Montag, 11. Dezember 2017
Die Hollars - Eine Wahnsinnsfamilie
The Hollars
John bei seiner Mutter Sally am Krankenbett
© Sony Pictures

John Hollar lebt in New York City, wo er sich mehr oder weniger erfolgreich als Künstler durchschlägt. Als er von der Krankheit seiner Mutter erfährt, reist er in seine alte Heimat und muss sich dort den Herausforderungen einer typischen Kleinstadt im Herzen der USA stellen. Zurück im Haus, in dem er einst aufwuchs, wird John postwendend mit den Problemen seiner zerrütteten Familie, einem alten Highschool-Rivalen und einer übereifrigen Ex konfrontiert, während seine Freundin in New York kurz vor der Geburt des gemeinsamen Kindes steht.

»Sorry, I'm late. I was golfing.«

Während der laxe (Lebens-)Künstler John von seiner hochschwangeren Freundin Rebecca (Anna Kendrick in einer nicht nur namentlich weiterentwickelten Rolle [In Pitch perfect ist sie einfach nur Beca]), die selbstbewusst in einer großen Firma arbeitet und trotz reicher Eltern eigenständig ihren Lebensunterhalt verdient, die erschütternde Botschaft erhält, ist er zunächst geknickt, dass sie die Nachricht bekommen hat und nicht er. Rebecca ist das vollkommene Gegenteil zu John - adrett gekleidet und stets wohl organisiert, weshalb sie auch schon John einen Koffer gepackt und ein Flugticket gebucht hat, damit er so schnell wie möglich zu seiner Mutter ans Krankenbett eilen kann.

Zuhause angekommen sitzen Vater Don und Bruder Ron (Die Namensgebung in der Familie weist auf klassisch simple Herkunft.) bereits am Krankenbett und warten auf den Arzt, der mit oben genannter Verspätung rechtzeitig zu Johns Erscheinen eintrifft und die Diagnose der Familie mitteilt - Gehirntumor. Damit ist schon mal der erste Stimmungsdämpfer losgelassen, der die Handlung des Films einschließt. Hinzu kommen noch der Bankrott der Familienfirma und die Tatsache, dass Johns Schulfeind Jason der zugewiesene Pfleger im Krankenhaus ist. Zudem lebt sein Bruder in Scheidung und stalkt seine Ex und die beiden Kinder...

John Krasinski, der mit seiner Rolle des Jim Halpert in Das Büro - The Office bekannt wurde, hat sich mittlerweile mit seiner sorgfältigen Rollenwahl vielfältig im Kino etabliert - ob in Actionrollen wie in Jarhead - Willkommen im Dreck (2005) und zuletzt in 13 Hours: The secret Soldiers of Benghazi (2015) oder in romantischen Rollen wie in Liebe braucht keine Ferien (The Holiday, 2006) und Away we go - Auf nach Irgendwo (2009) sowie auch als eindringlich wortkarger Ehemann in Aloha (2015) oder als Synchronsprecher in Filmen wie Shrek der Dritte (2007), Monsters vs. Aliens (2009) und Wie der Wind sich hebt (2013).

In seiner zweiten Regiearbeit nach Brief Interviews with hideous Men (2009), der nur auf Filmfestivals und in ausgewählten US-Kinos zu sehen war, zeigt der Schauspieler, dass er auch das Handwerk des Filmemachens versteht. »Mich berührte der Film persönlich, da ich im Begriff war, eine eigene Familie zu gründen«, sagt John Krasinski über das Drehbuch von Jim Strouse. »Aber meine wahre Hoffnung für diesen Film und den Grund, warum ich mich so zu dieser Art von menschenwürdiger Geschichte hingezogen fühle, ist, dass er bei jeder Person, die den Film sieht, verschiedenen Anklang findet.«

Mittlerweile ist der seit 2010 mit Kollegin Emily Blunt verheiratete Schauspieler selbst Vater zweier Töchter - Hazel (2014) und Violet (2016). Dass beide demnächst gemeinsam vor der Kamera stehen werden, ist demnach eher unwahrscheinlich. Immerhin: Trotzdem beide mittlerweile schon über 8 Jahre zusammen sind, waren sie selten zusammen zu sehen - neben Kurzauftritten im Muppets-Film von 2011 und auf einem fiktiven Filmplakat im Hintergrund von Joseph Gordon-Levitts Don Jon, hatten sie einzig in Hayao Miyazakis Wie der Wind sich hebt zumindest eine gemeinsame Sprechrolle.

»I like Rebecca. She pushes you.«

So wie ihn seine Frau hinter der Kamera (Er bedankt sich im Abspann u.a. bei Emily.) antrieb, so ist es im Film Rebecca, die John antreibt, um das Beste aus ihm herauszuholen. »Egal welcher Hintergrund oder welche Erfahrung man gemacht hat, ob große oder kleine Familie, die Familie, in die man geboren wurde, oder die, die man geschaffen hat - Die Hollars kann zugleich in den Motiven universell oder auch im Herzen und dem Sinn für Humor einzigartig persönlich sein«, sagt er weiter.

»Eine der größten Herausforderungen hierbei war es, diese haarnadelfeinen Wendungen zwischen Humor und Gefühl in all ihren Lagen zu navigieren, die das wahre Leben so freudvoll und lustig wie auch tragisch machen - und oft, am überraschendsten, beides gleichzeitig. Ich freue mich riesig, diese Geschichte zu verwirklichen, und es mit dieser Besetzung zu schaffen, ist einfach surreal.«

»They want to shave my head. I'm gonna look like Rod Steiger!«

Die Hollars mag zwar insgesamt nichts Neues erzählen, doch John Krasinskis Film ist ein rührseliges, sympathisches wie auch unterhaltsames Kleinod, das von dessen Schauspielern lebt. Krasinki selbst hält sich in seinem Schauspiel zurück und lässt dafür Margo Martindale, Richard Jenkins, Sharlto Copley, Charlie Day und Mary Elizabeth Winstead zu Höchstform auflaufen. Der Film ist stimmig und lässt die Zuschauer kurzzeitig am Leben dieser „Wahnsinnsfamilie“ teilhaben. Der für deutsches Marketing kreierte Untertitel soll auf die Komödie hinweisen, doch ist der Film eher eine Tragödie mit lustigen Einlagen - so wie das wahre Leben halt. ■ mz

9. Februar 2017

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