Samstag, 23. März 2019

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12 Years a Slave


Solomon Northup muss als Sklave Platt Baumwolle pflcken.
Tobis Film
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Nach seinen gefeierten, vielfach prmierten Meisterwerken Shame und Hunger verfilmte der Knstler, Fotograf und Ausnahmeregisseur Steve McQueen, Trger des renommierten Turner-Preises, nun mit 12 Years a Slave die wahre und mitreiende Geschichte des Afro-Amerikaners Solomon Northup, der als freier Mann im US-Staat New York lebte und von skrupellosen Geschftemachern gekidnappt, in die Sdstaaten verschleppt und als Sklave verkauft wurde.

Saratoga/New York, 1841, vor Beginn des Amerikanischen Brgerkriegs (18611864). Der Afro-Amerikaner Solomon Northup lebt mit seiner Frau und zwei Kindern ein einfaches aber glckliches Leben als freier Mann. Als zwei Fremde den virtuosen Geigenspieler fr einen gut bezahlten Auftritt engagieren und danach noch zu einem Restaurantbesuch einladen, schpft Solomon keinerlei Verdacht.

Umso grer ist sein Entsetzen, als er sich am nchsten Morgen in Ketten gelegt auf einem Sklavenschiff Richtung Louisiana wiederfindet! Alle Proteste und Hinweise auf seine verbrieften Freiheitsrechte verhallen ungehrt: Northup wird verkauft und muss unter schlimmsten Bedingungen Fronarbeit leisten.

Zwlf lange Jahre sucht er, der Willkr und dem Sadismus des Sklavenhalters Edwin Epps ausgesetzt, nach einem Weg, sich aus der Gefangenschaft zu befreien. Sein Ziel heit berleben nur so bleibt ihm die Hoffnung, seine geliebte Familie wieder zu sehen.


Mehr als 30 Jahre genoss ich als freier Mann in einem freien Staat die Segnung des Freiseins, ehe ich gekidnappt und in die Sklaverei verkauft wurde. 12 Jahre lang war ich ein Sklave, bis ich im Januar 1853 endlich wieder aus meiner Knechtschaft befreit wurde. Dieses Schicksal, so sagte man mir, wre gewiss von ffentlichem Interesse.
Solomon Northup

Ich machte mir Gedanken darber, wie ich so eine Geschichte erzhlen knnte, erinnert sich Regisseur Steve McQueen. Ich suchte nach dem richtigen Ansatzpunkt. Ich wollte einen Helden, der ursprnglich ein freier Mann war, jemand mit dem sich das Publikum leicht identifizieren konnte. Einen Familienmenschen, der gekidnappt und zum Sklaven wird. ber diese Idee sprach McQueen mit seiner Frau Bianca, die schlielich auf Solomon Northups Memoiren stie. Das Buch hatte damals in der amerikanischen Gesellschaft fr groe Aufregung gesorgt, war aber dann in Vergessenheit geraten.

In dem Moment, in dem ich mit dem Lesen anfing, konnte ich nicht mehr aufhren, gesteht McQueen. Es war einfach eine unglaubliche Geschichte, ein Mrchen wie aus der Welt der Gebrder Grimm. Ein Mann verliert alles seine Familie, seine Freiheit, seine Wrde. Und am Ende findet er all das wieder.

McQueen bemerkte, wie viele Leser zuvor, dass Solomon Northup ein ausgezeichneter Beobachter gewesen sein muss. Er besa einen przisen Blick fr die Menschen und Lebensumstnde jener Zeit. Er macht in seinem Buch das Grauen der Sklaverei nicht nur begreifbar, sondern auch sicht- und sprbar.

Seine Geschichte besitzt auerdem Bezge zur Gegenwart. Es geht um physische und geistige Moral, um berlebenswillen und Mut. Northup ist Zeitzeuge, einer der die Schrecken der Sklaverei am eigenen Leib erlebt hat, und gleichzeitig auch ein echter Literat. Er berichtet nicht nur darber was ihm zugestoen ist, sondern stellt dem Leser auch die Frage, was er an seiner Stelle getan htte.

1853 erschien Solomon Northups 12 Years a Slave, das sich schnell zu einem Bestseller jener Tage entwickelte. Das Buch, das Northup mit der Hilfe von Schriftsteller David Wilson verfasst hatte, sprach die Leser auf verschiedenen Ebenen an. Einerseits vermittelt es, was es hie, einem Master zu gehren, mag dieser nun grausam oder wohlwollend gewesen sein, andererseits zeigt es, welche moralischen, emotionalen und geistigen Auswirkungen die Sklaverei sowohl auf die Sklaven, als auch ihre Besitzer hatte. Vor allem aber zeugt es von der Unbeugsamkeit des menschlichen Willens.

