Offroad

© Paramount Pictures/Volker Roloff
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Cheb Khaled - Aicha mp3
Einmal etwas tun, was niemand so erwarten würde! Für Meike Pelzer scheint dieses Thema mit dem Ersteigern eines vom Zoll an der deutsch-holländischen Grenze beschlagnahmten peinlichen Proll-Jeeps eigentlich erledigt. Ihr Lebensentwurf ist bisher eher dem Straßenbau entliehen: gerade und überschaubar, ohne unvorhersehbare Kurven. Das BWL-Studium ist abgeschlossen, Heirat und Übernahme des väterlichen Betriebs liegen unmittelbar vor ihr. Doch dann lässt sich Philip, ihr Verlobter, dummerweise von Meike in flagranti mit ihrer besten Freundin Denise erwischen und Meikes Lebensplan zerplatzt wie eine Seifenblase.
Als sie unter der Kofferraumverkleidung ihres neuen Jeeps 50 Kilo Kokain findet, lässt sie ihr altes Leben spontan und ohne zu zögern hinter sich und begibt sich auf einen Trip ins Ungewisse, ihrer Vorstellung nach finanziert (und betriebswirtschaftlich kalkuliert) durch die ersten Drogengeschäfte ihres Lebens! Davon sind einige Leute natürlich weniger begeistert, allen voran die eigentlichen Besitzer der Ware.
Auf ihrer wilden Reise durch ein völlig neues und ihr bis dahin unbekanntes Leben trifft sie nicht nur auf Salim, der ihr aus einigem Schlamassel hilft, es passieren ihr auf einmal auch mehr verrückte Dinge, als ihr eigentlich lieb sind. Aber sie trifft auch dort, wo sie es nie für möglich gehalten hätte, auf die Liebe, und plötzlich ist alles anders…
Der Film erzählt die Geschichte einer spannenden Suche nach dem Sinn oder Unsinn des Lebens und einer unerwarteten Liebe. Eine gefühlvolle und rasante Komödie mit schrägen Typen und vielen absurden Momenten, in der Nora Tschirner nach Ohren- und Küken-Millionenerfolgen erneut ihre authentische Spielfreude unter Beweis stellen kann.
Offroad ist ein spannender Roadmovie mit schrägen Typen, absurden Momenten, wilder Action und einer wüste Haken schlagenden Handlung. Er handelt von ganz normalen Menschen, die in höchst ungewöhnliche Situationen geraten und deren bisheriges Leben dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt wird – und wie jede gute Kinogeschichte hat Offroad seine Wurzeln in der Realität.
Kurz nachdem Regisseur Elmar Fischer 2002 seinen ersten, vielfach ausgezeichneten Kinofilm Fremder Freund fertiggestellt hatte, stieß er auf einen Bericht über einen Mann, der beim Zoll ein Auto ersteigert und darin eine riesige Menge Kokain gefunden hatte. Fischer erinnert sich: »Ich fand diese Geschichte sehr spannend. Was passiert mit einem Menschen, der subkutan in seinem Leben nicht glücklich ist, der von Stress und Langeweile umgeben vor sich hin lebt und der auf einmal so einen Lottoschein oder vielmehr ein Geschenk des Schicksals bekommt?
Was würde der tun, wenn er nicht so vernünftig wäre, wie dieser Mann, der den Wagen zurückbrachte? Das ist doch eigentlich eine Situation, mit der sich viele Menschen identifizieren können, die viele Menschen kennen. Man kann sich überlegen, ändere ich jetzt, in diesem Moment radikal mein Leben oder bleibe ich vernünftig und lebe mein Leben weiter so wie bisher?«
Elyas M’Barek weiß, warum die Chemie zwischen ihm und Nora Tschirner stimmt, warum die Zusammenarbeit so angenehm und entspannt ablief: »Ich habe ja schon öfter mit Nora zusammengearbeitet – im Fernsehen bei Doctor’s Diary und im Kino bei Zweiohrküken. Wir verstehen uns sehr gut, harmonieren perfekt … das hat besonders in den Szenen geholfen, in denen wir als Liebespaar auftreten. Und natürlich überträgt sich dieses Feeling dann auch auf die Leinwand. Einfach klasse!«
Offroad besitzt einen sehr amerikanischen Look und ist als intelligente, gegen den Strich gebürstete Komödie konzipiert. Ein leichter 70er-Jahre-Retro-Touch, die sinnvoll eingesetzte Splitscreen-Technik und Meike als Erzählerin aus dem Off, deren Gedanken im Gegensatz zu ihrem Tun stehen, geben dem Film eine ganz besondere Note. Die Filmemacher wollten sich selbst nicht immer wahnsinnig ernst nehmen, lustbetont an alles herangehen.
