Montag, 17. Dezember 2018
2018
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar


2017
Dezember
November
Oktober
September
August
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar

Brüno - In gefährlicher Mission


© Universal Studios
Teilen

Brüno | Trailer | Galerie | Filmseite


In gefährlicher Mission
Der hohe Preis der Mode
Ruhm tut weh
Skrupellose Bühneneltern
Zauberhafte Fundamentalisten
Auf der Jagd
Gewagte Cage Fights

In gefährlicher Mission

Nach dem globalen Siegeszug von Borat begann die filmische Weltreise von Österreichs berühmtestem Modeguru (und Moderator von „Funkyzeit mit Brüno“) mit einer simplen Frage: „Können wir das noch mal durchziehen?“ Wie sich herausstellen sollte, ja... Falls es denn dem Filmteam gelingen sollte, seinen Star und kreativen Kopf bis zum Schluss am Leben und auf freiem Fuß zu halten.

Eine goldene Regel hatten Regisseur Larry Charles sowie die Produzenten Sacha Baron Cohen, Dan Mazer, Jay Roach und Monica Levinson nach ihren Borat-Erfahrungen verinnerlicht: „Kenne und befolge die Gesetze - und immer einen Fluchtplan parat haben!“ Allen war klar: Sollte Baron Cohen verhaftet oder verletzt werden, würde das die Produktion wochenlang lahmlegen. Das war die oberste Maxime, und zum Glück ging der Plan auf - naja, bis auf eine Ausnahme.

In fünf Autos (3 Lieferwagen, 1 Flucht-Minivan und 1 Wohnmobil, das zugleich als Schaltzentrale und Umkleidekabine diente) reiste die Crew quer durch Amerika, Europa und den Nahen Osten. Von Los Angeles, New York, Washington D.C., Kansas, Texas, Alabama und Arkansas über London, Berlin, Paris und Mailand bis nach Jordanien und Israel hielt sich das Team an einen atemlosen Zeitplan. Hier eine kleine Auswahl ihrer wilden Abenteuer:



Der hohe Preis der Mode

Im September 2008 traf das Team zur Modewoche in Mailand ein. Sie hatten sich einen Gag ausgedacht, bei dem Baron Cohen alias Brüno in einem Anzug aus Velcro in einer Limousine vorfährt und den Laufsteg erobert. Regisseur Charles und sein Kamerateam sollten das alles filmen. Erste Anläufe scheiterten bereits am Einlass, als Sicherheitsleute die Hauptakteure erkannten und vom Gelände wiesen. Die Beamten riefen die Polizei, beschuldigten das Brüno-Team, Kleider gestohlen zu haben, und warfen sie hinaus.

Brüno war also von der Mailänder Fashion Week verbannt. Die italienische Handelskammer gab gar eine Pressemitteilung mit der Warnung heraus, Baron Cohen könnte versuchen, die Schauen zu stören und riet, seiner Produktionsfirma den Zutritt zu verweigern. Mit seinem „Fahndungsfoto“ auf Fernsehkanälen und im Internet war Baron Cohen fortan auf der Flucht. Die Polizei von Mailand verkündete, dass man ihn auf der Stelle verhaften werde. Jeder wollte den fabelhaften Moderator mit dem beißenden Witz ausschalten.

Obwohl weitere Versuche sinnlos erschienen, war das Team nicht bereit, das Handtuch zu werfen. Die Lösung? Baron Cohen bestand darauf, dass alle Beteiligten ihr Erscheinungsbild ändern, so dass eine völlig neue Crew entstand. Regisseur Charles etwa rasierte seinen Bart ab und legte sich eine andere Frisur zu. Auch Produzent Mazer wurde ein neuer Haarschnitt verpasst, ebenso weiteren Mitarbeitern des Mailänder Kamerateams. Alle, die an der Nummer beteiligt waren, legten sich andere Outfits zu.

