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Ein Mann, ein Fjord! - Interview mit Anneke Kim Sarnau
Dienstag, 20.1.2009 | Autor: mz | Interview: Bibo Loebnau

Anneke Kim Sarnau wurde 1975 in Elmshorn geboren. Nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart (1993 bis 1996) trat sie ein Engagement am renommierten Wiener Burgtheater an. Es folgten Gastspiele am Schauspielhaus Düsseldorf, an den Hamburger Kammerspielen sowie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Ihr Filmdebüt gab sie in Stefan Krohmers Barracuda Dancing (ZDF 1999) und spielte in zahlreichen TV- und Kinoproduktionen mit. Für ihre Hauptrollen in Ende der Saison (2001) und Die Hoffnung stirbt zuletzt (2002) wurde sie vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Fernsehpreis und zweimal mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold. Sie spielte u.a. in Angelina Maccarones preisgekröntem Kinofilm Fremde Haut (2005) sowie in Ute Wielands Fußballkomödie FC Venus (2006). In ihrer ersten US-Produktion, dem John-le-Carré-Thriller Der ewige Gärtner spielte sie an der Seite von Ralph Fiennes. Zuletzt war sie in Stefan Krohmers Mitte 30, dem Kinofilm Up! Up! To the sky von Hardy Sturm und in der TV-Produktion Ihr könnt euch niemals sicher sein zu sehen. Desweiteren spielte sie an der Seite von Christian Ulmen in der Serie Dr. Psycho - Die Bösen, die Bullen, meine Frau und ich.

Frau Sarnau, kannten Sie das Hörbuch, bevor Ihnen die Hauptrolle in dem Film Ein Mann, ein Fjord! angeboten wurde?
Ich bin großer Hörbuchfan und hatte mir „Ein Mann, ein Fjord!" bereits gekauft. Sicherlich auch deshalb, weil ich wusste, dass Angelina Maccarone daran beteiligt war, mit der ich schon einmal gearbeitet habe und die ich sehr schätze. Dadurch war ich noch neugieriger auf das Drehbuch.

Wie war Ihre erste Reaktion, als man Sie fragte, Birgit Krabbe zu spielen?
»Was? Echt? ICH?« Im ersten Moment hatte ich Angst, dass ich diese Art des Humors nicht darstellen kann und nicht lustig genug wäre, aber für Angelo Colagrossi und Hape Kerkeling habe ich meine Unsicherheiten dann schnell wieder beiseite gelegt.

Sie haben Ihre Karriere am Wiener Burgtheater begonnen und für Ihre Filmrollen jede Menge Preise eingeheimst. Was hat Sie daran gereizt, jetzt in einer Komödie mitzuspielen?
Komödie war für mich „relatives" Neuland. So war das Angebot eine ganz tolle Herausforderung! Als Schauspielerin möchte man immer dazulernen, und Komödien bieten für mich persönlich noch sehr viel Raum. Mit ausschlaggebend waren für mich die Kollegen, allen voran Horst Schlämmer, und die Tatsache, dass die meisten Filme von Angelo und Hape einfach Kult sind. Mit ihren Filmen bin ich groß geworden.

Geht man an eine komische Figur anders heran als an eine ernste?
Bei meiner Vorbereitung auf die Rolle habe ich zunächst nach meinen emotionalen „schweren" Punkten gesucht, wie ich es bei einem ernsten Stoff auch tue. Die real nachvollziehbaren Ebenen der Figur muss man genauso erfühlen wie bei einer ernsten Rolle, um sie dann gegebenenfalls zu potenzieren oder in bestimmten oder unerwarteten Situationen einzusetzen. Dafür muss man sich im Seelenleben eines Charakters gut auskennen. Der Witz entsteht aber zusätzlich noch durch die Schärfe und Schrägheit der beschriebenen Situationen, ein gewisses angezogenes Tempo und oft auch durch ein gut getimetes Ineinandergehen und umeinandertänzeln aller Kollegen in und mit der Szene.

