The Artist
© Delphi Filmverleih
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George Valentin ist der Superstar des großen Hollywoodkinos der 20er Jahre. Dem unvergleichlichen Charmeur und Draufgänger fliegen die Herzen des Publikums zu. Er genießt und zelebriert seinen Ruhm und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller. Doch mit dem Wendepunkt vom Stummfilm zum Tonfilm stehen die beiden Schauspieler plötzlich zwischen Ruhm und Untergang: Valentin will nicht wahr haben, dass der Tonfilm seine Karriere zu überrollen droht. Für Peppy Miller aber bedeutet die neue Technik den Durchbruch: Das Sternchen wird zum gefeierten Kinostar!
In Zeiten des 3D-Kinos und der Spezialeffekte, der Actionspektakel, Romantic Comedies und Teeniefilme, wagt The Artist das Einzigartige. Im Verzicht auf Farbe und auf gesprochene Dialoge bringt er die Gefühle der größten Epoche des Kinos auf unsere Leinwände. Ihre unbändige Freude am Spiel, ihre hinreißende Eleganz und ihren Witz, Tragik und Poesie. Mit rein filmischer Bildkraft, die jeden, ob alt oder jung, unmittelbar berührt.
Das nahezu eingeschworene Team der kultigen Agentenparodien um Agent OSS 117 (Jean Dujardin) versammelte sich nun zu einem ganz besonderen Leinwandabenteuer - einer Hommage an die Anfänge des Kinos, ein Stummfilm in Schwarzweiß und Vollbildformat! Mit großem Erfolg in Frankreich angelaufen, erobert The Artist nun den Rest der Welt.
Ähnlich wie Peppy im Film erstürmt Michel Hazanavicius (mit seinem zungenbrecherischen Namen) mit seiner bewegenden Liebesgeschichte die Herzen der Zuschauer: Die Golden Globes hat er schon abgeräumt, bei der Auszeichnung der Screen Actors Guild stimmte Dujardin sogar die Marsellaise an, und satte 10 mal ist der Film für den begehrtesten Filmpreis von allen nominiert, den Oscar®.
Es ist aber auch nicht leicht, einen Film zu bewerten, der heutzutage keine Vergleichsmöglichkeit bietet. Vom Standpunkt des heutigen Unterhaltungsstandards aus gesehen ist der Film eigentlich langweilig, vor allem, wenn man sich nicht von Vornherein darauf einlässt. Da kann ich die Leute verstehen, die, was ja durch die Presse gegangen ist, das Eintrittsgeld zurück verlangten, weil sie keinen Stummfilm in Schwarzweiß und Vollbild erwartet hatten.
Inzwischen jedoch sollte allen klar sein, was das für ein Film ist - eine Liebeserklärung an eine Kunst der Unterhaltung, die seit ihrer Erfindung nie aufhören wird, uns zu bezaubern. Und damit eine Liebeserklärung an jeden Zuschauer. The Artist gibt dem Zuschauer den Zauber zurück, wie befreiend und reich es sich anfühlt, sich von der Magie einer längst untergegangen geglaubten Kunst zum Lachen, zum Staunen und zum echten Gerührtsein hinreißen zu lassen.
Da in dem Film jegliche Sprache fehlt, wir jedoch im Zeitalter des Tonfilms leben, musste viel Wert auf die Musik gelegt werden. Es gibt heutzutage sehr viele Filme mit ausgesprochen hervorragender orchestraler Filmmusik. Daher ist man es gewohnt, dass diese die bewegten Bilder untermahlt. Allerdings ist man es nicht gewohnt, fast 100 Minuten nur diese Musik zu hören. Ludovic Bource komponierte zwar die Musik passend zur Stimmung der Szenarien, doch ein wenig mehr Abwechslung im Grundgefidel wäre wünschenswert gewesen.
Ein besonderes Highlight im Film ist allerdings ein Albtraum, den George im Film hat: Er träumt von Stille. Die Musik hat aufgehört zu spielen. Das Whiskyglas, das er abstellt, macht plötzlich ein Geräusch! Als er dann schließlich aufwacht und die Musik wieder beginnt, atmet er wieder auf. Das ist dann aber auch die einzige Stelle im Film, bei der die Musik eine Pause macht.
