Dienstag, 28.7.2009 | Autor: mz | Quelle: Zorro Film
Wolfgang Stumph kommt vom politisch-satirischen Kabarett und seine künstlerische Haltung durchzieht seine Bühnen-, Fernseh- und Filmarbeit. Er bezeichnet sich nicht als Schauspieler, sondern als Menschendarsteller. 1991 wurde er bundesweit bekannt mit der Kinokomödie Go Trabi Go. Zu seinen Arbeiten gehören die Sitcom Salto Postale. Dafür wurde er 1995 mit dem TeleStar (Deutscher Fernsehpreis) geehrt. 1999 war Stumph mit Bis zum Horizont und weiter im Kino zu sehen. 2003 spielte er die Hauptrolle im erfolgreichsten Fernsehfilm des Jahres Der Job seines Lebens. 2004 erhielt er den Bayerischen Fernsehpreis für die Krimireihe Stubbe - Von Fall zu Fall. Wolfgang Stumph engagiert sich in seiner Heimatstadt Dresden gegen Rechtsradikale und unterstützt u.a. Unicef. Fertig abgedreht ist der Film Romeo und Jutta mit Katja Riemann. Zur Zeit steht er für die neue Staffel von Stubbe vor der Kamera.
Wieviel Wolfgang Stumph steckt in Salami aleikum?
In den Filmen, wo die Figuren ein ,St‘ am Anfang haben, wie Stankoweit, Stubbe, Strunz, Stolze, etc. ..., steckt immer mein Stumph-Sinn drin, vom Plot bis zur Fertigstellung. Von ca. 90 Kino- und Fernsehproduktionen, an denen ich beteiligt war, gibt es vielleicht vier, in die ich mich nicht so eingebracht habe. Bei allen anderen stehe ich vollkommen dahinter. Und zwei gibt es, bei denen ich dachte: ,Das hätte Dir selbst einfallen müssen, das Thema liegt dir am Herzen' und dazu gehört Salami aleikum.
Sie sind ein Mann, der eine klare Haltung vertritt, engagieren sich auch gegen Rechts, woher kommt diese Einstellung?
Kabarettist ist man, wenn man so spielt wie man denkt und so lebt, wie man spielt. Aus dieser Position heraus bin ich auf die Bühne gegangen und habe satirisch-politisches Kabarett gemacht. Diese politische, moralische, humanistische Haltung gehört zu mir. Mit dieser Grundeinstellung suche ich mir auch meine schauspielerischen Aufgaben und Partner. Bei diesem Film habe ich solche Partner gefunden.
Die Suche nach Heimat und Identität - kennen Sie die als Ostdeutscher nicht auch?
Ja, und Heimat ist dort, wo ich gebraucht werde, wo ich eine Lücke hinterlasse, wenn ich nicht mehr da bin. Dort, wo ich etwas rieche, was ich nur dort riechen kann, und wo ich Klänge in der Sprache höre, die ich nur dort hören kann. Ich bin mir ganz sicher, dass die Suche nach Heimat zuallerletzt mit ideologischen Dingen zu tun hat.
Am Set ging es ja recht international zu: Österreicher, Iraner, Wessis, Ossis. Hat´s geklappt mit der Verständigung?
Wir waren alle sehr neugierig aufeinander. Das war wirklich eine Chance, den anderen etwas besser kennen zu lernen - „Ach, so tickt der, und darüber lacht der andere.“
Das heißt, Ost und West lachen noch unterschiedlich?
Nicht mehr so stark wie 1991 zu Zeiten von Go Trabi Go, wo man im Kino noch nebeneinander saß und sich immer fragte, warum der andere an dieser und nicht an der anderen Stelle lacht. Heute haben wir die gleiche Wut auf Bankmanager und Sorgen um den Arbeitsplatz. Oft erzielen wir inzwischen auch die gleichen Lacher.
Was wünschen Sie Salami aleikum?
Ich glaube, dass viele komödiantische Filme, die ich gemacht habe, wie Der Job seines Lebens oder viele andere, dazu beigetragen haben, dass wir in den neuen und „gebrauchten“ Bundesländern uns näher kommen und besser verstehen. Und ich bin mir sicher, dass das auch die Chance von Salami aleikum ist. Der Film wird dem Kinopublikum das Herz erwärmen. ■
