IT-Sky und die Rache der Computer
3.1.2008
Das iTeam - Die Jungs an der Maus
ab 4. Januar 2008 um 21:45 auf SAT.1
Jüngere Zuschauer haben Sie 2001 zum ersten Mal in Der Schuh des Manitu in komischer Rolle erlebt, etwas Ältere kennen Sie aus Otto - Der Film (1985). Wann setzen Sie den Beginn der komödiantischen Seite Ihrer Karriere?
Ich habe schon Mitte der 70er Jahre komödiantische Rollen am Theater gespielt. Nur hat man mir solche Rollen später über einen langen Zeitraum nicht mehr zugetraut oder angeboten.
Warum war das so?
Wenn man mit einer Sache Erfolg hat, erhält man eine ganze Zeit lang nur ähnliche Rollenangebote. Wäre ich als Familienvater erfolgreich gewesen, hätte ich nur solche Rollen zugeschickt bekommen. Julia Roberts hatte als romantische Liebhaberin großen Erfolg, also will „man“ sie auch immer wieder nur so sehen. Das gehört zu meinem Beruf. Ein Arzt kann sich seine Fälle in der Regel auch nicht aussuchen. Heute bin ich allerdings in der glücklichen Position, eine größere Wahlfreiheit zu genießen.
Sie spielen Bornholm, den leicht abgedrehten Firmenchef des „iTeams“. Haben Sie sich an realen Vorbildern orientiert?
Nein, meine Orientierungspunkte sind das Drehbuch und die Frage: Wie kommt meine Rolle am humorvollsten rüber? Bornholm hat keine Ahnung von seinem Job und agiert völlig übertrieben, das macht ihn so lustig. Die Firma hat er wahrscheinlich geerbt, seine ständige Überbetonung des Team-Gedankens muss er auf einem Managementseminar aufgeschnappt haben.
Bornholm benutzt seine Computermaus als Mikrofon! Wie sieht Ihr eigenes Verhältnis zu Computern aus?
Ich bin der totale Computerfreak. Ich sitze oft vor dem Computer, schreibe damit meine Bücher, verschicke Fotos usw. - die Arbeit am Computer ist mein täglich Brot. Das habe ich mir learning by doing beigebracht.
Das iTeam basiert auf der britischen Comedyserie The IT Crowd. Haben Sie sich die zur Vorbereitung angesehen?
Ich bin, glaube ich, der Einzige, der sich damit nicht so befasst hat, weil ich gelernt habe, dass das Nachspielen immer schlechter ist als das Original. Und wenn man etwas gesehen hat, wie es gemacht wird, dann wird man instinktiv immer in diese Richtung gehen. Und das ist eine große Gefahr, weil das Original ja doch immer irgendwo besser ist. Heute habe ich mir eine Szene [des britischen Vorbilds] angeschaut, von der ich [in der deutschen Version] nicht wusste, wie ich es machen soll, dass die komisch wird, und hab mir gedacht: So, jetzt schau ich sie mir an, weil alle gesagt haben, dass sie so witzig ist. Und die war tatsächlich sehr witzig. Aber sonst hab ich mir nichts angeschaut, vor allem nicht von meiner Rolle, weil ich dann unter Umständen nur den Kollegen nachspielen würde.
Für den Schauspieler ist es einfach eine Last. Heinz Rühmann war immer Heinz Rühmann. Er hat letztlich immer nur sich selbst gespielt. Das soll um Gottes Willen nicht gegen seine Kunst sprechen. Er hatte Persönlichkeit. Aber das ist der Punkt: Am besten ist es immer, wenn man seine eigenen Fähigkeiten reproduziert. Und wenn man etwas sieht, was ein anderer macht, und man versucht, das zu kopieren, kann das niemals so gut werden wie das Original.

Warum sollte man sich gerade diese Serie ansehen, wo doch viele Serienfans zumeist das Original für besser empfinden als die Adaption?
Weil diese Folgen besser sind. Und ich sage Ihnen auch, warum Sie besser sind: In Amerika und in England haben die eine andere Tradition, sie haben Publikum im Studio. Publikum bedeutet aber immer: Es werden größere Sequenzen durchgedreht. Und wenn Sie größere Sequenzen durchdrehen, dann wird es schon theaterähnlich. Nur, beim Theater haben Sie sechs Wochen lang Zeit, jede Bewegung, jeden Blick, jede Pointe auszuprobieren und zu proben. Dann haben sie noch mal zehn, zwanzig Vorstellungen und wissen genau, wie weit Sie gehen können, damit die Leute lachen. Das haben Sie beim Fernsehen nicht. Sie proben zwei Tage vorher und gehen dann raus, aber haben noch nie die Reaktion des Publikums ausprobieren können. Das heißt, dass viele Feinheiten, viele Kleinigkeiten, die die Komik ausmachen, wegfallen.
Ich bin fest der Meinung, dass das hier besser wird. Es ist stiller. Und mir gefällt dieser Humor besser, wo ich hinhören muss - und nicht, wo man mir die Pointen um die Ohren haut.
Um noch einmal auf den Punkt der Serienadaptionen zu sprechen zu kommen...
Ist das denn eine Adaption? Nein, eigentlich ist es fast eine Eins-zu-Eins-Übersetzung. RTL hat ja CSI nachgemacht [Post mortem], aber sie haben nicht die Geschichten, so wie die in den USA gedreht worden sind, übernommen, sondern eigene Geschichten geschrieben. Das würde ich jetzt eine Serienadaption nennen, oder?
Eine Adaption ist für mich: Man nimmt die Eckpfeiler, den Inhalt, die Dramaturgie und macht einfach neue Folgen. Das machen wir nicht. Letztlich haben wir das wie ein Theaterstück übersetzt und spielen es - fast - eins zu eins nach. Viele Pointen gehen natürlich nicht: Made in Britain ist in England ein Brüller. „Made in Germany“ wäre das in Deutschland nicht - sondern gäbe einen Proteststurm.
Wie stehen Sie zu diesem Trend?
Wenn es ein gutes Konzept ist, dann ist nichts dagegen zu sagen. Denn letztlich wird „Hamlet“ auch schon seit Jahrhunderten gespielt. Und das sind jedes Mal Adaptionen, wie Sie sagen würden. Ich würde es Neuinszenierungen nennen. Wenn Sie jetzt natürlich sagen: Warum synchronisieren wir nicht einfach die englische Serie? Dann sage ich: Das hätte in diesem Fall nicht funktioniert. Ich liebe den englischen Humor, ich bin ja dort fast aufgewachsen, aber da hauen sie so richtig auf die Scheiße, wie man so schön sagt. Mir zuviel. (leise) Hoffentlich lesen die das jetzt nicht...
Welche Projekte stehen als nächstes an?
Zum einen steht die Verfilmung meines zweiten Buches im nächsten Jahr an. Außerdem soll aus dem Kinderbuch „Sophies Weihnachten“, das ich für meine Tochter geschrieben habe, eine Kinderbuchreihe entstehen.
sat1/fj


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