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Ein Mann, ein Fjord! - Interview mit Jürgen Tarrach
Dienstag, 20.1.2009 | Autor: mz | Interview: Bibo Loebnau

Der 1960 in Aachen geborene Schauspieler Jürgen Tarrach stand bereits in der Schule auf der Bühne. Nach Ende seiner Ausbildung im Max-Reinhardt-Seminar in Wien spielte er zunächst nur Theater. Bekannt wurde er schließlich an der Seite von Oliver Korittke in der Filmreihe Die Musterknaben. Seine Rolle als Kommissar Docker brachte ihm dafür eine Nominierung für den Bundesfilmpreis als Bester Hauptdarsteller ein, ebenso wie seine Rollen in Drei Chinesen mit dem Kontrabass und Schnee in der Neujahrsnacht. Er erhielt außerdem den Deutschen Filmpreis 2000 für den Tatort: Norbert sowie 2002 den Adolf-Grimme-Preis für Wambo und 2005 die Goldene Kamera für Die Patriarchin in der Kategorie Bester deutscher Fernsehfilm. Im Kino hatte er zuletzt in James Bond 007: Casino Royale einen kurzen Auftritt und ist demnächst in Stephen Daldrys Der Vorleser zu sehen.

Herr Tarrach, kannten Sie das Hörbuch, bevor Ihnen die Hauptrolle inm Film Ein Mann, ein Fjord! angeboten wurde?
Ja, ich habe es mit meiner Familie auf dem Weg nach Italien, zwischen Lindau und Como, im Auto gehört und genossen. Ein Roadmovie als Hörbuch passte perfekt zur Reise und war ein willkomener und sehr unterhaltsamer Zeitvertreib - besonders im langen, dunklen San-Bernardino-Tunnel. Wir haben sehr gelacht und die Zeit verging wie im Flug.

Wie war Ihre erste Reaktion, als man Sie fragte, Norbert Krabbe zu spielen?
Als mir Ein Mann, ein Fjord! angeboten wurde, habe ich keine Sekunde gezögert, denn Buch und Rolle hatten mich gleich überzeugt. Ich wollte diese Rolle unbedingt spielen und Gott sei Dank hat es ja auch geklappt.

Man kennt Sie sonst eher in ernstern Charakterrollen. Jetzt spielen Sie die Hauptrolle in einer Komödie. Wo liegt der Unterschied in der Annäherung an eine lustige Figur?
Ich habe schon sehr viele Komödien gespielt, wie z.B. Die Musterknaben, und besitze ein komisches Talent. Aber es stimmt, dass es schon längere Zeit her ist, dass ich in einer Komödie mitgespielt habe. Umso mehr habe ich mich gefreut, jetzt mal wieder einen leichteren Stoff angeboten zu bekommen. Prinzipiell gibt es aber keinen Unterschied zu komischen und tragischen Rollen. Auch das Komische muss man sehr ernst nehmen. Und der Grundstoff einer Komödie ist ja oft die Verzweiflung. So ist die Figur des Norbert Krabbe ja eigentlich in einer verzweifelten Lage: Er ist arbeitslos, hat kaum Geld und gewinnt dann plötzlich einen Fjord in Norwegen. Eigentlich ist dieser Traumpreis für ihn nicht zu erreichen, aber irgendwie gelangt er schließlich doch ans Ziel - und dabei geht es sehr komisch zu.

Konnten Sie irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen sich und Norbert entdecken?
Man bringt als Schauspieler immer ein Stückchen seiner Lebenserfahrung in eine Rolle mit ein. Ich bin ja ebenfalls ein Familienmensch, wie er und auch sein Optimismus gefällt mir wirklich gut. Norbert Krabbe ist eine ausgesprochen sympathische Figur, die ich sehr gerne gespielt habe.

Norbert Krabbe ist leidenschaftlicher Preisrätselfan. Haben Sie selbst schon mal etwas gewonnen?
Nein, Preisrätsel sind nicht mein Ding.

Ihre Filmtochter Ute ist 17, sehr pfiffig und wickelt ihren Vater charmant um den Finger. Sie haben selbst eine Tochter in dem Alter. Haben Sie von Ihren Erfahrungen als Vater für die Rolle profitiert?
Natürlich! Das machte die ganze Sache selbstverständlicher. Ich denke, dass man das auch dem Film ansieht, dass Olga und ich als Vater und Tochter perfekt harmonierten. Sie ist ein ausgesprochen unerschrockenes, herzliches, aufgewecktes und aufmerksames Mädchen. Das hat mir sehr gefallen.