Birgit Krabbe ist arbeitslos, tröstet sich mit Alkohol über ihren Frust hinweg. In einer Szene wird sie sogar betrunken von der Polizei nach hause gebracht - am Arm von Horst Schlämmer. Wie war es, mit Hape Kerkeling in der Maske des schnoddrigen Typen zu spielen, und, mal ehrlich, hatte Birgit tatsächlich ein so genanntes „Fistanöllchen" mit dem aufdringlichen Doornkatfan...?
Ein Traum ging für mich in Erfüllung. Ich fand und finde keine Worte für Hapes unglaubliches Talent, Figuren wie Horst Schlämmer zu verkörpern. Mit Birgit und Horst haben sich zwei Seelenverwandte getroffen. Mir ist auch zu Ohren gekommen, dass die beiden nun mit einem Musikboxvertrieb durchs Land ziehen - von Dorfkrug zu Dorfkrug, von Doornkaat zu Doornkaat. [lacht]

Konnten Sie irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Filmfigur entdecken?
Die Spontaneität und der Wille, für eine Liebe zu kämpfen - beides kommt mir irgendwie bekannt vor.

Im Film fährt Birgit per Taxi von Wanne nach Oslo, um ihren Mann und ihre Tochter zu finden. Für wen oder was würden Sie persönlich meilenweit fahren?
Auch ich würde alles für die Menschen tun, die ich liebe.

Sie haben selbst keine Kinder. Wie war das Gefühl, plötzlich eine 17jährige Filmtochter zu „bemuttern"?
Klasse. Das Kind war ja aus dem Göbsten raus. Es sprach in ganzen Sätzen und windeln musste man es auch nicht mehr. Was will man mehr als Filmmutter?! Ganz ehrlich: Jeder wäre über eine Filmtochter wie Olga von Luckwald glücklich. Sie ist eine begabte, tolle junge Frau!!!

Haben Sie selbst schon mal bei Preisrätseln mitgemacht und vielleicht etwas Kurioses gewonnen?
Ich habe in meinem Leben erst bei ungefähr fünf Preisrätseln mitgemacht. Bei einem habe ich dann tatsächlich auch gewonnen. Der Gewinn war: Einen Nachmittag lang mit acht Freunden so viel Häagen-Dasz-Eis essen wie man wollte, und das taten wir dann auch! Abends war meine ganze Familie zum Essen bei meinen Großeltern eingeladen. Meine Oma verkündete mir später ganz stolz: »Zum Nachtisch gibt's heute EIS.« [lacht]

Wie wäre Ihre Reaktion auf den Gewinn eines Fjords in Norwegen?
»Was? Echt? Ich? Moment: Noooooorbeeeeeeert?????!!!!!!«... Nee, ich würde mir einen Ast ab freuen, und alle meine Freunde dürften da immer Urlaub machen.

Kannten Sie den Norden Europas schon vorher? Und haben Sie beim Dreh ein neues Urlaubsziel entdeckt?
Ich war vorher noch nie in Norwegen und habe mich in dieses schöne Land verliebt. Es fühlte sich wie eine Mischung aus „Herr der Ringe" und „Bullerbü" an. Unbeschreiblich schöne Landschaften gibt es dort! Am meisten hat mir die permanente Helligkeit zu der Zeit gefallen. Sie brachte unglaublich viel Energie und gute Laune, aber trotzdem auch guten Schlaf. Ich hatte das Gefühl, der Tag sei viel länger und die Zeit würde sich dehnen - ein unbeschreibliches Gefühl!

Was haben Sie während der Dreharbeiten dort neu kennen und schätzen gelernt, und was haben Sie am meisten vermisst?
Durch die unfassbar schönen Landschaften und die atemberaubende Natur, die man dort erleben durfte, erfährt man noch mehr Respekt sowie Demut vor unserer schönen fragilen Erde. Außerdem habe ich festgestellt, dass Skandinavier einen sehr guten Humor haben. Ihre lockere Art mochte ich während der Dreharbeiten sehr. Neben all dem sehen die Skandinavier dann auch noch verdammt gut aus... Alter Schwede...Norweger...Däne... [lacht] Trotz des ganzen „Guckens" habe ich aber am meisten meinen Hund Sailor vermisst, der während der Dreharbeiten in Berlin bleiben musste. ■

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