Sleeper Cell - Müssen wir auch Angst haben?
21.7.2008

Die Shitlik-Moschee in Berlin-Neukölln
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

„Allahu Akhbar“, Gott ist groß: Vor dem Selbstmordattentat sprechen die „Heiligen Krieger“ ein Gebet und im schlimmsten Falle werden viele unschuldige Menschen in den Tod gerissen. Für die Sicherheitsexperten der Bundesregierung war Deutschland eine lange Zeit nach dem 11. September 2001 ein „abstrakter Gefährdungsraum“: Hierzulande wären keine Attentate zu befürchten.

Im April 2007 änderte sich die Einschätzung der Lage schlagartig: Die CIA meldete, dass eine Gruppe radikal-islamischer Kurden einen Anschlag auf Deutschland plane. Am 10. Juni wurden in Pakistan drei Terrorverdächtige festgenommen, zwei von ihnen stammen aus der Bundesrepublik. Erstmals ließen daraufhin offizielle Stellen verlauten, dass Deutschland im Fokus von Terroristen steht. Der Bundesinnenminister sprach von einer „neuen Qualität terroristischer Aktivitäten“.

Am 20. Juni strahlte der US-Sender ABC ein Video aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aus. Darin verabschiedete der Talibankommandeur Mansoor Dadullah über 300 frisch ausgebildete Selbstmordattentäter. Ihr Ziel: die USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland, die Länder, die Soldaten nach Afghanistan geschickt hatten. Darunter waren auch mehrere in Deutschland aufgewachsene Personen, die in Terrorcamps gereist waren, um sich dort als Gotteskrieger ausbilden zu lassen. 13 Terrorverdächtige mit deutschem Pass oder einem anderen Deutschlandbezug wurden in der Region allein im ersten Halbjahr 2007 festgenommen.

Im September 2007 konnte der bisher schwerwiegendste geplante Terroranschlag in letzter Minute verhindert werden: Die „Sauerland-Bomber“ hatten sich 730 Kilogramm Wasserstoffperoxidlösung beschafft. Eine Menge, die für eine größere Sprengkraft als bei den Anschlägen in Madrid und London gereicht hätte. Der Koordinator soll ein 28-jähriger Deutscher aus Ulm gewesen sein. Die Islamische Dschihad Union (IJU) gab im Internet bekannt, dass die Anschläge zur Schließung des deutschen Luftstützpunktes Termez in Usbekistan führen sollten. Zudem zeigt dieser Fall, dass nicht mehr nur Menschen aus islamischen Ländern, sondern verstärkt auch Konvertiten zu Attentätern ausgebildet werden. Deutsche, die sich erst kürzlich zum Islam bekannt haben.

© R. Maro/version

Im März 2008 dann die nächste besorgniserregende Nachricht: Ein aus Bayern stammender Türke sprengte sich in Afghanistan vor einer amerikanischen Militäreinrichtung in die Luft. Zwei Afghanen und zwei amerikanische Soldaten starben bei diesem Attentat. Er war der erste direkt aus Deutschland stammende Selbstmordattentäter. Vor einem Jahr kündigte er seinen Job in Deutschland, ließ seine Familie in der Türkei zurück, um sich von der Islamischen Dschihad Union in Pakistan zum Selbstmordattentäter ausbilden zu lassen.

Für eine konkrete Gefährdungslage spricht auch die veränderte politische Situation in Deutschland. Im Herbst 2007 wurde das Afghanistan-Mandat der Bundeswehr verlängert. Derzeit sind insgesamt 3.500 deutsche Soldaten im Norden des Landes und in Usbekistan stationiert. 2009 stehen Bundestagswahlen an. Auch in Spanien standen Wahlen bevor, als in Madrider Regionalzügen Bombenattentate verübt wurden.

Die Fakten deuten darauf hin, dass der Dschihad längst unsere Gesellschaft erreicht hat. Laut dem Bundeskriminalamt laufen derzeit 189 Ermittlungsverfahren mit islamistisch-terroristischem Hintergrund. Die Mehrzahl betrifft die Bildung terroristischer Vereinigungen, speziell die Finanzierung und Rekrutierung von Kämpfern. Derzeit leben geschätzte 3,4 Millionen Muslime in Deutschland, rund 32.000 davon sind nachweislich Mitglieder radikalislamischer Organisationen. Geschätzte 700 Personen werden zurzeit durch den Verfassungsschutz und die Geheimdienste beobachtet. 10 Prozent davon gelten als militant und haben Gefährdungspotential.

Bei der ganzen Diskussion um die terroristische Bedrohung in Deutschland bleibt die Frage: Handelt es sich um eine reale Bedrohung oder um eine Panikmache der Politiker? Ist Deutschland lediglich ein „Ruheraum“ für internationale Terroristen, wie führende Terrorismusforscher die derzeitige Lage beschreiben oder konkretes Anschlagsziel? Wächst die Bedrohung etwa mit einer Ausweitung des Einsatzes von deutschen Truppen in Afghanistan?

Sleeper Cell hilft zu verstehen, wie Terroristenzellen operieren und gibt einen spannenden Einblick in die Psyche und die möglichen Motive der Täter.

rtlII

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