Sonntag, 24. März 2019

The Company you keep - Die Akte Grant


Jim Grant auf der Flucht
Concorde
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Die Weather Underground Organisation

Mit seinem neuesten Politthriller The Company you keep (mit dem deutschen Untertitel Die Akte Grant) zeigt uns Robert Redford, dass er es noch drauf hat. Der mittlerweile 76-Jhrige sitzt nicht nur auf dem Regiestuhl, sondern spielt auch gleichzeitig die Hauptrolle, in der er joggt und rennt! Doch das Alter macht sich bemerkbar, denn die Puste ist es auch schlielich, die ihm im Film am Ende scheitern lsst.

An seine Seite, bzw. vor der Kamera, versammelte er dem Filmtitel wrdig noch einmal eine Riege von Altstars wie Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Sam Elliott und Richard Jenkins, als auch aufkeimende Jungakteure wie Anna Kendrick, Brit Marling oder Shia LaBeouf, der hier im Prinzip die Aufdeckerrolle spielt wie Redford damals in Die drei Tage des Condor.

Jim Grant ist ein auf Brgerrecht spezialisierter Anwalt, der seine junge Tochter Isabel in einem ruhigen Vorort von Albany allein grozieht. Seine friedliche Welt wird auf den Kopf gestellt, als der forsche, ehrgeizige Jungreporter Ben Shepard herausfindet, dass Grant sich hinter einer falschen Identitt versteckt, in den 1970er Jahren als radikaler Aktivist gegen den Vietnamkrieg kmpfte und wegen seiner Beteiligung an einem Gewaltverbrechen gesucht wird.

Nachdem er mehr als 30 Jahre in den Untergrund abgetaucht war und ein ganz normales Leben gefhrt hatte, muss Grant nun erneut fliehen. Verfolgt vom FBI und einem leitenden Ermittler, der zur nationalen Treibjagd auf den Anwalt geblasen hat, schlgt sich Grant quer durch Amerika, um die einzige Person zu finden, die die ganze Wahrheit kennt.

Ben Shepard ist sich der Bedeutung seiner Enthllungen, die berall im Land fr Schlagzeilen sorgen, sehr wohl bewusst. Fr ihn als Journalist ist diese Story eine Gelegenheit, die sich nur einmal im Leben bieten wird. Shepard ist besessen davon, sich als Journalist einen groen Namen zu machen. Und nichts wird ihn davon abhalten knnen, aus dieser Geschichte richtig Kapital zu schlagen. So vergrbt er sich tief in Grants Vergangenheit und verfolgt ihn unerbittlich trotz Warnungen seines Chefredakteurs und ungeachtet der Drohungen des FBI.

Jim Grant kontaktiert frhere Mitglieder des Weather Underground, seiner damals militant gegen den Vietnamkrieg kmpfenden Aktivistengruppe, und reit bei manchen alte Wunden auf. Dagegen entdeckt Shepard etwas an Grant, das einfach keinen Sinn zu machen scheint. Whrend das FBI immer nher kommt, enthllt der Journalist die schockierenden Geheimnisse, die Grant 30 Jahre gewahrt und fr sich behalten hat. Schlielich stehen sich Grant und Shepard in der Wildnis von Michigan direkt gegenber. Jetzt mssen die beiden Mnner mit sich ins Reine kommen, sich klar werden, wer sie wirklich sind...

Fr mich war das einfach eine gute Geschichte. Sie erlaubt uns, einen intimeren Blick auf ein Ereignis zu werfen, das zur Geschichte Amerikas gehrt, erlutert Redford. Dieser Film ermglicht es uns nicht nur, diese Ereignisse in der Rckschau zu betrachten, sondern wirklich zu ihrem menschlichen Kern vorzudringen. Hier sehen wir, welches Leben diese Menschen 30 Jahre spter fhren, wie sie im Untergrund und mit einer falschen Identitt leben.

Der Film handelt von einer linksextremen, militanten Untergrundorganisation, ein halbwegs US-amerikanisches quivalent zur radikalen RAF, die damals Deutschland terrorisierte. Aber fr den Regisseur war nicht der historische Hintergrund ausschlaggebend, sondern viel mehr die persnlichen Schicksale der Aktivisten.

