Samstag, 16. Dezember 2017
Assassin's Creed
Michael Fassbender als Aguilar
© 20th Century Fox

Cal Lynch, der schon in frühen Jahren durch Tragödien in seinem Leben gekennzeichnet wurde, sitzt in der Todeszelle, wo er auf seine Hinrichtung wartet. Da bekommt er überraschend durch die mysteriösen Tätigkeiten von Abstergo Industries eine zweite Chance und die Möglichkeit, sein Leben zu retten. Dank einer revolutionären Technologie, die die genetischen Erinnerungen, die in seiner DNS verborgen sind, entschlüsselt, wird Cal durch die Zeit zurück ins Spanien des 15. Jahrhunderts geschickt.

Dort durchlebt er die Erfahrungen, die Aguilar de Nerha, ein entfernter Vorfahre von ihm, gemacht hat. Dieser war Mitglied eines Geheimbundes, der als die „Assassinen“ bekannt war und kämpfte dafür, den freien Willen der Menschheit vor dem machthungrigen Zugriff der Tempelritter zu schützen. Cal, der sich durch die Vergangenheit verändert, erhält nach und nach das Wissen und die physischen Fähigkeiten, die nötig sind, die machthungrigen, unterdrückerischen Templer im Hier und Jetzt zu stürzen...

»You cannot kill the creed. I'm in your blood.«

Im Jahr 2007 erschien das Videospiel „Assassin's Creed”, das die Gamer in die Zeit der Kreuzzüge versetzte. Hier wurde eine Welt imaginiert, in der die Assassinen und Tempelritter sich einen Jahrzehnte andauernden, blutigen Krieg liefern, der in der Geschichte Seinesgleichen sucht. Das Spiel entpuppte sich über Nacht als Straßenfeger, acht Fortsetzungen und zahlreiche Ableger folgten. Bis zum heutigen Tag wurden weltweit mehr als 100 Millionen Einheiten verkauft. Die Serie entführte die Spieler in die italienische Renaissance, in die Gründerjahre der USA, ins goldene Zeitalter der karibischen Freibeuter und in die bewegten Tage der Französischen Revolution.

Die Rahmenhandlung eines jeden Spiels bildet der Konflikt, den die Assassinen und Templer noch in der Jetztzeit austragen. Die zwielichtige Biotechnikfirma Abstergo Industries dient den Tempelrittern als Fassade, in dem Gebäudekomplex des Unternehmens werden Assassinen gefangen gehalten. Mit Hilfe eines „Animus“ genannten Apparats versuchen die Templer, genetische Erinnerungen ihrer Feinde zu entschlüsseln, um so den Geheimnissen derer Vorfahren auf die Spur zu kommen.

»We work in the darkness to serve the light.«

Für die Leinwandumsetzung von „Assassin's Creed“ entschloss man sich, der Reihe eine neue Figur hinzuzufügen: Callum Lynch, der von Michael Fassbender gespielt wird. Er ist der Nachkomme prominenter Assassinen, ein Berufsverbrecher, der seiner Hinrichtung durch das Eingreifen von Abstergo Industries, der modernen Variante des Templerordens, entgeht. Er wird gezwungen, am Animus-Projekt teilzunehmen, und soll ins Gedächtnis seines Vorfahren Aguilar de Nerha eindringen, der als Assassine zu Zeiten der Spanischen Inquisition gelebt hat. Während Lynch die Erlebnisse Aguilars am eigenen Leib erfährt, beginnt er seine eigene traumatische Vergangenheit zu begreifen – und damit auch die Rolle, die er im Jahrhunderte andauernden Konflikt der beiden kriegführenden Parteien gespielt hat.

Einer der Gründe für den enormen Erfolg der „Assassin's Creed“-Franchise beruht auf der Tatsache, dass man es hier verstanden hat, Geschichte und Fantasy miteinander in Einklang zu bringen. Sowohl die Assassinen als auch die Tempelritter hat es wirklich gegeben, in ihrer Philosophie unterschieden sich die beiden Gruppen jedoch fundamental. Und weil sie beide im Geheimen operierten, wurde über ihre Motive stets ausgiebig spekuliert.

Die Assassinen gehen auf die Hashashins des Nizari Islam zurück, einer geheimnisvollen mittelalterlichen Sekte unter der Führung des sogenannten „Alten Mannes auf dem Berg“. Im Verlauf von 300 Jahren haben die Assassinen Hunderte wichtiger Persönlichkeiten getötet. Das Wort „assassin“, englisch für „Mörder“, leitet sich von dieser Gruppierung ab. Die Tempelritter, die bereits im ersten „Assassin's Creed“-Spiel auftauchen, waren ebenfalls ein mythenumrankter Geheimbund. Sein Ruhm mehrte sich durch die Kreuzfahrergeschichten Marco Polos.

Die Tempelritter waren ein christlicher Orden, der im Mittelalter zwei Jahrhunderte lang eine wichtige Rolle spielte. Die Templer wurden von der römisch-katholischen Kirche unterstützt und gefördert, ihre Führer waren bekannte und mächtige Männer mit großem Einfluss. 1312 löste sich die Geheimgesellschaft auf dem Höhepunkt ihrer Macht auf – und ihr plötzliches Verschwinden führte zu wüsten Spekulationen. Vielfach wird geglaubt, dass die Organisation heute noch im Geheimen die Fäden zieht und von großem Einfluss ist.