Was die Mimik und Gestik der Schauspieler angeht, ist dem nichts auszusetzen. Man sieht sofort am Gesichtsausdruck, wie die Person sich fühlt - eine besondere Leistung, die im Kino von heute nicht mehr allzu oft gefordert wird. The Artist ist eindeutig ein (wenn nicht sogar das) Highlight in der modernen Kinolandschaft. Mit seinem Alleinstellungsmerkmal kann der Film auch nicht wirklich mit anderen Filmen der heutigen Zeit verglichen werden und reiht sich dadurch in die Riege der besonderen Filme ein, die zeitlos und künstlerisch wertvoll sind. ■ mz
OT: The Artist
F/B 2011
Komödie/Stummfilm
FSK: 6
100 min; s/w
mit
Jean Dujardin (George Valentin)
Bérénice Bejo (Peppy Miller)
John Goodman (Al Zimmer)
James Cromwell (Clifton)
Penelope Ann Miller (Doris)
Missi Pyle (Constance)
Ed Lauter (Butler)
Ken Davitian (Pfandleiher)
Malcolm McDowell (Butler)
Nina Siemaszko (bewundernde Frau)
u.a.
musik
Ludovic Bource
kamera
Guillaume Schiffman
drehbuch
Michel Hazanavicius
regie
Michel Hazanavicius
produktion
La Petite Reine
La Classe Américaine
JD Prod
France 3 Cinéma
Jouror Productions
uFilm
Canal+
CinéCinéma
France Télévision
Le Tax Shelter du Gouvernement Fédéral de Belgique
verleih
Delphi
Die Muppets
© Andrew Macpherson/The Muppets Studio, LLC
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Sie sind wieder da - die Muppets! Mit Spannung erwarten Fans weltweit die bühnenreifen Auftritte von Kermit, dem Frosch, Miss Piggy, Fozzie, Gonzo, dem Tier, Waldorf und Statler und all den anderen Muppets! In ihrer neuen, bislang wildesten, buntesten und fröhlichsten Ausgabe der besten Show aller Zeiten sind die Muppets in alle Winde zerstreut: Fozzie tritt zusammen mit der Showband The Moopets in einem Casino in Reno auf, Miss Piggy arbeitet bei der Vogue in Paris, das Tier versucht, seine Wutanfälle in einer speziellen Klinik in Santa Barbara in den Griff zu bekommen, und Gonzo, dem bislang immer alles zu Bruch ging, was er auch anfasste, hat sich einen Ruf als Klempner für alle Fälle erarbeitet.
Muppet Walter ist der größte Muppetfan der Welt. Mit seinem Bruder Gary und dessen Freundin Mary macht er Urlaub in Los Angeles und findet zufällig heraus, dass der fiese Ölmagnat Tex Richman das alte Theater der Muppets dem Erdboden gleichmachen will, weil er in der Nähe Ölvorkommen wittert. Die drei fackeln nicht lange und helfen dem aufgebrachten Frosch Kermit, die verrückte Truppe von einst wieder zusammenzutrommeln, um das Theater zu retten. Doch das ist leichter gesagt als getan…
Jason Segel und Nick Stoller, Macher von slapstickgeladenen Kinohits wie Männertrip und Nie wieder Sex mit der Ex, schrieben das Drehbuch zu der Screwballkomödie, die die Muppets so zeigt, wie wir sie lieben: als sie selbst! Jason Segel hatte nicht nur die Idee zu dem neuen Muppetsabenteuer, er spielt zusammen mit der bezaubernden Amy Adams auch die nichttierischen Hauptrollen.
Applaus! Applaus! Appplaaaauuuuss! Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit den liebenswerten, chaotischen und einzigartigen Showtalenten und vielen, bekannten Stars aus der Film- und Musikbranche in außergewöhnlichen Cameos! Mit dabei sind u.a. Emily Blunt, Zach Galifianakis, Jack Black, Neil Patrick Harris, Selena Gomez, Whoopi Goldberg, Alan Arkin, Sarah Silverman, Leslie Feist, Judd Hirsch, John Krasinski und (ja, er lebt noch!) Mickey Rooney, dessen Sohn Michael übrigens für die Choreografie verantwortlich zeigte!
In ihrem 7. Leinwandauftritt geht es bei den Muppets ans Eingemachte! Die Idee mit dem Revival, wofür die Urlauber Kermit überreden, die alte Truppe aus den entferntesten Ecken der Welt zusammenzusuchen, ist nicht neu, aber für diesen Film äußerst passend, liegt doch der letzte Muppetkinofilm sage und schreibe 12 Jahre zurück! Es gab zwar zwischendurch ein paar Muppet-TV-Specials, doch seit Muppets aus dem All (1999) war es relativ ruhig um Kermit & Co. geworden.
