Cloverfield - Interview mit den Hauptdarstellern
31.1.2008
Cloverfield
ab 31. Januar 2008 im Kino
Wie lief das Casting für einen solch geheimnisumwitterten Film ab?
Lizzy Caplan: Als wir dazukamen wurde uns eine Szene gegeben, die uns den Eindruck verlieh, es sei eine Geschichte übers Erwachsenwerden, so wie Reality Bites - Voll das Leben oder so, mit Leuten, die sich auf einer Party über ihre Beziehungen zanken. Beim zweiten Vorsprechen dann wurde uns eine Szene gegeben, die in Frankreich spielt und wir uns gegenseitig Adrenalin ins Herz pumpen. Wir hatten also keine Vorstellung, was uns da erwartete. Nach dieser Szene fragten sie uns, was wir dachten, worum es gehen würde. Wir rateten einfach und sie lachten uns einfach aus. Sie liebten die Sache mit der Geheimhaltung.
Michael Stahl-David: Ich weiß noch, bei meinem letzten Vorsprechen sagte J.J., dass das Drehbuch nicht funktionieren würde. Also ging er und trieb einen Monolog auf. Er ging einfach nach vorn und schrieb ihn dort sofort. Es waren anderthalb Seiten.
T.J. Miller: Bei mir war es ein wenig anders. Ich hatte ein Treffen, nachdem Paramount mich bei einem Stand-up-Programm in Aspen gesehen hatte. Ich erklärte ihnen wer ich war und was ich machte, und sie sagten zu mir, dass sie da dieses Projekt hätten, von dem sie dachten, dass ich der Richtige dafür wär, ich aber nichts darüber erfahren könne, weil es kein Drehbuch gäbe.
Als ich dann hereinkam, gaben sie mir diesen langen herzerweichenden Monolog. Als ich es las, dachte ich ,Haben die mir nicht zugehört? Haben die mich mit jemand anderem verwechselt?’ Sie mochten es und sagten dann: „Irgendwie haben wir Ihnen das falsche Stück gegeben!” Also gaben sie mir dann einen aufgedrehteren Monolog von einem Typen, der schon eher zu dem passte was ich [in meinem Programm] spiele. Wir konnten kaum erahnen, dass es ein alles über den Haufen werfender, Genre übergreifender Monsterfilm werden würde.
Lizzy Caplan: Amen! Und T.J. und ich hatten unsere späteren Vorsprechen zusammen, was klasse war, weil das Zeug, das wir da vorlesen mussten wirklich merkwürdig war. Wir hatten einfach Spaß und wandten uns auf dem Boden. Ach neiun, das war nicht das Vorsprechen!
T.J. Miller: Ich glaube, sie waren an Lizzy und mir interessiert, weil wir beide in der Komödie bewandert sind. Und als wir zusammenkamen kam es mir so vor, als wär sie die einzige Person, mit der ich vorsprach. Sie war auch jemand, der erkannt hatte, wie merkwürdig das ganze Material war, und zeigte es auf eine reale Art. Das war sehr lustig - J.J. und alle anderen lachten.
Stimmt es, dass euch selbst während der Drehs keine vollständigen Drehbücher ausgehändigt wurden?
Lizzy Caplan: Wir hatten eins, wir durften nur kein Drehbuch in den Händen halten solange wir nicht die Verträge unterschrieben haben, beim Film mitzumachen.
T.J. Miller: Ich hatte ein Gespräch mit meinen Agenten und Managern und fragte: „Weiß irgendjemand, worum es in dem Film geht?” - Keiner wusste es. Also entschieden wir, da wir nichts fanden, was dagegen sprach, die Rolle anzunehmen.
Habt ihr irgendwas euren Eltern oder besten Freunden erzählt?
Lizzy Caplan: Ich habe mit niemandem gesprochen.
T.J. Miller: Sie sagten uns extra, wir sollen das nicht, Mann!
