Montag, 11. Dezember 2017
Die Mumie
The Mummy
Tom Cruise als Nick Morton
© Universal Pictures

Als sich die Nachricht verbreitete, dass es eine Neuerzählung der altbekannten Mumien-Geschichte geben soll, konnte man sich die gehobenen Augenbrauen aller Empfänger dieser Nachricht vorstellen. Dann kam die Nachricht, dass auch noch Tom Cruise die Hauptrolle spielt, der sowieso derzeit in fast jedem zweiten Actionkracher spielt. Und zu allem Desinteresse kam dann auch noch die Nachricht hinzu, all die Schwarzweiß-Klassiker von vor ca. 100 Jahren neu zu beleben - Frankensteins Monster, der Unsichtbare, der Wolfsmensch usw.

Rechteinhaber UNIVERSAL® beschloss zudem, ähnlich wie bei Marvel und DC Comics und zuletzt Warner Brothers' Mutantenwelt um King Kong, Godzilla & Co., ein eigenes Lizenzuniversum ihrer Monster zu kreieren. Hinzu kommt ein neues Logo, das sich hinter dem klassischen Logo zum Dark Universe weiterdreht, unter dem die neuen Filme laufen sollen. Die Musik dazu komponierte kein anderer als der Spezialist für düstere Filme, Danny Elfman, was man aber auch nicht wirklich heraushört, wenn man das nicht weiß.

»Die Vergangenheit bleibt niemals für immer begraben.«

Der Horror der Mumie begann 1932, als Boris Karloff das damalige Kinopublikum in Angst und Schrecken versetzte. Die Geschichte um eine Mumie, die zum Leben erweckt wird und einer Frau hinterher läuft, die die Reinkarnation der damaligen Geliebten sein soll, wurde über die Jahre hinweg oft neu verfilmt, manchmal sogar mit Fortsetzungen. Die durch die gewitzten Dialoge und die Indiana-Jones-artigen Stunts bestechenden, sympathischsten Filme waren die mit Brendan Fraser, Rachel Weisz und John Hannah, die 1999, 2001 und 2008 über die Leinwände flimmerten.

Zur Neuerzählung versammelten sich drei Autoren, die sich die Geschichte ausdachten, und sie dann drei weiteren Autoren weitergaben, die diese Geschichte dann in ein Drehbuch verwandelten. Da hatte Wohl Tom Cruise seine Finger mit im Spiel, denn mit allen Drei hatte er in seinen bisherigen Actionfilmen zusammengearbeitet. Aber wenn man sich die Drehbücher der Vorgängerfilme von Jon Spaihts ansieht, sie mit J.J. Abrams' „Ziehkind“ Alex Kurztman kombiniert und dann noch die Autorin (vormals Schauspielerin) Jenny Lumet hinzufügt, kann man eigentlich nichts allzuviel Anderes erwarten als Action, Spezialeffekte und vielleicht ein wenig Beziehungskram.

»Wir sind die Befreier antiker Kunstschätze.«

Die Mumie von 2017 ist immernoch eine versehentlich erweckte Mumie, die nach ihrem geliebten Traumpartner lächzt, um die Welt zu beherrschen. Der vermeintlich clevere Dreh der Neufassung ist der momentan beliebte Rollentausch der Geschlechter - eine ägyptische Prinzessin und der von Tom Cruise gespielte Soldat Nick Morton, der mit seinem Kriegspartner und einer hübschen Archäologin im Schlepptau aus Zeitgründen einen Mechanismus in Gang setzt, der das Quecksilber, das die Mumie am Auferstehen hindert, abfließen lässt.

Prompt manifestiert sich die erwachende Mumienprinzessin in Nick Mortons Gedanken, was wie ein Werbespot für Parfüm wirkt. Außerdem wird sein Partner von einer Spinne gebissen, die laut Nick nicht giftig sei, aber dennoch dessen Geist von dem eines Wächters der verbannten Prinzessin übernommen wird. Was folgt ist eine Achterbahnfahrt mit wahnsinnigen Stunts und Spezialeffekten, um einen Dolch mit einem roten Kristall zu verbinden, die aus Sicherheitsgründen vor der Einbalsamierung voneinander getrennt wurden.

Der Kristall befindet sich in den Gräbern von Kreuzrittern, die einst die Ägypter auf ihren Kreuzzügen ausgeraubt hatten und nun bei Bohrungen für einen Eisenbahntunnel unter London entdeckt wurden. Dieser Fund alarmiert die Organisation Prodigium, die sich (ähnlich wie SHIELD bei Marvel) besondere Kunstschätze aneignen, die mysteriöse Eigenschaften besitzen, um sie vor Missbrauch zu schützen.

Angeführt wird diese Organisation, die (aus dem Lateinischen übersetzt) Warnung bedeutet, von dem exzentrischen Dr. Henry Jekyll, der wiederum (wie allseits bekannt) selbst gegen die Manifestierung des dämonischen Edward Hyde kämpfen und sich immer wieder ein Serum injizieren muss, damit dieser nicht zum Vorschein kommen kann. Russell Crowe spielt diese Rolle mit einer Mischung aus leichtfüßiger Überdrehtheit und wissenschaftlicher Expertise, dass man sich fragt, wie solch einem Mann eine Organisation anvertraut wird. Andererseits hat das aber auch bei Phil Coulson von SHIELD funktioniert.

»Ich glaube, wir haben die Götter erzürnt.«

So bleiben die Nebenfiguren bis zum Showdown nach und nach auf der Strecke, um dann erwartungsgemäß nach dem Sieg über die scheinbar allmächtige Prinzessin Ahmanet wieder zum Leben erweckt zu werden. Es gibt im Handlungsverlauf keine wirklichen Überraschungen. Man weiß genau, worauf alles hinausläuft. Wären da nicht die wahnsinnigen Stunts, in denen Tom Cruise selbst agierte (!), die durchaus gelungenen Spezialeffekte aus der Lucas-Schmiede ILM und der Sexappeal von Sofia Boutellas Ahmanet, wäre der Film echt dröge langweilig geworden.

Es fehlen die schnippisch-pfiffigen Dialoge aus den letzten Mumien-Filmen oder zumindest eine Grusel auslösende Atmosphäre. So, wie der Film jetzt ist, lockt er wirklich nur die Actionfans an. Die Mumie anno 2017 wirkt wie ein Aufguss des Flops Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen aus dem Jahr 2003, kombiniert mit den Figuren aus der vor kurzem gelaufenen sky-Abenteuerserie Hooten & the Lady mit Michael Landes als Schatzsucher, der sich unfreiwillig mit einer englischen Archäologin und Adeligen zusammentun muss.

Das Dark Universe sollte ursprünglich die Atmosphäre der alten Schwarzweiß-Filme wiederbeleben, doch mir erscheint das Ganze wie ein Schnellschuss in den Ofen, genauso wie die letzten Superman-Filme, vielleicht nicht ganz so öde und langweilig. Bleibt abzuwarten, wie sich als nächstes Frankensteins Braut zurecht macht, wenn 2019 das Dark Universe-Logo erneut erscheinen wird und Javier Bardem seine „Angebetete“ anstöhnt... ■ mz

8. Juni 2017

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