Muppetfan Jason Segel erinnert sich an den Anfang des Projekts: »Am Ende unserer Komödie Nie wieder Sex mit der Ex (2008) steht ein aufwändiges Puppenmusical, für das die Jim Henson Company die Figuren entwarf. Da fing es an, mir in den Fingern zu jucken, so dass Nick und mir erste Einfälle für einen neuen Muppetfilm in den Sinn kamen, die wir bei Disney vorstellten. Dort kam die Idee gut an – und so legten wir mit dem Schreiben des Drehbuchs los.«
Der besondere Sinn für Humor ist es auch, der in Segels Augen die Muppets von anderen Komödien unterscheidet. »Moderne Comedy macht Witze auf anderer Leute Kosten«, findet der Schauspieler, Autor und ausführende Produzent. »Die Muppets dagegen machen sich über niemanden lustig. Bei ihnen dreht sich alles darum, gutherzig und nett zu sein und die Welt nach Möglichkeit zu einem besseren Ort zu machen. Es ist sehr leicht, einen Lacher auf Kosten eines anderen zu kassieren. Aber die Muppets hatten das nie nötig.«
Waldorf: „Keine Ahnung, aber wenn ich ihn mir so ansehe, wünsche ich mir das Schwein her.“
Beeinflusst von ihrem eigenen Bezug zum Muppetchaos führen die Filmemacher in Die Muppets eine zentrale Figur ein, deren lebenslange Liebe zu den Muppets die Geschichte in Gang setzt: Walter. »Walter ist naiv, süß, unschuldig und blauäugig. Eigentlich also genauso wie Kermit, bevor der berühmt wurde«, beschreibt Segel seinen Co-Star. »Er will einfach dazugehören und sucht letztlich vor allem Familienanschluss. Die Muppets sind die Einzigen, die er je gesehen hat, die so sind wie er. Deswegen ist es natürlich sein Ziel, einer von ihnen zu werden.«
Und Walter, der im echten Leben ein genauso großer Muppetfan ist wie seine Figur im Film, fügt hinzu: »Am Anfang träume ich einfach davon, die Muppets mal zu treffen. Aber letztlich helfe ich Kermit dabei, die ganze Truppe zusammenzutrommeln, um gemeinsam die Muppet Studios zu retten. Es ist die Rolle meines Lebens. Genau genommen ist es mein Leben!«
Erstmals gehen die Muppets einen Schritt weiter in der Evolution der Menschenpuppen (Man + Puppet = Muppet), die richtig übersetzt eigentlich Muppen heißen müssten, denn Muppet Walter spielt den Bruder von Jason Segels Gary. Wie das sein kann, dass ein Mensch und ein Muppet Beschwister sein können, wird im Film nicht näher erklärt. Vielleicht existiert ja auch irgendwo eine Erwachsenenversion über die Vorgeschichte…man weiß es nicht.
Doch das soll den Spaß nicht trüben. Der Film ist, im Gegensatz zu den letzteren Muppetwerken, mal wieder mit Gesangs- und Tanzeinlagen bestückt, was ja auch zu der letztendlich stattfindenden Muppet-Telethon-Revue passt. Ganz toll gemacht ist das eine Stück, „Man or Muppet“, in dem Gary und Walter das Lied singen und sich die Frage stellen: Bin ich ein Mensch oder eine Muppe? Im Splitscreen sieht man dann im Wechsel eine Menschversion von Walter und eine Muppetversion von Gary. Auch der Song an sich hat eine eingängige Melodie, die im Nachhinein auch im Ohrenschmalz hängen bleibt. Nicht ohne Grund ist der Song schließlich für den Oscar® nominiert!
Waldorf: „Irgendjemand musste doch die Zuschauer warnen, worauf sie sich da einlassen.“
Der Film ist voller witziger Einfälle. Schade nur, dass die menschlichen Hauptdarsteller ein wenig blass daherkommen. Amy Adams wirkt irgendwie unterfordert und Jason Segel freut sich den ganzen Film über, mit den legendären Muppets zu spielen, während jedoch Chris Cooper als böser Gegenspieler so richtig schön in die Overactingkiste greift.
