Freitag, 20. April 2018
74. Golden Globe® Awards
Jimmy Fallon präsentiert die 74. Golden Globe® Awards
© NBC/Peggy Sirota

Letzte Nacht wurden in Los Angeles wieder die Golden Globes® verliehen. Jimmy Fallon, der sich mittlerweile mit der Tonight Show bei NBC etabliert hat, durfte nun die große Show des Senders moderieren. In einer Montage tanzte er sich mit verschiedenen Serien- und Filmfiguren durch ein adaptiertes La La Land, bekommt ein Minzbonbon von Ryan Reynolds in den Mund gespuckt und tanzt mit Justin Timberlake in den Himmel. Soweit so gut. Doch als er auf die Bühne kommt, geschieht die schlimmste Panne für einen aufgeregten Showmaster: Der Teleprompter versagt! Aber Herr Fallon ist Stress erprobt und weiß, das Problem zu meistern - vorausgesetzt das war nicht inszeniert. Außerdem hat er seinen Tonight Show-Musiker Questlove von den Roots als DJ an seiner Seite.

»Manchester by the Sea ist wahrscheinlich der deprimierendste Film von 2016, der noch deprimierender ist als 2016!« (Jimmy Fallon)

In der Eröffnungsrede machte er diverse Scherze, ahmte seinen Komikerkollegen Chris Rock nach und machte sich in dessen Namen Spaß mit Ryan Murphys Serie American Crime Story, niemand würde sich bei O.J. Simpson bedanken, der das Thema der Staffel war, und er fragte sich, was wohl passiert wäre, wenn König Joffrey nicht gestorben wäre. »Wir werden das wohl in 12 Tagen herausfinden«, sagte er scherzhaft. Und schon begann die Preisvergabe. Als bester Dramaserien-Schauspieler wurde Billy Bob Thornton für seine Hauptrolle in David E. Kelleys amazon-Serie Goliath ausgezeichnet, der sich bei allen Kreativen bedankte und seinen Preis im Namen eines Produktionsassistenten entgegen nahm, der vor kurzem gestorben sei.

Gleich nach der ersten Pause unterrichtete uns der Moderator, dass er während der Pause hinter der Bühne mit Mariah Carey gesprochen habe und Dick Clark Productions für den Teleprompterausfall verantwortlich zu sein scheinen. Ganz klar ein Gag mit Anspielung auf die Silvesterpanne beim Auftritt von Frau Carey. Als erster großer Gewinner des Abends geht der Sender FX hervor, dessen Serien Atlanta und The People vs. O.J. Simpson - American Crime Story in 3 Kategorien gewannen. Es ist aber schon ein wenig gemein, dass American Crime Story als begrenzte Serie gilt und für beide Staffeln nominiert war.

Souverän nahm Hugh Laurie seinen Preis für The Night Manager entgegen, denn er hat schon drei Statuen: »Oh, mir reichen schon die Worte Hollywood, Foreign und Press. Association kommt mir da ein wenig dubios vor.« Er war auch der Erste, bei dem die Abgangsmusik ertönte. Ihm gingen dann auch die Witze aus, bedankte sich aber noch rechtzeitig bei Regisseurin Susanne Bier. Später gewann auch Olivia Colman den Preis, doch sie fehlte an diesem Abend. Die Globe-Trojka vervollständigte dann noch Tom Hiddleston, der von seiner Reise in den Sudan berichtete und den tapferen Mitarbeitern von UNICEF® und Ärzte ohne Grenzen seinen Preis widmete. Erwartungsgemäß gewann auch La La Land die Statuen für die beste Filmmusik und das beste Lied („City of Stars“). Der Film war insgesamt 7 Mal nominiert und gewann auch den Preis fürs beste Drehbuch und die beste Regie. Damien Chazelle nahm beide Preise entgegen.

Es kann hier jedenfalls niemand von Weißwäscherei reden, denn neben Tracee Ellis Ross für ihre Hauptrolle in der Serie black-ish erhielt auch Viola Davis für ihre Nebenrolle im Drama Fences den Preis. Frau Davis bedankte sich in einer leicht emotionellen Rede bei Regisseur und Schauspielkollegen Denzel Washington. Ebenso gewann Donald Glover den Preis für die beste Hauptrolle in der Serie Atlanta. Für Nostalgie sorgten dann die Präsentatorinnen Amy Schumer und Goldie Hawn, die samt Lebensgefährten Kurt Russell erschienen war und Probleme hatte, den Teleprompter ohne Brille zu lesen. Aber sie meisterte es gekonnt mit absichtlichen oder unabsichtlichen Verlesern und sie übergaben den Preis für die beste männliche Hauptrolle in einer Komödie oder »Mystical« (wie Frau Hawn vorlas) an Ryan Gosling, der sich in seiner Dankesrede seinem Schwager widmete, der vor kurzem an Krebs gestorben war.

