt Belforts Sinn fr das Komische. Vielen erschien das Buch The Wolf of Wall Street als treffendste Beschreibung des modernen Geldwahns, der Amerika im Wrgegriff hat.

Drehbuchautor Terence Winter musste zugeben: Als ich den fertigen Film zum ersten Mal sah, ist mir die Spucke weg geblieben. Ich meine, das war ja alles genau das, was ich geschrieben hatte, aber ich konnte doch den Grad an Wahnsinn, Intensitt und bsem Witz kaum fassen, den da all diese herrlichen Schauspieler, und Leo ganz besonders, auf die Leinwand brachten. Marty hat anscheinend eine ganz besondere Gabe, die Seiten eines Drehbuchs in ein Meisterwerk des visuellen Erzhlens zu verwandeln. Er hat einen wahren Tsunami von Gier und Wahnsinn auf der Leinwand entfacht.

Martin Scorseses Film strotzt nicht nur von der erbarmungslosen Darstellung der exzessiven Geldscheffelei, er schafft es auch, das Ganze fr den Laien erklrbar zu machen, was gewiss an der Adaption von Terence Winter liegt, und daraus eine Satire, ja fast schon eine Groteske zu machen, die den Zuschauer auf einen ganz besonderen Trip mitnimmt. Leonardo DiCaprio spielt den Jordan Belfort, wie eigentlich alle seine Rollen, grandios und erzhlt nebenbei auch noch die Geschichte aus dem Off, manchmal sogar direkt in die Kamera.

Jordan Belfort ist der Prototyp dieser Zyklen von Gier, Wahn und Katastrophe. Zugleich aber entspricht er diesem typischen Scorsese-Charakter, den der Filmemacher in seinen Arbeiten immer wieder untersucht hat Mnner, die von Ehrgeiz und Ambition getrieben werden, die nach ihren eigenen Mastben leben und Erfolg damit haben, sich dabei aber zunehmend in moralischen und emotionalen Fallstricken verfangen und sich nicht mehr daraus befreien knnen.

Doch auch wenn Scorsese die Charaktere der Figuren bekannt vorkamen, so war es doch eine neue Erfahrung fr ihn, eine Komdie zu drehen. Sicher, es wird viel erzhlt in dem Film. Es stecken schlielich auch jede Menge Erlebnisse darin. Es gibt, ganz klar, den kriminellen Teil, auf den immer wieder zwischendurch hingewiesen wird, wenn Kyle Chandlers FBI-Agent Dunham auftaucht. Dann gibt es den dramatischen Teil, wenn Belfort aufsteigt und durch seine Sex-&-Drugs-Orgien, und besonders durch seine Beziehung zu der aufreizend hbschen Naomi (Neuentdeckung Margot Robbie kennt man vielleicht aus der kurzlebigen Serie Pan Am.) seine bisherige (nicht weniger hbsche) Frau Teresa vergrault.

Und dann gibt es das Neuland, das Scorsese betritt: Komdie. Neben coolen Sprchen gibt es schlielich auch noch wahnwitzige Szenen, zumeist im Drogenrausch, die das Tempo des Films drosseln, weil diese Szenen eine bestimmte Geschwindigkeit besitzen mssen, um auch znden zu knnen. So wirkt zum Beispiel die Szene, in der Belfort von einer berdosis alter Drogen halb gelhmt aus dem Haus kraucht, in seinen Ferrari steigt, und zu seinem Kumpel in den Countryclub fhrt und sich wundert, dass er trotzdem heil dort angekommen ist. Solche Szenen scheinen aus einem anderen Biotop zu kommen, passen nicht unbedingt zum Film, lockern jedoch die angespannte Stimmung auf. Das erinnert ein wenig an Slapstick la Blake Edwards. Vielleicht konnte ja Regisseur/Schauspieler Rob Reiner, der hier Belfort Senior spielt, seinen Kollegen Scorsese etwas in Sachen Komdie beraten...

Untersttzt wurde DiCaprio dabei von dem Schauspieler, fr den Komdie kein Fremdwort ist - Jonah Hill. Gleich in seiner ersten Szene schafft er es, nur mit seinem Aussehen zu amsieren. Mit diesem superweien Riesengebiss, der Hornbrille und dem passenden, ber die Schultern gehangenen Pulli wei der Zuschauer sofort: Aha, Komdie! Nach seiner letztjhrigen Oscar®-Nominierung fr Die Kunst zu gewinnen - Moneyball nahm Jonah Hill die Herausforderung dieser Rolle gerne an, bei der er seinem Gespr fr unterschwellige Komik freien Lauf lassen konnte.