Aber was red i do! Die Leute wollen ja schließlich die Muppets sehen! Und die bekommen sie auch - 99%ig! Denn einer fehlt im Film - Rizzo, die Ratte. Wie Kermit der Presse mitteilte ist dieser wohl Anwalt geworden und äußerst zufrieden in seinem Job. Er arbeitet sozusagen hinter den Kulissen… Die Muppets sind also wieder da, bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht! Hoffen wir mal, dass der nächste Muppetfilm nicht wieder 12 Jahre auf sich warten lässt! ■ mz
OT: The Muppets
USA 2011
Komödie
FSK: 0
109 min
mit
Jason Segel (Gary) Hubertus von Lerchenfeld (Sprache), Manuel Straube (Gesang)
Amy Adams (Mary) Giuliana Jakobeit (Sprache), Kerstin Heiles (Gesang)
Chris Cooper (Tex Richman) Jan Spitzer
Rashida Jones (Veronica Martin) Tanja Geke
Emily Blunt (Miss Piggys Empfangsdame) Bianca Krahl
Zach Galifianakis (Hobo Joe) Olaf Reichmann (Sprache), Ulli Plessmann (Gesang)
Sarah Silverman (Begrüßerin) Claudia Urbschat-Mingues
Jack Black Tobias Meister
Neil Patrick Harris Philipp Moog
Selena Gomez Gabrielle Pietermann
Whoopi Goldberg Regina Lemnitz
Jim Parsons (Walter/Mensch)
sowie den Stimmen von
Steve Whitmire (Kermit) Stefan Kaminski
Eric Jacobson (Miss Piggy) Christian Gaul
Peter Linz (Walter) Patrick Bach
Eric Jacobson (Fozzie) Tom Deininger
Dave Goelz (Gonzo) Bernd Simon
David Rudman (Scooter) Christina Hoeltel
Matt Vogel (Roowlf) Michael Rüth
Matt Vogel (Onkel Tödlich) Donald Arthur-Schwarz
Bill Barretta (Bobo) Klaus Sonnenschein (Sprache), Tommy Amper (Gesang)
Matt Vogel (80er Roboter) Wolfgang Ziffer
Dave Goelz (Waldorf) Hartmut Neugebauer
Steve Whitmire (Statler) Thomas Reiner
Steve Whitmire (Beaker) Hartmut Neugebauer
Bill Barretta (Dr. Goldzahn) Ulrich Krohm (Sprache), Tommy Amper (Gesang)
Bill Barretta (Schwedischer Koch) Hartmut Neugebauer
Eric Jacobson (Tier) Hartmut Neugebauer
Eric Jacobson (Sam Adler) Norbert Gastell
Matt Vogel (Lew Zealand) Andreas Mannkopff
Bill Barretta (Pepe) Oliver Rohrbeck
Dave Goelz (Dr. Honigtau Bunsenbrenner) Mogens von Gadow
Dave Goelz (Beauregard) Donald Arthur
Bill Barretta (Gary/Muppet)
u.a.
musik
Christophe Beck
kamera
Don Burgess
drehbuch
Jason Segel
Nicholas Stoller
regie
James Bobin
produktion
Walt Disney Pictures
Mandeville Films
Muppets Studio
verleih
Disney
Mein liebster Alptraum
© Concorde
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Benoît Poelvoorde |
Isabelle Huppert
Agathe wohnt mit ihrem Lebensgefährten François und dem gemeinsamen Sohn in einem schicken Appartement gegenüber vom Jardin du Luxembourg, dem früher königlichen, heute staatlichen Schlosspark. Patrick lebt allein mit seinem Sohn in einem Lieferwagen. Sie ist eine renommierte Galeristin, Chefin einer angesehenen Sammlung moderner Kunst. Er lebt von Gelegenheitsarbeiten und der Wohlfahrt.
Sie hat sieben Jahre lang an der Universität studiert. Er ist fast sieben Jahre lang hinter Gittern gesessen. Sie steht mit dem Kultusministerium auf du und du. Er ist jedem alkoholischen Getränk zugeneigt, dessen er habhaft werden kann. Sie genießt intellektuelle Debatten. Er liebt gelegentlichen Sex mit vollbusigen Bettgenossinnen.
Sie leben in zwei verschieden Welten und können den Anblick des jeweils anderen nicht ertragen. Sie hätten sich eigentlich nie treffen sollen, aber sie haben beide heranwachsende Söhne, die trotz unterschiedlichster Herkunft die besten Freunde sind. Und so kommen sich auch die Erwachsenen über alle gesellschaftlichen Schranken hinweg näher – näher als sie es eigentlich wollten.
