39,90 - Sinn und Unsinn der Werbung
31.7.2008

Jean Dujardin als Octave
in dem Film „39,90”

Es gibt wenige Themen, die so umstritten sind und bereits seit mehreren Jahrzehnten diskutiert werden wie der „Sinn und Unsinn der Werbung“. Dabei haben die Befürworter und Gegner jeweils gute Argumente parat. Diejenigen, die an Werbung glauben, sind der Meinung, dass sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, ein Milliardengeschäft, das viele Arbeitsplätze sichert und das Standbein einer wachstumsorientierten kapitalistischen Wirtschaft ist. Sie betonen, dass Werbung unter den Schutz der freien Meinungsäußerung falle. Auf der anderen Seiten fordern Gegner, dass zumindest auf einen Teil der Werbung verzichtet werden sollte, zum Beispiel dort, wo Kinder manipuliert werden oder es um Suchtmittel wie Zigaretten und Alkohol oder um Glücksspiel geht.

In Deutschland werden jährlich 21 Milliarden Euro für Werbung ausgegeben

2007 flossen 20,9 Milliarden Euro in klassische Kommunikationsmaßnahmen, den höchsten Anteil hatte dabei mit 40 Prozent das Werbefernsehens. Die größten Werber in Deutschland sind Aldi, Lidl, Media-Markt und Saturn, die Automobilbranche und die Telekommunikationsbranche. Werbung ist gut für den Konsumenten, das besagen zumindest die Studien des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft: Laut einer Studie sind nur 8 Prozent der Deutschen der Meinung, dass ihr Leben ohne Werbung schöner wäre - das bedeutet, dass 92 Prozent der Meinung sind, das Werbung für Waren ein integraler Bestandteil ihres Lebens sind. 53 Prozent der Bevölkerung sind laut Studie der Ansicht, dass Werbung bei neuen Produkten eine wichtige Informationsfunktion habe, 44 Prozent denken, dass sie hilfreich für den Verbraucher sei.

China ist zweitstärkste Werbenation der Welt

Interessant ist auch ein Blick auf den internationalen Werbemarkt: Dort löst gerade das kommunistische China (48 Mrd. US Dollar) Japan (34 Mrd. US Dollar) vom Platz der zweitgrößten Werbenation hinter den USA (163 Mrd. US Dollar) ab. Das Werbegeschäft in Europa wird von Großbritannien (25 Mrd. US Dollar) angeführt, Deutschland (21 Mrd. US-Dollar) liegt an zweiter Stelle, gefolgt von Frankreich, Italien und Spanien. (Quelle: Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft)

© Alamode Film

Die Kritiker: „Werbung ist Umweltgift“

Bei Verbraucherschutzverbänden, Umweltschutzgruppen, Globalisierungsgegnern und Konsumkritikern ist Werbung schon lange im Zentrum der Kritik. Kalle Lasn, einer der bekanntesten internationalen Werbekritiker, schreibt in seinem Buch „Culture Jamming“, dass Werbung „das am weitesten verbreitete und stärkste aller mentalen Umweltgifte“ sei. Vom ersten Radiospot morgens beim Aufwachen, den Plakaten bei der Fahrt in die Arbeit, U- und S-Bahn-Werbung wie Infoscreen, Internetbanner bis hin zu TV-Spots vor den Abendnachrichten wird der Mensch täglich mit über 3000 Werbebotschaften konfrontiert. In den USA werden täglich zwölf Milliarden Displayanzeigen, drei Millionen Radiowerbungen und mehr als zweihunderttausend TV-Werbespots ausgestrahlt. Wörter wie „Werbeflut“, „Spam-Filter“, „Fernseh-Zapping“ zeigen, dass die Menschen durchaus auch versuchen, sich der Werbung zu entziehen.

Naomi Klein prangert in ihrem Bestseller „No Logo“ sogar an, dass die Ansammlung von Billionen an Kapital und der Verkauf von Image statt von Produkten, zu sklavenartigen Produktionsbedingungen in der „Dritten Welt” führe und die Steigerung der Macht der Konzerne zur Entmachtung der Bürger.

39,90 lässt uns wissen, das der Durchschnittbürger zwischen der Geburt und seinem 18. Lebensjahr im Schnitt mit 350000 Werbeanzeigen konfrontiert wird. 500 Mrd. US Dollar werden weltweit jährlich für Werbung ausgegeben - 10% davon würden laut einer Studie dafür ausreichen, den Hunger in dieser Welt zu stillen.

Frédérik Beigbeder ist der Meinung, dass „unsere Wirklichkeit von Marken aufgekauft wird“. So hat zum Beispiel Nestlé sich das Wort „Glück“ als Markennamen schützen lassen, Pepsi gehört das Wort „blau“. Das Wort „Glück“ schützen zu lassen ist eine Sache. Doch die große Frage, die 39,90 aufwirft, ist:

Wieviel Konsum braucht der Mensch um glücklich zu sein?

alamode

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