Ein Jahr nachdem Northup seine Freiheit wiedererlangt hatte, wurde das Buch 1853, neun Jahre vor Beginn des Amerikanischen Brgerkriegs, verffentlicht. So wurde es zu einem wichtigen Bestandteil der nationalen Debatte ber die Zukunft der Sklaverei, denn es widersprach den Aussagen vieler Plantagenbesitzer, die behaupteten, ihren Sklaven menschenwrdige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu gewhren. Northup selbst sagte ber sein Buch, dass er es zu Papier gebracht hatte, um die Institution Sklaverei zu portrtieren, und zwar so wie er sie am eigenen Leib erfahren hatte.

Chiwetel Ejiofor, der Mann mit dem Zungenbrechernamen, begann seine Karriere 1997 auf dem von Steven Spielberg gesteuerten Sklavenschiff Amistad, worin er neben Djimon Hounsou, Morgan Freeman, Anthony Hopkins und Matthew McConaughey spielte. Bereits vor seiner Tortur in 12 Years a Slave kehrte er auf die Plantagen zurck. In dem Film Savannah spielte er neben Jim Caviezel, Bradley Whitford, Sam Shepard und Jaimie Alexander einen befreiten Sklaven, der zusammen mit seinem weien Freund das zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewohnte Leben auf der Plantage zurcklie und fortan als Wildjger lebte.

In 12 Years a Slave spielen noch so andere Schauspieler mit, die mit ihren merkwrdigen Namen bekannt wurden - so wie Benedict Cumberbatch (Sherlock) oder Quvenzhan Wallis, die erst im vorigen Jahr den Oscar® ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr ist sie zwar nicht nominiert (dafr war ihre Rolle hier auch zu klein und kurz), dafr ist der Film aber mit insgesamt 9 Nominierungen einer der Favoriten im diesjhrigen Rennen um die Trophe.

Drehbuchautor John Ridley und Steve McQueen strzten sich gemeinsam in die Recherche. Sie beschftigten sich ausgiebig mit dem Thema Sklaverei, beispielsweise als Vorboten der globalen Wirtschaft und mit den Mechanismen, die ber die Jahre immer perfekter und perfider wurden. Sie verschafften sich einen berblick ber die Baumwollindustrie und erfuhren von den brutalen Strukturen. Sie untersuchten, wie der Wirtschaftszweig funktionierte, und wie sie sich mit Eli Whitneys Erfindung der Entkrnungsmaschine alles vernderte, weil sie die Massenproduktion von Baumwolle ermglichte und die Sklaverei zum Dreh- und Angelpunkt der konomie wurde.

Amerika wurde auf dem Rcken der Sklaven reich und mchtig. Der Bedarf an billigen, besser noch unbezahlten Arbeitskrften wuchs stndig. Den Plantagenbesitzern waren alle Mittel recht, um an Sklaven zu kommen. Rcksichtslos wurden Familien auseinandergerissen, man brauchte Arbeitskrfte, fr den Profit wurde jegliche Moral vernachlssigt. Dies rief die Gegner der Sklaverei auf den Plan, die Abolitionisten. Das Land spaltete sich in zwei Lager: Die Sdstaaten der USA befrworteten die Sklaverei, die Nordstaaten lehnten sie vehement ab.

Es gab unzhlige Dinge, die wir ber die Sklaverei herausfanden, erzhlt Ridley. Wenn man heute darber spricht, geht man landlufig davon aus, dass Schwarze in den Baumwollfeldern unter besseren oder unter schlechteren Bedingungen schufteten. Fertig! Aber das ganze System war viel komplexer. Es zielte auf eine totale Entmenschlichung ab. Den Weien gegenber wurde behauptet, dass Schwarze dazu geboren waren, Sklaven zu sein. Sie wurden als minderwertige Rasse dargestellt, der von Geburt an berhaupt keine Rechte zustanden. Davon wollten Steve und ich erzhlen und gleichzeitig zeigen, welches Unrecht Solomon zugefgt wurde.

Das knapp terminierte und in 35 Drehtagen realisierte Filmprojekt begann auf der Felicity Plantation in Vacherie, Louisiana. Nur wenige Meilen von dem Ort entfernt, wo Northup jahrelang als Sklave Fronarbeit leisten musste. Dort versammelte McQueen sein eingespieltes Team, zu dem unter anderem sein bewhrter Kameramann Sean Bobbitt, der Produktionsdesigner Adam Stockhausen und die fnffach fr einen Oscar® nominierte Kostmbildnerin Patricia Norris zhlten.