In ihrer neuesten Komödie Mein liebster Alptraum führt die geborene Luxemburgerin Anne Fontaine was so alles passieren kann, wenn in einer langjährigen Beziehung die Gefühle erloschen sind und die Partner sich entschließen, ihr Liebesleben etwas „aufzupeppen”.
Drei der bekanntesten und beliebtesten französischen Schauspieler, Isabelle Huppert, Benoît „Ich bin Belgier!“ Poelvoorde und André Dussollier, hat die ehemalige Tänzerin und Schauspielerin zu diesem Zweck vor der Kamera versammelt. Geistreich, humorvoll, schlagfertig und hintersinnig liefern sie sich etwas andere Szenen einer Beziehung – und das mit höchst überraschendem Ausgang.
Als reine Komödie kann man den Film nicht bezeichnen, eher als eine Mischung aus Ehe- und Sozialdrama mit komischen Dialogen und Begebenheiten. Dass Anne Fontaine dieser Spagat einigermaßen gelingt, hängt natürlich von ihrer Erfahrung als Drehbuchautorin und Regisseurin ab, als auch mit ihrer bereits erfolgten Zusammenarbeit mit Benoît Poelvoorde in Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft.
Wer also eine reine Schenkelklopfkomödie im Stile von Willkommen bei den Sch’tis erwartet, den muss ich enttäuschen. Der Humor ist hier eher sarkastisch, gesellschaftskritisch. Interessant ist auf jeden Fall die Veränderung, die die Hauptfiguren im Laufe des Films vollziehen. Die kalte, zynische Geschäftsfrau und der handwerklich begabte Proll und Partymensch geben einander ein Stelldichein, bis Sie sich immer mehr gehen lässt und Er ein wenig mehr Verantwortung übernimmt.
Schadenfreudig lustig ist die Parallelgeschichte von François und Julie - der ältere Kultivierte und die viel jüngere Bohèmienne. Aber das war es auch schon. Mein liebster Alptraum ist ein unterhaltsamer Wettkampf der Geschlechter und Gesellschaftsklassen und zeigt auf, dass diese trotz ihrer Unterschiede letztenendes doch miteinander auskommen können. ■ mz
OT: Mon pire cauchemar
F 2011
Komödie
FSK: 12
104 min
mit
Isabelle Huppert (Agathe) Susanna Bonaséwicz
Benoît Poelvoorde (Patrick) Frank Röth
André Dussollier (François) Wolfgang Condrus
Virginie Efira (Julie)
Corentin Devroey (Tony)
Donatien Suner (Adrien)
u.a.
musik
Bruno Coulais
kamera
Jean-Marc Fabre
drehbuch
Anne Fontaine
Nicolas Mercier
regie
Anne Fontaine
produktion
Ciné@
Maison de Cinema
F.B. Productions
Pathé
M6 Films
Entre Chien et Loup
Artémis Productions
Radio Télévision Belge Francophone
Belgacom
Canal+
Ciné
M6
Tax Shelter Film Funding
Casa Kafka Pictures
Casa Kafka Pictures Movie Tax Shelter Empowered by Dexia
verleih
Concorde
Bezaubernde Lügen

© Senator Film
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Für die 30jährige Émilie ist ihr Friseursalon mehr als nur ein Ort zum Haareschneiden. Voller Wonne mischt sie sich in das Leben ihrer Kundinnen, Angestellten und Freundinnen ein. Und meistens tut sie es mit Erfolg, egal ob es um den richtigen Schnitt oder Rat in Liebesfragen geht. Nur ihrer Mutter Maddy, die von ihrem Mann verlassen wurde und ihre Lebensfreude verloren hat, scheint sie nicht helfen zu können.
Eines Tages erhält Émilie einen anonymen Liebesbrief. Dass er von Jean stammt, der als Hausmeister in ihrem Friseursalon arbeitet und zu schüchtern ist, um sich ihr zu offenbaren, ahnt sie nicht. Die gefühlvollen Zeilen beeindrucken Émilie so wenig, dass sie kurzerhand im Papierkorb landen.
