Montag, 11. Dezember 2017
Girls' Night Out
Rough Night
Pippa versucht, Jess eine Idee zukommen zu lassen.
© Sony Pictures

Es wurde im Vorfeld viel gelobt, dass man hier Dialoge bekommen würde, die ihresgleichen suchen. Die Dialoge sind jetzt nicht besonders auffällig, doch ist der Film mit dem Originaltitel Rough Night, dessen deutscher Titel wieder die Frage aufwirft, warum man eine englische Titelalternative nimmt, wenn man doch den großen deutschen Sprachschatz zur Verfügung hat (z.B. „Der Junggesellinnenabschied oder Die Nacht des toten Strippers“), eine durchaus gelungene Komödie, die nach dem letztjährigen Ghostbusters-Debakel Sonys Ruf ein wenig verbessern kann.

Immerhin ist auch Kate McKinnon wieder mit von der Partie, die als Holtzman in Ghostbusters die Lacher und das Publikum an sich zu ziehen vermochte. Und auch hier ist sie die quirlige Clownsfigur in Gestalt einer Australierin, die durch den kulturellen Unterschied für so einige Kuriositäten sorgt, die das festgefahrene US-amerikanische Komödiengeflecht ein wenig auflockern vermögen. Hier kommt sie nun - die weibliche Version von Hangover...

»Make him beg for the left foot!«

Girls' Night Out - Der „auswärtige Mädelsabend“ bezieht sich auf den Junggesellinnenabschied von Jess, die ihre alten College-Freundinnen zu einem wilden Wochenende nach Miami einlädt. Da die Braut eigentlich voll in ihre Wahlkampagne zur Senatorin eingespannt ist, hat sie die Organisation des Wochenendes ihrer damaligen besten Freundin Alice überlassen, die es kaum erwarten kann, ihre „alte Clique“ wiederzusehen.

Der Film beginnt mit einer Rückblende, in der die vier Freundinnen ausgelassen Alices Junggesellinnenabschied in ihrer Studentinnenverbindung feiern. Dabei haben ihre Freundinnen Blair und Frankie das wohl originellste Kostüm an, das ich je gesehen habe - jede hat eine BH-Hälfte als Kostüm, was zusammenbetrachtet eine ganze Brust ergibt! (Jenes Kostüm birgt auch schon eine Anspielung auf die Geschehnisse 10 Jahre später.) An jenem Abend beschlossen die Vier, dass sie für immer Freundinnen bleiben und ihre Kinder noch zusammen spielen werden.

Allerdings verlaufen deren Schicksale ein wenig anders. Sie bleiben zwar in Kontakt, haben jedoch nie so richtig die Gelegenheit, zusamenzubleiben. Jess stellte sich in den Öffentlichen Dienst, Blair wurde Architektin und Geschäftsfrau, Frankie mutierte zur Aktivistin, während Alice als Einzige sich nicht weiterentwickelt hat und immernoch in der Vergangenheit schwelgt und daher voller Freude das Wochenende durchgeplant hat - inklusive Schaumbad!

Als sie sich nun nach zehn Jahren wiedersehen, ist die Freude groß, besonders für Alice, die endlich ihre beste Freundin Jess wiedersehen kann, diese allerdings ein wenig genervt von Alice und ihrer schier unbändigen, aufdringlichen Freude ist. Zu Alices Überraschung hat Jessica auch noch ihre „neue“ Freundin Pippa eingeladen, die sie in ihrem Studienjahr in Australien kennengelernt hatte. Alice fühlt sich plötzlich übergangen, da sie bislang noch nie etwas über sie gehört hatte. Und nun sollte diese „Kiwi“ (keine Sorge, das Missverständnis wird erklärt) ihren Platz als beste Freundin an Jessicas Seite eingenommen haben?! Alice versucht auch nichts, um ihre Avesion gegen Pippa auszuleben...

»Like I told Rob Lowe: If there is no body there is no case.«

Kaum angekommen, gehen die Mädels erst einmal in die von Alice ausgesuchten Clubs, um ordentlich anzustoßen. Jess ist eigentlich müde von der Anreise, doch Alice lässt kein „nein“ gelten. Es werden zahlreiche Shots konsumiert, und, wir sind schließlich in Miami, darf auch das gewisse weiße Pulver nicht fehlen! Vergnügt kommen sie zu dem Haus, das ein Geschäftsfreund Blairs ihnen übers Wochenende überlassen hat, wo erst einmal der Stripper bestellt wird.

