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Salami aleikum - Interview mit Ali Samadi Ahadi
Dienstag, 28.7.2009 | Autor: mz | Quelle: Zorro Film

Autor und Regisseur Ali Samadi Ahadi wurde 1972 in Täbriz/Iran geboren. Mit 12 Jahren kam er 1985 ohne Familie nach Deutschland und machte sein Abitur in Hannover. An der Gesamthochschule Kassel absolvierte er sein Studium der Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt Film und TV und führte bei mehreren Dokumentationen Regie. Der Dokumentarfilm Lost Children, bei dem er zusammen mit Oliver Stoltz Regie führte, wurde international mehrfach ausgezeichnet (u.a. UNICEF Award, Al Jazeera Award) und mit dem Deutschen Filmpreis 2006 als Bester Dokumentarfilm prämiert. Mit Salami aleikum betritt er neues Terrain und präsentiert damit sein Spielfilmdebüt.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, einen Iraner aus Köln in den wilden Osten zu schicken, damit er dort in einer KFZ-Mechanikerin das Glück seines Lebens findet?

Die Idee entstand schon vor vielen Jahren, lange bevor ich Lost Children gedreht habe. Als ich endlich eingebürgert worden war und mir keine Abschiebung mehr drohte, hatte ich den nötigen Abstand zu meiner eigenen Geschichte, um darin auch viele komische Momente zu entdecken. Diese wollte ich gerne erzählen. Das heißt nicht, dass Salami aleikum autobiografisch ist, aber trotzdem spielen natürlich eigene Lebenserfahrungen mit hinein. Allerdings hatte mir zwischenzeitlich die Arbeit an Lost Children die Lust an Witz und Humor genommen. Erst nachdem ich den Film verdaut hatte, konnte ich an Salami aleikum weiterarbeiten.

Sie selbst sind als Kind aus dem Iran geflohen, sind ohne Ihre Eltern nach Deutschland gekommen und leben seither hier. Ein junger Mann, der aus dem Iran stammt und in Köln lebt...vermutlich können Sie auch so manches Lied singen über die Suche nach der eigenen Identität?

Die Entwurzelung der iranischen Emigranten - das ist etwas, was auch mich betrifft. Und fünf Millionen andere Menschen, die außerhalb des Irans leben und alle auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Aber sogar in der Tragik der Flucht und Heimatlosigkeit kann man Situationen entdecken, die von außen betrachtet sehr skurril und komisch sein können.

Welche Momente zum Beispiel?

Zum Beispiel meine erste Begegnung mit meinen deutschen Schwiegereltern, einer MTA und einem Doktor der Medizin, die etwas Zeit brauchten, um ihren neuen Schwiegersohn zu verdauen. Oder als man mir bei der Bundeswehrmusterung erklärte, dass ich für den Wehrdienst untauglich sei, aber trotzdem versuchen sollte, mich in die Gesellschaft zu integrieren. Oder als ich erfuhr, dass ein Ausländer aus der Sicht eines ostdeutschen Dorfbewohners immer noch besser ist, als ein Wessi...

Wie kommen Sie denn darauf?

Ich bin mal für Recherchen durch ostdeutsche Städtchen gezogen. Da hat mir ein Dorfbewohner, den ich in einer Kneipe traf, die Welt so erklärt: Die nächsten „Guten“, abgesehen von den Ossis, sind die Tschechen - die bringen ihre eigenen Stullen und ihr Bier mit, geben auch mal was ab und können gut kegeln. Danach kommt der Ausländer, den sieht man hier zum Glück sehr selten. Dann kommt der Pole. Wenn man den sieht, weiß man, dass es irgendwo Sperrmüll gibt, und dann, ganz weit hinten, kommt der Wessi. Ich als Ausländer habe aber beschlossen, die Beschreibung als Kompliment zu sehen. Immerhin kam ich direkt nach den Tschechen.

Für einen deutschen Filmemacher ist es gefährlich, sich an so einer Komödie zu versuchen. Sie haben es gewagt, und der Film ist tatsächlich urkomisch geworden. Haben Sie einen Trick?