Doch dann kommt ihr eine Idee: Warum nicht ihrer Mutter eine Freude damit machen? Gesagt, getan. Maddy lebt wieder auf, als sie die scheinbar an sie gerichteten Worte liest. Doch Émilie freut sich zu früh über den Erfolg denn Maddy wartet voller Sehnsucht auf weitere Zeichen von ihrem anonymen Verehrer…
Sie spielte ja schon in einem Schönheitssalon, jetzt hat sie sich auf Haare spezialisiert, oder vielmehr gesagt, die Leitung eines Friseursalons. Die Rede ist natürlich von Frankreichs Kinoliebling Audrey Tautou (Schöne Venus, Die fabelhafte Welt der Amélie). In Bezaubernde Lügen spielt sie diese vom Alltagsstress und ihrer depressiven Mutter geplagte Salonchefin, die, als schlagfertige Französin, diesen Liebesbrief ihres Salonhausmeisters ignoriert und ihn mit herablassendem Seufzer vor dessen Augen in den Papierkorb knüllt.
Man plagt sich die ganze Zeit über mit dem enttäuschten Jean zwischen den zwei Frauen umher und fragt sich, wie die Geschichte wohl enden mag. Und genau das war wohl auch das Problem von Regisseur und Drehbuchmitautor Pierre Salvadori, der bereits 2006 bei Liebe um jeden Preis mit Tautou gearbeitet hatte:
»Eine derartige Geschichte glaubwürdig zu schildern, ist nicht leicht. Deshalb nahm das Schreiben des Drehbuchs endlose Zeit in Anspruch und bereitete uns viel Kopfzerbrechen. Ich wollte unbedingt, dass die Story bis zuletzt gewahrt wird und die ganzen Lügen schlussendlich die Wahrheit ans Licht bringen.«
Und das merkt man auch. Dieses ständige Hin und Her und die immer tiefer reitenden Verwicklungen lassen beim Zuschauer die Ungeduld wachsen. Irgendwann sagt man sich: Jetzt ist aber gut! Émilies Verhalten ist so klischeehaft französisch zickig und auch blauäugig, dass man nicht einmal den Versuch macht, eine andere Identifikationsfigur zu suchen als Jean.
Wären da nicht noch die Nebenfiguren, würde der Film allerdings total floppen. Die grazile Judith Chemla mit ihren riesigen, runden blauen Augen in der Rolle der Paulette und Stéphanie Lagarde als Sylvia sind die idealen Ablenker, die man zwischenzeitlich braucht, um nicht von der Geschichte aufgefressen zu werden.
Salvadori wollte mehr Tiefe zeigen, was ihm auch in dem Film gelang. Man manövriert sich zusammen mit Jean durch das Beziehungslabyrinth wie eine Pinballkugel. Auf der einen Seite klickert Émilie, auf der anderen Maddy. Genauso wie Jean hat der Zuschauer schon bald die Nase voll davon und möchte Reißaus nehmen. Doch dann scheint das Ende zu kommen. Nein, noch nicht.
Pierre Salvadori bringt diese Situation voll auf den Punkt: »Ich weiß nicht, ob ich mehr wage, aber ich versuche, immer mehr in die Tiefe zu gehen – die Fiktion zu betonen, die Handlung zu optimieren und die Figuren so zu gestalten, dass sie an die Grenzen ihrer Schwächen, ihrer Aggressivität und ihrer Vielschichtigkeit gehen. Wenn sich Jean am Ende des Films im Zugfenster spiegelt, wirkt er völlig verloren, schattenhaft, verschwommen – ramponiert von der Geschichte, die er gerade erlebt hat.«
Und genauso fühlt sich auch der Zuschauer. Die Komödie war dann doch nicht so lustig, eher ein heiteres Liebesdrama. Und das Ende der Geschicht, das verrate ich hier nicht! Soll doch jeder selber sehen und zum Film ins Kino gehen! Und die Moral von der Geschicht: Anonyme Briefe schreiben lohnt sich nicht! ■ mz
OT: De vrais mensonges
F 2011
Komödie
FSK: 0
104 min
mit
Audrey Tautou (Émilie Dandrieux)
Nathalie Baye (Maddy Dandrieux)
Sami Bouajila (Jean)
Stéphanie Lagarde (Sylvia)
Judith Chemla (Paulette)
u.a.