Michael Stahl-David: Sieh mal, wenn etwas durchgesickert wär, hätte man es zu dir zurückverfolgen können, und dann hättest du echt Probleme. Hast du gehört, was mit den Leuten passiert ist, die versucht haben, Bilder vom neuen Indiana-Jones-Film zu verkaufen? Die wurden auf die Schwarze Liste gesetzt und mit Gefängnis gedroht. Und außerdem denke ich, dass es den Fans, die danach schreien, dass etwas herausgefunden wird, die Vorfreude ruinieren würde.
Lizzy Caplan: Und es hat funktioniert. Auch wenn wir dachten, wie lahm die ganze Geheimniskrämerei gewesen sei, dass wir weder Freunden noch Familie etwas davon erwähnen durften - es gab Resultate. Die Leute interessieren sich für den Film gerade wegen der ganzen Begeisterung im Internet.
Ward ihr eingeweiht in die Pläne der Filmemacher, was den Teasertrailer und die Onlineinteressen betrifft?
Lizzy Caplan: Sie hatten uns gesagt was sie geplant hatten, und ich war nervös, weil ich nicht dachte, dass man die Aufregung um den Film für volle fünf Monate aufrecht erhalten kann. Aber sie taten es, ließen die richtigen Sachen zur richtigen Zeit durchsickern.
T.J. Miller: Das sieht J.J. ähnlich - er und Bad Robot wissen, wie man das macht. Die ganze Lost-Franchise ist auf einem Fundament aus Geheimhaltung, Hinweisen und Mystery aufgebaut. Und das ist toll. Es lässt dich auf J.J. sicher vertrauen.
Michael Stahl-David: Ich hörte, es würde einen Trailer ohne Namen geben, das fand ich brillant. Echt geschickt. Sie haben genau das Gegenteil von dem gemacht, was alle anderen mit ihren Filmen tun - anstatt es auf die Öffentlichkeit loszulassen, zeigten sie nur ganz wenig von dem, was hinter dem Vorhang passierte. Und es dauerte bis heute, das endlich herauszufinden.
Ist es wahr, dass Michael am Set verletzt wurde?
Odette Yustman: Ich glaube Michaels Verletzung war das lustigste was passiert ist.
T.J. Miller: Wir drehten eine Szene auf dem Studiogelände von Paramount, und eine Menge Statisten waren überall, die alles Mögliche machten. Es war die Freiheitsstatuenkopfszene und jemand stieß ein Schild um, das ausgerechnet auf den Kopf des Hauptdarstellers fiel. Er war blutüberströmt und musste zum Krankenwagen.
Odette Yustman: Aber die Szene wurde nicht unterbrochen!
Michael Stahl-David: Ja, das war toll.

Inwieweit war J.J. tagtäglich involviert?
Michael Stahl-David: Wir haben zwar nicht seinen tagtäglichen Einsatz gesehen, aber er war definitiv da. Er hat sich die Tagesaufzeichnungen angesehen und mit Matt Reeves gesprochen, ihm seine Vorstellungen unterbreitet. Er hat das Set manchmal besucht, das dann aber hinter den Kulissen.
Odette Yustman: Ich glaube er war da, als der Trailer gedreht wurde, um sicherzugehen, dass alles reibungslos vonstatten lief.
T.J. Miller: Er wär bestimmt öfter dagewesen, aber er dreht da gerade diesen kleinen Film namens Star Trek.
Jessica Lucas: Ich glaube er hat Matt völlig vertraut. Es geht ihm eine Menge durch den Kopf.
Wieviel Raum für Improvisation gab es? Matt ermutigt das in all seinen Filmen.
Lizzy Caplan: Es gab ein Drehbuch, aber man ließ uns einigen Freiraum. Trotzdem wollte Matt wenigstens eine der 50 Aufnahmen, die wir machten, nach dem Originaldrehbuch gedreht haben. Aber er hat uns eine Menge Bewegungsfreiheit gegeben, was dazu führte, dass es noch echter nach einer Videoaufnahme unter Freunden aussah. Es gibt einen reellen Unterschied zwischen gut dargestellten Szenen, in denen man nicht vom geschriebenen Wort abweichen kann, und dieser Art fiktiver Dokumentation, welches der einzige Weg ist, dass es wirklich funktioniert.
