Samstag, 16. Dezember 2017
Doctor Strange
© Marvel/Disney

Manche sind es langsam Leid, wenn sich wieder eine neue filmische Comicheldenadaption in die Kinos schiebt... Allerdings gibt der hohe Produktionswert den Marvel-Filmen mit ihren Überlappungen und dem großen Handlungsbogen oftmals Recht, diese interessanten Charaktere, die noch keine Leinwandpräsenz haben, zu beleuchten. Bis auf vielleicht Thor wurden alle vorgestellten Figuren bis zu diesem Zeitpunkt eher mit „normalen“ Superkräften ausgestattet. Nun kommt Doctor Strange in die Kinos, der mehr im mythisch-sphärisch-magischen Bereich unterwegs ist und eine sicherlich untypische Ergänzung um die Verteidigung der Erdbewohner darstellt.

Doktor Stephen Vincent Strange ist ein außergewöhnlicher Chirurge, der in seinem Fachgebiet herausragende Leistungen abliefert, menschlich bzw. charakterlich aber Verhaltensweisen an den Tag legt, die letztendlich auch seine Beziehung zu Kollegin Christine Palmer zum Erliegen gebracht haben. Nach einem Unfall und mehrere Operationen später kann Stephen Strange seine Hände nicht mehr in dem Maße einsetzen, dass er weiterhin erfolgreich im Krankenhaus seinen Beruf ausüben kann.

Nach vielen Nachforschungen stößt er auf eine Person, die, obwohl sie selbst so viele Verletzungen erlitten hat, dass sie sich theoretisch kaum bewegen könnte, sich vermeintlich bester Gesundheit erfreut. Weitere Recherchen führen Dr. Strange zu dem geheimnisvollen Ort Kamar-Taj (gefilmt in Nepal), wo er auf Mordo trifft, der ihn zur „Ältesten“ führt, die Stephen Strange nach der ersten Unterredung allerdings abweist und dieser sich auf der Straße wiederfindet. Seine nun andauernde Lebensreise und die Fähigkeiten, die Dr. Strange im Laufe seines Trainings vermittelt bekommt, bringen ihn auf eine „magische“ Laufbahn, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hat vorstellen können.

Im Laufe des Films muss er sich nicht nur seinen eigenen Dämonen stellen sondern verteidigt die Erde gegen eine noch viel größere Gefahr. Diesbezüglich soll hier gar nicht weiter auf die Handlung und den Kampf gegen den Antagonisten Kaecilius eingegangen werden, denn die recht kurzweilige Geschichte, die sich auch in der für Marvel-Verhältnisse relativ straffen Erzählweise niederschlägt, birgt die ein oder andere Wendung, die dem geneigten Zuschauer knappe 2 Stunden ausgezeichnet unterhält.

Was aber gefiel dem so gelobten und hoch geschätzten Darsteller Benedict Cumberbatch an der Figur, die er hier spielte? »Stephen Strange erlebt zunächst einen totalen Zusammenbruch, bis er wiederhergestellt und in den kompletten Superhelden verwandelt wird, der er zum Ende des Films ist. Und während dieser Entwicklung kommt auch der Humor nicht zu kurz, was ich für sehr wichtig halte. Es gibt daneben auch sehr viel Action und Dramatik. All das sind Elemente, die mir als Schauspieler gefallen. Was mich also im Wesentlichen an diesem Stoff reizte, war die Entwicklung, die meine Figur durchmacht, und die abenteuerliche Reise, auf die sie sich in diesem Film begibt.«

Auch Oscar®-Preisträgerin Tilda Swinton, die die „Älteste“ spielt, zeigte sich begeistert, als Marvel ihr diese Rolle anbot: »Für mich war es ein guter Tag, als ich eingeladen wurde, mich Marvels Kinouniversum anzuschließen. Das war eine Familie, mit der ich gerne spielte, es machte mich einfach glücklich. Und natürlich war auch die Rolle der Ältesten unwiderstehlich. Ich kannte anfangs die Welt von Doctor Strange überhaupt nicht.«

Nun, dies ging vielen so. Außerhalb der USA ist Doctor Strange eine relativ unbekannte Figur im Vergleich zu Spiderman, Ironman, Captain America oder dem Hulk. Umso interessanter ist die Einführung und Vorstellung einer neuen Figur. Dies gelang Marvel bereits im letzten Jahr mit dem mehr an einen Einbrecher-Film erinnernden Ant-Man. Bei Doctor Strange wird nun eine magische, mystische Richtung eingeschlagen, welche man bisher so gut wie in gar keinem der bisherigen Filme antreffen konnte.

Regisseur Scott Derrickson wollte seinen Film visuell ausschweifend, teils düster wie auch mit einer „leuchtenden“ Qualität gestalten. Um dies zu erreichen, arbeitete er eng mit dem Produktionsdesigner Charles Wood zusammen. Dieser studierte als Orientierungshilfe die Marvel-Comics und dabei insbesondere die Zeichnungen von Künstler Steve Ditko. Darüber hinaus zog er für seine Konzepte Fotografien und Kunstwerke hinzu.

Im Film wechselt die Geschichte von einer Realität in die andere, durchschreitet dabei zwei, drei, vier Dimensionen und mehr. Aus diesem Grund waren für das Design des Films Farbe, Licht, Spiegelungen und Grafik absolut wesentlich. »Wir haben versucht, in vielen dieser traumartigen Welten dieses Gefühl von Farbe, Licht und Reflexionen zu etablieren«, erklärt Wood. »Viele der Räume, die wir für diesen Film erschaffen haben, haben auch eine ausgeprägte plastisch-grafische Komponente. Weil der Film auf einem Comic basiert, haben wir uns immer um starke, plastische und klare Bilder bemüht. Es sollte nicht unbedingt farbenfreudig, aber prächtig und üppig wirken – und so leiten wir in diese magischen Räume und Welten über, die Doctor Strange besucht.«

Wer sich auf den Film einläßt, bekommt nicht nur spektakuläre Sequenzen zu sehen. Der Film entwickelt auch seine eigene Dynamik. Wenn Stephen Strange in Kamar-Taj angekommen ist, wird man gleich an Filme aus dem Martial-Arts-Genre wie Die 36 Kammern der Shaolin oder die 18 Kämpfer aus Bronze erinnert, wo der angeschlagene Held erst einmal eine Tortur auf sich nehmen muss, um Geist und Körper in Einklang zu bringen. Dies hätte hier ruhig noch einen Deut intensiver und ausführlicher ausfallen können.

Nichtsdestotrotz kann man wirklich gespannt sein, wie es nach diesem „magischen“ Marvel-Auftakt mit Doctor Strange weitergeht, und wie er zum Team der Avengers passt. Auf jeden Fall ist es ein schöner Abschluss in diesem Jahr, und in 2017 erwartet den interessierten Zuschauer mit der Fortsetzung des Überraschungshits Guardians of the Galaxy vol. 2 und Thor - Ragnarök (worin übrigens Dr. Strange erneut auftreten wird) sicherlich wieder hochwertig erzähltes Comichelden-Kino! Achso, viele wissen es sicherlich: Bitte ruhig, wie bei allen Marvel-Filmen, bis nach dem Abspann im Kino bleiben! ■ mh

17. November 2016

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