Angetan mit Haute-Couture-Schals und coolen Sonnenbrillen verwandelten sie sich in Modefans, die perfekt ins Bild passten. Für das Team war dies die letzte Chance, die Velcro-Szene, die die Autoren so sorgfältig entworfen hatten, in den Kasten zu bekommen. Nur zusätzliche Polizeibeamte, die das Gelände nach Brüno durchkämmten, und verschärfte Securitykontrollen standen noch zwischen ihnen und dem großen Auftritt. 30 Minuten vor der Show von Agatha Ruiz de la Prada schlug der Mann hinter Brüno zu. Das Team besorgte ihm die nötige Legitimation, und er marschierte hinein. Diesmal allerdings nicht als Moderator von „Funkyzeit mit Brüno“, sondern als italienischer Fotograf getarnt - natürlich in einem fabelhaften neuen Outfit.

Flankiert von Hair-&-Make-up-Stylist und Co-Autor Hines, fand Baron Cohen einen Schlupfwinkel hinter der Bühne und verwandelte sich in Brüno. Aufgeregt versuchte er, seine Atmung zu kontrollieren, während Models und Security nur Zentimeter entfernt an ihm vorbeigingen. Der Künstler wusste: Sollte er entdeckt werden, wäre die letzte, beste Chance auf diese entscheidende Szene vertan. Kurz nach Beginn der Modenschau packte er die Gelegenheit beim Schopf: Baron Cohen brach aus seinem Versteck aus und sprintete an erstaunten Models und postierten Bodyguards vorbei hinter die Bühne. Die Produzenten waren euphorisch, als Baron Cohen (als Brüno in seinem Klettanzug, an dem ein Haufen Kleider klebte) auf den Laufsteg stolperte.

Vor laufenden Kameras flippte das aufgebrachte Publikum aus. Gerade als das Team die Szene im Kasten hatte, schaltete die Security die Bühnenbeleuchtung aus und zerrte Baron Cohen vom Laufsteg. Die Polizei führte ihn in Handschellen ab und beförderte ihn ins Gefängnis, dicht gefolgt von Cohens Crew. Obwohl er angab, es handle sich um ein Versehen (er habe eben heute seinen Velcroanzug angezogen und sei da einfach hereinspaziert) wurde Baron Cohen einer Leibesvisitation unterzogen und von nicht weniger als sieben Polizeibeamten verhört.

Unverdrossen zog das Team weiter ins nächste Abenteuer. Denn schon wenige Tage später stellte Baron Cohen die Frage: »Können wir nächste Woche zur Fashion Week nach Paris fahren?« Und die Produzenten antworteten, etwas matt: »Na gut, fahren wir nach Paris.« Sie drehten an zwei Oktobertagen und ergatterten beste Plätze für so begehrte Shows wie die von Stella McCartney und Jean-Charles de Castelbajac. Selbstverständlich trug Brüno wieder ein schrilles Outfit und geizte nicht mit Kommentaren, während die Kameras mitliefen.

Das war nicht das letzte Mal, dass die selbsternannten Modemacher es mit Brüno zu tun bekamen. Obwohl die Sequenz letztlich nicht im Film verwendet wurde, drehte das Produktionsteam außerdem im Berliner Nachtclub Bangaluu, wo Brüno seinen Abschied von der Modewelt nimmt. Mitten in einer langen Partynacht schlich Brüno ans DJ-Pult, drehte die Musik ab und hielt eine flammende Zehn-Minuten-Rede vor der verstörten Klientel. In seinem Wahn beglückte der Fashionista sein Publikum mit „der wichtigsten Rede seit Martin Luther Kings ‘Ich habe einen Traum’.“

Es muss wohl kaum betont werden, dass die Raver wenig begeistert waren, als man ihnen die Musik abstellte, und umgehend anfingen, den unerwünschten Gastredner zu beschimpfen. Flaschen und randvolle Biergläser regneten auf Brüno herab. Als die Sicherheitsleute Baron Cohen aus dem Club eskortierten, stürzte die betrunkene Menge dem Störenfried nach. Im Gewühl schlug ein Angreifer dem Künstler in den Nacken, andere zerrten an seiner Kleidung. Brüno war offiziell „aus“.



