Mittwoch, 13. Dezember 2017
Arrival
Amy Adams als Dr. Louise Banks
© Sony Pictures

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt. Sie schweben einige Meter über dem Erdboden. Ihre Besatzung und deren Absichten bleiben ein Rätsel. Um globale Paranoia und einen potenziellen Krieg zu verhindern, soll ein Eliteteam um die Linguistin Louise Banks und den Mathematiker Ian Donnelly im Auftrag des Militärs Kontakt herstellen. Doch das unermüdliche Streben nach Antworten gerät bald zum Rennen gegen die Zeit – die eigene und die der gesamten Menschheit...

»T minus 15 minutes to shell opening.«

Sie sehen aus wie gigantische Geleebananen, die senkrecht einige Meter über dem Boden schweben. Alle paar Stunden öffnet das Raumschiff die Pforten, um mit den Menschen kommunizieren zu können, oder um diese in eine Falle zu locken, wenn man militärisch denkt. Natürlich gibt es, wie in jedem Szenarium mit Erstkontakt, auch hier die Wissenschaftler, die mit offenen Armen friedliebend kommuinizieren wollen und das Beste erhoffen, genauso wie diejenigen, die in allem Fremden eine Bedrohung sehen. Und dann ist die Welt auch noch in verschiedene Länder, Regionen und Glaubensrichtungen unterteilt, was ein gemeinsames An-einem-Strang-ziehen unmöglich macht.

»Seitdem ich 10 Jahre alt war habe ich davon geträumt, Science Fiction zu machen«, erklärt Regisseur Denis Villeneuve, der sich in Ted Chiangs Kurzgeschichte „Story of your Life“ verliebte, auf der sein Film beruht. »Es ist ein Genre, das, wie ich spüre, eine Menge Stärke und die Mittel besitzt, unsere Realität auf eine sehr tatkräftige Weise zu erkunden.«

Da Villeneuve keine Zeit hatte, ein Drehbuch zu schreiben, weil er in der Vorproduktionszeit gerade Prisoners gedreht hatte, geschweige denn eine Ahnung hätte, wie man diese Kurzgeschichte auf einen Langfilm hätte umbrechen sollen, erklärte sich Produzent Eric Heisserer bereit, seine bereits begonnene Adaption fortzuführen. Er fand sogar eine Figur, die den Namen des Autors trägt und dann auch noch der brenzligen Situation im Finale des Films beisteuert.

»What is your purpose on Earth?«

Arrival ist eigentlich eine recht private Geschichte um die Figur der von Amy Adams gespielten Linguistin, um den Tod ihrer Tochter, um ihre Erinnerungen an sie, und lässt, hollywood-untypisch, die Zuschauer mitdenken. Als Louise von Colonel Weber angeheuert wird, um mit Außerirdischen in Kontakt zu treten, beginnt sie aber auch zunehmend, Begebenheiten aus ihrer Zukunft zu träumen. Sie ist es schließlich, die den Kontakt zu diesen Heptopoden herstellt, die, wie die ähnlich aussehenden Meeresbewohner, mit einer Art Tinte Kreise malen, die, wie Louise entdeckt, eine komplexe Sprache aufzeigen.

Es geht um die Kontaktaufnahme, wie auch schon in zahlreichen Filmen zuvor. Doch was man als Zuschauer erst, wie Louise auch, während des Films entdeckt, ist, dass sie persönlich wie auch ihre Erkenntnisse aus diesem Abenteuer über die Zukunft der Menschheit entscheiden werden. Auf der Metaebene zeigt Arrival die Komplexizität des Lebens auf, warum wir Dinge tun, die wir tun, und warum es wichtig ist, warum wir leben sollen. Es ist die Frage nach dem Sinn des Lebens, die hier zwar nicht wirklich beantwortet wird, aber immerhin mit einem Augenzwinkern die Geschichte auflöst.

»Was ich an der Kurzgeschichte liebe, ist, dass sie eine Menge Ebenen besitzt«, erklärt Villeneuve. »Eine von ihnen hat mich tief berührt - das ist die Idee, dass jemand in Verbindung mit dem Tod steht. Was würde geschehen, wenn du weißt, wie du sterben wirst und wann du stirbst? Wie würde dann deine Beziehung zum Leben, zur Liebe, zu deiner Familie und deinen Freunden und der Gesellschaft aussehen?

Wenn man eine größere Beziehung zum Tod hat, auf intime Art und Weise mit der Beschaffenheit des Lebens und dessen Feinheiten [vertraut ist], würde uns das mehr Demut geben. Die Menschheit braucht genau jetzt diese Demut. Wir befinden uns in einer Ära mit jeder Menge Narzissmus. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir uns gefählicherweise von der Natur entkoppelt haben. Das ist das, was diese wundervolle Kurzgeschichte für mich war - ein Weg, um wieder mit dem Tod und der Natur und dem Mysterium des Lebens in Kontakt zu treten.«

»Would you change a thing?«

Villeneuve konnte zwar nicht erneut mit Kamera-As Roger Deakins zusammenarbeiten, doch konnte er auch diesmal wieder auf seinen Lieblingskomponisten Jóhann Jóhannsson bauen. Der isländische Musiker, der mittlerweile in Berlin lebt und für seine Musik für Sicario mit einem Golden Globe® ausgezeichnet wurde, setzt bei Arrival auf esoterisch-elektronische Musik, die sich manchmal wie Walgesang oder bedrohlich dröhnende Dudelsäcke anhört. Das hat während der Filmbetrachtung allerdings auch einen ermüdenden Effekt. Überhaupt erinnert die Grundstimmung des Films eher an ein Werk von Terrence Malick und wirkt als ein völliges Gegenstück zu Roland Emmerichs Zerstörungssage um den Unabhängigkeitstag.

Arrival ist intelligente Science Fiction, die zwar in die Fußstapfen von Interstellar oder Contact tritt, sich mit Versatzstücken bei 2001 - Odyssee im Weltraum oder Unheimliche Begegnung der dritten Art bedient und dennoch eine ganz private Geschichte erzählt. Wer bei dem Film auf Action hofft, wird größtenteils enttäuscht, denn er bezieht seine Spannung aus der Geschichte an sich sowie aus dem Spiel seiner Akteure. Ganz interessant ist die rollenuntypische Besetzung von Jeremy Renner, der sich in letzter Zeit eher als Avenger, Agent unmöglicher Missionen und Jason-Bourne-Erbe gezeigt hat. Aber immerhin durfte er wieder mit der bezaubernden Amy Adams spielen, mit der er zuletzt 2013 in American Hustle vor der Kamera stand.

Arrival kann aber auch als Vorstufe für Villeneuves derzeitiges Projekt betrachtet werden. In Blade Runner 2049 kann er dann auch wieder auf die wundervollen Bilder von Roger Deakins bauen. (Dass Bradford Young hier erstmals mit Spezialeffekten gearbeitet hat, merkt man zwar kaum, dafür setzt er sie aber auch recht spärlich bzw. hintergründig ein.) Auch Jóhann Jóhannsson wird wieder die Musik beisteuern. Die Fortsetzung um die Suche nach Rick Reckard 30 Jahre später soll im Oktober nächsten Jahres in die Kinos kommen... ■ mz

27. November 2016

Trailer



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