Leonardo DiCaprio selbst war bei der Golden-Globe®-Verleihung erstaunt, einmal einen Preis fr eine Komdie entgegenzunehmen. Vielleicht kann er das ja bei der kommenden Oscar®-Verleihung wiederholen. Immerhin ist der Film 5x nominiert - Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Martin Scorsese, Terence Winter fr die beste Adaption, sowie als bester Film.

Der Film, der brigens ohne eigens komponierte Musik auskommt, hat auf jeden Fall gute Chancen, dort abzusahnen. Auch fr Margot Robbie funkeln die Sterne, denn sie wird nun von allen Filmemachern umgarnt und ist derzeit im Gesprch, die Rolle der Jane in David Yates' Neuadaption von Edgar Rice Burroughs' Tarzan zu spielen. Die Titelrolle soll brigens Alexander Skarsgrd bernehmen. Auerdem soll sie Amanda Seyfried in dem Psychothriller Z for Zachariah (mit Chris Pine und Chiwetel Ejiofor) ersetzen.

The Wolf of Wall Street ist mit seinen 3 Stunden Lnge nicht unbedingt das gewohnte Komdienformat und lst Judd Apatows 153 Minuten lange Dramdie Wie das Leben so spielt (mit Adam Sandler, Leslie Mann, Eric Bana) als lngste Komdie ab. Man braucht dafr, inklusive Werbung und Trailer, gengend Sitzfleisch, wird dafr jedoch mit einem ordentlichen Film belohnt, der dazu auch noch auf Tatsachen beruht! Jordan Belfort hchst persnlich, der whrend der Produktion Rede und Antwort stand, hat am Ende brigens selbst einen kleinen Auftritt, wo er sozusagen sich selbst anmoderiert. ■ mz

19. Januar 2014
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OT: The Wolf of Wall Street
Drama/Komdie/Krimi/Biografie
USA 2013
179 min


mit

Leonardo DiCaprio (Jordan Belfort) Gerrit Schmidt-Fo
Jonah Hill (Donnie Azoff) Tobias Mller
Margot Robbie (Naomi Lapaglia) Anne Helm
Matthew McConaughey (Mark Hanna) Benjamin Vlz
Kyle Chandler (Agent Patrick Denham) Thomas Nero Wolff
Rob Reiner (Max Belfort) Roland Hemmo
Jon Bernthal (Brad) Martin Kautz
Katarina Cas (Chantalle) Katharina Spiering
P.J. Byrne (Nicky Koskoff/Wischmopp) Tobias Nath
Kenneth Choi (Chester Ming) Tobias Lelle
Brian Sacca (Robbie Feinberg/Dummkopf) Peter Lontzek
Henry Zebrowski (Alden Kupferberg/Seeotter) Jesco Wirthgen
Ethan Suplee (Toby Welch) Oliver Stritzel
Jon Favreau (Manny Riskin) Detlef Bierstedt
Jean Dujardin (Jean Jacques Saurel) Patrice Luc Doumeyrou
Joanna Lumley (Tante Emma) Kerstin Sanders-Dornseif
Cristin Milioti (Teresa Petrillo) Marie Bierstedt
Shea Whigham (Captain Ted Beecham) Wolfgang Wagner
Jake Hoffman (Steve Madden) Asad Schwarz
Aya Cash (Janet) Anja Stadlober
J.C. MacKenzie (Lucas Solomon) Rainer Doering
Stephanie Kurtzuba (Kimmie Belzer) Maud Ackermann
Jordan Belfort (Auckland Straight Line Prsentator) Nicolas Bll
Spike Jonze (Dwayne) Rainer Fritzsche

drehbuch
Terence Winter
nach dem Buch von Jordan Belfort

kamera
Rodrigo Prieto

regie
Martin Scorsese

produktion
Red Granite Pictures
Sikelia Productions
Appian Way
EMJAG Productions
TWOWS

verleih
Universal

Kinostart: 16. Januar 2014