Ruhm tut weh

Auf seiner Suche nach Megaruhm stößt Brüno auf manch sonderbaren Interviewpartner. Dabei war niemand faszinierender als jene, die im Umgang mit den Medien eigentlich viel gewiefter sein sollten: die Stars. Eines der schrägsten sozialen Experimente war der Einsatz der „mexikanischen Möbelleute“. Der unerhörte Gag: Brüno stellt fest, dass er gar keine Möbel hat, auf denen seine prominenten Gäste Platz nehmen könnten. Was muss also als Stuhl oder Sofa herhalten? Die Latino-Gärtner, klar.

Natürlich ging das Brüno-Team davon aus, dass sich niemand freiwillig auf die Männer (allesamt Stuntmen und Schauspieler) setzen würde. Weit gefehlt. Die Stargäste waren überraschend leicht zum Mitspielen zu bewegen: Alle nahmen ohne Umschweife Platz. American Idol-Jurorin Paula Abdul willigte ein, sich von Herrn Brüno interviewen zu lassen und dabei auf der Haushaltshilfe zu thronen. Als dann jedoch das Essen auf einem solchen serviert wurde, war es ihr anscheinend doch zu viel.

Während Abdul in Los Angeles interviewt wurde, zog die Produktion weiter nach Washington D.C., um einen gewissen Politiker Stellung nehmen zu lassen: US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul. Dieses spezielle Gespräch war ein besonders mühsames, riskantes Unterfangen. Das Brüno-Team musste sich mit der Staatspolizei und dem Secret Service auseinandersetzen, ganz zu schweigen von Pauls respekteinflößender Entourage. Kaum war das Gespräch vorbei und Paul vom Set gestürmt, raste Baron Cohen aus der Hotelsuite in ein (falsches) Polizeiauto und direkt ins Flugzeug nach New York City.

Die Dreharbeiten forderten jedoch ihren Tribut: Der Star lag mit Grippe flach und durfte auf keinen Fall fliegen. Die Produktion lag zwei Tage brach. Obwohl er noch nicht vollständig genesen war, wurde Baron Cohen soweit aufgepäppelt, dass er die „mexikanische Stühle“-Szene drehen konnte. Dann bestieg er ein Flugzeug nach Kansas. Hier entstanden jene Schlüsselszenen, in der er an Filmpartner Gustaf Hammersten gefesselt durch Hotelflure und ein Einkaufszentrum stolpert.

Bei der Hotelzimmerszene, in der Baron Cohen und Hammersten auf dem Bett aneinandergekettet sind, hieß es plötzlich, die Polizei sei in der Lobby. Während die Beamten im Fahrstuhl nach oben fuhren, stürzte das Duo durch den Notausgang ins Treppenhaus. Unglücklicherweise endeten die Stufen im zweiten Stock. Sie saßen in der Falle. Blitzschnell mussten sie sich zwischen der Konfrontation mit der Polizei, was eine mögliche Verhaftung und Ausweisung aus den USA bedeutet hätte, oder einem 4,5-Meter-Abgrund in die Freiheit entscheiden. Beide wagten den Sprung und schafften es ins Fluchtauto.

Baron Cohen war offiziell am Boden. Die Antibiotika erzeugten eine allergische Reaktion. Von dem Enthaarungsmittel, das er benutzte, bekam er Ausschlag. Nachdem er sich mit viel Disziplin und Durchhaltewillen von einer Nebenhöhlenentzündung erholt hatte, trat Brüno wieder in Aktion - bis sein Alter Ego bei einem Stunt im mittleren Westen auf seinen Plateauschuhen umknickte und die Produktion für weitere sieben Wochen lahmlegte.



