Montag, 11. Dezember 2017
bullyparade - Der Film
Sie feiern stets mit Stolz und Würde: Jörg und Jens Kasirske aus Zwickau.
© Warner Brothers/herbX film/Marco Nagel

Das Warten der Fans hat ein Ende! Die bullyparade ist wieder da - jetzt im Kino! Die drei Hauptakteure, Michael Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz, haben sich mit Alfons Biedermann zusammengetan, um einen Handlungsbogen zu schreiben, der die beliebtesten Figuren der Fans beinhalten sollte. Doch leider haben sie beim Schreiben festgestellt, dass ein zusammenhängender Handlungsrahmen nicht so wirklich passt, weshalb das Endprodukt aus fünf separaten Episoden besteht, die nacheinander lediglich von einer Zeitachse und einem Erzähler zusammengehalten werden, der übrigens als Synchronstimme von Edward Norton bekannt ist. (Witziger Fakt: Andreas Fröhlich ist der Bruder der Synchronsprecherin Kathrin Fröhlich, die vor mehr als 20 Jahren Bully und Christian Tramitz miteinander bekannt machte.)

»Wenn wir jetzt die Geschichte verändern, dann kriegen wir kein Begrüßungsgeld.«
»Das haben wir doch schon längst versoffen.«

Über 20 Jahre lang haben die Zwickauer Brüder Jens und Jörg Kasirske einen Plan entwickelt, wie man ein ganz spezielles und historisches Ereignis ungeschehen machen kann. 2017 ist es soweit! Sie reisen zurück ins Jahr 1989, um zu verhindern, dass David Hasselhoff auf der Berliner Mauer singt. Mit ihrem umgebauten Trabi reisen sie in die Vergangenheit und vernichten den Zettel, den Günter Schabowski auf der berühmten historischen Pressekonferenz vorgelesen hatte. Auch die tschechischen Journalisten Pavel Pipowič und Bronko Kulička sind vor Ort, bleiben jedoch unbeeindruckt.

Die erste Episode, „Zurück in die Zone“ ist zugleich die originellste und lustigste, frei nach Kevin Spaceys Zitat aus American Beauty: Das ist der Höhepunkt des Films. Ab hier geht es nur noch bergab. Bully nahm sich zahlreiche Anleihen aus Kinoklassikern, so z.B. benutzte er hier die digitale Be- und Verarbeitung der Pressekonferenz, um die Kasirskes mit Günter Schabowski interagieren zu lassen, wie Steven Spielberg damals Tom Hanks als Forrest Gump auf Präsident Kennedy treffen ließ.

»Die Spacken haben abgesagt.«

Im Wilden Westen um 1865 haben wir dann eine Art Apachelorette, die Winnetou ins Leben ruft, denn der Häuptling der Apachen braucht dringend einen Stammhalter für seinen Stamm. Old Shatterhand würde ihm gern als Trauzeuge zur Seite stehen, doch es gibt da leider ein Problem: Der Kopfgeldjäger Dr. Schmitz und sein Komplize Tschango wollen den Präsidentenkiller (Präsident Lincoln wurde mit Old Shatterhands Büchse getötet!) schnappen – tot oder lebendig.

Auch hier wird Forrest Gump anhand der schwebenden Feder und dem bekannten Spruch „Meine Mutter sagte immer...“ zitiert, doch noch markanter war die Anspielung auf Butch Cassidy and the Sundance Kid, wenn Winnetou auf seinem ausgegrabenen Fahrrad zu Burt Bacharachs Musik Kunststücke für seine Angebetete ausübt. Desweiteren ist ein gewisser Zahnarzt namens Dr. Schmitz mit seiner Handpuppe Tschango hinter Old Shatterhand her - eine vage Anspielung auf Django unchained. Dabei lässt die Puppe auf ein Eigenleben schließen, das nicht nur gruselig wirkt, sondern auch den Blutsbrüdern zur Flucht verhelfen soll...

Gruselig geht es auch weiter, wenn zur selben Zeit Sissi und Franz ein Schloss besuchen und der Makler sie versetzt hat, ihre Kutsche verschwindet und des Nachtens merkwürdige Dinge passieren. Man merke an: Offenbar wurden einige Rechte abgeklärt, denn Bully darf inzwischen die Figuren Winnetou, Old Shatterhand und Sissi wieder benutzen. Wir erinnern uns: In Der Schuh des Manitu hießen die Blutsbrüder noch Abahachi und Ranger und für sein Zeichentrickabenteuer Lissi und der wilde Kaiser musste Michael Herbig aus dem Anfangfs-S von Sissi ein L machen.

»Gus-tav, Gus-Gus-tav! Yo-yo-ba-Öööl!.«

Dann springt die Parade ins Jahr 1995 und macht sich mit „Lutz of Wall Street“ über Martin Scorseses Börsenkrimikomödie und speziell Matthew McConaugheys Brustklopfen lustig, was jedoch noch weniger zündet als die „Wechseljahre einer Kaiserin“. Zu guter Letzt springt der Erzähler ins Jahr 2230, in dem die Besatzung der USS Hasselhoff (in Form eine Rettungsschwimmerboje!) auf den PDF-trifft, den „Planeten der Frauen“, auf dem die Östrogenwerte erheblich hoch sind.

Captain Kork, Mr. Spuck und Schiffstechniker Schrotty tun das, was sie immer tun - eine fremde Welt retten. Die (T)Raumschiff-Parodie hat ein Update bekommen und richtet sich nun speziell auf J.J. Abrams' Kinofilme aus (samt Lensflare), lässt aber auch keine Gelegenheit aus, Star Wars mit einzubauen - ob mit Getränkeschmuggler Sigi Solo und seinen Kumpel Yeti oder den nicht weit von Jens Maul abstammenden haarlosen King Klon und seine Klonarmee, die es auf die Haare der Frauen abgesehen haben, sowie auch den Kommunikationsroboter C.L.A.U.S., der eine gewisse Ähnlichkeit mit BB-8 besitzt.

Zum 20. Jubiläum der bullyparade lässt das Dreiergespann noch einmal einen Haufen Nostalgie vom Stapel, selbst die Kastagnetten treten auf! Einzig die Tapete fehlt, aber immerhin konnte Bully zahlreiche Prominente für Gastauftritte gewinnen, die man mehr oder weniger auch wirklich erkennt. Was man jedoch erkennt, sind die groovigen, wenn auch nicht mehr ganz so zeitgemäßen musikalischen Einlagen aus der Feder von Stefan Raab, die schon eher an musikalische Einlagen aus den Otto-Filmen erinnern. Letztlich ist der Film ein vergnügliches Sammelsurium mit Nostalgiefaktor. Und die Blooper im Abspann lassen nicht nur einen erhöhten Bonusmaterialfaktor auf Blu-ray vermuten, sondern unterhalten schon wieder mehr als diverse Passagen des Films. ■ mz

22. August 2017

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