Montag, 11. Dezember 2017
The Promise - Die Erinnerung bleibt
The Promise
Ana und Mikael treffen auf einen angetrunkenen Chris.
© capelight pictures

Konstantinopel 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Die einst so lebendige und multikulturelle Hauptstadt des Osmanischen Reiches droht im Chaos zu versinken – und mit ihr der begabte Apotheker Mikael aus dem Provinzort Sirou, der sich mit dem Brautgeld von seinem künftigen Schwiegervater seinen Traum als Medizinstudent erfüllen will. Als er bei seinem Onkel die attraktive Künstlerin Ana kennenlernt, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Verbunden durch ihre gemeinsamen armenischen Wurzeln, entfacht zwischen Ana und Mikael eine unbeschreibliche Anziehungskraft - der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe. Ana ist jedoch mit dem amerikanischen Fotojournalisten Chris Myers liiert, der über die Unruhen im Osmanischen Reich berichtet. Schnell werden alle von der harten Realität des eskalierenden Krieges eingeholt und müssen aufgrund eines drohenden Genozids auf der Flucht bald nicht nur füreinander, sondern auch ums nackte Überleben kämpfen...

»Our revenge will be to survive.«

Der irische Regisseur Terry George thematisiert 12 Jahre nach seinem Film Hotel Ruanda erneut einen Völkermord - diesmal an den Armeniern zu Beginn des I. Weltkriegs. Moment, was? Dass heute kaum noch jemand davon Kenntnis besitzt, liegt hauptsächlich daran, dass es vergleichsweise nur noch wenige Armenier gibt (Armenien ist so groß wie Brandenburg mit ca. 3 Mio. Einwohnern) und die offizielle türkische Geschichtsschreibung und die Regierung der Türkei den Genozid bestreiten.

Sie bezeichnen die Deportationen als „kriegsbedingte Sicherheitsmaßnahmen“, die notwendig geworden seien, da die Armenier das Osmanische Reich verraten, seine damaligen Kriegsgegner unterstützt und ihrerseits Massaker an Muslimen begangen hätten. Die Todesfälle führen sie auf ungünstige Umstände und lediglich vereinzelte Übergriffe zurück. Bereits in den Jahrzehnten zuvor war es im Zuge des wachsenden Nationalismus und zunehmender Spannungen zwischen Kurden und Armeniern zu mehreren Massakern gekommen, die zwischen 80.000 und 300.000 Todesopfer gefordert hatten.

Als das Osmanische Reich 1914 u.a. an der Seite des Deutschen Reiches in den I. Weltkrieg eintrat, kündigte die jungtürkische Regierung kurzerhand internationale Verträge. Erneute Überfälle auf armenische Dörfer bildeten den Auftakt einer verheerenden Entwicklung, die durch den Kampf einiger armenischer Freiwilligenbataillone auf feindlicher russischer Seite zusätzlich Zunder erhielt. Der russische Einmarsch in Ostanatolien wurde schließlich zum Vorwand für die massenhafte Deportation der armenischen Bevölkerung genommen.

Offiziell begann der vom jungtürkischen „Komitee für Einheit und Fortschritt“ initiierte Völkermord mit der Deportierung armenischer Intellektueller in Konstantinopel am 24.04.1915, der seither als Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern gilt. Es folgten Massendeportationen in die syrische und mesopotamische Wüste, die trotz der Verurteilung als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durch die Entente-Mächte in Todesmärschen gipfelten.

Begleitet wurden jene von Massakern an der armenischen Zivilbevölkerung, die am Ende des Völkermordes rund 1,5 Millionen Menschenleben zu beklagen hatte. Bis heute gehört die Leugnung dieses Völkermordes zur offiziellen Politik aller türkischen Regierungen – ein Umstand, der zuletzt im vergangenen Jahr zu schweren diplomatischen Verwicklungen zwischen Deutschland und der Türkei geführt hat.

»You should thank me!«

Ähnlich wie bei den Vorbildern Doktor Schiwago oder Ryans Tochter verpackte Terry George dieses Kriegsepos in eine große Liebesgeschichte, für die er mit Oscar Isaac, Charlotte le Bon und Christian Bale ein attraktives Hauptdarstellertrio gewinnen konnte. Zudem spielt auch eine echte Armenierin Mikaels versprochene Braut: Die in der armenischen Hauptstadt Jerewan geborene Angela Sarafyan hat schon in zahlreichen Filmen und Serien neben namhaften Schauspielern vor der Kamera gestanden, gelangte jedoch erst im vorigen Jahr so richtig zur Bekanntheit, als sie das Androiden-Freudenmädchen Clementine Pennyfeather in J.J. Abrams' Serien-Neuauflage des Sci-Fi-Filmklassikers Westworld spielte.

Den Leidensweg seines Protagonisten, dessen Familie und Landsleute schildert der Regisseur mit angemessener, nie übertriebener Härte. Der Film besticht nicht nur durch die Darstellungskraft und das Charisma von Star-Wars-Held Oscar Isaac, auch durch die großen Landschaftsbilder und die atmosphärische Inszenierung. Man denkt zunächst, man liest einen Liebesroman, angesiedelt im historischen Konstantinopel, überall Feze auf den Köpfen, buntes Treiben... Man versinkt vollständig in jene Zeit und wird allmählich, wie die Figuren auf der Leinwand, in die kriegerischen Veränderungen verwickelt.

Notwendiges Übel ist dabei die Liebesgeschichte, das Liebesdreieck, das am Ende immer mehr in den Hintergrund gerät und sich schließlich in den Kriegswirren verliert. Am Ende ist man als Zuschauender einfach schockiert und ergriffen, dass man davon noch nie etwas gehört hat, und dass das noch vor der Judenvernichtung im II. Weltkrieg stattgefunden hat! In wichtigen Nebenrollen glänzen Marwan Kenzari, Shohreh Aghdashloo, James Cromwell und Jean Reno. Um so richtig eintauchen zu können, sollte man sich den Film schon noch auf einer großen Leinwand ansehen. ■ mz

23. August 2017

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