Montag, 11. Dezember 2017
Our House in the Middle of the Street

Der britische Schauspieler Hugh Laurie begrüßt seinen Messingstern auf dem Hollywood Walk of Fame mit gemischten Gefühlen. Er sei kein James Stewart, sagt er über jene Ikone des amerikanischen Ruhms. Der aus dem englischen Oxford stammende Laurie begrüßte die wartende Presse so höflich und wohlerzogen, dass er sich für seine um sechs Minuten verspätete Ankunft entschuldigte. Und mit seinen 57 Jahren könnte der einst höchstbezahlte Schauspieler in einer TV-Serie, Produzent, Regisseur, Jazzmusiker und Autor seiner Fangemeinde locker sagen „wird aber auch höchste Zeit!“

Am 25. Oktober nun war es endlich soweit. Nach einer Laudatio von seinem Kollegen Stephen Fry und seiner derzeitigen Kollegin Diane Farr stellte sich Laurie dann den Fotografen und posierte beschwingt. Hugh Laurie begann bereits an der Uni zu spielen. Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose) beendete seine Anstrengungen, wie sein Vater William George Ranald Laurie für Cambridge zu rudern, und bei den Olympischen Spielen anzutreten. Er trat den Cambridge Rampenlichtern bei und traf dabei auf Emma Thompson, in die er sich verknallte. Diese wiederum stellte ihm seinen späteren Komödienpartner Stephen Fry vor.

»Wir waren alle so aufgeregt, das zu machen, was wir mit einem entsprechenden Angstpegel ausgeübt haben«, erinnert sich Hugh Laurie, »was alles begleitet, das die Sache wert ist. Alle rund um Emma wussten, dass sie für größere Dinge bestimmt war. Gleich von Beginn an war sie unheimlich bezaubernd, kultiviert, geschickt, selbstsicher und gewitzt, was wir immernoch versuchen, hinzubekommen.«

Die Cambridge Rampenlichter spielten beim Edinburgher Randfestival und gewannen eine Woche Auftritt in einem kleinen Londoner Theater vor dem, »was damals die „nationale Presse“ war - fünf Leute mit klinisch extremen Schuppen.« In den Folgejahren blühte Laurie auf. Er spielte zusammen mit Fry in der P.G.-Wodehouse-Adaption Jeeves and Wooster, worin er den gutmütigen Oberschicht-Trottel Bertie Wooster spielte, den Laurie einst »blöd wie ein Wal-Omelett« bezeichnete. Er trat auch in der 3. und 4. Staffel von Rowan Atkinsons kultiger Blackadder-Serie auf.

Doch auch wenn Laurie später in Filmen wie Peter's Friends, Sinn und Sinnlichkeit oder Stuart Little auftrat, erlangte er jedoch im Fernsehen als mürrischer TV-Arzt Gregory House größere Berühmtheit. Der geniale und tablettensüchtige Diagnostiker wurde zum Inbegriff seiner bis dato perfektionierten Mischung aus Humor und Tragödie, was ihm zwei Golden Globes®, zwei SAG-Preise und sechs Emmy®-Nominierungen einbrachte.

»Ich habe es geliebt und werde es immer lieben«, sagt er über Dr. House. »Ich bin ungemein stolz, einen grausamen Realismus mit diesem fantasitschen Sinn für Humor zu kombinieren, aber nicht, weil es darum ging, zwei Dinge unter einen Hut zu bringen. Die Witze waren eine Art von Aufbereitung, und brachten eine Art von Wahrheit zutage, ein Behelf, der unterhaltsam erschien, die Art und Weise auszudrücken, wie sein Verstand gearbeitet hat. Er fühlte sich oft wie ein frühzeitig intelligenter und potenziell zerstörerischer Achtjähriger.«

Im Fernsehen war er zuletzt in den vergangenen beiden Staffeln von Veep - Die Vizepräsidentin als Senator sowie in der TV-Miniserien-Adaption von John le Carrés The Night Manager als lebensüberdrüssiger abgefeimter Philanthrop Richard Onslow Roper zu sehen. Es war eine Darstellung ohne Eitelkeiten - Hätte Regisseurin Susanne Bier die Kamera noch einmal mehr auf seinen Hinterkopf gerichtet, wär das ein Werbespot für einen Männerhaarclub geworden. »Ich war mir dessen voll bewusst«, sagt Laurie. »Ich grummelte jedesmal, aber noch trauriger als ein Mann mit einer kahlen Stelle ist ein Mann, der versucht, sie zu verstecken.«

Derzeit ist Hugh Laurie in der hitchcockschen hulu-Thrillerserie Chance in der Titelrolle als gerichtsmedizinischer Neuropsychiater Eldon Chance zu sehen. »Als ich das erste Mal Kem Nunns Roman las, hatte es mit dem Schauplatz San Francisco etwas von Vertigo«, sagt er, »diese Leidenschaft dieser Figur, wie die von James Stewart, der später Jimmy wurde. Obwohl, für mich würde er Mr. Stewart, Sir, sein. Er ist mein Lieblingsschauspieler aller Zeiten... Seine Eleganz und Wahrhaftigkeit und seinen Anstand, den er projizierte, finde ich faszinierend. Er lässt die schwierigsten Dinge so unglaublich einfach und natürlich erscheinen.«

Im Kino konnte man Laurie zuletzt in Disneys A World beyond sehen. Demnächst wird er zusammen mit Stephen Fry, Freddie Highmore, Toby Jones und Imelda Staunton den Figuren in dem Animationsfilm Das Gespenst von Canterville übers Mikrofon Leben einhauchen. Er war zuvor bereits in den Filmen Die Schneekönigin (1995+96), Das häßliche Entlein (1997), Valiant (2005), Monsters vs. Aliens (2009), Hop und Arthur Weihnachtsmann (beide 2011) zu hören. Zuletzt war er u.a. 2000 in Maybe Baby, 2004 neben Dennis Quaid in Der Flug des Phoenix, 2008 in David Ayers Street Kings und 2012 in dem Kriegsdrama Mr. Pip zu sehen.

»Die Welt ist nicht fair und ich muss gestehen, dass ich von Anfang bis Ende ein Leben lang außergewöhnlich viel Glück erlebte, dass ich jeden Tag damit rechne, dass mir ein Piano auf den Kopf fällt, um das Gleichgewicht wiederherzustellen«, sagte er in seiner Dankesrede. Doch auch wenn er vom Ende redet, werden wir ihn hoffentlich noch lange auf den kleinen und großen bewegten Bildern betrachten können... ■ mz

2. November 2016
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