Multiplex
Che
Teil 1 „Revolucion“ | Kinostart: 11.6.2009
Teil 2 „Guerilla“ | Kinostart: 23.7.2009
Autor: mz

Revolutionär, Vorbild, Ikone. In seinem zweiteiligen Epos Che erzählt Oscar®-Preisträger Steven Soderbergh aus dem Leben jenes Mannes, der noch heute wie kein anderer den Freiheitskampf, und das nicht nur in Lateinamerika, symbolisiert.

Teil 1: Revolucion

Am 26. November 1956 gelangt Fidel Castro zusammen mit 80 Rebellen auf der Yacht „Granma“ nach Kuba. Einer von ihnen ist Ernesto „Che“ Guevara, ein argentinischer Arzt, der mit Castro das Ziel teilt, die korrupte Diktatur von Fulgencio Batista zu stürzen. Che erweist sich als ein unverzichtbarer Kämpfer, der die Kunst des Guerillakrieges rasch meistert. Wegen seines großen Einsatzes im Kampf wird er von seinen Kameraden und der kubanischen Bevölkerung schnell akzeptiert und verehrt. Che - Revolucion folgt Guevaras Weg während der kubanischen Revolution und zeigt seinen Aufstieg vom Arzt zum Kommandeur und schließlich zum Helden der Revolution.

Ganze zehn Jahre hat es an Vorbereitung gebraucht, um letztendlich dieses Mammutprojekt auf die Beine zu stellen. Mit Hilfe von 3 Überlebenden, die an der Seite von Che gekämpft hatten, Pombo, Urbano und Benigno, inszenierte Stephen Soderbergh dieses Epos in zwei Teilen, um die Geschichtsdetails nicht verbiegen zu müssen. Dabei ist der erste Teil eher Kriegsfilm, während der zweite Teil mehr als Überlebensthriller zu verstehen ist. Gedreht wurde in der Originallandessprache.

Produzentin Laura Bickford über die Berater:»Die Informationen, die die Schauspieler von ihnen brauchten, waren sehr gezielt. Zum Beispiel: Wie würde man eine Waffe in einer bestimmten Situation halten? Wie wüsste man, wie man von hier nach da kommt? Würde man eher nacheinander einzeln vorstoßen, oder eher gemeinsam durch die Büsche kriechen? Das waren sehr spezielle, taktische Informationen, die den Schauspielern deutlich mehr Energie für ihre Darstellung gaben. Innerhalb der Schauspieler, die diesen Teil der kubanischen Revolution und von Ches Leben porträtieren, decken wir dabei das gesamte politische Spektrum ab. Jede einzelne politische Haltung zur Kubafrage ist durch jemanden in diesem Film repräsentiert.«

Hauptdarsteller Benicio del Toro ist die grandiose Idealbesetzung der Ikone. Er gibt Guevara das gewisse Etwas, damit er so echt wie möglich herüberkommt: »Der Prozess, Che zu spielen, war für mich sehr anders als bei anderen Filmen, die ich gemacht habe. In solch einem Fall, bei einer realen Person, beginnt man mit dem Menschen selbst und mit dem, was er geschrieben hat. Das führte uns dann zu insgesamt sieben Jahren Recherche darüber, was andere Leute über ihn geschrieben haben. Dennoch bin ich immer zu dem zurückgekehrt, was er selber geäußert hat.«

Che - Revolucion ist eine Mischung aus farbenprächtigem Kriegsfilm und historischer Dokumentation mit dogmatischen Schwarzweiß-Versatzstücken. Als für ein Massenpublikum tauglicher Film ist er leider viel zu langwierig als auch -weilig. Gleich zu Beginn bekommt der Zuschauer ein Bild von Kuba gezeigt, in dem die verschiedenen Regionen, Städte und Stationen Guevaras nach und nach aufblinken. Danach wird es nicht viel interessanter. Während einer Familienzusammenkunft trifft Guevara zum ersten Mal auf Fidel Castro, der ihn für seine kommende Revolution interessiert. So nach und nach bekommt man Kleinigkeiten mitgeteilt, die die Geschichte zwar authentischer aussehen lassen, aber die Spannungskurve noch nicht erkennen lassen. Alle reden fast eintönig und gelassen. Dann plötzlich ein Angriff! Ups, schon weider vorbei. So wird nach und nach der Weg Guevaras durch den kubanischen Dschungel aufgezeigt. Man lernt Land und Leute kennen und kann den Geschichtsstoff ein wenig auffrischen. Die einzige Spannung zieht der Film dann lediglich von seinen Kriegssequenzen, in denen die Geschosse nur so durch den Raum zappen, dass man sich plötzlich mittendrin befindet. Der Höhepunkt des Films ist schließlich der Kampf um Santa Clara, der das Ende des Krieges (und des ersten Teils) einläutet.