Skrupellose Bühneneltern

Ein anderer Aspekt, den es bloßzustellen galt, war die weltweite Begeisterung für das Privatleben Prominenter und wie sie ihre Familien einer begierigen Öffentlichkeit präsentieren. So beschloss das Kreativteam: Wenn sich Brüno als selbstloser, hingebungsvoller Vater verkauft, könnte das, zumindest seiner Meinung nach, seinen Starstatus festigen. Also musste er ein Kind adoptieren, logisch. Und was könnte ihn besser als liebevollen Promidaddy ausweisen, als einem afrikanischen Baby aus einem kleinen Dorf ein unkonventionelles neues Zuhause zu geben? Was Madonna und Angelina Jolie können, kann Brüno auch.

Fortan trug Brüno seinen Adoptivsohn, gespielt von Zwillingen, wie ein hippes Accessoire immer bei sich: von Castings über Spontanhochzeiten in Kalifornien bis hin zu Talkshows in Texas. Selbstverständlich stießen die Eltern der Jungen und ein Sozialarbeiter zum schlanken Brüno-Team, um jederzeit für das Wohlergehen der Zwillinge Sorge zu tragen. Nirgends sorgte das Adoptivkind für mehr Aufruhr als auf dem Flughafen Dallas/Fort Worth: Brüno und sein Assistent nahmen den eben eingetroffenen Kleinen mit den Koffern am Gepäckband entgegen, während Regisseur Charles die Reaktionen der Fluggäste filmte. Der Jetsetter war just von einer Safari in Afrika zurückgekehrt und das Kind sein kostbarstes Mitbringsel.

Doch Brüno war nicht der Einzige, der um jeden Preis zum Superstar aufsteigen wollte. Kaum jemand strebt konsequenter nach Ruhm als die ehrgeizigen Eltern von aufstrebenden Kinderstars. Baron Cohen alias Brüno und die Filmemacher wollten diese Welt und ihre Akteure unter die Lupe nehmen und führten dazu im Februar 2008 mit den Erziehungsberechtigten „hoffnungsvoller“ Kinderstars eine Reihe von Castings im kalifornischen Sherman Oaks durch. Den Bewerbern wurde mitgeteilt, dass ihre Kinder für ein Fotoshooting mit Brünos Baby in Betracht gezogen würden. Alle Beteiligten waren fassungslos, welchen bizarren und bedenklichen Maßnahmen manche Eltern ihre Kinder unterziehen würden, um sie ins Rampenlicht zu stoßen.

Als dann Brüno selbst vor die Kamera trat, stellte Baron Cohen gezielt umso abwegigere Testfragen: Wie weit würden diese Eltern wohl gehen, selbst wenn sie dabei die Gesundheit ihres Kindes aufs Spiel setzen? Danach war das Team durch die schockierenden Reaktionen der Eltern auf immer irrsinnigere Vorschläge so entnervt und verunsichert, dass sie vorsichtshalber unmissverständliche Absagen erteilten: Mitarbeiter riefen die übereifrigen Mamis und Daddys an und teilten ihnen mit, dass sie das Ganze nicht weiterverfolgen sollten. Ihr Kind sei bei dem Fototermin nicht dabei.

Regisseur Charles und die Produzenten hatten gelernt, dass man bei Sacha Baron Cohen stets auf alles gefasst sein muss. Selbst sie hatten jedoch nicht damit gerechnet, dass er sich in den Kopf setzen würde, Brüno als Friedensstifter in den Nahen Osten zu schicken...



Zauberhafte Fundamentalisten

Baron Cohens Interviewtaktik bestand schon immer darin, seine Gesprächspartner drauflosreden zu lassen und ihre spontane Reaktion auf das Szenario einzufangen, dass er mit seinen Mitautoren vorbereitet hat. Als er nun aber vorschlug, sich mit Terroristen einzulassen, brachte er sogar seine sonst so tapferen Mitstreiter aus dem Konzept: »Wie zur Hölle soll das funktionieren, ohne dass wir alle dabei draufgehen?« Allen war klar, dass Jordanien, Israel oder das Westjordanland aus Sicherheitsgründen außer Frage standen. Das dachten sie zumindest.