Etwas an dieser Geschichte erinnerte mich an Les Misrables und die Hauptfigur Jean Valjean, der fr den Diebstahl von einem Laib Brot 19 Jahre hinter Gittern verbrachte, analysiert Redford. Er floh aus dem Gefngnis, nahm eine neue Identitt an, bekam eine Tochter, fhrte ein gutes Leben, und trotzdem lie ihn der Schmerz der Vergangenheit nie los. Wie werden diese Menschen also mit so etwas fertig? Verndern sie sich oder auch nicht? Fr mich lieferten die Antworten auf diese Fragen die interessante Geschichte, die erzhlt werden musste. Es ging weniger um die Anti-Kriegsbewegung selbst, denn sie ist Teil der amerikanischen Geschichte.

Der Fokus lag eher darauf, wie Grant sich den Geistern seiner Vergangenheit stellt, wie sich seine Beziehung zu allen Mitstreitern, die immer noch im Untergrund leben, verndert. Grant hofft, sich selbst entlasten zu knnen und endlich vom Mordverdacht befreit zu werden, der ihn Jahrzehnte zuvor zwang, als Student mit Verbindungen zum radikalen Rand der Anti-Kriegsbewegung zu fliehen.

Bei diesem Film geht es um eine Gruppe von Menschen, die im Untergrund lebten, fhrt Redford fort. Sie standen sich sehr nah, waren einander durch die Lebensweisen der damaligen Zeit und das, was alle damals bewegte, verbunden. Jetzt sind sie lter geworden, haben andere Wege eingeschlagen. Einige von ihnen nehmen es sich bel, dass sie das getan haben. Andere zeigen Reue.

Einige von ihnen haben damals fest an ihre Sache geglaubt, aber auch das Gefhl, den Rest ihres Lebens dafr bezahlen zu mssen. Andere wiederum hielten es damals schon fr eine gerechte Sache und glauben, dass diese auch heute noch Gltigkeit besitzt. Es gibt also viele unterschiedliche Gefhle und Beziehungen. Mich faszinierte, wie sie sich gegenseitig beeinflussten.

Redford plante die Entwicklung des Drehbuchs wie auch die Produktion bis ins letzte Detail. Trotzdem berlie er betrchtliche Teile der Geschichte der Interpretation der Schauspieler. Tatschlich ermunterte er sie, etwas zur Story beizutragen, schlielich ist er selbst Schauspieler. Zu Beginn war das Drehbuch nicht mehr als ein dramaturgisches Fundament, das wir dann bei den Proben ausbauten, erinnert sich Shia LaBeouf an die Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinen Darstellern.

Ich glaube, es hatte nicht mehr als 80 Seiten, als ich es erstmals las, und dann begann er, Leben in das Skript hineinzupumpen. Er machte es mglich, dass wir 20 Seiten frei entwickeln konnten. Er fhlte sich immer noch sicher und wohl genug, grnes Licht dafr zu geben. Und er hatte das Selbstvertrauen und das Vertrauen in sein Team, dass man auch vorankommen wrde.

Als Beispiel fhrt LaBeouf eine Szene an, in der er als Journalist in einem Diner in Ann Arbor auf Brendan Gleesons pensionierten Polizeichef zugeht, um Informationen aus ihm herauszubekommen: Ursprnglich gab es diese Szene im Drehbuch gar nicht. Dann wird jemand vom Kaliber wie Brendan Gleeson besetzt, und dann legt man einfach los... Redford lsst Freirume zu, aber solche Szenen sind dennoch strukturiert. Sie sind nicht nur improvisiert. Was und warum etwas erklrt werden muss, das gibt die Struktur vor.

Er hat alles total unter Kontrolle, doch er lsst seinen Film sich so frei entwickeln, als gbe es weder Kontrolle noch irgendwelche Grenzen. Dadurch knnen sich authentische Momente entfalten, und trotzdem bleibt die Struktur gewahrt. Was er macht, ist wirklich verblffend! Und es scheint ihm so leicht zu fallen. Das ist das Schne an ihm.

Fr Redford waren weder Effektspezialisten noch Digitalanimatoren fr das Feuerwerk in diesem Film verantwortlich, sondern die explosiven Interaktionen zwischen den Figuren und ihren Darstellern - ein Konzept, das in eine andere ra des Filmemachens zurckfhrt, wie er offen zugibt: Heute sind die neuen Technologien die zentralen Motoren vieler Filme, erlutert Redford.

