Mittwoch, 13. Dezember 2017
Jack Reacher: Kein Weg zurück
Jack Reacher: Never go back
Jack Reacher (Tom Cruise) befreit Major Susan Turner (Cobie Smulders)
© Paramount Pictures

Jack Reacher und sein ganz spezieller Sinn für Gerechtigkeit sind zurück. Dieses Mal ermittelt Reacher im Fall seiner Nachfolgerin bei der U.S. Army, die der Spionage verdächtigt wird, und gerät während seiner Nachforschungen selbst unter Mordverdacht. Der Film basiert auf „Die Gejagten“ dem 18. Roman der Jack-Reacher-Reihe von Autor Lee Child, von der weltweit über 100 Millionen Bücher verkauft wurden. Ähnlich wie Stan Lee bei Marvel tritt auch Child in seinen Verfilmungen kurzzeitig in Erscheinung - im ersten Film als Rezeptionswachtmeister und hier als Sicherheitsbeamter am Flughafen.

Während Reacher sich wieder dem Nomadendasein widmet, das mittlerweile sein Leben ist, telefoniert er regelmäßig mit Major Susan Turner, seiner Nachfolgerin im Kommando einer Eliteeinheit der Militärpolizei. Beide sind sich nie begegnet, doch in den Gesprächen wird schnell deutlich, dass sie mehr als nur Respekt füreinander empfinden. Sie verabreden ein gemeinsames Abendessen, für den Fall, dass es Reacher jemals wieder in seine alte Dienststelle verschlagen sollte.

Als er sich nur wenige Tage später wirklich persönlich bei Major Turner vorstellen will, stößt er in ihrem Büro lediglich auf Colonel Morgan, der ihm mitteilt, dass Turner vor Kurzem wegen des Verdachts auf Spionage unter Arrest gestellt wurde. Die Anschuldigungen sind schwerwiegend, die Beweise belastend und die Details streng geheim.

Über eine junge Soldatin bekommt Reacher den Kontakt von Turners Anwalt, Colonel Moorcroft, und sucht ihn auf. Doch statt ihm hilfreiche Informationen zu geben, erklärt ihm dieser nur, dass Major Turner eine Beteiligung von seiner Seite explizit ablehne. Darüber hinaus teilt der Anwalt Reacher mit, dass eine gewisse Candace Dayton Unterhaltszahlungen für ihre Tochter Samantha von ihm fordere, deren Vater er angeblich sei.

»Who are you?«
»The guy you didn't count on.«

Man könnte das Zitat auch auf den Film übertragen: Der Film, mit dem man nicht gerechnet hat. In der Tat haben viele Fans des ersten Films nicht mit einem solch glatten Straßenfeger gerechnet, obwohl die Geschichte in Kein Weg zurück ähnlich komplex daherkommt, wenn auch nicht so ganz unvorhersehbar. Und mit der Tochtergeschichte wird Reacher auch noch familiär auf die Probe gestellt.

Seit seinem ersten Auftritt in Lee Childs „Killing Floor“ im Jahr 1997 faszinieren die Heldentaten von Jack Reacher nun schon Leser auf der ganzen Welt. Inzwischen erstreckt sich die Serie auf über 20 Romane. Es war Produzent Don Granger, der Tom Cruise auf die Erfolgsreihe aufmerksam machte, der daraufhin in Verantwortung als Hauptdarsteller und Produzent Jack Reacher 2012 umsetzte. Der Actionthriller brachte Childs neunten Roman „One Shot“ auf die große Leinwand und spielte weltweit über 200 Mio. Dollar ein.