Bevor sie ihren Plan weiterverfolgten, traf sich das Team mit Nahostexperten, um herauszufinden, welche Grenzen sie unter keinen Umständen übertreten sollten. Sie informierten sich bei palästinensischen, jordanischen und israelischen Beratern, um diese ungeschriebenen Verhaltensregeln zu begreifen. Ob sie sich dann auch daran hielten stand auf einem anderen Blatt.

Der Dreheinsatz in dieser Region sollte der einschüchterndste und lebensgefährlichste von allen werden. Nachdem er Jordaniens ehemaligen Premierminister tatsächlich zu einem 90-minütigen Interview in dessen Residenz überlisten konnte, musste Baron Cohen sich anschließend mit der Königsfamilie treffen, um die Wogen wieder zu glätten. Als wäre dies, und weitere Treffen mit reizenden Mossadangehörigen und anderen fundamentalistischen Politikern, nicht genug, fuhr Baron Cohen alias Brüno auch noch in Zone C des Westjordanlandes, ein Gebiet außerhalb israelischer Kontrolle. Sollte hier etwas schieflaufen, hatte die Produktion von Israels Armee keine Hilfe zu erwarten. Die Filmemacher waren ganz auf sich allein gestellt.

Zur allgemeinen Überraschung willigte der Anführer der Terrorgruppe „Al-Aqsa Martyrs’ Brigade“ in Bethlehem tatsächlich ein, sich mit dem angeblichen „Korrespondenten“ zu treffen. Ein Assistent übersetzte dem Kopf der Vereinigung, die für ihre Selbstmordattentate berüchtigt ist, Brünos kuriose, höchst unflätige Bemerkungen. Die Leibwächter des Terroristen waren während des gesamten Gesprächs dabei. Und Brünos Kommentare brachten sie immer mehr in Rage.

Kaum waren Baron Cohen und Charles an dem geheimen Treffpunkt im Westjordanland eingetroffen, teilte man ihnen mit, dass der palästinensische Geheimdienst über ihren Aufenthaltsort informiert sei und sie nicht aus den Augen lassen werde. In gebotener Eile drehte das Team das nötige Material und begab sich schleunigst zurück auf sicheres Territorium.

Aber was taugen Friedensverhandlungen, wenn man die Gegenseite nicht einbezieht? So zählte zu den Kamikazeexperimenten der Produktion auch Brünos Ausflug in ein jüdisch-orthodoxes Viertel in Israel. Den Anhängern dieser konservativen Glaubensgemeinschaft ist es untersagt, Haut zu zeigen, auch nicht Beine und Arme. Als Baron Cohen in hautengen Hotpants und Häubchen über die Straße stolzierte, jagten ihm aufgebrachte Passanten nach. Sie wollten Blut sehen. Eine beachtliche, erzürnte Menschenmenge sammelte sich, um Baron Cohen für seine Verfehlung zu bestrafen. Der Star war gezwungen, sich im Laden eines mitfühlenden Krämers zu verstecken, bis ein Lieferwagen der Produktion zu ihm durchdringen und ihn aus der Bredouille befreien konnte. Erst dann konnte er sich, auf den Boden des Fluchtautos gekauert, vor der drohenden Randale in Sicherheit bringen.

Zurück in den USA wähnte sich das Produktionsteam auf sichererem Terrain. Falsch. Sie ließen sich mit einem ansässigen Terroristen ein, der ebenso gefährlich war wie jene im Nahen Osten. Im Haus eines bekannten weißen Rechtsextremisten drehte die Crew dramatische Szenen, die es allerdings nicht in die Endfassung von Brüno schafften. Der Mann, der für seine brutalen Hasskampagnen zehn Jahre im Gefängnis saß, nahm es gar nicht gut auf, als Brüno ihm seinen damaligen Lover Diesel vorstellte. Mit geballter Faust ging der Rassist auf Baron Cohen los, der dem Schlag gerade noch ausweichen und heil aus dem Haus flüchten konnte.