Michael Stahl-David: Es war sehr gemeinschaftlich, und wir wurden ermutigt, unsere Vorschläge einzubringen. Das Drehbuch war klasse, und es gab eine Menge Komödienmomente. Diese mussten jedoch aus dem wahrheitsgemäßen Reagieren auf die Sachen, die gerade geschahen, kommen, was wiederum eine Menge an Improvisation erfordert. Und Matt leistete einen fantastischen Job, uns dieses zu erlauben.
Welchen Herausforderungen stellt man sich als Schauspieler bei diesem Aus-der-Hand-Gefilme?
Odette Yustman: Es ist schwierig, denn als Schauspieler wurden uns gelehrt, nicht in die Kamera zu gucken. Wenn man direkt in die Kamera guckt, muss man normalerweise die Szene wiederholen. Hier jedoch konnten wir in die Kamera sprechen, da es ja Amateurmaterial war.
Michael Stahl-David: Außerdem war die Kamera ja nicht dafür da, um deine Geschichte festzuhalten und zu sehen, was in deinen Augen vorgeht. Sie war lediglich als Augenzeuge da, und alles was zu passend wirkte, konnten wir nicht behalten. Es war also harte Arbeit.
T.J. Miller: Für mich war es besonders hart, denn ich musste Kameramann und Schauspieler in Einem sein. Das war schwierig, denn ich war ständig mit Einrahmung, Kopfraum, Belichtung und Kamerabewegungen beschäftigt und musste dann noch diese Rolle des Hud spielen. Das war eine ganz andere Erfahrung. Manchmal musste ich die Kamera so halten, wie Hud sie nicht halten würde, weil damit gewisse Dinge ausgedrückt werden mussten. Und dafür wurde ich nicht einmal zusätzlich bezahlt!
Denkt ihr alle, dass der Film wichtig ist?
T.J. Miller: Ich ja. Ich glaube, dass er wichtig ist, hinsichtlich der Tatsache, dass er anders ist als alle Filme, die bisher gemacht wurden. Sowas ist immer wichtig, so machen wir Fortschritte. Es ist ja auch kein banal zwinkender Monsterfilm, er ist ein wenig anspruchsvoller als das. Die Figuren sind genauso wichtig wie die Effekte, was nicht immer der Fall ist, weil sich die Leute zu oft von den CGI-Effekten mitreißen lassen.
Michael Stahl-David: Es wird interessant sein, zu sehen, wie sich der Film in 10 Jahren macht. Ich glaube, er wird einer der kultigsten Filme dieser Dekaden sein. Dieser Stil ist echt und wird kopiert werden, speziell für die YouTube-Generation.
T.J. Miller: Wenn der Film eine Botschaft besitzt, dann die, dass er dir gestattet, mit den Figuren auf diesen einzigartigen Trip zu gehen, während diese versuchen, einen Sinn in den Dingen zu suchen, die keinen Sinn machen. Wir leben in absurden Zeiten - es scheint, es gibt nicht viel Logik in der Weltpolitik.
Lizzy Caplan: Heutzutage will jeder alles online stellen. Leute wollen intime Momente mit anderen Menschen teilen, das ist das, was der Film aussagt.
Habt ihr irgendwelche Lieblingsmonsterfilme - außer eurem eigenen?
Lizzy Caplan: American Werewolf in London.
T.J. Miller: Im Land der Raketenwürmer, weil er genauso lustig ist wie er echt wirkt und zugleich gruselig ist. Er ist eine tolle Genremischung.
Odette Yustman: Der Original-King Kong.
Jessica Lucas: Ich glaube King Kong, der neue, ist der einzige, den ich je gesehen habe.
T.J. Miller: Ich mochte auch Der Nebel. Er ist wie unser Film. Er handelt von den Menschen und wie sie mit einer fremdartigen Situation fertig werden. Obgleich wir bessere Spezialeffekte haben!
upi/scm


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