Als Norbert Krabbe begenen Sie auf Ihrer Reise zum Fjord immer wieder Horst Schlämmer. Wie war es, mit Hape Kerkeling in der Maske des schnoddrigen Reporters, also einer Kunstfigur, zu spielen?
Ich hatte mich sehr darauf gefreut, da ich bekennender Hape-Fan bin. Und ich liebe seine Figur Horst Schlämmer! Ich komme selber aus der Gegend, bin 50 km von Grevenbroich aufgewachsen und kenne diese Typen. Schlämmer ist zwar eine Kunstfigur, aber sehr gut getroffen, weil sie der Wirklichkeit entlehnt ist. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe für den großen Erfolg: Jeder erkennt in Schlämmer einen echten Menschen wieder. Ich kann herzhaft über ihn lachen. Deshalb musste ich mich beim Dreh immer genau konzentrieren, wenn Hape Kerkeling als Horst Schlämmer vor mir stand. Wir hatten beide oftmals Mühe, nicht in Albernheit auszubrechen und die Szene nicht durch Gackern zu schmeißen, sondern die Spannung zu halten. Es war wirklich ein großer Spaß.

Sie lieben das Mediterrane, vor allem Italien. Der Film spielt zum Großteil in Skandinavien. Kannten Sie den Norden Europas schon vorher? Und haben Sie beim Dreh vielleicht ein neues Urlaubsziel entdeckt?
Bis auf eine Zwischenlandung in Kopenhagen war ich noch nie dort. Meine Vorliebe für das Mediterrane hat mich immer davon abgehalten. Und als Freunde erzählten, dass das Kulinarische im Norden nicht so ernst genommen wird, hat das meine Neugier auch nicht gerade geweckt. Dafür bin ich einfach zu sehr Genussmensch. Und dann das Wetter... Ich entfliehe ja schon aus Deutschland möglichst der Kälte. Warum sollte ich dann privat dorthin reisen, wo es auch im Sommer noch ein paar Grad kühler ist? [lacht]
Aber ich bin im Nachhinein sehr froh, durch die Dreharbeiten für den Film jetzt doch einmal dort hingekommen zu sein. Und Dank der interresanten Reisegruppe, mit Angelo Colagrossi als Regisseur und Reiseleiter und den netten, lustigen Kollegen, konnte ich auch die anstrengenden Wetter- und Drehortwechsel gut überstehen. Aber privat habe ich mich anschließend doch eher auf meinen Urlaub im warmen, südlichen Italien gefreut. Das Mediterrane bleibt doch mein Arkadien. [lacht]

Haben Sie sich ein Souvenir aus Skandinavien mitgebracht?
Ja, drei ungeschriebene Postkarten aus Norwegen. [lacht]

Ein Mann, ein Fjord! ist ein Roadmovie. Sie und das gesamte Team mussten alle paar Tage an einen neuen Drehort wechseln. Welchen Unterschied macht es, wenn man wochenlang unterwegs ist, statt an einem Ort zu drehen?
Als Außenstehende wirkt es natürlich sehr verlockend, wenn Sie hören, dass man wochenlang an den idyllischsten Plätzen Skandinaviens drehen darf, noch dazu mit großartigen Kollegen in einer lustigen Komödie. Der Drehalltag sieht allerdings etwas anders aus. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es eine Arbeits- und keine Urlaubsreise ist. Und mit einer großen Hauptrolle trägt man auch große Verantwortung für das Gelingen des Films. Man muss über einen sehr langen Zeitraum konzentriert bleiben. Ich bin ein Mensch, der eigentlich einen Rückzugsort beim Dreh braucht, der sich in vertrauter Umgebung noch mal mit seiner Rolle auseinandersetzen möchte, um am nächsten Tag perfekt vorbereitet und einsatzbereit zu sein.
Doch ein Roadmovie bedeutet naturgemäß ständige Ortswechsel. Und bei Ein Mann, ein Fjord! hieß das nicht: Ab in den Flieger und nach einer Stunde ist man im nächsten Hotelzimmer. Wir sind innerhalb von Skandinavien per Zug, Auto, Mofa und immer wieder mit dem Hurtigrutenschiff von Drehort zu Drehort gereist. Das war natürlich eine zusätzliche Anstrengung zu meiner eigentlichen Aufgabe als Schauspieler. Aber für den Film hat es sich gelohnt. Wir haben in großartigen Landschaften gedreht, die eine grandiose Filmkulisse geboten haben. Nach siebeneinhalb anstrengenden Wochen Dreharbeit sind mir darüber hinaus vor allem schöne Erinnerungen an ganz wunderbare Kollegen und den Regisseur Angelo Colagrossi geblieben, der es immer wieder geschafft hat, mich und das gesamte Team mit seiner Fröhlichkeit und Leidenschaft für den Film anzustecken. ■

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