Ich glaube, der Trick liegt darin, dass wir nicht versucht haben, komische Menschen zu beschreiben. Wir haben unsere Figuren sehr ernst genommen und sie weder denunziert noch uns über sie lustig gemacht. Komisch sind eher die Situationen, in denen sie sich befinden. Fast alle unsere Szenen könnten, wenn man sie ein bisschen anders erzählt, Dramen sein. Es ist nur ein winziger Schritt von der Tragödie zur Komödie.

In Ihrem Film wird gesungen und getanzt, es gibt animierte Bilder. Sie spielen regelrecht mit den Möglichkeiten. Haben Sie filmische Vorbilder?

Als Kind habe ich Bollywoodfilme gesehen, und die 70er-Jahre-Filme im Iran waren auch so, dass die Schauspieler sich plötzlich zur Kamera drehten und anfingen zu singen. Märchenfilme, wie Der kleine Muck haben mich ebenfalls schon immer begeistert. Und eines meiner größten Vorbilder ist Woody Allen. Gerade seine früheren Arbeiten liebe ich. Ich kann sie mir immer wieder ansehen. Bei Salami aleikum haben Arne, Oli und mich aber vor allem die Arbeiten von Michel Gondry und Jean-Pierre Jeunet beeinflusst. Unser Film ist eine fantastische Liebeskomödie. Und um das „Fantastische“ zu erreichen, bedienten wir uns unterschiedlicher Stilelemente, um auf diese Weise die Geschichte nicht nur dicht, sondern auch ein wenig „drüber“ und märchenhaft zu erzählen. Wir haben versucht, näher an die Träume unserer Protagonisten zu rücken und Bilder zu zeigen, die ihre Fantasien visualisieren. Es ging uns darum, eine etwas andere Erzählweise zu nutzen, ohne dabei die Dramaturgie des Films aus den Augen zu verlieren. So enthält Salami aleikum mehr als 15 Minuten, in denen wir uns richtig ausgetobt haben: Sequenzen, bei denen wir uns von Märchenfilmen wie Der kleine Muck oder Ali Baba und die 40 Räuber und Trickfilmen wie Dumbo oder dem Sandmännchen haben inspirieren lassen.

Mit Oliver Stoltz haben Sie nach Lost Children nun erneut zusammengearbeitet. Was macht Ihre gemeinsame Arbeit aus?

Oliver und ich kennen uns nun seit fast sieben Jahren, und seither arbeiten wir zusammen. Ich vertraue ihm völlig und schätze sehr an ihm, dass er sich bedingungslos in Projekte hineinhängt und die Gabe besitzt, sich und sein gesamtes Umfeld für einen Film zu mobilisieren.

Ihre gemeinsame Arbeit ist sehr facettenreich. Nach Lost Children hätte wohl niemand erwartet, dass Sie als nächstes eine derart rasante Komödie vorlegen?

Ach, uns interessieren Genres eigentlich wenig. Uns geht es um die Themen. Und thematisch ist Lost Children von Salami aleikum nicht so weit entfernt: Es geht um Heimat, Akzeptanz, Wahrnehmung - und beide Filme haben mit uns zu tun. Ich habe in jungen Jahren Krieg erlebt und gemerkt, was das für Auswirkungen auf Menschen hat. Diese Erfahrungen flossen in Lost Children ein. Und ich musste Heimatlosigkeit und die Suche nach einer neuen Heimat erfahren, als ich aus dem Iran nach Deutschland gekommen bin. Das wiederum fließt in Salami aleikum ein.

Bei allem Humor, am Ende des Films wird einem ganz warm ums Herz, wenn alle gemeinsam singen: „Wir sind der Himmel, wenn wir zusammenhalten...“

Das freut mich, wenn dieses Gefühl entsteht! Mir war es ja auch wichtig, eine Komödie zu drehen, weil sie eben nicht erdenschwer ist und das Herz für das, was man vermitteln möchte, öffnet. ■

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