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Ein Mann, ein Fjord! - Interview mit Hape Kerkeling
Dienstag, 20.1.2009 | Autor: mz | Interview: Bibo Loebnau

Wer kennt nicht noch Hannilein, Siegfried Schwäbli, das Paulinsche, sein Auftritt als Beatrix oder...Uschi Blum? Ja, genau! Uschi Blum feiert ihr Comeback - nach 15 Jahren ist sie wieder zu sehen und zu hören. Erinnern Sie sich noch an ihren letzten Auftritt bei Heinz Wäscher in der Show „Witzischkeit kennt keine Grenzen"? Aber nicht nur Uschi macht Quatsch, sondern auch Horst Schlämmer und die werbewirksame TV-Moderatorin Gisela. Hape Kerkeling spielt alle drei Figuren in der Verfilmung des Hörbuchs „Ein Mann, ein Fjord!", das aus der Feder von ihm und seinem langjährigen Freund und Kollegen Angelo Colagrossi stammte. Was ihn an diesen drei Rollen besonders reizte, erzählt er nun im Interview.

Herr Kerkeling, Sie sind einer der Autoren des Drehbuchs „Ein Mann, ein Fjord!". Beim Hörbuch haben Sie nicht nur die Regieanweisungen, sondern gleich sämtliche Rollen gesprochen. In der Verfilmung des Bestsellers spielen Sie allerdings nicht die Hauptrolle des Norbert Krabbe, sondern drei Nebenrollen - den schnoddrigen Reporter Horst Schlämmer, die Quiz-Show-Moderatorin Gisela und die singende Diva Uschi Blum. Wie kam es dazu?
An extremeren Charakteren habe ich einfach mehr Spielfreude. Die drei Figuren sind sehr schräge Charaktere, die die Handlung nicht maßgeblich beeinflussen, aber trotzdem ein wichtiges Stückchen weitertreiben. So weiß Horst Schlämmer, obwohl er nicht mit Norbert oder Birgit Krabbe gemeinsam nach Norwegen reist, doch immer ein entscheidendes Stückchen mehr als die handelnden Personen. Allerdings wird er von denen nie ernst genommen, wenn er versucht, sein Halbwissen weiterzugeben. Somit trägt er im Endeffekt eigentlich eher zu weiteren Verwicklungen bei.
Mir hat es Spaß gemacht, mit den drei Figuren ein paar Highlights im Film zu setzen. Die Hauptrolle des Norbert Krabbe kam für mich nie in Frage, weil ich dann die anderen Charaktere nicht hätte spielen können. Außerdem war die Rolle des Norbert schon beim Schreiben des Drehbuchs immer für einen klassischen Schauspieler gedacht und nicht mir auf den Leib geschrieben.

Für alle drei Rollen mussten Sie aufwändig geschminkt werden, falsche Zähne, Haare, einen falschen Bauch oder Busen und sogar hohe Absätze tragen. Was reizt Sie an den Verkleidungen? Und haben Sie während der Dreharbeiten mehr in der Maske gesessen oder vor der Kamera gestanden?
Tja, eigentlich habe ich mehr in der Maske gesessen. Beim Film werden pro Tag höchstens Szenen für drei Minuten Film gedreht und davon ist man für maximal eineinhalb Minuten alleine vor der Kamera. Bis Maske und Kostüm von Horst Schlämmer perfekt sind, dauert es allerdings fast eine Stunde und für die Frauenrollen naturgemäß noch länger.
Aber mir hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht, in diese Masken zu schlüpfen, weil ich mich dadurch komplett von mir und meiner Gestalt verabschieden kann. Und sich als Mann in eine Frau zu verwandeln, ist wohl das Extremste, was ich machen konnte. Aber auch Schlämmer ist so weit weg von mir - das empfinde ich jedes Mal als eine Herausforderung, in diese Figur zu schlüpfen.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Schauspielerkollegen beim Spiel zum Beispiel nur auf Horst Schlämmer reagiert haben und vergessen konnten, dass Hape Kerkeling hinter der Maske steckt?
Das denke ich schon, das sind ja alles Profis. Bei Olga, die die Ute gespielt hat, bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob sie nicht hinter der Maske doch mich als Hape gesehen hat. Aber die Schauspieler reagieren in einer Spielszene eigentlich komplett auf die Figur Horst Schlämmer. Und sobald ich in Maske und Kostüm stecke, agiere und spreche ich auch so, wie es meine Figur tut. Da ist es natürlich verführerisch, das auch beizubehalten, wenn die Kamera längst aus ist. Dann irritiert es allerdings selbst die Schauspielerkollegen - macht mir aber Spaß... [lacht]