»Das Großartige an den Reacher-Romanen ist, dass sie nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt werden«, erklärt Don Granger. »Es gibt nicht viel Kontinuität, mit der man vertraut sein muss, um die Geschichte genießen zu können. Abgesehen von Reacher und seiner Zahnbürste treten nur sehr wenige Figuren in mehreren Büchern in Erscheinung.«

Sein Schöpfer Lee Child beschreibt den Reiz Jack Reachers wie folgt: »Er ist eine moderne Variante des geheimnisvollen Fremden. Ein uramerikanisches Musterbeispiel dafür ist der Western, wo ein mysteriöser Reiter aus dem Nichts auftaucht, die Probleme löst und in den Sonnenuntergang reitet. Aber diese Figur ist universell. Das mittelalterliche Europa hatte den fahrenden Ritter und das feudale Japan die Rōnin, herrenlose Samurai, die gezwungen waren, umherzuwandern und Gutes zu tun.«

»Was uns an „Die Gejagten“ gegenüber anderen Reacher-Büchern gefallen hat, war die Dynamik zwischen den Figuren Reacher, Major Turner und Samantha«, erklärt Granger. »Alle drei sind extrem unabhängige Einzelgänger, und wir wollten erkunden, was passiert, wenn diese Leute gezwungen sind zusammenzuarbeiten. Ed ist großartig darin, diese Art von Beziehungen zwischen verschiedenen Figuren auf der Leinwand umzusetzen.«

Das Produktionsteam hatte eine ganz spezifische Idee für die Besetzung der Rolle von Major Susan Turner. Als Kommandantin der ehemaligen Division von Reacher müsste die entsprechende Schauspielerin nicht nur überzeugend dessen Fußstapfen ausfüllen, sondern auf der Leinwand auch an der Seite von Tom Cruise bestehen können. All das und noch mehr fanden die Verantwortlichen in Cobie Smulders, die vor allem durch ihre Arbeit an der Erfolgs-Sitcom How I met your Mother und Marvels Avengers-Franchise bekannt ist.

»Ich habe ziemliches Glück gehabt, diese Rolle zu bekommen«, erinnert sich Cobie Smulders, »weil ich beim ersten Treffen mit Ed ein gebrochenes Bein hatte. Ich humpelte also auf Krücken zu ihm und versuchte, ihn zu überzeugen, mir eine Rolle in einem Actionfilm zu geben.« Aber Smulders ist eine wahre Kämpferin, hatte sogar eine Krebserkrankung besiegt! Und wie man im Film sieht, hatte auch ihr Bein genesen können. Ihre Kampfchoreografie von Koordinator Wade Eastwood wirkt jedenfalls alles andere als zerbrechlich. »Ich habe an all die Dinge gedacht, die meine Figur hat aushalten müssen, um ein weiblicher Major in der U.S. Army zu werden, und das hat mir sehr dabei geholfen, mich körperlich stärker und fähiger zu fühlen, das Kommando zu führen.«

Nach ihrer Flucht aus dem Polizeigewahrsam werden Reacher und Turner hartnäckig von einem geheimnisvollen namenlosen Schläger verfolgt, der nur als der Jäger bekannt ist und von Patrick Heusinger gespielt wird. Produzent Marshall Herskovitz sagt über die Figur: »Wir wollten jemanden, der genauso zäh und furchterregend ist wie Reacher. Ich liebe es, zu sehen, wie Reacher es mit vier Kerlen gleichzeitig aufnimmt, aber hier hatten wir einen Charakter, der im gleichen Maße unaufhaltsam ist. Es macht Spaß, mit den Erwartungen des Publikums zu spielen, was den Ausgang dieser Kämpfe angeht.«

Ebenfalls im Fadenkreuz des Jägers befindet sich Samantha, ein widerspenstiges Teenagermädchen mit einer möglichen persönlichen Verbindung zu Reacher. »Jack Reacher ist in der Lage, es mit allem aufzunehmen, was man ihm entgegenwirft, ausgenommen einem 15-jährigen Mädchen«, so Regisseur Edward Zwick, der nach Last Samurai (2003) erneut mit Tom Cruise zusammenarbeitete. »Er fühlt sich verpflichtet, sie zu beschützen, besitzt dabei aber keinerlei emotionalen Bezug oder Verständnis dafür, wie sie handelt. Das führt im Film zu einigen witzigen Momenten, auch weil diese drei Personen die letzten sind, aus denen eine Ersatzfamilie werden könnte. Unsere Darstellerin Danika hingegen ist in vielerlei Hinsicht wie Tom. Sie ist sehr aktiv, fährt gern Motorrad und möchte am liebsten alles lernen. Sie ist Tänzerin und Sportlerin, was sehr nützlich war, als wir uns an die Kampfchoreografie machten.«