Die Assassinen sehen sich als freie Menschen mit Recht auf einen freien Willen - ganz anders als die Templer, die nach Macht streben und die freien Menschen zu unterjochen trachten. »Die Tempelritter wollen alles kontrollieren, das Leben in feste Bahnen lenken, die Möglichkeit zur freien Entscheidung eliminieren«, sagt Produzent Pat Crowley. »Ihr Ansatz ist absolut totalitär.«

Indem er sich mit der Geschichte Spaniens des 15. Jahrhunderts und den Videospielen genau beschäftigte, fand Regisseur Justin Kurzel den Schlüssel zur Welt des Films. »Ich wusste zunächst nicht viel vom Game«, gesteht er. »Aber die Akkuratesse und die Leidenschaft, die man für die Entwicklung des Spiels aufbrachte, hat mich förmlich umgehauen. Man hatte nicht den Eindruck, dass man hier einfach nur unterhalten wollte.

Das Spiel ist in seiner Erzählstruktur stark, es besitzt eine Vision und ist sprachlich und kulturell verortet. Das hat mich wirklich überrascht. Wir bedienten uns vieler bereits angelegter Ideen und entwickelten diese weiter. Genauso wie man dies bei einer Literaturadaption tun würde. Die spannenden Fragen lauteten: Was macht das Game so aufregend? Wer sind die Figuren und auf welche Reise begeben sie sich?«

Dem Regisseur war es wichtig, den Film auf eine solide Basis zu stellen. Die Story sollte glaubwürdig sein und zugleich an den Nerven zerren. Deswegen ging man sogar soweit, die historischen Szenen, die während der Spanischen Inquisition spielen, zu untertiteln, weil die Schauspieler da Spanisch sprechen. »Uns lag extrem viel daran, dass die Zuschauer glauben, dass diese Welt und die Menschen, die in ihr leben, wirklich existieren«, fügt Kurzel hinzu. »Ich wollte, dass man es hier mit einer spektakulären Achterbahnfahrt der Gefühle zu tun bekommt. Eine, die diese exotische Welt mit dynamischer Action in Einklang bringt.«

»Now I become death, the destroyer of worlds?«

Die Achterbahnfahrt beginnt mit Luftaufnahmen eines digital kreierten Adlers, der immer wieder im Film auftaucht. Allerdings erschließt sich nicht der Sinn darin, den Vogel zu zeigen, zumal diese Adler-Flugszenen in der Häufigkeit irgendwie nerven. Wer kein Fan der Franchise ist, wird irgendwann zwischen den verschiedenen Rückblenden gelangweilt. Man hat einerseits die Rückblenden durch den „Animus“, aber auch die Rückblenden aus Callums Kindheit, den Tod seiner Mutter (übrigens kaum wiederzuerkennen: Essie Davis aus Miss Fishers mysteriöse Mordfälle bzw. Der Babadook), seine Flucht vor den Templern, aber auch Rückblenden aus dem Gefängnis als Erwachsener, wo er von einem Geistlichen „belästigt“ wird.

Auch wer sich für diese Thema nicht interessiert bzw. die Spiele nicht gespielt hat, wird sich hier langweilen, denn die Geschichte ist so dünn, dass sie durch pompös dröhnende Filmmusik unterstützt wird, dass man auch gar nicht einlullert. Einzig die wenigen Parcourszenen und der animierte „Animus“ machen optisch was her. Man hat zwar fast „vor Ort“ gedreht und Hintergründe digital eingefügt, doch merkt man dies, was den Gesamteindruck schmälert. Da wirkte Kurzels Vorgängerwerk Macbeth, das er ebenfalls mit beiden Hauptdarstellern gedreht hat, weitaus echter und gewaltiger, auch wenn jener Film ebenfalls etwas einschläfernd wirkt.

»Über eins sind wir uns absolut im Klaren, wir haben hier eine Geschichte in Gang gesetzt, die durchaus fortgeführt werden kann«, sagt Produzent Frank Marshall. »Und ich glaube, dass die Figuren unserer Geschichte so interessant sind, dass man wissen will, wie es mit ihnen weitergeht. Die Geschichte, mit der wir es hier zu tun haben, eröffnet für die Figuren noch zahlreiche Möglichkeiten, wo sie hingehen können.« Immerhin wurden die Nebenrollen in diesem Film u.a. mit Jeremy Irons und Charlotte Rampling ebenso prominent besetzt, was eine Fortsetzung vermuten lässt. Über die Machenschaften dieser Figuren wird zudem im Film jedenfalls nur wenig verraten. Ob es denn tatsächlich zu einer Fortsetzung kommt, wird sich zeigen. Zumindest ist er bei weitem nicht so reißerisch wie der erste Resident Evil-Film, dessen sechster Teil Ende des Monats in die Kinos kommt und die Filmreihe beendet. ■ mz

18. Jaunar 2017

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