musik
Philippe Eidel
kamera
Gilles Henry
drehbuch
Pierre Salvadori
Benoît Graffin
regie
Pierre Salvadori
produktion
Les Films Pelléas
TF1 Films Production
Tovo Films
Canal+
Coficup
Backup Films
Wild Bunch
Cinémage 4
CinéCinéma
Région Languedoc-Roussillon
Centre National de la Cinématographie (CNC)
Soficapital
Dévelopimage
Procirep
Angoa-Agicoa
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Capelight/Central
Offroad

© Paramount Pictures/Volker Roloff
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Cheb Khaled - Aicha mp3
Einmal etwas tun, was niemand so erwarten würde! Für Meike Pelzer scheint dieses Thema mit dem Ersteigern eines vom Zoll an der deutsch-holländischen Grenze beschlagnahmten peinlichen Proll-Jeeps eigentlich erledigt. Ihr Lebensentwurf ist bisher eher dem Straßenbau entliehen: gerade und überschaubar, ohne unvorhersehbare Kurven. Das BWL-Studium ist abgeschlossen, Heirat und Übernahme des väterlichen Betriebs liegen unmittelbar vor ihr. Doch dann lässt sich Philip, ihr Verlobter, dummerweise von Meike in flagranti mit ihrer besten Freundin Denise erwischen und Meikes Lebensplan zerplatzt wie eine Seifenblase.
Als sie unter der Kofferraumverkleidung ihres neuen Jeeps 50 Kilo Kokain findet, lässt sie ihr altes Leben spontan und ohne zu zögern hinter sich und begibt sich auf einen Trip ins Ungewisse, ihrer Vorstellung nach finanziert (und betriebswirtschaftlich kalkuliert) durch die ersten Drogengeschäfte ihres Lebens! Davon sind einige Leute natürlich weniger begeistert, allen voran die eigentlichen Besitzer der Ware.
Auf ihrer wilden Reise durch ein völlig neues und ihr bis dahin unbekanntes Leben trifft sie nicht nur auf Salim, der ihr aus einigem Schlamassel hilft, es passieren ihr auf einmal auch mehr verrückte Dinge, als ihr eigentlich lieb sind. Aber sie trifft auch dort, wo sie es nie für möglich gehalten hätte, auf die Liebe, und plötzlich ist alles anders…
Der Film erzählt die Geschichte einer spannenden Suche nach dem Sinn oder Unsinn des Lebens und einer unerwarteten Liebe. Eine gefühlvolle und rasante Komödie mit schrägen Typen und vielen absurden Momenten, in der Nora Tschirner nach Ohren- und Küken-Millionenerfolgen erneut ihre authentische Spielfreude unter Beweis stellen kann.
Offroad ist ein spannender Roadmovie mit schrägen Typen, absurden Momenten, wilder Action und einer wüste Haken schlagenden Handlung. Er handelt von ganz normalen Menschen, die in höchst ungewöhnliche Situationen geraten und deren bisheriges Leben dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt wird – und wie jede gute Kinogeschichte hat Offroad seine Wurzeln in der Realität.
Kurz nachdem Regisseur Elmar Fischer 2002 seinen ersten, vielfach ausgezeichneten Kinofilm Fremder Freund fertiggestellt hatte, stieß er auf einen Bericht über einen Mann, der beim Zoll ein Auto ersteigert und darin eine riesige Menge Kokain gefunden hatte. Fischer erinnert sich: »Ich fand diese Geschichte sehr spannend. Was passiert mit einem Menschen, der subkutan in seinem Leben nicht glücklich ist, der von Stress und Langeweile umgeben vor sich hin lebt und der auf einmal so einen Lottoschein oder vielmehr ein Geschenk des Schicksals bekommt?
Was würde der tun, wenn er nicht so vernünftig wäre, wie dieser Mann, der den Wagen zurückbrachte? Das ist doch eigentlich eine Situation, mit der sich viele Menschen identifizieren können, die viele Menschen kennen. Man kann sich überlegen, ändere ich jetzt, in diesem Moment radikal mein Leben oder bleibe ich vernünftig und lebe mein Leben weiter so wie bisher?«
Elyas M’Barek weiß, warum die Chemie zwischen ihm und Nora Tschirner stimmt, warum die Zusammenarbeit so angenehm und entspannt ablief: »Ich habe ja schon öfter mit Nora zusammengearbeitet – im Fernsehen bei Doctor’s Diary und im Kino bei Zweiohrküken. Wir verstehen uns sehr gut, harmonieren perfekt … das hat besonders in den Szenen geholfen, in denen wir als Liebespaar auftreten. Und natürlich überträgt sich dieses Feeling dann auch auf die Leinwand. Einfach klasse!«
Offroad besitzt einen sehr amerikanischen Look und ist als intelligente, gegen den Strich gebürstete Komödie konzipiert. Ein leichter 70er-Jahre-Retro-Touch, die sinnvoll eingesetzte Splitscreen-Technik und Meike als Erzählerin aus dem Off, deren Gedanken im Gegensatz zu ihrem Tun stehen, geben dem Film eine ganz besondere Note. Die Filmemacher wollten sich selbst nicht immer wahnsinnig ernst nehmen, lustbetont an alles herangehen.