Tom Cruise ergänzt: »Sam ist unglaublich clever und steht ganz in der Tradition des echten Schlitzohrs - ein eigensinniges Kind, das den Dingen zehn Schritte voraus ist. Was mir an Danikas Ansatz so sehr gefällt, ist, dass sie so tut, als bräuchte sie nichts und niemanden, während sie unter dieser Fassade verzweifelt irgendwo dazugehören möchte.«

»People like us can never go back to the world.«

»Jack Reacher besitzt weniger Charisma als Ethan Hunt und er ist sehr viel direkter«, erklärt Edward Zwick den Unterschied zwischen Cruises Filmikonen. »Unsere Stunts spiegeln das wider. Zum Agentengenre gehört eine gewisse Zurschaustellung, die es hier nicht gibt. Wir orientieren uns eher an figurenbasierten Kriminalgeschichten aus den 70er-Jahren, im Stile von Bullitt oder Brennpunkt Brooklyn. Tom absolviert einige sehr schwierige Stunts. Er springt von einem Auto auf ein Dach, klettert an einer Regenrinne hinauf und fährt ein Auto eine Treppe hinunter, aber das alles geschieht innerhalb der Regeln der Physik. Wenn man diese Stunts sieht, fühlt man sie gleichzeitig auch, weil unsere Darsteller sie selbst machen. Tom, Cobie und Patrick haben über Wochen zusammen trainiert, bevor wir angefangen haben zu drehen.«

Es sind hier ein paar Stunts mehr zu sehen als im ersten Film, weshalb auch viele Betrachter des Films Parallelen zu James Bond sehen. Klar, in der Geschichte sind unsere Protagonisten auf der Flucht und müssen gleichzeitig eine Verschwörung aufdecken. Das geht nun mal hauptsächlich mit Action. Und die begeistert, auch wenn sie so gut wie das einzige Element des Films ist, Spannung zu erzeugen.

Die andere Spannung ist die, herauszufinden, ob Jack denn nun wirklich der Vater von Sam ist. Das Dreierteam wirkt wie eine temporäre Bastelfamilie - eine Herausforderung für den letzten analogen Bürger und Einzelgänger. Immerhin besitzt Sam eine ähnliche Gewitztheit und Zuverlässigkeit wie ihr vermeintlicher Vater, weshalb man sich als Zuschauer irgendwie auch wünscht, sie sei wirklich Jacks Tochter. Allerdings muss man bis zum Schluss des Films auf das Ergebnis warten.

Fernsehzuschauer werden von dem Fakt abgelenkt, dass die Handlungsorte die von NCIS und NCIS: New Orleans sind und man insgeheim hoffte, die Top-Agenten der Serien, Gibbs und Pride anzutreffen. Rechtlich wäre das kein Problem gewesen, denn die NCIS-Franchise läuft auf Paramounts Sender CBS. Aber in den Serien geht es um die Navy, während Reacher aus der U.S. Army kommt. Immerhin kann man als Serienzuschauer so einige Begriffe und Gegebenheiten des Militärs erklären bzw. wiedererkennen.

Doch trotzdem der Film eher an einen Bond erinnert (samt Karnevalumzug wie in Spectre!), dessen Bösewicht lediglich drahtzieherischen Charakter besitzt und Robert Knepper eher unterfordert ist, besitzt der Film doch das Charisma eines Jack Reacher. Auf jeden Fall hätte der Film ein wenig kürzer sein können, denn besonders am Ende zieht sich die Gefühlsduselei ins Unerträgliche und entfernt sich dort auch ein wenig von den Charakteren, die man während des Films liebgewonnen hat. Aber wird es einen dritten Film geben? Bestimmt. Vielleicht trifft Reacher dann auf MacGyver...? ■ mz

17. November 2016

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