Bezaubernde Lügen

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Für die 30jährige Émilie ist ihr Friseursalon mehr als nur ein Ort zum Haareschneiden. Voller Wonne mischt sie sich in das Leben ihrer Kundinnen, Angestellten und Freundinnen ein. Und meistens tut sie es mit Erfolg, egal ob es um den richtigen Schnitt oder Rat in Liebesfragen geht. Nur ihrer Mutter Maddy, die von ihrem Mann verlassen wurde und ihre Lebensfreude verloren hat, scheint sie nicht helfen zu können.
Eines Tages erhält Émilie einen anonymen Liebesbrief. Dass er von Jean stammt, der als Hausmeister in ihrem Friseursalon arbeitet und zu schüchtern ist, um sich ihr zu offenbaren, ahnt sie nicht. Die gefühlvollen Zeilen beeindrucken Émilie so wenig, dass sie kurzerhand im Papierkorb landen.
Doch dann kommt ihr eine Idee: Warum nicht ihrer Mutter eine Freude damit machen? Gesagt, getan. Maddy lebt wieder auf, als sie die scheinbar an sie gerichteten Worte liest. Doch Émilie freut sich zu früh über den Erfolg denn Maddy wartet voller Sehnsucht auf weitere Zeichen von ihrem anonymen Verehrer…
Sie spielte ja schon in einem Schönheitssalon, jetzt hat sie sich auf Haare spezialisiert, oder vielmehr gesagt, die Leitung eines Friseursalons. Die Rede ist natürlich von Frankreichs Kinoliebling Audrey Tautou (Schöne Venus, Die fabelhafte Welt der Amélie). In Bezaubernde Lügen spielt sie diese vom Alltagsstress und ihrer depressiven Mutter geplagte Salonchefin, die, als schlagfertige Französin, diesen Liebesbrief ihres Salonhausmeisters ignoriert und ihn mit herablassendem Seufzer vor dessen Augen in den Papierkorb knüllt.
Man plagt sich die ganze Zeit über mit dem enttäuschten Jean zwischen den zwei Frauen umher und fragt sich, wie die Geschichte wohl enden mag. Und genau das war wohl auch das Problem von Regisseur und Drehbuchmitautor Pierre Salvadori, der bereits 2006 bei Liebe um jeden Preis mit Tautou gearbeitet hatte:
»Eine derartige Geschichte glaubwürdig zu schildern, ist nicht leicht. Deshalb nahm das Schreiben des Drehbuchs endlose Zeit in Anspruch und bereitete uns viel Kopfzerbrechen. Ich wollte unbedingt, dass die Story bis zuletzt gewahrt wird und die ganzen Lügen schlussendlich die Wahrheit ans Licht bringen.«
Und das merkt man auch. Dieses ständige Hin und Her und die immer tiefer reitenden Verwicklungen lassen beim Zuschauer die Ungeduld wachsen. Irgendwann sagt man sich: Jetzt ist aber gut! Émilies Verhalten ist so klischeehaft französisch zickig und auch blauäugig, dass man nicht einmal den Versuch macht, eine andere Identifikationsfigur zu suchen als Jean.
Wären da nicht noch die Nebenfiguren, würde der Film allerdings total floppen. Die grazile Judith Chemla mit ihren riesigen, runden blauen Augen in der Rolle der Paulette und Stéphanie Lagarde als Sylvia sind die idealen Ablenker, die man zwischenzeitlich braucht, um nicht von der Geschichte aufgefressen zu werden.
Salvadori wollte mehr Tiefe zeigen, was ihm auch in dem Film gelang. Man manövriert sich zusammen mit Jean durch das Beziehungslabyrinth wie eine Pinballkugel. Auf der einen Seite klickert Émilie, auf der anderen Maddy. Genauso wie Jean hat der Zuschauer schon bald die Nase voll davon und möchte Reißaus nehmen. Doch dann scheint das Ende zu kommen. Nein, noch nicht.
Pierre Salvadori bringt diese Situation voll auf den Punkt: »Ich weiß nicht, ob ich mehr wage, aber ich versuche, immer mehr in die Tiefe zu gehen – die Fiktion zu betonen, die Handlung zu optimieren und die Figuren so zu gestalten, dass sie an die Grenzen ihrer Schwächen, ihrer Aggressivität und ihrer Vielschichtigkeit gehen. Wenn sich Jean am Ende des Films im Zugfenster spiegelt, wirkt er völlig verloren, schattenhaft, verschwommen – ramponiert von der Geschichte, die er gerade erlebt hat.«
Und genauso fühlt sich auch der Zuschauer. Die Komödie war dann doch nicht so lustig, eher ein heiteres Liebesdrama. Und das Ende der Geschicht, das verrate ich hier nicht! Soll doch jeder selber sehen und zum Film ins Kino gehen! Und die Moral von der Geschicht: Anonyme Briefe schreiben lohnt sich nicht! ■ mz
OT: De vrais mensonges
F 2011
Komödie
FSK: 0
104 min
mit
Audrey Tautou (Émilie Dandrieux)
Nathalie Baye (Maddy Dandrieux)
Sami Bouajila (Jean)
Stéphanie Lagarde (Sylvia)
Judith Chemla (Paulette)
u.a.
musik
Philippe Eidel
kamera
Gilles Henry
drehbuch
Pierre Salvadori
Benoît Graffin
regie
Pierre Salvadori
produktion
Les Films Pelléas
TF1 Films Production
Tovo Films
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