Once - Interview mit Markéta Irglová
17.1.2008

Once
ab 17. Januar 2008 im Kino

Was haben Sie sich von Ihrer ersten Filmerfahrung erwartet?
Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich erwarten sollte. Weder war ich jemals auf einem Filmset noch habe ich je vor laufender Kamera geschauspielert. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukam. Überrascht habe ich allerdings festgestellt, dass beim Filmemachen nicht nach zeitlicher Abfolge gedreht wird. Das fand ich etwas verwirrend.

Haben John und Glen Ihnen Ratschläge gegeben?
Ja. John meinte, ich sollte so natürlich wie möglich sein, mich bloß nicht verkrampft an den Dialog halten, sondern einfach improvisieren, wenn ich nicht weiter wüsste. Er stellte sogar die Kamera so weit aus unserem Blickfeld, dass wir uns ihrer Anwesenheit nicht bewusst wurden. [lacht] Jedes Mal, bevor wir eine Szene drehten, reichte er uns zur Beruhigung eine Tasse Tee und erklärte ausführlich, was er von uns als Schauspieler erwartet. Das machte vieles leichter.

Was ist Ihnen während der Dreharbeiten am schwersten gefallen?
Das waren die Szenen auf der Straße. Glen ist in Irland sehr bekannt. Jedes Mal, wenn wir draußen drehten, versammelten sich viele Menschen um uns herum. Und für mich, die sehr schüchtern ist, war das eine Doppelbelastung. Auf einmal beobachteten mich außer der Filmcrew Hunderte von anderen Menschen.

Wirkte es sich zum Vorteil aus, dass Sie und Glen schon vor Beginn des Films befreundet waren?
Ja, sehr. Im Nachhinein bin ich froh, dass Cillian [Murphy] die Rolle ablehnte, denn mangels meiner schauspielerischen Erfahrungen wäre er sicherlich ungeduldig mit mir geworden. Deshalb war ich ungemein erleichtert, als Glen an Bord kam. In seiner Anwesenheit kann ich mich entspannen und so sein, wie ich bin. Allerdings war es seltsam, vor der Kamera unsere Freundschaft herunter zu spielen und so tun, als ob wir uns überhaupt nicht kannten.

Wie kamen Sie mit dem Druck zurecht, der auf Ihnen lastete?
Ich war natürlich sehr nervös, vergleichbar mit dem ersten Tag Schule. Jeder kennt das Gefühl. Doch was hätte ich machen sollen? Wegrennen und meine Freunde im Stich lassen, kam offensichtlich nicht in Frage. Also versuchte ich, keine Angst zu zeigen, denn das verschlimmert ja viele Situationen nur noch mehr. Nachdem John das erste Footage sah, rief er uns ganz begeistert an, und meinte, dass wir uns keine Gedanken machen sollten, unsere Chemie stimmt. Ab da war ich entspannter und ich fing an, die Drehtage zu genießen.

© Kinowelt

In welchen Situationen haben Sie sich außerdem unwohl gefühlt?
Bei jedem Dreh wird einem das Gesicht gepudert oder an der Kleidung gezupft, und wenn es regnet, wird einem der Schirm gehalten. Es mag ja sein, dass richtige Schauspieler diese Behandlung erwarten, ich dahingegen finde es beklemmend, wenn sich permanent so viele Menschen um mich bemühen.

Würden Sie denn weiter schauspielern, wenn sich die Gelegenheit ergibt?
Sagen wir mal so: Ich habe diesen Beruf nie als mögliche Karriere betrachtet, aber wenn mir eine gute Rolle angeboten wird, würde ich nicht nein sagen.

Wie war die musikalische Zusammenarbeit mit Glen?
Glen kam oftmals zu mir nach Tschechien geflogen, um Songs für den Film zu schreiben. So ergab es sich, dass wir zwei Lieder zusammen komponierten und ich noch einen Song alleine schrieb.

Als Sie Glen das erste Mal trafen, waren Sie 13 Jahre alt. Was mochten Sie an ihm?
Glen hat mich sofort fasziniert, weil er anders war als die Menschen, die ich bis dahin getroffen hatte. Er offenbarte mir eine ganz neue Welt, indem er mir interessante Bücher und Filme vorstellte und mich dazu anhielt, meine eigene Musik zu schreiben. Das war sehr wichtig, denn bis dahin spielte ich ausschließlich klassische Musik. Außerdem glaube ich, dass die Iren und Tschechen Seelenverwandte sind. Beide Völker sind freundlich, genügsam, ausgelassen und trinken gerne. [lacht]
Wir haben ein Sprichwort: In jedem von uns steckt ein Musiker. Und wenn man in Irland zum Essen bei Freunden eingeladen wird, dann geht die Gitarre herum, und jeder spielt ein Lied. Ja, ich glaube, wir haben mit den Iren sehr viel gemeinsam.

Sie leben in Dublin. Fühlen Sie sich wie eine Immigrantin?
Nein, im Gegenteil, als ich das erste Mal nach Dublin kam, gab mir die Stadt ein Gefühl von Sicherheit. Während meiner Besuche bei Glen habe ich mich gleich mit so vielen Menschen gut verstanden, dass es mir sofort das Gefühl von einem neuen Zuhause gab.

Was haben Sie in Zukunft vor?
Bis Sommer 2008 toure ich mit Glen durch die Lande. Was danach passiert, weiß ich noch nicht. Ich bin ja letztes Jahr erst mit meiner Schule fertig geworden. Eigentlich wollte ich mir ein Jahr frei nehmen und durch die Welt streifen, aber dann kam der Film dazwischen. Momentan mache ich mir nicht großartig Gedanken oder Sorgen. Die Zukunft wird schon das Richtige bringen.

ph

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