Freitag, 15. Dezember 2017
Rogue One
Jyn Erso vor ihrem gefährlichsten Abenteuer
© Lucasfilm Ltd.

Es ist soweit! Jetzt kommt der erste Film aus dem Star-Wars-Universum in die Kinos, der für sich allein steht: Rogue One. Diese Einzelfilme haben im Untertitel die Bezeichnung „A Star Wars Story“ beigefügt, um zu verdeutlichen, dass sie zwar im selben Universum spielen wie die Sage um die Skywalkers, man jedoch nicht zwingend die Sage gesehen haben muss, um die Geschichte zu verstehen.

»A long time ago in a galaxy far far away...«

Gleich zu Beginn werden die harten Fans gefordert, denn nach dieser Texttafel geht der Film auch gleich los! Wer auf das Musikthema von John Williams wartet, muss sich bis zum Abspann gedulden. Auch eine erklärende Laufschrift gibt es nicht - der Film soll ja unabhängig sein. Sie ist auch nicht zwingend notwendig - die Fans wissen, worum es geht, während Star-Wars-Neulinge im Nachhinein vermutlich Lust verspüren, die Geschichte der Rahmenhandlung in der Skywalker-Sage weiter zu verfolgen.

Im Vorfeld des Films gab es ja zahlreiche Bedenken - Nachdrehs und damit einher gehende Verschiebungen, die jedoch auch etwas Positives hatten: Es musste ein neuer Komponist gefunden werden, da Alexandre Desplat aus Termingründen nicht mehr zur Verfügung stand. Da ja J.J. Abrams' Bad Robot neben Star Trek nun auch Star Wars produziert, wich man auf den Hausmusiker zurück - Michael Giacchino. Zum Glück der Fans hat er die Musik genauso genial hinbekommen wie bei Star Trek - all diese Musikthemen, die man aus den anderen Filmen kennt, kulminieren dann am Ende ins lang ersehnte Star-Wars-Thema!

Regisseur Gareth Edwards sorgte auch mit Kameramann Greig Fraser dafür, dass alles so natürlich und realistisch wie möglich erscheint wie nur irgend möglich. Es soll sich wie eine echte Welt anfühlen. »Dieses Mal gibt’s keinen Jedi, keinen Gott, der den Menschen hilft, die einer schrecklichen Bedrohung ausgesetzt sind«, erklärt der Regisseur. Und die Szenen auf Jedha mit dem Zerstörer über der Stadt wirken erstaunlich real. Um die gewünschte Stimmung zu schaffen, die ihnen für Rogue One vorschwebte, kombinierten sie Kameraobjektive aus den 70er Jahren mit modernster Digitaltechnik.

»Rebellions are made of hope.«

Der Film ist, wie schon früh bekannt wurde, zeitlich zwischen Star Wars III Die Rache der Sith und Star Wars IV Eine neue Hoffnung angesiedelt. Erzählt wird die Geschichte von Jyn Erso, dessen Vater die neue geheime Superwaffe des Imperiums entwickelt hat, wie sie als kleines Mädchen von ihm getrennt wurde und Jahre später zufällig in die Welt der Rebellen gerät. Diese haben über einen imperiumabtrünnigen Piloten von einem „Planetenkiller“ erfahren, den das Imperium gerade fertigstellt. Mit Hilfe von Jyn Erso als Lockvogel will der strebsame Rebell Cassian Andor an die Pläne dieses Todessterns gelangen. Zusammen mit dem umprogrammierten imperialen Wach-Droiden K-2SO, dem blinden Mönch Chirrut Îmwe, der mit der hellen Seite der Macht verbunden ist, und dessen kriegerischen Freund Baze Malbus machen sie sich auf die waghalsige Reise, die neue ultimative Waffe des Imperiums zu stoppen...