Auf der Jagd

Regisseur Charles und die Produzenten waren gleichermaßen fasziniert, welche Entrüstung manche „Opfer“ an den Tag legten, wenn man sie mit Brünos Homosexualität konfrontierte. Allein schon zwei Männer, die sich küssen, lösten bei manchen Wutanfälle aus, und alle Reaktionen wurden auf Film gebannt. Einige regten sich derartig auf, dass sie sich mit Baron Cohen prügeln wollten.

Das war definitiv der Fall, als er in Alabama mit vier Jägern auf die Pirsch ging. Die Männer waren bereit, den vermeintlichen Auslandskorrespondenten und seine Crew mit auf die Jagd zu nehmen. Ihre Waffen würden sie aber jederzeit tragen. Das Team versuchte, die vier dazu zu bringen, ihre Gewehre während des Drehs abzulegen, doch das war nicht so einfach. Im Gegenteil: Als es ans Eingemachte ging, wurden Waffen gezogen.

Als die Jäger begriffen, dass Brüno schwul ist, und glaubten, er würde einen von ihnen anmachen, luden sie ihre Gewehre durch. So fand sich das Filmteam in stockfinsterer Nacht als Zielscheibe schwer bewaffneter Kerle wieder, und Baron Cohens Streiche heizten ihren Zorn immer mehr an. Als die Produktion ihre Zelte abbrach, kochten die Jäger bereits vor Wut. Doch es kam noch schlimmer. Im Laufe einer hitzigen Diskussion zielte einer der Männer todernst auf ein Crewmitglied. Es war dringend Zeit, Dodge zu verlassen.



Gewagte Cage Fights

Neben dem Interview mit dem Terroristenführer im Nahen Osten, gehörte der Cage Fight, bei dem sich Brüno und die Liebe seines Lebens im Ring gegenüber stehen, zu den riskantesten Gags der Produktion. Wie so oft buchten Regisseur Charles und die Produzenten eine Ersatzhalle für den Fall, dass sie nicht auf Anhieb die gewünschten Szenen bekämen. Falls nötig, könnten sie so anderes Material dazwischen schneiden und die Sequenz retten. Sobald bekannt würde, dass die Produktion in der Stadt ist, würde sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreiten. Sie mussten der Öffentlichkeit also immer einen Schritt voraus sein.

Dennoch ging es bei keinem Dreh heikler zu als hier. Mitwirkende und Zuschauer wurden live Zeugen, als die Beziehung zwischen Brüno und seinem Reisegefährten Lutz erblühte. Anfang Juni 2008 buchte die Produktion eine Halle in Texarkana, Arkansas, und veranstaltete einen „Blue Collar Brawlin“-Abend. Das Programm: Extremwrestling und billiges Bier. Brüno, gestählt durch monatelange harte Feldstudien in Sachen „Wie werde ich ein Hetero?“ auf Amerikas Straßen, würde gegen jeden antreten, der es wagt, den Macho herauszufordern. Im Namen der Sache wurden die rigiden moralischen Normen des Staates Arkansas auf eine harte Probe gestellt.

Für die Produktion war es äußerst wichtig, keine Statuten oder Regeln zu brechen. Stets wurde sichergestellt, dass man sich innerhalb des Legalen bewegte. Das Team wollte jeglichen Ärger mit Beamten vermeiden und gab sich daher alle Mühe, die Polizei informiert und auf seiner Seite zu haben. Trotzdem war es gut, zu wissen, dass sie ruckzuck in zwei anderen Bundesstaaten wären, falls sie aus Texarkana flüchten müssten.