Teil 2: Guerilla

Nach dem erfolgreichen Umsturz in Kuba verschwindet Che scheinbar spurlos. Ein Jahr später reist er unerkannt nach Bolivien ein, wo er die Revolution weiterführen möchte. Mit der Unterstützung ausländischer Sympathisanten wie Tanja und dem Schriftsteller Regis Debray nimmt er mit einer kleinen bewaffneten Einheit den Kampf gegen Präsident Barrientos und seine Truppen auf. Doch in der Bevölkerung ist der Rückhalt gering, auch auf die Hilfe der Kommunistischen Partei unter Mario Monje kann Che nicht zählen. Während die Moral immer weiter sinkt, geraten die Guerillas in einen Hinterhalt.

Der zweite Teil verlässt den Kriegsschauplatz und erzählt vom Überlebenskampf von Ches Guerillatruppe in Bolivien. Stilistisch bleibt der Film im Dokumentationsstil mit blassen Farben, als wenn der Film in den 60er Jahren gedreht worden wäre. Das Bild ändert sich ebenso von CinemaScope zum 16:9 Bildformat. Im Gegensatz zum ersten Teil wird hier die Geschichte linear ohne die zwischenzeitlichen Zeitsprünge erzählt.

Was geblieben ist: Das Tempo. Am Anfang gibt es erneut einen geografischen Atlas, der die Länder Südamerikas aufleuchten lässt. Das ist zwar sehr nett, dass Herr Soderbergh einen kleinen Geografiekurs mit uns macht, doch bringt das den Film nicht in Schwung, zumal der sowieso nur in Bolivien spielt. Hauptsächlich geht es in dem Film um das Überleben im Dschungel, dass sich die Guerillas ihre Verpflegung von den wenigen ansässigen Bauern erschnorren mussten. Sie hatten mit sich selbst zu tun, Hungersnöte und die bolivianische Armee im Nacken.

Und die Geschichte wird immer langatmiger. Selbst die Grillen scheinen immer langsamer zu zirpen, als wenn die Batterien vom Kassettenspieler ihren Geist aufgeben. Was auch geblieben ist, ist die außenstehende Erzählweise. Es wird erst gar nicht versucht, die Personen näher an sich heran kommen zu lassen. So bleibt Che von vorn bis hinten ein unpersönliches Stück Kaugummi, das am Schuh klebt. Auch können die namhaften Schauspieler nicht viel retten. Es ist zwar schön, dass Franka Potente so gut spanisch sprechen kann, und auch witzig, dass Matt Damon einen deutschen Priester spielt, doch wirklich helfen tut es dem Film nicht.

Che ist ein Epos von besonderem Ausmaß. Es ist lang, -weilig und hätte auf zwei Stunden gekürzt werden können. Es ist sicher etwas für Che Guevaras Hardcorefans, einmal zusammen mit ihm im bolivianischen Dschungel abhängen oder in den kubanischen Wäldern einen dicken Stumpen rauchen und Parolen kloppen. Mehr ist der Film nicht, die Spannung hält sich unterm Sitz, und selbst dort ist Tote Hose. Wer also unbedingt viereinhalb Stunden dafür verschenken will, bitteschön! Aber hinterher bitte nicht beschweren! ■


OT: Che - Revolucion
USA/Spanien/Frankreich 2008
Biopic/Kriegsfilm
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
131 min


mit
Benicio del Toro (Ernesto „Che“ Guevara)
Demián Bichir (Fidel Castro)
Rodrigo Santoro (Raúl Castro)
Julia Ormond (Lisa Howard)
Catalina Sandino Moreno (Aleida March/Guevara)
Yul Vázquez (Alejandro Ramírez)
Santiago Cabrera (Camilo Cienfuegos)
Jsu García (Jorge Sotús)
Unax Ugalde (Vaquerito/Little Cowboy)

musik
Alberto Iglesias

kamera
Peter Andrews (Stephen Soderbergh)

drehbuch
Peter Buchman
basierend auf „Kubanisches Tagebuch“ von Ernesto „Che“ Guevara

regie
Stephen Soderbergh

produktion
Laura Bickford Productions
Morena Films
Telecinco
Wild Bunch

verleih
Central Film

OT: Che - Guerilla
USA/Spanien/Frankreich 2008
Biopic/Kriegsfilm
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
131 min


mit
Benicio del Toro (Ernesto „Che“ Guevara)
Demián Bichir (Fidel Castro)
Rodrigo Santoro (Raúl Castro)
Franka Potente (Tania)
Catalina Sandino Moreno (Aleida March/Guevara)
Yul Vázquez (Alejandro Ramírez)
Joaquim de Almeida (Präsident Barrientos)
Lou Diamond Phillips (Mario Monje)
Marc-André Grondin (Regis Debray)
Jordi Mollà (Captain Vargas)
Carlos Bardem (Moises Guevara)

musik
Alberto Iglesias

kamera
Peter Andrews (Stephen Soderbergh)

drehbuch
Peter Buchman
Benjamin A. van der Veen
basierend auf „Kubanisches Tagebuch“ von Ernesto „Che“ Guevara

regie
Stephen Soderbergh

produktion
Estudios Picasso
Laura Bickford Productions
Morena Films
Section Eight
Telecinco
Wild Bunch

verleih
Central Film