Dabei gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, zum Beispiel mit der Rebellensenatorin Mon Mothma vom Galaktischen Senat, die sich in den letzten Tagen der Republik gegen die Politik des Obersten Kanzlers Palpatine stellte. Heimlich bildete sie mit den Rebellen eine Allianz gegen das Imperium und fungierte als deren zivile Führung beim langen Kampf gegen die Unterdrückung. Ebenso wieder mit dabei ist auch Senator Bail Organa, der Adoptivvater von Prinzessin Leia. Beide werden, wie in Star Wars III Die Rache der Sith, von Genevieve O’Reilly und Jimmy Smits verkörpert.

Auch auf der dunklen Seite der Macht gibt es ein Wiedersehen mit einem „alten“ Bekannten: Lord Vader, erneut gesprochen von James Earl Jones. Für die Kostümdesigner Glyn Dillon und David Crossman war es eine Herausforderung, Darth Vaders Aussehen zu bestimmen, denn die Bekleidung des Bösewichts wurde im Verlauf der Star-Wars-Sage immer wieder leicht verändert. Beispielsweise glänzt Vaders Helm in Star Wars V Das Imperium schlägt zurück stärker als das Vorgängermodell. Nach vielen Diskussionen entschied sich der Regisseur für die mattere Version aus Star Wars IV Eine neue Hoffnung. Das Endergebnis ist eine genaue Reproduktion von Darth Vaders Kostüm aus diesem Film, bis hin zu den Boxen an seinem Gürtel mit ihren kleinen Kratzern. Und der Kasten auf seiner Brust besteht ebenfalls wieder aus angemaltem Holz mit aufgeklebten Knöpfen.

Ein weiterer Bekannter wurde ebenfalls „wiederbelebt“: Gouverneur Tarkin. In Star Wars IV Eine neue Hoffnung wurde er von Schauspielerlegende Peter Cushing gespielt, der 1994 an Krebs verstarb. George Lucas ließ sich schließlich für Star Wars III Die Rache der Sith etwas einfallen, um Tarkin in die Star-Wars-Welt zurückzuholen: Er ließ den australischen Schauspieler Wayne Pygram wegen dessen Ähnlichkeit mit Cushing eine jüngere Version von Tarkin spielen. Für Rogue One ließ Gareth Edwards Peter Cushing digital neu auferstehen, der in allen Details so echt wie möglich wirkt, allerdings einen etwas zu sehr schielenden Blick besitzt, der die Echtheitswirkung schmälert.

Eine andere Figur kennen Fans aus der Animatonsserie Star Wars: The Clone Wars - Saw Gerrera ist wahrscheinlich die komplizierteste Figur dieser Geschichte. Er ist ein gesetzloser Rebell, der daran glaubt, dass das Imperium unbedingt besiegt werden muss - koste es, was es wolle. Aber ist es wirklich akzeptabel, für dieses große Ziel Unschuldige zu opfern? Oder macht er sich damit genauso schuldig wie seine Feinde? Für diese komplexe Rolle kam für Edwards nur Oscar®-Preisträger Forest Whitaker infrage. »Saw hat ganz klare Glaubenssätze«, erklärt der Schauspieler. »Er ist bereit, alles zu riskieren, was er für richtig hält, um die Menschheit zu retten.«

Und natürlich darf auch in einem Star-Wars-Film nicht der komödiantische Teil fehlen. Vom nervigen Jar Jar Binks über die Kulthelden in Blech, R2D2 und C-3PO und zuletzt BB-8 - Star Wars braucht eine Figur zum Auflockern der kriegerischen Sage um Gut und Böse - so auch in Rogue One: K-2SO ist eine umprogrammierte Wache des Imperiums, die jetzt den Rebellen treu ergeben ist. Der über 2m große K-2SO wird von Alan Tudyk gespielt, der sonst eher im Dunstkreis von Joss Whedon zu finden ist. Mit seinem ganzen komödiantischen Timing und seiner körperlichen Präsenz, die er in die von ILM umgesetzte Motion-Capture-Darstellung einfließen ließ, erweckt er den Droiden eindrucksvoll zum Leben. So ist es den für solche Filme unüblichen Drehbuchautoren Chris Weitz und Tony Gilroy hoch anzurechnen, dass K-2SO die neugierigste, aber auch ehrlichste Figur des Films ist.

