Freitag, 15. Dezember 2017
Paterson
Adam Driver als Paterson
© Window Frame Films/Mary Cybulsky

Der Film erzählt die Geschichte des Busfahrers Paterson, der genauso heißt wie der Ort, in dem er lebt, und das Ziel, das auf seinem Bus steht. Die Kleinstadt in New Jersey und ihre eigentümlichen Bewohner sind die Inspiration für seine Gedichte, die er Tag für Tag in der Mittagspause auf der Parkbank verfasst. Die Welt seiner Frau Laura dagegen ist im ständigen Wandel. Fast täglich hat sie neue Träume, jeder einzelne von ihnen ein anderes, inspirierendes Projekt. Und jedes einzelne dekoriert sie mit Schwarz-Weiß-Mustern. Paterson liebt Laura und sie ihn. Er unterstützt ihre neugefundenen Ambitionen und sie bewundert seine Gabe für Poesie.

Wenn Paterson abends mit Marvin Gassi geht, kommt er nicht um die Kneipe herum, in der er auf Barmann Doc trifft, der alle möglichen Artikel über Paterson an seine Pinnwand heftet. Ebenfalls trifft er auf das Pärchen Marie und Everett. Sie hat ihn verlassen, doch er kann und will sie nicht loslassen. So zanken sie sich immer wieder und bitten sogar Paterson um Hilfe. Der erfolglose Schauspieler Everett demonstriert sogar schließlich seine Verzweiflung, indem er sich vor Ort „umbringt“.

Und dann ist da noch Lauras Hund Marvin, der Paterson irgendwie nicht leiden kann und letztlich durch seine Taten die stärksten Emotionen im zuschauenden Publikum herbeiruft. Die englische Buldogge wird im Film von Nellie gespielt, die leider wenige Monate nach Filmende verstarb. Der unbestrittene Publikumsliebling bei den Filmfestspielen in Cannes wurde als erster Hund posthum mit dem Palm Dog Award ausgezeichnet.

»Dieser Hund war so ein guter Improvisator. Genaugenommen ist es eine Sie. Sie spielt die Transgender-Rolle Marvin. Sie war erstaunlich gut darin, ihre eigenen Dialoge zu verfassen«, witzelt Regisseur Jim Jarmusch.

»We have plenty matches in our house.
We keep them on hand always.«

Die Gedichte, die Paterson im Film verfasst, stammen aus der Feder von Ron Padgett. Der am 17. Juni 1942 in Tulsa, Oklahoma geborene Dichter zählt zu den Vertretern der New Yorker Schule. Er veröffentlichte zahlreiche Gedichte und Aufsätze, ist aber auch als Lehrer, Übersetzer und Verleger tätig. Jim Jarmusch ist seit den 70er Jahren Fan von ihm und seinen Gedichten. Zusammen mit David Shapiro veröffentlichte Padgett „An Anthology of New York Poets“, das so eine Art religiöses Buch für Jarmusch wurde.

»Ich bin seit ein paar Jahren mit Ron Padgett befreundet und ich liebe seine Gedichte«, erzählt der Regisseur und Drehbuchautor. »Daher wollte ich, dass die Gedichte, die Paterson im Film schreibt, von Ron Padgett sein sollten. Wir benutzten einige, die bereits existierten, zu denen wir eine Beziehung hatten und bei denen wir das Gefühl hatten, dass sie von Paterson stammen könnten. Aber Ron schrieb auch neue Gedichte – nur für unseren Film. Ich fühle mich sehr geehrt, Gedichte von Ron Padgett in meinem Film zu haben. Für mich ist er ein Rockstar. Er ist ein unglaublicher Dichter und ein unglaublicher Mann.«

Großes Vorbild und Idol des Busfahrers Paterson im Film ist der amerikanische Lyriker und Prosa-Autor William Carlos Williams (*17. September 1883 - †4. März 1963), dessen bekanntester Gedichtband „Paterson“ die gleichnamige Industriestadt in New Jersey zu einem der literarisch denkwürdigsten Orte Amerikas erhob. »William Carlos Williams war Doktor und Kinderarzt. Interessanterweise war er der Arzt von Robert Smithson, dem großartigen Landschaftskünstler, der auf tragische Weise jung ums Leben kam. Er arbeitete in Vollzeit, aber er schrieb auch all diese brillanten Gedichte. Seine Philosophie ist die Poesie der kleinen Details und der Dinge des täglichen Lebens«, berichtet Jarmusch.

»Eine seiner Gedichtzeilen, die Method Man von Wu-Tang Clan zitiert, lautet „No ideas but in things“. Das bedeutet, dass man Ideen aus der realen Welt bzw. aus den Details der realen Welt bezieht. William Carlos Williams war ein wunderbarer Umsetzer dieser Philosophie. Er war sehr wichtig für uns. Seine Philosophie und seine Herangehensweise an Poesie formten den Film. Dass Method Man ihn in dem kleinen Rap, den er für den Film schrieb, zitiert, war keine Idee von mir. Er kam damit zu mir, nachdem er selbst etwas von William Carlos Williams gelesen hatte. So schließt sich der Kreis.«

Jim Jarmusch fasst die Essenz des Films zusammen, der eines der Höhepunkte des Kinojahres darstellt, dem man eigentlich nichts mehr hinzufügen kann: »Paterson ist eine ruhige Geschichte. Ihre zentralen Figuren haben keine wirklich dramatischen Konflikte. Die Struktur ist einfach und folgt lediglich sieben Tagen im Leben der Figuren. Paterson ist als Feier der Poesie von Details, Variationen und alltäglichen Begegnungen gedacht und als eine Art Gegenentwurf zu hochdramatischem oder Action-orientiertem Kino zu betrachten. Es ist ein Film, dem man es erlauben sollte, einfach an einem vorbeizuziehen – so wie Bilder, die man durchs Fenster eines Linienbusses wahrnimmt, der sich wie eine mechanische Gondel durch eine kleine, vergessene Stadt bewegt.« ■ mz

26. November 2016

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