Multiplex
Ander
Kinostart: 15.4.2010 | Autor: mz

Die Idee zu Ander entstand als notwendiger Gegenentwurf zur stereotypen Repräsentation schwulen Lebens in Spanien. Denn oft wird der Eindruck erweckt, dieses fände ohne soziale und integrative Perspektive nur in den Großstädten statt und die urbane Umgebung sei gewissermaßen das natürliche Habitat derer mit von der Norm abweichender sexueller Orientierung oder Geschlechteridentität. Es gibt kaum Filme in Spanien, die schwul-lesbische Lebensentwürfe in ländlichen Gegenden darstellen, also in einer Umgebung, die gesellschaftlichem Wandel meist zögerlich und nicht offen gegenüber steht.

In der ländlichen Abgeschiedenheit des Baskenlandes lebt der gut 40 Jahre alte Bauer Ander mit seiner Schwester Arantxa und seiner alten Mutter zusammen. Er führt ein monotones Leben, das nur Arbeit kennt – entweder auf dem Hof oder in der nahen Fahrradfabrik.

Demnächst wird Arantxa heiraten und das gemeinsame Elternhaus verlassen, Ander sich dann allein um die halsstarrige Mutter zu kümmern haben. Doch dann bricht er sich bei einem Unfall ein Bein und muss zwei Monate lang einen Gipsverband tragen. Um ihn zu entlasten, stellt die Familie gegen den Willen der Mutter den peruanischen Immigranten José als Arbeitshilfe ein.

Mit dem Neuankömmling verändern sich die persönlichen Beziehungen innerhalb der Familie. Die Mutter, die kaum spanisch spricht, weigert sich, mit José zu kommunizieren. Arantxa und Ander hingegen nehmen persönlichen Anteil an seinem Leben. Sobald Ander an Krücken gehen kann, hilft er José bei der Arbeit. Immer enger freunden sich die Männer dabei an.

Als Ander José zu Arantxas Hochzeit einlädt, führt dies zu einem ernsten Konflikt mit der Mutter. Auf der Hochzeitsfeier kommt es in einem völlig unerwarteten Augenblick zu einer stürmischen sexuellen Begegnung zwischen den beiden Männern. Nach anfänglicher Irritation und Abwehr wird Ander klar, dass er tiefe Gefühle für José entwickelt hat – und muss sich entscheiden, ob er sein Leben so verändert, dass der Freund einen Platz darin hat.

Roberto Castón über den Film: »Das Kernstück des Films sind die entworfenen Figuren und damit auch die sie spielenden Darsteller. Die sozialen Beziehungen, die sich entwickeln, sind erst einfach und grob gezeichnet und werden im Verlauf der Geschichte und der Komplexität der Beziehungen differenzierter und feiner. Die Figuren sind nicht auf eindimensionales Verhalten und Sichtweisen festgeschrieben und sind der eigentliche Film. Der Rest, die erzählerischen Elemente, soll sie lediglich unterstützen und ist ihren Bedürfnissen immer untergeordnet.«

© Bildkraft

OT: Ander
E 2009
Drama
OmU
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
128 min


mit
Joxean Bengoetxea (Ander)
Christian Esquivel (Jose)
Mamen Rivera (Reme)
Pilar Rodríguez (Mutter)
Leire Ucha (Arantxa)
Pako Revueltas (Peio)

kamera
Kike López

drehbuch
Roberto Castón

regie
Roberto Castón

produktion
Berdindu
Euskal Irrati Telebisa (EITB)

verleih
Bildkraft