Nie mehr ohne Dich

© Myriam Babin Photography
Als der junge Geschäftsmann Niklas von Frankfurt nach New York geschickt wird, um dort eine Filiale zu schließen, ahnt er noch nicht, dass diese eintägige Reise sein Leben auf den Kopf stellen wird. Bereits am Vormittag hat er seine Aufgabe erledigt, aber sein Rückflug geht erst elf Stunden später. In dieser Zeit trifft er scheinbar zufällig auf Leticia, eine schöne Afro-Amerikanerin mit großem Gesangstalent, die sich mit einem Bürojob über Wasser hält. Das einzige Problem… ohne es zu wissen, hat er sie gerade gefeuert.
Niklas und Leticia verbringen einige romantische Stunden in Brooklyn. Zum ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt findet sie jedoch heraus, dass Niklas für ihre Kündigung verantwortlich ist und lässt ihn kurzerhand mitten in Brooklyn allein. Während sich Leticia auf einen Auftritt als Sängerin vorbereitet, muss Niklas entscheiden, ob er zurück nach Europa fliegt, wo bereits der nächste Job auf ihn wartet, oder ob er alles auf eine Karte setzt…
Die Geschichte ist wahr, doch einige Dinge wurden geändert. In seiner Notiz zum Film schreibt Christoph Silber: „Junger Berliner auf Arbeitsreise trifft in der New Yorker U-Bahn eine dunkelhäutige Frau aus Brooklyn, beide verlieben sich auf den ersten Blick. Nach ein paar kurzen, intensiven Tagen voll faszinierender Missverständnisse und Aha-Erlebnisse in der großartigsten Stadt der Welt, fragt er sie, ob sie seine Frau werden will. Sie sagt Ja.
Als ich im Spätsommer 1999 mit dieser Geschichte aus New York zurückkam, rangierten die Reaktionen meiner Freunde von begeistertem Entzücken (Jetzt hat der Silber endlich die große Liebe gefunden!) bis zu ungläubigem Kopfschütteln (Jetzt ist der Silber endgültig durchgedreht!). Je mehr sich unser Glück verwirklichte (Hochzeit und Berlin-Umzug meiner Frau nach einem halben Jahr, Geburt des ersten Kindes genau neun Monate später), kam aus dem Filmgeschäft die Frage, wann ich die Geschichte dieses New Yorker Wunders zu einem Film machen würde. Unter Redakteurinnen und Produzentinnen wurde ich gelegentlich als ,der mit der tollen New Yorker Liebesgeschichte’ gehandelt.
Die eigenen wahren Geschichten sind viel schwieriger anzugehen als die von anderen, oder die erfundenen. Erst als wir Anfang 2008, immer noch glücklich verliebt, zurück nach New York zogen, schien die Zeit reif. Als sich die Chance ergab, mit meinem Freund und Firmenpartner, dem amerikanischen Independentfilmer Stefan Schaefer, einen Film in New York zu produzieren, fiel uns beiden die Liebesgeschichte aus dem Sommer 1999 ein.
Dank Stefans Mitwirken am Drehbuch fand ich den Abstand, der mir wichtig schien, um das Herz der wahren Geschichte in einen Filmplot zu kleiden. Trotz aller erfundenen Elemente hat sich meine Frau in der Figur der Leticia wiedererkannt. Mir geht es mit Niklas genauso, und gemeinsam hoffen wir, dass diese Geschichte ein Hoffnungsschimmer ist. Irgendwo da draußen gibt es sie, die eine, große, wahre Liebe. Ganz bestimmt.“
Ähnlich wie in der legendären Liebesgeschichte Before Sunrise treffen hier zwei Menschen aus unterschiedlichen Welten aufeinander, die versuchen, sich gegen eine höhere Macht zu wehren und dabei feststellen, dass sie einige Dinge nicht kontrollieren können. Es ist ein liebenswerter Film, der zwar mit nur wenigen Figuren auskommt, jedoch durch Realitätssinn und halbwegige Authentizität mit einer eigenen Dynamik überzeugen kann. Allerdings hat es die konfliktgeladene Hauptgeschichte schwerer als die parallel verlaufende Romanze der Nebenfiguren. Manchmal entstehen einige Längen, die jedoch Nicole Beharies leidenschaftlicher Soulgesang wieder ausbügeln kann. ■ mz
OT: My last Day without you
USA 2011
Drama
FSK: 0
92 min
mit
Ken Duken (Niklas) Ken Duken
Nicole Beharie (Leticia) Rubina Kuraoka
Reg E. Cathey (Pastor Johnson)
Marlene Forte (Luz)
u.a.
musik
Scott Jacoby
kamera
Dan Hersey
drehbuch
Stefan C. Schaefer
Christoph Silber
regie
Stefan C. Schaefer
produktion
Cicala Filmworks
Silver Shepherd
verleih
Falcom Media