Natürlich gab es dafür auch Vorbilder. Sowohl, was die Kamera angeht, als auch den Schnitt und die Musik. Elmar Fischer konkretisiert: »In den 70ern bin ich aufgewachsen, da habe ich meine Kindheit verbracht, da fühle ich mich wohl. Wenn man das in diesem Film spürt, dann ist das schön.
Ich mag Filme wie Thomas Crown ist nicht zu fassen, ich kann mich immer noch über die alten, lässigen Lino-Ventura-Abenteuer wie Die Entführer lassen grüßen freuen und ich mag heute die Arbeiten von Guy Ritchie und Quentin Tarantino. Auch in Deutschland gibt’s Filme, die mich ein bisschen in diese Richtung inspiriert haben … Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding von Peter Thorwarth ist so ein Film, den ich sehr gemocht habe, und von dem ich vom Gefühl, vom Geist her etwas mitnehmen konnte.«
Produzent Jakob Claussen ergänzt: »Die Musik spielt hierbei eine besondere Rolle. Wir haben uns für einen nordafrikanischen Sound entschieden, wie etwa mit „Aicha“ von Cheb Khaled aus Algerien, weil diese Musik den Freiheitswunsch und das Ziel der Hauptfigur symbolisiert. Mit Nomad Sound System, Culcha Candela und unserem Komponisten Ali N. Askin erzählen wir musikalisch dabei auch vom heutigen Schmelztiegel der Kulturen in Berlin.«
Und auch Elyas M’Barek war mit der Musik im Film sehr zufrieden. Mehr noch, er durfte sich im Berliner Szeneclub sogar als Sänger ausprobieren und für Meike das Liebeslied „Aicha“ singen. »Ganz klar«, lacht er. »Das bin ich, der da singt. Kein Playback! Das ist der Anfang meiner neuen Karriere als Musiker… Nein, ich hab da zwar selbst gesungen und es hat auch viel Spaß gemacht. Aber ich bleib mal lieber bei der Schauspielerei.«
Offroad ist ein Film für alle, die aus ihrem eintönigen Leben ausbrechen wollen, was man auch an Nora Tschirners Gesichtsausdruck erkennen kann. Die Schauspielerin ist ja bekannt für ihr gutes Aussehen und ihren eintönig langweiligen, emotionslosen Gesichtsausdruck. Und auch in diesem Film macht sie keine Ausnahme. Sie versucht es aber, in Verbindung mit Meikes emotionaler Entwicklung, während des Films ein oder zwei andere Ausdrücke aufzuzeigen, wodurch es ihr am Ende dann doch noch gelingt, die Zuschauer zu überzeugen.
Der Film funktioniert ein wenig als Gute-Laune-Droge, ohne Kokain zu verharmlosen, was sich in der Darstellung der Dealer als auch im Verlauf der Handlung (sogar buchstäblich) niederschlägt. Er kommt zwar nicht so ganz an Filme wie Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding oder Knockin’ on Heaven’s Door heran, kann sich jedoch in selbiger Liga behaupten. Offroad ist dann wohl der Einstand ins diesjährige Actionkino, bevor Ryan Gosling zwei Wochen später das Lenkrad übernimmt. ■ mz
OT: Offraod
D 2011
Komödie/Krimi
FSK: 12
98 min
mit
Nora Tschirner (Meike Pelzer)
Elyas M’Barek (Salim)
Max von Pufendorf (Philip Kempermann)
Tonio Arango (Tuschi)
Thomas Fränzel (Julian „Jule“)
Stefan Rudolf (Ulf)
Dominic Raacke (Vater Pelzer)
Leslie Malton (Mutter Pelzer)
Axel Milberg (Schanowski)
u.a.
musik
Ali N. Askin
kamera
Philipp Kirsamer
Fabian Rösler
drehbuch
Elmar Fischer
Susanne Hertel
Amelie Syberberg
regie
Elmar Fischer
produktion
Claussen Wöbke Putz Filmproduktion
Dr. Wilfried Ackermann Filmproduktion
ZDF
verleih
Paramount
„Die Filmemacher stimmen nicht Meike Pelzers Meinung über Geilenkirchen zu.
Die Hauptdarsteller sehen das anders.“