Natürlich gab es dafür auch Vorbilder. Sowohl, was die Kamera angeht, als auch den Schnitt und die Musik. Elmar Fischer konkretisiert: »In den 70ern bin ich aufgewachsen, da habe ich meine Kindheit verbracht, da fühle ich mich wohl. Wenn man das in diesem Film spürt, dann ist das schön.
Ich mag Filme wie Thomas Crown ist nicht zu fassen, ich kann mich immer noch über die alten, lässigen Lino-Ventura-Abenteuer wie Die Entführer lassen grüßen freuen und ich mag heute die Arbeiten von Guy Ritchie und Quentin Tarantino. Auch in Deutschland gibt’s Filme, die mich ein bisschen in diese Richtung inspiriert haben … Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding von Peter Thorwarth ist so ein Film, den ich sehr gemocht habe, und von dem ich vom Gefühl, vom Geist her etwas mitnehmen konnte.«
Produzent Jakob Claussen ergänzt: »Die Musik spielt hierbei eine besondere Rolle. Wir haben uns für einen nordafrikanischen Sound entschieden, wie etwa mit „Aicha“ von Cheb Khaled aus Algerien, weil diese Musik den Freiheitswunsch und das Ziel der Hauptfigur symbolisiert. Mit Nomad Sound System, Culcha Candela und unserem Komponisten Ali N. Askin erzählen wir musikalisch dabei auch vom heutigen Schmelztiegel der Kulturen in Berlin.«
Und auch Elyas M’Barek war mit der Musik im Film sehr zufrieden. Mehr noch, er durfte sich im Berliner Szeneclub sogar als Sänger ausprobieren und für Meike das Liebeslied „Aicha“ singen. »Ganz klar«, lacht er. »Das bin ich, der da singt. Kein Playback! Das ist der Anfang meiner neuen Karriere als Musiker… Nein, ich hab da zwar selbst gesungen und es hat auch viel Spaß gemacht. Aber ich bleib mal lieber bei der Schauspielerei.«
Offroad ist ein Film für alle, die aus ihrem eintönigen Leben ausbrechen wollen, was man auch an Nora Tschirners Gesichtsausdruck erkennen kann. Die Schauspielerin ist ja bekannt für ihr gutes Aussehen und ihren eintönig langweiligen, emotionslosen Gesichtsausdruck. Und auch in diesem Film macht sie keine Ausnahme. Sie versucht es aber, in Verbindung mit Meikes emotionaler Entwicklung, während des Films ein oder zwei andere Ausdrücke aufzuzeigen, wodurch es ihr am Ende dann doch noch gelingt, die Zuschauer zu überzeugen.
Der Film funktioniert ein wenig als Gute-Laune-Droge, ohne Kokain zu verharmlosen, was sich in der Darstellung der Dealer als auch im Verlauf der Handlung (sogar buchstäblich) niederschlägt. Er kommt zwar nicht so ganz an Filme wie Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding oder Knockin’ on Heaven’s Door heran, kann sich jedoch in selbiger Liga behaupten. Offroad ist dann wohl der Einstand ins diesjährige Actionkino, bevor Ryan Gosling zwei Wochen später das Lenkrad übernimmt. ■ mz
OT: Offraod
D 2011
Komödie/Krimi
FSK: 12
98 min
mit
Nora Tschirner (Meike Pelzer)
Elyas M’Barek (Salim)
Max von Pufendorf (Philip Kempermann)
Tonio Arango (Tuschi)
Thomas Fränzel (Julian „Jule“)
Stefan Rudolf (Ulf)
Dominic Raacke (Vater Pelzer)
Leslie Malton (Mutter Pelzer)
Axel Milberg (Schanowski)
u.a.
musik
Ali N. Askin
kamera
Philipp Kirsamer
Fabian Rösler
drehbuch
Elmar Fischer
Susanne Hertel
Amelie Syberberg
regie
Elmar Fischer
produktion
Claussen Wöbke Putz Filmproduktion
Dr. Wilfried Ackermann Filmproduktion
ZDF
verleih
Paramount
„Die Filmemacher stimmen nicht Meike Pelzers Meinung über Geilenkirchen zu.
Die Hauptdarsteller sehen das anders.“