Als dieser dann auftaucht, gerät der Abend so richtig aus dem Ruder, nachdem die doch gut betagte Alice sich buchstäblich auf den Stripper stürzt und dieser mit dem Schädel auf die Kaminkante fällt. Das Gezeter ist groß, aber was nun?! Hinzu kommt, dass die Villa sehr gut beglast ist, dass jeder von draußen sehen könne, was drinnen vor sich geht! Fortan überschlagen sich die Ideen und Ereignisse, bis sich das Ganze in Wohlgefallen auflösen kann...

»I couldn't even make it through the first episode of „Orange is the new Black“!«

Nach dem Hype um Wonder Woman und die gefeierte erste Regisseurin eines Superheldenfilms ist Girls' Night Out nun nach knapp 20 Jahren die erste Komödie eines US-Großstudios mit einem R-Rating, die von einer Frau inszeniert wurde. 1998 zeigte Tamra Davis mit Half baked: Völlig high und durchgeknallt, dass auch Frauen Komödien jenseits von Familie und Feingeist inszenieren können.

In Girls' Night Out haben wir es schließlich mit so einigen sexuellen Verworfenheiten zu tun: Wir haben eine weibliche Brust als Kostüm, eine SM-Schaukel in der Ankleide und nicht zuletzt das Swingerpärchen von nebenan (hervorragend lasziv von Demi Moore und Ty Burrell gespielt), das nicht nur ein Auge auf Blair geworfen hat und nichts unversucht lässt, einen flotten Dreier zu bekommen.

Und dann wäre da noch der Bräutigam Peter, der sich auf Grund eines Missverständnisses auf den langen Weg nach Miami macht, um seine Braut „zurückzugewinnen“, indem er nonstop mit jeder Menge Red Bull und Windeln in seinem Auto durch die Nacht fährt und dabei nicht nur die Bekanntschaft mit einer Polizeistreife macht, sondern auch an einer Tankstelle für Sprit Scheiben putzt, nachdem er versehentlich seine Kreditkarte an den Automaten abgegeben hatte, und von skurrilen Nachtgestalten auf der Suche nach Blowjobs und Kokain angesprochen wird. Da kommt mir plötzlich „das Gesetz der Straße“ aus Jay und Silent Bob schlagen zurück ins Gedächtnis. Und da der Film von einer Frau kommt, löst sich dieses Problem auch auf niedliche Art und Weise!

Lucia Aniello, die mit diesem Film ihr Langfilmdebüt gibt, hat bereits mit Ilana Glazer (Frankie) und Paul W. Downs (Peter, Drehbuch) in der Komödienserie Broad City zusammengearbeitet, von daher konnten die Drei bei der Produktion des Films auf ihre gemeinsamen Erfahrungen aufbauen. Auch wenn bei der Charakterisierung der doch recht stereotypen Figuren und deren Aktionen Fragen aufkommen, bleibt die Handlung an sich jedoch konsequent und überrascht dann doch, nicht zuletzt durch die hervorragenden Schauspieler, mit der Bodenständigkeit der Frauen.

Es mag zwar eine verrückte Komödie um die Bewältigung einer scheinbar ausweglosen Situation sein, doch eigentlich handelt der Film von Freundschaft und Zusammenhalt. Dabei schafft es die Regisseurin, Frauen und Männer zugleich zu unterhalten, ohne eine Seite zu bevorzugen, was vermutlich daran liegt, dass beide Geschlechter am Drehbuch gewerkelt haben. Wir bekommen Einsichten in die Denkweise von Frauen über (ihre) Männer und sich selbst wie auch die klassischen Vorurteile über Frauen und Technik. Und wer den Abspann durchhält, in dem Pippa die Ereignisse jener Nacht auf einer Wahlparty für Jess als Lied vorträgt, der bekommt auch noch die Antwort auf die letzte Frage geliefert, die bis dahin jedoch alle wieder vergessen haben. Girls' Night Out macht Spaß, ohne zu vulgär zu werden, wie es bei so vielen Komödien von Männern der Fall ist, ist aber jenseits von Junggesellinnenabschieden kein Muss, gesehen zu werden, passt jedoch prima als Ergänzung im Doppelpack zu Bachelor Party. ■ mz

29. Juni 2017

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