Donnerstag, 21. März 2019

Snitch - Ein riskanter Deal


Bauunternehmerssohn Jason Collins nimmt ein brisantes Paket an.
Tobis/Summit Entertainment, LLC
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Auf den ersten Blick enthlt Snitch alle Bestandteile eines fulminanten Actionkrachers: mit Dwayne Johnson einen Topstar des Genres, ein fesselndes Skript von Justin Haythe und Regisseur Ric Roman Waugh und Stunts vom Feinsten. Zugleich aber behandelt der Film auch ein brisantes, wenig bekanntes Thema, das als Nebenprodukt des Kampfes gegen die Drogen in den USA eine zunehmend wichtigere Rolle spielt.

Im Zentrum der Story steht John Matthews, Inhaber eines Bauunternehmens, dessen 18-jhriger Sohn Jason sich von einem Kumpel breitschlagen lsst, ein Drogenpaket anzunehmen. Als Jason damit geschnappt wird, belastet ihn der Kumpel schwer, um seine eigene Haut zu retten. In den USA stehen auf bloen Drogenbesitz Freiheitsstrafen zwischen zehn und 30 Jahren. Seine Strafe wiederum knnte Jason dadurch reduzieren, dass er der Justiz einen anderen Kriminellen ausliefert. Da er aber gar keine anderen Drogendealer kennt, sitzt Jason in der Falle.

Die Story greift zwei umstrittene Aspekte des amerikanischen Strafrechts auf. Erstens: Seit der War on Drugs Mitte der 80er Jahre verschrft wurde, gelten die sogenannten Mandatory Drug Sentencing Laws empfindliche Mindeststrafen, die ausschlielich von der Menge der sichergestellten Drogen abhngen. Zehn Gramm LSD dabei? Das macht dann zehn Jahre Knast!

Zweitens: Wer die Behrden bei der Ergreifung anderer Delinquenten mageblich untersttzt, bekommt im Gegenzug groe Teile seiner Strafe erlassen. Kurz: Wer verpfeift, wird verschont. Gebracht aber hat das snitching wenig: Die Gefngnisse quellen in den USA genauso ber wie die Konten der Drogenmafia. Genaue Zahlen und Statistiken zu diesem Thema finden Sie ►hier.

In Snitch wird der Held gezwungenermaen zum Spitzel. Er macht mit der eisigen Staatsanwltin Joanne Keeghan einen Deal, nimmt quasi die Schuld seines Sohns auf sich. So wird ein ganz normaler Familienmensch zum Undercoverermittler. Und das Interessante daran ist, dass dieser Jedermann von einem der grten Actionhelden des aktuellen Kinos gespielt wird: Dwayne Johnson, der hier seine Muskelpakete zwar nicht verbergen muss, sich aber auch auf mittelbar berzeugende Weise leise und verletzlich gibt.

bermenschliche Krfte stehen ihm im Kampf gegen die kleinen und greren Vertreter des Drogenbusiness nicht zur Verfgung, es ist der blanke Wille, der ihn antreibt, die Liebe eines Vaters, der ber einen schier aussichtslosen Kampf zum entfremdeten Sohn zurckfindet. Das ist wahrscheinlich auch der Knackpunkt an dem Film. Man nimmt es dem Muskelpaket einfach nicht ab, sich verprgeln zu lassen. In dieser Hinsicht ist Johnson womglich die groe Fehlbesetzung des Films.

Es wird von Action mit Tiefgang geschrieben. Doch diese Action hlt sich in Grenzen. Die Figuren und deren Hintergrnde sind durchaus fein ausgefeilt und bis auf die Hauptrolle passend besetzt. Whrend Jon Bernthal an seine bisherigen Rollen anknpft (Eastwick, The walking Dead), bringt Barry Pepper als taffer und besorgter Drogenfahnder ungewohnte Frische in den Film.

Laut Jonathan King (Produktionschef bei Participant Media) denken viele Polizeibeamte sehr kritisch ber das aktuelle Strafrecht. Sie leiden darunter, dass sie fast nichts mehr selbst verantworten drfen, weil die Gesetze so unflexibel sind. Die Entscheidungen treffen die Politiker und ihre Whler. Die Abgeordneten beschlieen hohe Mindeststrafen, denken dabei aber nur an ihre Wiederwahl, anstatt sich ernsthaft mit dem Problem auseinanderzusetzen.

Participant Media ist bekannt fr Projekte, die kommerziellen Appeal mit anspruchsvollen Themen verbinden. Dazu zhlen der preisgekrnte Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit, das Drama The Help sowie der Pandemiethriller Contagion von Steven Soderbergh.

Snitch passt wunderbar zu unserer Firmenphilosophie. Der Film erzhlt davon, wie verschwenderisch, korrupt und unsinnig der Kampf gegen die Drogen geworden ist, konstatiert King. Jeder wei, dass Drogen und die Gewalt, die sie mit sich bringen, in den USA ein groes Problem darstellen. Aber so, wie Justiz und Polizei dagegen vorgehen, werden Milliarden vergeudet und unzhlige Menschen sinnlos inhaftiert. Dazu kommt, dass bei der Vollstreckung der Gesetze oft politische und rassistische Motive eine Rolle spielen.

Snitch ist ein solider Krimi mit Actionelementen, der durch seinen Realittsbezug besticht. Im Ganzen betrachtet hat der Film jedoch kaum mehr Appeal als ein ebensolch kontroverser TV-Film. Insofern muss man diesen Film nicht unbedingt im Kino sehen - und schon gar nicht, wenn man Dwayne-Johnson-Fan ist. Peinlich genug, dass auf dem Plakat mit der bester 'The Rock' Film des Jahres beworben wird. Immerhin spielt Johnson seit geraumer Zeit ohne seinen Wrestling-Namenszusatz, und ihn jetzt hier als Memme zu sehen, macht nicht nur endgltig sein Wrestlingimage kaputt, sondern auch diesen Film. ■ mz

5. Juni 2013
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OT: Snitch
Krimi/Drama
USA 2013
112 min
FSK 12


mit

Dwayne Johnson (John Matthews) Leon Boden
Barry Pepper (Agent Cooper) Roman Kretschmer
Jon Bernthal (Daniel James) Martin Kautz
Susan Sarandon (Joanne Keeghan) Kerstin Sanders-Dornseif
Michael K. Williams (Malik) Daniel Fehlow
Rafi Gavron (Jason Collins) Julius Jellinek
Melina Kanakaredes (Sylvie Collins) Silke Matthias
Nadine Velazquez (Analisa) Maria Koschny
Benjamin Bratt (Juan Carlos El Topo Pintera) Marcus Off
Lela Loren (Vanessa) Kaya Moeller
JD Pardo (Benicio) Michael Deffert
David Harbour (Jay Price) Peter Flechtner
Harold Perrineau (Jeffery Steele) Matthias Klages
u.a.

drehbuch
Justin Haythe
Ric Roman Waugh

musik
Antonio Pinto

kamera
Dana Gonzales

regie
Ric Roman Waugh

produktion
Summit Entertainment
Exclusive Media Group
Participant Media
Imagenation Abu Dhabi FZ
Front Street Productions
Spitfire Pictures

verleih
Tobis

Kinostart: 6. Juni 2013