Kinostart: 25.6.2009 | Autor: mz
David gegen Goliath: Mit Flash of Genius, der wahren Geschichte des Robert Kearns, gibt Hollywoodproduzent Marc Abraham (Children of Men) sein Regiedebüt. Sein Film erzählt nicht nur die Geschichte eines mutigen Kampfes, sondern auch von der Arroganz einer Industrie, die 40 Jahre später am Boden liegt und vom amerikanischen Staat künstlich am Leben erhalten wird.
1967 sind alle großen amerikanischen Autohersteller hinter einer Erfindung her: dem Intervall-Scheibenwischer. Sein Erfinder, der Universitätsprofessor Robert Kearns, verhandelt lange mit Ford, bis der Gigant aus Detroit unvermittelt absagt. Kurz danach muss der enttäuschte Kearns erleben, wie der Ford Mustang mit seiner Erfindung der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Kearns klagt und begibt sich in einen aufsehenerregenden Kampf um Anerkennung und Gerechtigkeit. Seine Frau Phyllis und seine Kinder unterstützen ihn nach Kräften. Doch der Konzern hat Geld, Macht und vor allem: Zeit. Kann Kearns den übermächtigen Gegner in die Knie zwingen?
Der Begriff „flash of genius“ bezieht sich auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA aus dem Jahr 1941, in der festgestellt wird, dass ein Erfinder oder eine Erfinderin bei der Inspiration für ein Produkt „das Aufblitzen kreativen Genies und nicht allein handwerkliche Fähigkeiten“ nachweisen muss, um die Kreation einer Erfindung in Anspruch zu nehmen. Wie genau man das Wort „Erfindung“ definieren kann, ist allerdings immer noch ein Rätsel, und die Antworten auf diese Frage sind allerhöchstens als vage zu bezeichnen. Im Zeitraum kurz nach dieser Entscheidung des Gerichts, waren Erfindungen und das geistige Eigentum der Erfinder besser geschützt und wurden als unantastbar angesehen. Als die Macht und der Einfluss großer Unternehmen wuchsen, wich dieser Schutz jedoch den Vorteilen des Kapitalismus.
Die sechziger Jahre waren das Goldene Zeitalter der amerikanischen Automobilindustrie und Detroit war deren pochendes Herz. Dr. Robert Kearns arbeitete in den späten Sechzigern als Professor für Ingenieurswesen an der Wayne State University in der Motor City und war nach Feierabend in seiner Werkstatt im Keller ein hartnäckiger Erfinder. Eine seiner Tüfteleien galt der Funktionsweise von Scheibenwischern. Er fragte sich, ob man einen Scheibenwischer konstruieren könne, der wie ein blinzelndes Auge funktioniert und in Intervallen die Windschutzscheibe wischt – abhängig von den wetterbedingten Bedürfnissen des Fahrers, von leichtem Niesel- bis hin zu heftigem Platzregen.
Greg Kinnear verleiht Kearns die notwendige Gutmütigkeit und Glaubwürdigkeit und macht diese Figur zu seiner vermutlich anspruchsvollsten Rolle. Er ist Kearns. Nach einer Weile hat er den Zuschauer so weit, dass man nur noch Kearns in ihm sieht. Dagegen kann Julia Roberts als Erin Brockovich einpacken! Der Film fesselt allein durch die Tatsache, dass der Zuschauer voll auf Kearns' Seite gezogen wird. Man will förmlich mit ihm mitkämpfen - ein Don Quixote, der gegen die Windmühlen antritt.
Kearns' Geschichte ist, abgesehen von der Tatsache, dass er geschafft hatte, was noch niemandem zuvor gelungen war, eine Fabel vom Preis des Sieges. Seine Beharrlichkeit war die Quelle seines Erfolgs – und gleichzeitig seines Verderbens. Es ging Dr. Robert Kearns nie um seinen persönlichen Reichtum. Es ging ihm um den Kampf gegen Ausbeutung durch jene, die über mehr Geld und Macht verfügen. Er kämpfte bis zum bitteren Ende und setzte dafür viel aufs Spiel – seine Familie, seine Karriere und auch seine Zurechnungsfähigkeit, die mit jedem weiteren Prozesstag mehr in Zweifel gezogen wurde.
Robert Kearns starb am 9. Februar 2005 an einem Krebsleiden. Er wurde 77 Jahre alt. Seine Frau bringt die Gefühle der Familie über ihre Geschichte und deren Adaption auf der Leinwand am besten auf den Punkt: »Ich habe niemals geglaubt, dass sich Menschen wirklich für unsere Geschichte interessieren würden«, sagt sie. »Als mir klar wurde, was da geschieht, dachte ich nur: ,Wow, es gibt wirklich Leute, die sich darum sorgen.‘« ■
OT: Flash of Genius
USA/Kanada 2008
Drama
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
119 min
mit
Greg Kinnear (Robert Kearns)
Lauren Graham (Phyllis Kearns)
Dermot Mulroney (Gil Previck)
Daniel Roebuck (Frank Sertin)
Mitch Pileggi (Macklin Tyler)
Alan Alda (Gregory Lawson)
Tim Kelleher (Charlie Defao)
Landon Norris (Dennis Kearns - jung)
Jake Abel (Dennis Kearns - älter)
Dylan Authors (Patrick Kearns - jung)
Grant Boyle (Patrick Kearns - älter)
Tatiana Maslany (Kathy Kearns - älter)
Bill Smitrovich (Richter Michael Franks)
musik
Aaron Zigman
kamera
Dante Spinotti
drehbuch
Philip Railsback
nach dem Artikel im „The New Yorker“ von John Seabrook
regie
Marc Abraham
produktion
Universal Pictures
Spyglass Entertainment
Strike Entertainment
Intermittent Productions
verleih
Kinowelt