»Das ist das erste Mal, dass ich für Ryan Reynolds gehalten wurde.« (Ryan Gosling)

Um das wieder aufzulockern, präsentierten Kristen Wiig und Steve Carell den Globe für den besten Animationsfilm und erinnerten sich an ihren ersten Trickfilm - Fantasia bei ihm, wonach sich seine Eltern scheiden ließen und sein Vater verschwand, und Bambi bei ihr, nachdem sie ihre drei Hunde einschläfern mussten. Und ihr Opa verschwand auch hinterher. Das ist an sich zwar nicht so lustig, aber wie sie es herüberbrachten, samt der ungewöhnlich langen Sprechpause mit resignierten Gesichtern, brachten sie das Publikum zum Grölen und übergaben den Preis an die Filmemacher von Zoomania.

Zwischendurch wurden die Miss Golden Globe® Girls Sistine, Scarlet und Shophia Stallone vorgestellt, und in einer Montage wurde dem Tod von Mutter Debbie Reynolds und Tochter Carrie Fisher gehuldigt. Ein überraschter Paul Verhoeven nahm den Preis für den besten fremdsprachigen Film Elle entgegen, der sich vor seiner Hauptdarstellerin Isabelle Huppert verbeugte, die übrigens auch als beste Hauptdartstellerin gewann. Ebenso überrascht wurde Claire Foy, die für ihre Hauptrolle in der Netflix-Serie The Crown ausgezeichnet wurde. Sie bedankte sich bei ihren Kollegen John Lithgow und Matt Smith sowie bei Queen Elizabeth II. wie auch ihrer Tochter. Gleich im Anschluss bekam auch noch die Serie bzw. dessen Schöpfer Peter Morgan den Preis überreicht. Morgan sah sich jedoch nicht persönlich als Schöpfer und ließ seinen Regiekollegen Stephen Daldry weiterreden, bei dem sofort die Abgangsmusik ertönte und für Schmunzler sorgte.

»Dame Streep, ich sehe dich.« (Viola Davis)

Viola Davis hielt eine lange und persönliche Ansprache, um nach einer Filmmontage den Cecil B. DeMille-Preis für ihr Lebenswerk an eine überwältigte Meryl Streep zu übergeben. Die dreifache Oscar®-Gewinnerin knüpfte mit heiserer Stimme an Hugh Lauries Rede an und zählte all die ausländischen Akteure auf, die an diesem Abend nominiert waren. Desweiteren sprach sie sich auch für den Schutz der Journalisten aus und zitierte ihren Kollegen Tommy Lee Jones und ihre Freundin, die kürzlich verstorbene „Prinzessin Leia“, woraufhin sie schniefend die Bühne verließ.

»Nimm dein gebrochenes Herz und mach daraus Kunst!« (Meryl Streep/Carrie Fisher)

Matt Damon betonte bei der Präsentation der besten Schauspielerinnen in einer Komödie oder Musical, dass er im vorigen Jahr in der männlichen Kategorie für Der Marsianer gewonnen hatte und überreichte den Preis, welch eine Überraschung, an Emma Stone für La La Land. Jimmy Fallon rappte dann im Stil von Cypress Hill die Präsentatoren »Chastain and the Redmayne« (Jessica Chastain und Eddie Redmayne; frei nach „Insane in the Membrane“) auf die Bühne, die dann La La Land als Gewinner des Abends deklarierten. Das Musical gewann in allen 7 nominierten Kategorien und stach zuletzt Konkurrenten Sing Street aus.

Die zukünftige Captain Marvel, Brie Larson, präsentierte den Globe für den besten Schauspieler in einem Film an Casey Affleck, der mit seinem Vollbart etwas verfranst wirkte und u.a. seines Kollegen Denzel Washingtons vergangener Dankesrede Recht gab, der ebenfalls nominiert war. Für eine letzte Überraschung sorgten dann noch der Vater der Miss Golden Globe® Girls, Sylvester Stallone und „Apollo Creed“ Carl Weathers, als sie den letzten Preis des Abends an die Macher des Dramas Moonlight überreichten, die schon gar nicht mehr damit gerechnet hatten, weil der Film in den anderen Kategorien leer ausgegangen war.

Alles in Allem war es ein gelungener Abend. Die technischen Probleme kaschierten die Stars souverän. Jimmy Fallon machte Stimmung, vor allem, weil er auch sehr musikalisch ist, was er in seiner Show oft unter Beweis stellt. Auch SNL-Kollegin Tina Fey hatte sich zwischenzeitlich in die Show geschmuggelt. Bleibt zu hoffen, dass Herr Fallon auch im nächsten Jahr wieder das Zepter übernehmen darf... ■ mz

9. Januar 2017

Die komplette Show



74. Golden Globe® Awards
Fotos und Gewinner


Golden Globes®/HFPA
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