• J. Edgar


    Leonardo DiCaprio als J. Edgar Hoover
    © Warner Brothers

    Trailer | IMDb | Filmseite

    J. Edgar Hoover war eine komplexe, mitreißende Persönlichkeit, die Amerika in ihrem Bann hielt und deren Vermächtnis auch heute noch in den Fluren jenes FBI-Gebäudes zu spüren ist, das nach ihm benannt wurde. Er beschleunigte die Einführung der modernen Forensik und schuf ein System von Bundesgesetzen, die die USA auf vielfältige Weise veränderten – was bis in die Gegenwart nachwirkt.

    Er wurde gefürchtet und verehrt, war ein Mann der Gegensätze, dessen öffentliches und privates Leben Gerüchte und Anspielungen provozierte. Doch weil er seine eigenen Geheimnisse eisern zu wahren wusste, sind wir in Bezug auf sein Leben nach wie vor weitgehend auf Spekulationen angewiesen.

    Regisseur Clint Eastwood ist unter Hoovers Herrschaft aufgewachsen. Ihn reizte es, diese Persönlichkeit zum Thema eines Films zu machen: »Hoover war ein Spitzen-Cop oder „G-Man“, wie man sie damals nannte. Aber ich wusste kaum etwas über ihn. Er sonnte sich im Licht der Öffentlichkeit, ließ sich auf Partys mit Filmschauspielern und berühmten Autoren fotografieren, aber viele Aspekte seiner Persönlichkeit bleiben rätselhaft.«

    Dustin Lance Blacks Charakterstudie Hoovers spielt mit den Aspekten, die über den Revolutionar der Verbrechensbekämpfung bekannt sind, ohne jedoch in irgendeine Richtung tiefer zu gehen. Seine Homosexualität, die er wegen der damaligen Verpöntheit als auch wegen seiner Position in der Gesellschaft offensichtlich in privaten Gemächern auslebte, wird heruntergespielt. Selbst ein Kuss, den ihn sein Freund im Privaten aufdrängt, wimmelt er ab, als wenn die Filmkamera, die diese Szene aufnimmt, das Idol Hoover zerstören könnte.

    Weniger vorsichtig war Eastwood beim Einsatz von Bauten und Kostümen, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt waren. Ein großes Plus, aber auch gleichzeitig Manko, waren die Masken der Hauptdarsteller. Während die Masken von Leonardo DiCaprio und Naomi Watts größtenteils gelungen sind, kann man bei der so ziemlich unrealistisch wirkenden Alterung Armie Hammers nur den Kopf schütteln. Solche Masken wurden vor 20 Jahren gefertigt! Vielleicht ist Eastwood in diesem Punkt nicht ganz up to date…

    Und auch sonst kann der Film nicht vor seiner Länge gerettet werden. Mit gefühlten vier Stunden Laufzeit ist der Film einer der unspektakulärsten, langweiligsten und uninteressantesten Filme des einstigen „Dirty Harry“, der immer mehr zur Karikatur verbraten wird. Als Nächstes wird Eastwood jedenfalls wieder vor der Kamera stehen. Neben Amy Adams (Die Muppets) und Matthew Lillard (The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten) übernimmt der mittlerweile fast 82-jährige die Hauptrolle in dem Drama Trouble with the Curve. Nach J. Edgar hat Clint Eastwood auf jeden Fall Schwierigkeiten, die Kurve zu kriegen. mz


    OT: J. Edgar
    USA 2011
    Drama
    FSK: 12
    137 min

    mit

    Leonardo DiCaprio (J. Edgar Hoover) Gerrit Schmidt-Foß
    Naomi Watts (Helen Gandy) Claudia Lössl
    Armie Hammer (Clyde Tolson) Sascha Rotermund
    Dermot Mulroney (Colonel Schwarzkopf) Charles Rettinghaus
    Ed Westwick (Agent Smith) Stefan Günther
    Judi Dench (Anne Marie Hoover) Gisela Fritsch
    Stephen Root (Arthur Koehler) Walter von Hauff
    Josh Lucas (Charles Lindbergh) Thomas Nero Wolff
    Eric Matheny (Arzt) Patrick Schröder
    Zach Grenier (John Condon) Thomas Schüler
    u.a.

    musik
    Clint Eastwood

    kamera
    Tom Stern

    drehbuch
    Dustin Lance Black

    regie
    Clint Eastwood

    produktion
    Imagine Entertainment
    Malpaso Productions
    Wintergreen Productions

    verleih
    Warner Brothers

  • 24. Januar 2012
    #Drama  


    ▲ nach oben