Montag, 11. Dezember 2017
Heartbeats
Aseem und Kelli
© capelight pictures

Ausgerechnet kurz vor einem wichtigen Auftritt muss Kelli ihre Hip-Hop-Crew im Stich lassen und ihre Familie zu einer Hochzeit nach Indien begleiten. Was für die junge Amerikanerin als Urlaub wider Willen beginnt, nimmt schnell eine erfreuliche Wendung: Im fernen Mumbai trifft Kelli auf den charmanten Inder Aseem, mit dem sie ihre große Leidenschaft fürs Tanzen teilt. Bei exotischen Rhythmen und heißen Dance-Moves rücken schon bald nicht nur zwei gegensätzliche Kulturen näher zusammen. Auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle müssen sich die beiden die alles entscheidende Frage stellen: Hat ihre Liebe eine Chance?

Duane Adler, der mit den Step up-Filmen Erfahrungen gesammelt hat, vermischt in seiner dritten Regiearbeit Straßentanz mit Bollywood. In ihrer ersten Hauptrolle steht Krystal Ellsworth vor der Linse und auf der Tanzfläche, ebenso ihr indischer Film- und Tanzpartner Amitash Pradhan, der allerdings noch nicht auf solch ein Resümee wie sein Gegenüber zurückblicken kann. Beide machen ihre Arbeit(en) ganz gut, fangen das Publikum ein und führen es mit Bravour durch den Film.

»This is the only thing that makes me feel alive!«

Heartbeats ist nicht nur ein beschwingter Tanzfilm, in dem zwei verschiedene Kulturen aufeinanader treffen, er ist gleichzeitig auch noch ein Familiendrama, das die Rahmenhandlung bietet: Kelli träumt von einer Karriere als Tänzerin. Doch nachdem ihr Bruder Henry vor 5 Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, musste sie für Familienzusammenhalt sorgen und die bestürzte Mutter beruhigen, indem sie in Henrys Fußstapfen tritt und Jura studiert. Doch Kellis Leidenschaft sitzt tiefer, woraufhin sie schon bald das Studium abbricht, um mit ihrer Tanzgruppe an einer Profikarriere zu arbeiten.

Als Kellis Lüge auffliegt, steht eines Tages die ganze Familie vor ihrer Tür. Mutter Michelle ist sehr enttäuscht und erwartet, dass sie das Tanzen aufgibt und das Jurastudium wieder aufnimmt. Papa Richard findet sich in einer Zwickmühle wieder: Einerseits will er seine noch immer trauernde Frau besänftigen, andererseits versteht er Kellis Beweggründe. Mit dem Plan, die Familie wieder zusammenzuschweißen und seine Tochter vielleicht von einem anderen Lebensweg zu überzeugen, verlangt er von ihr, dass sie ihre Eltern und die 12-jährige Schwester Morgen nach Indien begleitet, wo der Sohn eines Geschäftspartners heiraten wird. Richard sieht die Reise als Chance für die Familie, über den noch immer nachwirkenden Verlust des Sohnes hinwegzukommen.

Widerwillig muss Kelli nun ihre Crew in der Probephase allein lassen und die Familienreise nach Mumbai antreten. Hier erwartet sie eine ganz neue und fremde Welt. Dem Reiz der farbenfrohen Exotik Indiens kann auch sie nicht lange widerstehen. Außerdem freut sie sich über das Wiedersehen mit ihrer Jugendfreundin Deepika, der Schwester des Bräutigams. Schon bald trifft Kelli auf den attraktiven Inder Aseem, der gemeinsam mit Deepika den Gästen die traditionellen indischen Hochzeitstänze und -rituale beibringt. Für Aseem ist das aber nur einer von vielen Jobs, mit denen er mühsam versucht seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Eigentlich arbeiten er und sein bester DJ-Freund Basu, der gerne auch mal in Schwierigkeiten steckt, an einem ganz anderen Projekt: Sie wollen gemeinsam mit ihrer Tanzcrew und ihren energiegeladenen Choreographien als Hauptact im Big Crazy, dem angesagtesten Nachtclub Mumbais, auftreten.

»What story would you tell?«

Den Rest kann man sich ausmalen. Man bekommt ein wenig Unterricht in Sachen Tanz, so z.B. dass alle indischen Tanzgesten eine Bedeutung besitzen, oder was passiert, wenn man Bombay statt Mumbai sagt, wird durchs Lokalkolorit geführt, trifft ein paar nette wie auch weniger nette Menschen und bekommt irgendwie das Gefühl, ein TV-Drama vom Hallmark Channel zu sehen. Mutti ist traurig und biestig und nervt wie Daphne Zunigas Prinzessin Vespa wohl vor 30 Jahren Filmhelden Lone Starr genervt haben muss, bevor sie gegen Mel Brooks' Spaceballs gesiegt haben. Und Papa, gespielt von Paul McGillion, der nach seiner beliebten Rolle des Dr. Beckett in Stargate Atlantis nur noch Neben- oder Statistenrollen bekommt, sieht ständig so aus, als käme er vom Zwiebelschneiden, findet sich jedoch am Ende selbst wieder und darf ein Machtwort sprechen.

Die Geschichte ist zwar durchdacht erzählt, doch wirkt der Film nicht sehr mitreißend. Digital gedreht vermag Duane Adler zwar, ein paar Effekte mehr schneller bearbeiten zu können, doch hilft das recht wenig. Die tollen Choreografien verlieren sich in falschen Kameraeinstellungen und überbordenden Schnitten und man fragt sich, ob der Regisseur vielleicht nicht doch lieber beim Drehbuchschreiben hätte bleiben sollen, auch wenn die Dialoge hier oft bollywoodmäßig billig ausfallen. Das hätte viel schwungvoller und peppiger inszeniert werden können, aber für einen Sonntagnachmittag vor dem heimischen TV reicht das allemal. ■ mz

17. August 2017

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