Bobbitt saugt den Zuschauer mit Nahaufnahmen oder langen Einstellungen frmlich ins Geschehen hinein. McQueen dazu: Der Film ist generell schnell geschnitten, aber wir bremsen das Tempo immer wieder durch lange Sequenzen, um die Gruel der Sklaverei sprbar zu machen. Wir wollten zeigen, wie die Sklaven sich gefhlt haben, welches Leid sie erdulden mussten.

Bobbitt und McQueen wussten, dass sie mit ihrem Film bekanntes Terrain betraten, denn das Publikum ist mit dem Thema durch Kino- und Fernsehfilme (wie zuletzt Django unchained) oder der Serie Roots vertraut. Aber der Unterschied zu Solomon Northups Geschichte liegt darin, dass all diese Vorgngerfilme Schicksale fiktiver Personen zeigten. Hier haben wir es mit erlebter Geschichte zu tun. Der Mann von dem wir erzhlen, hat all das, was der Film zeigt, am eigenen Leib erfahren. Er war Teil dieser Entmenschlichung, sagt Bobbitt. Wir wollten also weder Romantisierung noch Spekulation. Wir suchten nach den wahren Bildern.

Doch dass dieses 12-jhrige Abenteuer mehr bewegt als alle anderen Geschichten, kann ich nicht behaupten. Auch wenn die Figuren erfunden waren, so wurde trotzdem recherchiert und einige der wahren Praktiken der Plantagenbesitzer und Sklavenhndler in deren Geschichten eingebaut. Steve McQueens Film ist sozusagen das Tpfelchen auf dem i und zeigt, dass die erfundenen Geschichten gar nicht allzu weit von der Realitt entfernt waren.

12 Years a Slave ist nicht unbedingt spannend, doch der Film zeigt explizit die Entmenschlichung der Schwarzen und die Skrupellosigkeit der Weien, dass man schon fast die Jugendfreigabe ab 12 Jahren anzweifeln sollte. In Sachen Grausamkeit spielen Michael Fassbender (McQueen-erfahren), Sarah Paulson (American Horror Story) und Paul Dano (Prisoners) derart hervorragend, dass man sich schon fast gentigt fhlt, Abstand zu ihnen halten zu wollen. Chiwetel Ejiofor dagegen, mag es an der Rolle liegen, wirkt die meiste Zeit eher emotionslos oder aufgespielt, ganz im Gegensatz zu seinen Mitsklaven - besonders zu Lupita Nyong'o, die hier als gebeutelte Sklavin Patsey ihr Spielfilmdebt gibt.

Die Musik von Hans Zimmer wirkt eher unterschwellig sprlich, oder wie McQuenn sagt: Seine Musik parfmiert den Film. Dadurch wirkt der Film auch nicht so sehr kassentrchtig nach Hollywood. An manchen Stellen im Film stellen sich jedoch dem Zuschauer Fragen, warum etwas so ist, oder warum sich manche Figuren sich so verhalten, dass man da eventuell noch etwas htte erklren sollen, wenn man sich nicht so in der Geschichte der Sklaverei auskennt. So wirken einige Langeinstellungen entweder zu lang oder neigen schon fast zur unfreiwilligen Komik (mit der Betonung auf fast!). Doch im Groen und Ganzen ist 12 Years a Slave ein bemerkenswertes Stck im groen Geschichtspuzzle der Sklaverei und mit Sicherheit die Hlfte der Oscar®-Nominierungen wert. ■ mz

17. Januar 2014
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OT: 12 Years a Slave
Drama/Biografie
USA 2013
135 min


mit

Chiwetel Ejiofor (Solomon Northup) Torben Liebrecht
Benedict Cumberbatch (William Ford) Sascha Rotermund
Michael Fassbender (Edwin Epps) Norman Matt
Paul Dano (Tibeats) Timmo Niesner
Sarah Paulson (Mistress Epps) Claudia Lssl
Paul Giamatti (Theophilus Freeman) Lutz Schnell
Garret Dillahunt (Armsby) Olaf Reichmann
Brad Pitt (Bass) Tobias Meister
Adepero Oduye (Eliza) Sanam Afrashteh
Lupita Nyong'o (Patsey) Rubina Kuraoka
Alfre Woodard (Mistress Shaw)
Dwight Henry (Onkel Abram)
Kelsey Scott (Anne Northup)
Quvenzhan Wallis (Margaret Northup)
Cameron Zeigler (Alonzo Northup)
Scoot McNairy (Brown)
Taran Killam (Hamilton)

drehbuch
John Ridley
nach den Memoiren Twelve Years a Slave von Solomon Northup

musik
Hans Zimmer

kamera
Sean Bobbitt

regie
Steve McQueen

produktion
Regency Enterprises
River Road Entertainment
Plan B
New Regency
Film4

verleih
Tobis Film

Kinostart: 16. Januar 2014