Am ersten Abend stellte die Arena im Südwesten von Arkansas zunächst nur Polizisten als Security ab. Doch als das Filmteam die Beamten wissen ließ, dass sich das Publikum echauffieren könnte, wenn sich im Laufe der Show zwei Männer küssen, machte die Polizei einen Rückzieher. Man werde jedoch anrücken, falls es Beschwerden von Seiten der Zuschauer geben sollte und Probleme auftreten. Und genauso sollte es auch kommen. Darsteller und Crew standen allein da.

Als Produzent, Autor, Schöpfer und Star der Komödie wusste Baron Cohen nur zu gut, dass er seinen Auftritt nicht durchziehen kann, wenn er um die Sicherheit seines Teams fürchten muss. Kurz nach der ersten Umarmung der beiden Männer flogen Stühle, und ein Kämpfer, der das Treiben aus dem Zuschauerraum verfolgt hatte, kletterte in den Käfig und forderte Baron Cohen zum Kampf. Regisseur Charles bekam zwar nicht die benötigten Aufnahmen, aber immerhin konnten Baron Cohen und die Crew gerade noch entkommen. Die Polizei ließ sich übrigens nicht blicken.

Über Nacht wurde die Operation Brüno einige Fahrstunden gen Norden nach Fort Smith, Arkansas, verfrachtet. Dort angekommen nahm die Polizei von Fort Smith wegen des Vorfalls in Texarkana Kontakt zum Team auf: Die Beamten standen für das Event nicht länger zur Verfügung. Da nur die örtliche Polizei als Sicherheitsdienst für das Convention Center zugelassen war, dachte die Produktion schon, das Glück habe sie verlassen. Erfreulicherweise konnten sich die Produzenten persönlich mit dem Polizeichef und diversen anderen Beamten treffen und ihre Unterstützung gewinnen. Sie verließen das Meeting mit einer Liste von Stadtverordnungen, die noch strenger waren als die Kommunalvorschriften von Arkansas.

Mit einschlägigen Erfahrungen gerüstet sorgte das Team dafür, dass bei dem Event in Fort Smith keine Glasflaschen zugelassen waren, die als Wurfgeschosse benutzt werden könnten, und banden die Stühle mit Draht zusammen, damit die Fans sie nicht in den Ring wuchten konnten.

Nur Sekunden nach dem Kuss rastete das Publikum aus. Kurz darauf riss ein Zuschauer einen Stuhl los und schleuderte ihn nach Baron Cohens Kopf. Die Situation drohte völlig zu eskalieren, und die Mitwirkenden wurden in Windeseile aus der Halle gebracht. Zuschauer und Kämpfer schrien Schimpfwörter im Chor und umzingelten den Bus der Produktion, wo das Team mehrere Stunden in der Falle saß. 40 Polizeibeamte aus Fort Smith halfen mit, Cast und Crew zu befreien und die wütende Menge im Zaum zu halten. ■ Quelle: Universal

Komödie
USA 2009
82 min


mit
Sacha Baron Cohen (Brüno) Markus Pfeiffer
Gustaf Hammarsten (Lutz) Michael Pink
Clifford Bañagale (Diesel) Dirk Petrick
Chibundu und Chigozie Orukwowu (O.J.)
Josh Meyers (Kookus)
Paula Abdul Victoria Sturm
Harrison Ford Helmut Gauß
Miguel Sandoval Kaspar Eichel
Ron Paul
Bono
Chris Martin
Elton John
Slash
Snoop Dogg
Sting
u.a.

drehbuch
Sacha Baron Cohen
Anthony Hines
Dan Mazer
Jeff Schaffer

musik
Erran Baron Cohen

kamera
Anthony Hardwick
Wolfgang Held

regie
Larry Charles

produktion
Everyman Pictures
Four by Two
Media Rights Capital

verleih
UPI

Ohne Cookies macht das Leben Internet keinen Sinn. Daher verarbeiten auch wir zumeist anonyme Daten und schenken Ihrem Browser ein paar Kekse. Welche Sorte wir hinterlegen, können Sie in unseren Datenschutzbestimmungen lesen. Sollten Sie damit einverstanden sein, klicken Sie bitte auf das Krümelmonster...