Es gibt viele verblffende Stunts, die es oft unmglich machen, zu unterscheiden, was virtuell oder real ist. Manches davon kann unglaublich unterhaltsam sein. Bei einigen der groen Blockbuster-Filme ist diese Technologie Motor der ganzen Geschichte, gibt es vielleicht sogar kaum noch eine Geschichte, dafr aber viel Action und jede Menge Entertainment. So etwas gab es in den 1970er Jahren einfach nicht. Damals hatte das Geschichtenerzhlen im Film noch eine viel grere Bedeutung, und das gefllt mir natrlich. Ich denke, ich bevorzuge immer noch ein Kino, das sich vor allem fr den Menschen interessiert.

Zum Schluss resmiert Robert Redford ber seine eigenen Belange im Leben: Als Kind liebte ich Frankenstein, Filme mit den Drei Stooges und Musicals. Und daran hat sich nichts gendert. Als Knstler aber widmet man sich Dingen, die einem wirklich wichtig sind. Und fr mich sind das eben Geschichten ber das Leben in Amerika. Es ist ein groartiges Land, aber wir mssen auch einen Blick auf die Grauzonen unseres Landes werfen. Und genau das interessiert mich. Schlielich habe ich alles miterlebt.

The Company you keep - Die Akte Grant ist, wie schon gesagt wurde, Kino der alten Schule. Und auch wenn der Film nur mig spannend ist, was eher am Drehbuch liegt als an Mangel von Effekten, so ist er allein schon deshalb sehenswert, die Schauspieler der alten Garde zusammen auf der Leinwand zu sehen. Immerhin haben Robert Redford und Julie Christie bislang noch nie zusammengearbeitet, trotzdem ihre Karriere fast gleichzeitig verlief. Ein weiterer Pluspunkt ist, das Shia LaBeouf weniger nervt als sonst. Die erfahrene Schauspielerriege muss wohl auf ihn abgefrbt haben.

Und dann ist da noch die Frage nach der deutschen Synchronstimme Robert Redfords. Nachdem Rolf Schult in diesem Jahr von uns gegangen ist, der Redford ber Jahre hinweg seine markante Stimme verliehen hat, musste eine neue Stimme her. In Redfords letztem Film, Von Lwen und Lmmern, war bereits Kaspar Eichel zu hren. Offensichtlich wollte man sich jetzt mehr an Redfords Originalstimme ausrichten als an Eichels hnlichkeit mit Schults Stimme. So ist in diesem Film Jrgen Heinrich zu hren, bekannt als Kommissar Wolff aus Wolffs Revier. Heinrich kann aber auch auf eine Synchronsprecherkarriere zurckweisen. Unter anderem sprach er Don Stroud in der Serie Mike Hammer und Fred Dryer in Hunter, und er ist die Synchronstimme von Tchky Karyo und William Hurt. The Company you keep, finde ich. ■ mz

27. Juli 2013
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OT: The Company you keep
Thriller
USA 2012
125 min
FSK 6


mit

Robert Redford (Jim Grant/Nick Sloan) Jrgen Heinrich
Shia LaBeouf (Ben Shepard) David Turba
Julie Christie (Mimi Lurie)
Susan Sarandon (Sharon Solarz) Kerstin Sanders-Dornseif
Nick Nolte (Donal Fitzgerald) Tommi Piper
Chris Cooper (Daniel Sloan) Jan Spitzer
Terrence Howard (FBI Agent Cornelius) Oliver Mink
Stanley Tucci (Ray Fuller) Lutz Mackensy
Richard Jenkins (Jed Lewis)
Anna Kendrick (Diana) Anne Helm
Brendan Gleeson (Henry Osborne) Roland Hemmo
Brit Marling (Rebecca Osborne) Berenice Weichert
Sam Elliott (Mac McLeod) Reiner Schne
Stephen Root (Billy Cusimano) Jrg Dring
Jacqueline Evancho (Isabel Grant)
Matthew Kimbrough (Barnes) Detlef Bierstedt
Lochlyn Munro (FBI Agent Munro) Dennis Schmidt-Fo
u.a.

drehbuch
Lem Dobbs
basierend auf dem Roman von Neil Gordon

musik
Cliff Martinez

kamera
Adriano Goldman

regie
Robert Redford

produktion
Voltage Pictures
Wildwood Enterprises
Brightlight Pictures
Kingsgate Films
Outpost Studios
TCYK North Productions

verleih
Concorde

Kinostart: 25. Juli 2013