»Alan gelingt es, wie jedem großen Komödianten, sein Publikum nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern darüber hinaus auch zu berühren«, erläutert Gareth Edwards. »K-2 sollte kein bloßer Witzableiter sein. Er ist auch eine rührende Figur und es hat etwas Tragisches, mitanzusehen, wie er versucht, seinen Platz in der Welt zu finden. Zusätzlich zu den lustigen Momenten verleiht ihm Alan eine echte Seele.« Tudyk hat jedoch immer wieder mal Stimmen von animierten Figuren übernommen, wie z.B. das blöde Huhn Heihei in dem nächste Woche startenden Disney-Abenteuer Vaiana oder den Duke Weaselton in Zoomania.

»I'm not very optimistic about our odds.«

Jede Menge Figuren und jede Menge Schauplätze bereichern die Geschichte. Ein Schauplatz, der den Fans bekannt vorkommen wird, ist der Rebellenstützpunkt auf dem Mond Yavin 4 aus Star Wars IV Eine neue Hoffnung. Aber während George Lucas damals aus Kostengründen nur einen Teil des Sets bauen konnte und den Rest mit Matte Paintings ergänzen musste, ließ man für Rogue One die ganze Rebellenbasis nachbauen, und zwar am Originalstandort des damaligen Sets von Yavin 4: In einem riesigen Hangar auf dem Militärflugplatz Cardington Airfield in Großbritannien entstand ein über 100m langes und 60m breites, maßstabsgetreues Set des Rebellenstützpunktes.

Die Flugzeughalle war Yavin 4 nachempfunden, selbst das Filmteam trug Kostüme. Das Set von Jedha wurde auf dieselbe Weise errichtet, denn der Film sollte in so vielen physischen Schauplätzen wie möglich spielen, um den von Gareth Edwards gewünschten realistischen Look zu bekommen. Selbst für Szenen, in denen man nicht auf Grünplanen verzichten konnte, wurden so viele Versatzstücke der Kulisse wie möglich gebaut, damit man für die visuellen Effekte echte Referenzpunkte hatte. Beim Aussehen der heiligen Stadt Jedha orientierten sich die Produktionsdesigner am alten Jerusalem und der Wüstenfestung Masada in Israel. Eine weitere wichtige Inspirationsquelle für Jedha war außerdem das Paris während des Zweiten Weltkriegs.

Um den Fans auch etwas Neues zu bieten, entwickelte Regisseur Gareth Edwards zusätzlich zu den ikonografischen Sturmtrupplern die Todestruppler – eine Elite-Kampfeinheit ganz in Schwarz. Während die Sturmtruppler-Rüstungen auch Kämpfern unter 1,75m passen, sind die furchterregenden Todestruppler alle weit über 1,80m groß. Schätze da war die Suche für entsprechende Statisten entsprechend einfacher...

»The Force is with me and I am One with the Force.«

Dieses Gebet von Chirrut Îmwe, des von Donnie Yen gespielten blinden Kampfmönchs, könnte man auch auf die Fans übertragen. Nach den angesetzten Neudrehs waren die begeisterten Anhänger besorgt, das Endprodukt könnte enttäuschen. Dem ist bei weitem nicht so! Der Film macht Spaß, reißt mit und lässt jedes Fanherz höher schlagen, wenn auch in dieser Hinsicht an manchen Stellen das Soll sogar übererfüllt wurde.