Norbert Krabbe ist ein großer Fan von Preisausschreiben. Haben Sie auch schon mal bei Preisrätseln mitgemacht?
Ja, Ende der 80er Jahre musste man aus so einer Knödelpackung etwas ausschneiden und konnte dann eine tolle Bratpfanne gewinnen. Und siehe da: Ich habe die Pfanne gewonnen!

Wie wäre Ihre Reaktion auf den Gewinn eines Fjords in Norwegen?
Das fände ich sensationell! Vielleicht lässt sich ja das norwegische Fremdenverkehrsamt durch unseren Film dazu inspirieren, diese verrückte Idee in die Tat umzusetzen. Eine Blockhütte am Fjord als Gewinn - das wäre doch echt ein Knaller. Wobei mir persönlich eine italienische Meerenge doch lieber wäre - allein schon aus wettertechnischen Gründen.

Der Film spielt zum Großteil in Skandinavien. Kannten Sie den Norden Europas schon vorher?
Als 17-jähriger war ich das erste und einzige Mal per Interrail unterwegs und bin den ganzen Norden abgefahren. Gemeinsam mit meiner Freundin Sigrun war ich damals in Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. Das war großartig, auch wenn ich in jeder Landessprache eigentlich nur das Wort für „Jugendherberge" sagen konnte. Und vor ein paar Jahren war ich dann mit meinem Freund Angelo mit den Hurtigruten-Postschiffen auf einer ähnlichen Route wie Norbert Krabbe unterwegs - und dabei ist uns dann auch zum ersten Mal die Idee für die Geschichte von „Ein Mann, ein Fjord!" gekommen.

Ein Mann, ein Fjord! ist ein Roadmovie. Sie und das gesamte Team mussten alle paar Tage an einen neuen Drehort wechseln. War das für Sie eher Stress oder eher Abenteuer?
Dank meiner kleinen Nebenrollen hatte ich ja insgesamt nur zwölf Drehtage und so war es für mich überhaupt kein Stress. Richtig anstrengend waren wirklich nur zwei Drehtage - einer in Bergen und einer in Alesund, jeweils am Hafen. In Bergen hat es die ganze Zeit nur geregnet und ich habe für einen einzigen Satz, den ich zu Birgit Krabbe sagen musste, sage und schreibe 16 Stunden im kompletten Schlämmeroutfit warten müssen. Ich hockte in einem winzigen Wohnwagen im Hafen und war permanent auf Abruf, falls der Regen lange genug aufhören würde, um unsere Szene zu drehen.
Da kann man sich nicht abschminken, umziehen oder entspannen. Das war wirklich anstrengend, aber ansonsten hatte ich noch nie soviel Spaß bei einem Filmdreh wie bei Ein Mann, ein Fjord!. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass hier nicht die Last einer Hauptrolle auf meinen Schultern lag.

Was haben Sie während der Dreharbeiten neu kennen und schätzen gelernt?
Den norwegischen Ziegenkäse. Geschmacklich eine Mischung aus Karamellbonbon und ranziger Dosenmilch - also wirklich sehr lecker! [lacht] Und natürlich die unglaubliche Schönheit der norwegischen Landschaft. Wenn es da im Frühjahr/Sommer im Schnitt um zehn Grad wärmer wäre, fände ich es traumhaft.

Haben Sie sich Souvenirs aus Skandinavien mitgebracht?
Regenbekleidung in allen Variationen - etwas Besseres gibt's nicht! Da ist der Norweger im Herbst-Winter-Fashion-Bereich ganz weit vorne. Ach, und ein Autogramm von Wencke Myhre, die für uns eine kleine Rolle gespielt hat - toll!

Abgesehen von Preisverleihungen, TV-Auftritten für einen guten Zweck und Ihren Rollen in Ein Mann, ein Fjord! halten Sie Ihre angekündigte TV-Abstinenz eisern ein. Wie lange müssen die Zuschauer noch auf ein neues Hape-Kerkeling-TV-Projekt warten?
Ende 2009 gibt's da was Neues... ■

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