Hauptdarstellerin Felicity Jones hat dabei ihr Bestes gegeben, ihre Rolle so weit wie möglich zu beleben, doch ist Jyn Erso als Hauptfigur eher blass gezeichnet. Immerhin hat Frau Jones in diesem Jahr bei vier Filmen vor der Kamera gestanden, war neben Rogue One in Colllide und Inferno zu sehen, und wird demnächst auch in dem Monstermärchen Sieben Minuten nach Mitternacht zu sehen sein - übrigens ebenso viele Filme wie ihre französische Kollegin Marion Cotillard, die nächste Woche in Allied: Vertraute Fremde und nach Weihnachten in der Videospielverfilmung Assassin's Creed sowie in dem Drama Einfach das Ende der Welt und kommenden März in dem Drama Die Frau im Mond zu sehen sein wird.

»Ich wollte sie so menschlich wie möglich zeigen«, so Felicity Jones über ihre Heldin. »Sie ist kampfstark, wenn es darauf ankommt, unglaublich entschlossen und kann ganz taff sein. Aber gleichzeitig ist sie enorm verletzlich.« Ihr Filmvater, der dänische Schauspielexport Mads Mikkelsen, der derzeit ebenfalls im Marvel-Universum in Doctor Strange zu sehen ist, kann nun auch Star Wars zu seinem Resümee hinzufügen: »Es ist eine große Ehre, diesem legendären Filmuniversum anzugehören. Ich fand es immer besonders interessant, wie menschlich Star Wars im Kern ist, obwohl es Droiden und alle möglichen fremdartigen Lebewesen gibt, die sich völlig von Menschen unterscheiden.«

Einer, der trotz seiner weißen Kleidung, eindeutig zur dunklen Seite der Macht gehört, ist Direktor Orson Krennic, der durch den desertierten Piloten ins Kreuzfeuer seiner Bosse gerät - Gouverneur Tarkin und Lord Vader selbst. Er ist Schöpfer des Todessterns und weiß, dass das Imperium mit dieser Waffe die ganze Galaxis unterjochen kann. Ben Mendelsohn spielt diesen düsteren Schurken.

»Er war einer der ersten, die Gareth auf die Rolle des Krennic ansprach«, verrät Produzentin Kathleen Kennedy. »Er hat etwas Verunsicherndes, ist aber auf der anderen Seite fast kindlich, völlig unvorhersehbar, ein Schurke. Es war eine große Herausforderung, jemanden zu finden, der mühelos neben Darth Vader bestehen kann. Ben ist es mit seiner fantastischen Performance gelungen. Man kann seine Augen einfach nicht von ihm abwenden.«

»Well done! You're a rebel now.«

Der mexikanische Schauspieler Diego Luna, der die männliche, zwiegespaltene Hauptheldenrolle und Jyns angedeuteten Liebhaber spielt, fasst zusammen, was das Besondere an den Dreharbeiten war: »Der Film hat viele verschiedene Ebenen. Es gibt tiefgründige und dramatische Momente, die einem Schauspieler höchste Aufmerksamkeit und Präzision abverlangen. Dann wiederum kommen Szenen, die einfach nur Spaß machen, wie bei einer Choreografie. Man lässt sich vom Rhythmus mitreißen und treiben und amüsiert sich dabei.«

Und genau das ist die Essenz des Films. Man kann sich getrost mitreißen lassen, wahlweise natürlich in 3D und IMAX®, weil wir ja wissen, wie der Film ausgeht: Das Ende ist der Anfang von Star Wars IV Eine neue Hoffnung. Daher liegt die Spannung einerseits in den neuen Figuren, die hier präsentiert werden, andererseits natürlich in den Actionsequenzen und dem tatsächlichen Einbruchsakt, die Pläne zu stehlen.

Aber Rogue One ist alles andere als nur ein Einbruchsfilm. Er ist in erster Linie ein Kriegsfilm, der sich mit der Hintergrunderzählung seine Zeit nimmt, in manchen Einstellungen vielleicht sogar ein wenig zuviel Zeit. Aber Gareth Edwards' Ziel geht auf: Star Wars sah noch nie so realisitisch aus und wirkt viel ernster und sarkastischer als die bisherigen Filme aus der Skywalker-Sage! ■ mz

16. Dezember 2016

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